E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: Today-Reihe
Wege Today I'll Steal His Heart (2)
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-401-81095-9
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Humorvolle Fake-Dating-Romance. SPIEGEL-Bestseller (Die Today-Reihe 2)
E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: Today-Reihe
ISBN: 978-3-401-81095-9
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bianca Maria Wege wurde als Älteste dreier Schwestern 1997 in Sonthofen geboren und lebt in Weingarten. Bereits als Kind schrieb sie begeistert an eigenen Storys und kritzelte im Unterricht kleine Geschichten an den Rand der Hefte. Sie führt eine WhatsApp-Gruppe mit sich selbst, in der sie morgens verschlafen ihre Träume per Memo festhält, um theoretisch beweisen zu können, einen Traum doppelt geträumt zu haben. Sie liebt Luftschokolade über alles und hat generell einen zweiten Magen für Süßes. Auf Bookstagram und Booktok findet man sie unter @waystowrite_. Dort teilt sie ihr Autorinnenleben, gibt Lese- und Hörbuchupdates und ist bekannt für ihre Zugverspätungen.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Ingrid
Pilea peperomioides
Tot
Ingrid hatte keine Chance gegen die Übermacht.
Ich stehe vor ihrem Blumentopf auf dem Fenstersims, die Hände in die Hüften gestemmt, und betrachte eingehend die Blätter meiner Ufo-Pflanze. Leider konnte ich die Blattlaus-Plage nicht eindämmen.
»Sie war krank und ich konnte sie nicht mehr heilen. Es ist okay, dass sie nach diesem langen Kampf von uns gegangen ist«, murmle ich vor mich hin und übe damit schon einmal die Worte, die ich bei ihrer Beerdigung sagen werde. Denn die steht mir unweigerlich bevor.
Selbst wenn ich die tote Pflanze verstecken könnte, würde Layla merken, dass der Topf leer ist, und mich an mein Versprechen aus dem ersten Semester erinnern. Jede Pflanze, die ich töte, bekommt eine Beerdigung. Man sollte meinen, das würde meinen Pflanzenverschleiß eindämmen, aber die letzte Trauerfeier ist noch gar nicht so lange her. Offenbar bin ich ein hoffnungsloser Fall.
Leider kann ich die Pflanze auch nicht still und heimlich durch eine neue ersetzen. Bei der Größe würde mich das nämlich zehn bis fünfzehn Dollar kosten und das ist eine Summe, die ich mir diesen Monat nicht mehr leisten kann. Dafür habe ich in der Cafeteria einen oder zwei Kaffee zu viel getrunken. Und bevor ich meine Miete nicht mehr überweisen kann, bleibt nur die Beerdigung …
Leise seufzend lasse ich Ingrid stehen und ziehe mich an. Ich muss gleich zu meiner Schicht ins Paolas. Der Gedanke hellt meine Stimmung auf. Vielleicht bemerkt Layla Ingrids Dahinscheiden ja nicht so schnell und ich habe noch ein paar Tage Schonfrist. Wer weiß, wenn das Trinkgeld im Café gut ist, kann ich vielleicht doch ein paar Dollar für eine neue Pflanze abzweigen …
Ich packe meine Sachen, sperre die Wohnungstür hinter mir ab und laufe zu meinem roten Ford, der vor unserem Wohnhaus am Straßenrand parkt. Mit flinken Fingern öffne ich die Fahrertür und steige ein, drehe den Schlüssel im Zündschloss herum.
Nichts passiert.
Nanu?
Das altbekannte Knattern des Motors bleibt aus. Nicht einmal ein leises Klicken ist zu hören.
Was ist denn jetzt los? Verwirrt drehe ich den Schlüssel erneut, aber auch diesmal springt der Motor nicht an. Mir schwant Übles.
»Bitte nicht«, flehe ich, versuche es wieder und wieder, auch wenn ich ahne, dass die Hoffnung umsonst ist. Nichts. Rein gar nichts. Nada.
Na super. Frustriert stöhne ich auf. Nach Ingrid folgt also auch noch mein Ford. Das darf doch nicht wahr sein! Ja, das Auto hat seine besten Jahre hinter sich, und wenn ich darüber nachdenke, hatte der Motor in den letzten Tagen schon öfter Startschwierigkeiten. Aber dass er ganz schlappmacht? Ob die Batterie leer ist?
Ich schiele auf das Display meines Handys, das neben mir auf dem Beifahrersitz liegt. 15:50 Uhr. Okay, jetzt kann ich definitiv nicht mehr versuchen, das selbst zu regeln. Dafür bin ich zu spät dran.
Ich schnalle mich ab und öffne die Autotür. Dann muss ich eben Bus fahren. Und das heißt, ich werde zu spät kommen. Denn selbst mein Puffer für Stau und Parkplatzsuche reicht nicht, um die längere Fahrtzeit des Busses auszugleichen.
»So ein Mist!«
Ich schließe das Auto ab und schreibe Paola eine kurze Nachricht. Dann sprinte ich los.
