E-Book, Deutsch, 266 Seiten
Weber People Business
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-9446-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Headhunter - die Jagd nach dem Placement
E-Book, Deutsch, 266 Seiten
ISBN: 978-3-7526-9446-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das People Business ist das Geschäft mit dem Menschen. Headhunter und Recruiter leben in einer Schattenwelt. Axel Weber führt den Leser gekonnt in die Welt der großen Personalberatungen und gibt einen unmissverständlichen Einblick in die Welt der Personalvermittlung. "System und Kultur bedingen sich, und werden irgendwann eins, wenn das eine so wie das andere von Führungskräften und Mitarbeitern gelebt wird. In dem Augenblick, in dem das System zur Kultur wird, kann ein Unternehmen auch seine Kultur nicht mehr ändern, ohne einen Systemwechsel herbei zu führen. Die Symbiose von System und Kultur bedingt eine Einmaligkeit und eine Hörigkeit, da Du das eine nicht ohne das andere in Frage stellen kannst."
Axel Weber ist Politologe, Ethnologe und Asienliebhaber. In den letzten 15 Jahren hat Axel Weber die unterschiedlichsten Stationen in der Welt des People Business durchlaufen. Von Axel Weber ist auch erschienen: Sukarno und die Idee Indonesiens. Die Geschichte des indonesischen Nationalismus
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People Business
“We are what we repeatedly do. Excellence then, is not an act, but a habit.” Aristotle Mein Einstieg in die Welt der Personalberatung hätte ungewöhnlicher nicht sein können. Deswegen war er typisch für diese Branche. Die Personalberatung ist geprägt wie keine andere von Quereinsteigern. Kein Mensch wacht morgens auf und will Personalberater werden. Arzt, Pilot, Wissenschaftler: ja. Aber nicht Personalberater. Zum Personalberater wirst Du durch Zufall. Oder, weil Du keine Wahl hast. Bei mir war es eine Kombination aus Beidem. Aus dem Absolventenkreis der Ludwig-Maximilians-Universität in München drängten sich die Sozialwissenschaftler zum Auswärtigen Amt in Berlin, der EU und ihren Behörden in Brüssel und Straßburg, in den Journalismus zu mehr oder weniger erfolgreichen Publikationen (die Welt des Journalismus befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits unter Beschuß durch das Internet). Andere versuchten per Stipendium ihre Promotion zu schreiben (viele der promovierten Sozialwissenschaftler sollten Jahre später wieder bei oben genannten Institutionen mit einem Doktortitel vor dem Namen anklopfen - was deren Jobsuche nicht leichter machte). Der von mir präferierte Weg führte über politische Stiftungen und die Entwicklungshilfe ins Ausland oder in die Projekttätigkeit bei einer NGO. Einige dieser Stationen hatte ich per Praktikum bereits hinter mir: Deutsches Generalkonsulat in Osaka-Kobe, politische Stiftung in Jakarta und Deutschland, ASEAN-Sekretariat in Jakarta, Stiftung in Taipei. Meine Magisterarbeit hatte ich über die ASEAN geschrieben. Der Traum als Politologe auf einer Metaebene Dienst am Menschen und an der Gesellschaft zu leisten. Ich war kein Träumer, kein Weltverbesserer, glaubte an Demokratie, eine gesunde Gesellschaft mit einem möglichst niedrigem Gini-Koeffizienten und einer hohen Chancengleichheit. Dieses Gedankengut wollte ich in die Länder Südostasiens tragen, dort das Verständnis von Demokratie, Umweltbewußtsein und einer politischen Dezentralisierung, in Indonesien zum Beispiel, weiter prägen. Menschen dieser Couleur hatte ich in Asien kennen gelernt, und deren Berufsbild und Lebensstil hatten mich beeindruckt. Eine ganze Zeit lang hatte ich für den Vorsitzenden einer politischen Stiftung Reden zu verschiedenen Themen geschrieben, die dieser in Deutschland, bei der EU und in Asien hielt. Dabei ging es darum, europäisch-soziales Gedankengut in die Welt zu tragen und damit zu helfen, Menschen bessere Chancen für ihre Entwicklung zu geben. Außerdem hatte ich die Möglichkeit gehabt, mehrfach zu verschiedenen Themen in einem Wirtschaftsmagazin in Asien zu publizieren, und mir dabei journalistische Kompetenzen angeeignet. Und ich hatte sogar etwas Geld damit verdient. Dennoch: Repräsentant einer politischen Stiftung in Asien zu werden war mein Traum. Eine finanzielle Betrachtung des Arbeitsmarktes und der Positionen, für die ich mich interessierte, spielte dabei keine Rolle. Ich wollte einen Job machen, der Sinn stiftet, einen positiven Impact auf Menschen und unsere Welt hat und die Gesellschaft nachhaltig verbessert. Einem Job primär aus finanzieller Motivation nachzugehen, lag mir fern. Die Realität holte mich sehr bald ein: das Auswärtige Amt und die EU bevorzugten Volkswirte, Juristen und Mathematiker. Sozialwissenschaftler gab es wie Sand am Meer, und ein Volontariat war eben genau das: ohne Vergütung. Wer jahrelang studiert hatte und darauf brannte, endlich etwas zu tun und die Welt zu verbessern, der wollte nicht (und vor allem nicht ohne finanzielle Förderung) weitere Jahre den Schreibtisch drücken und eine Dissertation verfassen. Die erste Runde meiner Bewerbungen auf dem Arbeitsmarkt brachte mich an den Rand der Verzweiflung. Und ließ mich damals bereits voller Sarkasmus argwöhnen, ich könnte anderen Menschen bei deren Bewerbungen helfen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass es eine Rekrutierungsbranche mit gewaltiger Größe und Wachstum gab. Ich war immer auf der Suche nach einem Job der mehr war als ein Vermittler, als ein Makler. Ich wollte etwas in sich Finales machen, einen wirklichen Mehrwert schaffen, und nicht Lebensläufe von links nach rechts schicken. Doch dann: Absagen vom Auswärtigen Amt, der EU, journalistischen Publikationen und der Destination meiner Leidenschaft, der GTZ in Eschborn. Die Fördermittel des deutschen Bundes liefen zu diesem Zeitpunkt vor allem in den Nahen Osten (wir befanden uns bereits in der neuen Weltordnung post-9/11) sowie nach Afrika. Die Region, in der ich mich auskannte, Südostasien, ging leer aus. Deutsche politische Stiftungen waren in ihren Asienreferaten voll besetzt. Ich wollte keinen Schreibtisch in Deutschland drücken, sondern hinaus in die Welt. Es folgte ein sehr prägender Zwischenschritt. Ein non-profit Verein suchte einen Büroleiter für sein Büro in Taipei. Ich übersiedelte für einige Zeit nach Taiwan. Meine Aufgabe bestand darin, Sponsoren für ein Studentenaustauschprogramm zu finden, ein Netzwerk von Firmenkunden in Taiwan zu pflegen und dies durch Business Development zu erweitern. Zielfirmen waren zum Beispiel Infineon, Bayer und Tesco. Kurze Zeit später gab die britische Supermarktkette bekannt, sich aus den meisten Märkten in Asien zurück zu ziehen, inklusive Taiwan. In Meetings, davor per Telefon vereinbart, traf ich mich mit der Geschäftsführung der Zielfirmen, so zum Beispiel von Bayer im Taipei 101. Das Treffen, an das ich mich noch sehr gut erinnere, fand im 54. Stock statt, also auf knapp der Hälfte der Höhe des Turms, der im Sturm wankte. Wir hatten einen atemberaubenden Ausblick