Der Duft nach frisch gebackenem Brot und Früchten schlägt mir entgegen, als ich völlig gehetzt und zwanzig Minuten zu spät die Tür zum Café öffne. Das Paolas ist ein kleines Bagelcafé in der Innenstadt von Harpersville, das auch eine große Auswahl an Smoothies anbietet – die besten der Stadt, wie ich voller Stolz behaupten kann. Ich arbeite dort seit etwa einem halben Jahr und liebe es immer noch genauso wie am Anfang. Der Raum ist mit Lichterketten und Pflanzen dekoriert – die zum Glück nicht meiner Obhut unterliegen –, und auf den Korbstühlen liegen Kissen und Decken, die in Hellgrün und Weiß auf den Frühling einstimmen.
Paola, die Chefin des nach ihr benannten Cafés, kommt aus der Küche gelaufen. Ihre schwarzen Locken wippen dabei auf und ab und wie so oft erinnert sie mich an Julieta aus .
»Dios mío, India, gut, dass du da bist! Alles okay?«
»Entschuldige die Verspätung!«, keuche ich. Immerhin bin ich gerade zehn Minuten am Stück gerannt. Und ja, ich bin sportlich, aber nicht sooo sportlich. Dafür habe ich für heute schon meine zehntausend Schritte geschafft – wenn man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen will.
»Kein Problem. Hauptsache, du bist jetzt da.« Paola mustert mich. »Willst du dich kurz hinsetzen und verschnaufen?«
»Geht schon.« Mein Gesicht glüht und ich kann fühlen, wie mir Schweißperlen die Stirn herunterrinnen. Dieses verflixte Auto! Warum muss es ausgerechnet jetzt den Geist aufgeben?
»Komm erst mal an, ich mache dir einen Kaffee.« Paola dreht sich um und eilt hinter den Tresen zur Kaffeemaschine.
Ich lächle ihr dankbar hinterher und kremple die Ärmel meiner Bluse hoch. Wenn ich gleich Smoothies mixe und Bagel belege, komme ich hoffentlich auf andere Gedanken. Es reicht, wenn ich mich in ein paar Stunden damit beschäftigen muss, wie ich das Geld für die Reparatur des Fords auftreiben soll.
»Hi«, trällert Lev, der um den Tresen herum auf mich zukommt und dabei fünf Smoothies auf einem Tablett balanciert. »Mahima ist heute leider krank, aber wir schaffen das auch zu zweit, oder?«
»Ja, klar.« Allmählich beruhigt sich mein Atem.
Lev läuft mit langen Schritten an mir vorbei zu der Gruppe Studierenden, die die Getränke bestellt hat. Er ist groß und schlaksig und zusammen mit seinen blauen Haaren, dem spitzen Kinn und dem Schlitz in der Augenbraue lässt ihn das manchmal aussehen wie ein real gewordener Comic-Held. Es fehlt nur noch ein Zahnstocher oder Strohhalm, auf dem er herumkaut.
Ich atme tief durch, dann gehe ich nach hinten in den Lagerraum, um die Tasche abzustellen und meine Arbeitsschürze zu holen.
Mit Paola sind wir zu sechst im Café. Paola, Lev und Anita arbeiten als Vollzeitkräfte und Dilara, Mahima und ich als studentische Aushilfen. Da Anita momentan aber für längere Zeit ihre Familie in Spanien besucht, helfen wir drei Teilzeitkräfte öfter aus. Den zusätzlichen Lohn kann ich gut gebrauchen. Wenn Anita wieder da ist, muss ich sogar darüber nachdenken, mir einen zweiten Job zu suchen.
Ich streife mir die braune Schürze mit meinem eingestickten Namen über und binde sie am Rücken zusammen. Das Handy stecke ich in die Hosentasche, dann laufe ich zurück in den Hauptraum.
Paola stellt mir eine Tasse mit dampfendem schwarzem Kaffee auf den Tresen. »Aquí tienes.«
Grinsend nehme ich das Getränk in die Hände und atme den satten Röstaromaduft tief ein. Kaffee hilft fast immer. Genau wie eine heiße Dusche. Vielleicht ja auch heute.
Ich trinke einen Schluck. »Gracias, Paola.«
Während ich meinen Kaffee austrinke, sehe ich mich im Café um, scanne die besetzten Plätze und checke unseren Reservierungsplan, um abschätzen zu können, wie voll der Abend wird. Beinahe alles ist belegt. Die leere Tasse räume ich in die Spülmaschine, dann lege ich los.
Ich nehme die Bestellungen an den Tischen auf, die mir zugeteilt sind, und mixe die Getränke. Mit geübten Handgriffen wasche ich die benötigten Früchte, die in Körben bereitliegen, und schneide sie in Stücke.
Normalerweise kann ich während der Arbeit alles andere ausblenden. Heute will mir das jedoch nicht so recht gelingen. Stattdessen schweifen meine Gedanken immer wieder zu meinem Ford. Was, wenn ich mir die Reparatur nicht leisten kann? Wenn es doch nicht die Batterie ist, sondern etwas anderes, und ich eine so horrende Summe bezahlen müsste, dass ich das Auto nur noch...