über Taipei. Vor dem Hintergrund der taiwanesischen Hauptstadt erklärte ich die Vorteile, Sponsor unseres Vereins zu werden. Dies war für Firmen vor allem deshalb interessant, da sie über diese Plattform Magistranden und Doktoranden mit für sie relevanten Themenschwerpunkten gewinnen und rekrutieren konnten. Der internationale Austausch war dabei der Schwerpunkt des Programmes. Der Grundstein für meine Karriere im Recruiting war gelegt, ohne dass es mir zu diesem Zeitpunkt bewusst war. Da die Stiftung eine non-profit Institution war, gab es für mich in der Organisation weder eine finanzielle noch eine weiterführende Karrieremöglichkeit. Alternativ hätte ich in Taiwan als Englischlehrer arbeiten können. Ich habe viele junge Menschen in Taipei getroffen, die in der Parallelwelt und Subkultur der Englischlehrer von Taiwan hängen geblieben waren. Sehr oft waren dies Polen und Südafrikaner. Der frühe Tod durch überhöhten Alkoholkonsum wäre mir in diesem Falle sicher gewesen. Die Szene war eng durch ein soziales Netz miteinander verbunden. Regelmäßige Parties stellten die persönliche Plattform dar. Viele Männer und Frauen aus aller Welt hatten so eine neue Heimat und einen sicheren Hafen in Taiwan gefunden. Und Taiwan hatte es sich auf die Fahne geschrieben, dass alle Kinder der Insel fließend Englisch sprechen sollten. Die politische Nähe zu den USA diktierte auch eine linguistische Nähe. Diese Nachfrage nach englischsprachigem Lehrpersonal gab der Subkultur im Graubereich von illegalem Aufenthalt, fehlenden Arbeitserlaubnissen und einer ausgesprochen wilden Party- und Lifestylekultur eine geduldete Daseinsberechtigung. Manche Coffeeshops und Läden hatten sich speziell auf die Bedürfnisse der Englischlehrer ausgerichtet. Ich hätte mich sehr gerne länger dort aufgehalten und hatte auch einige Vorstellungsgespräche, die jedoch nirgendwo hin führten. Ein verrücktes Leben voller Spaß und mit wenig Verantwortung. Darüber hinaus gab es keine Perspektive für mich. Ich stand an einer Weggabelung. Diese Station meines Lebens hatte den Grundstein für meine Karriere in Deutschland gelegt, ohne dass ich es gewollt hatte. Zu gerne wäre ich in Taipei geblieben. Eine faszinierende Gesellschaft auf einer wunderschönen Insel, geprägt von Teeplantagen und natürlichen Stränden. Taipei ist eine der angenehmsten Großstädte Asiens, mit wunderbarem Essen, Nachtmärkten, Nightlife und einer atemberaubenden Natur direkt vor der Haustür. Für eine Stadt mit so vielen Einwohnern ist die Luftverschmutzung gering, und der Autoverkehr fließt. Mir blieb dennoch nur der Weg zurück nach Deutschland. Mit Herzschmerz ließ ich meine südafrikanische Freundin Mitte Februar bei 25° in Taipeh zurück. Vanessa arbeitete als Fotomodell auf der Insel, und warb mit ihren roten Haaren und weißer Haut für Schönheitsprodukte. Sie hatte einen Glamourstatus erreicht, der es ihr erlaubte, in die besten Nachtclubs der Stadt, wie auch dem Brown Sugar am Fuße des Taipei 101, zu kommen, ohne in der Schlange zu stehen oder bezahlen zu müssen. Es gab viele kaukasische Models in der Stadt, vor allem aus Russland und der Ukraine, die mit ihrer Körpergröße, langen Beinen, weißen Haut und blonden Haaren das ideale Aussehen hatten, Beauty-Produkte zu bewerben. Es gab einige Clubs, die mit russischer Musik um ihr Klientel warben. Genauso die Menschen aus dem kleinen diplomatischen Corp, das Taiwan politisch anerkannte. Ich hatte auf regelmäßigen Veranstaltungen des Deutschen Kulturinstitutes,...




