E-Book, Deutsch, Band 18, 781 Seiten
Reihe: Nimue-Reihe
Weber Nimue Alban: Auf Gefechtsstation
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-7837-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 18, 781 Seiten
Reihe: Nimue-Reihe
ISBN: 978-3-7325-7837-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Vor Jahrhunderten flohen die Menschen vor einer übermächtigen Alienarmee auf den Planeten Safehold. Dort herrscht eine Kirchendiktatur, die jede moderne Technik verbietet. Seit Jahren kämpft das Inselkönigreich Charis für Unabhängigkeit und technischen Fortschritt. Und auch in den Tempellanden regt sich Unmut und Widerstand gegen das totalitäre Regime, befeuert von dem Geheimbund Helmspalter. Schaffen sie es endlich, die Kirche der Verheißenen zu stürzen?
David Weber ist ein Phänomen. Er ist ungeheuer produktiv und hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben. Weltweite Popularität erlangte er mit der "Honor-Harrington"-Reihe, deren Bände regelmäßig auf der NEW-YORK-TIMES-Bestsellerliste landen, und die nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. Er lebt mit seiner Familie in South Carolina.
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.II.
Mahkbyths Weine und Spirituosen,
Mylycynt-Hof,
Zion,
die Tempel-Lande
Das Glöckchen über der Tür klingelte.
»Guten Abend, der Herr! Wie kann ich Ihnen behilflich sein?«
Ahrloh Mahkbyth hörte Zhak Myllyrs Stimme nur mit halbem Ohr. Aber wenn Zhak sich nicht umgehend des Kunden angenommen hätte, der soeben das Geschäft betreten hatte, wäre das selbstverständlich anders gewesen. Geräusche aber, die Alltäglichkeit verhießen, reibungslos ablaufende Routine, lenkten Ahrloh nicht von seinem aktuellen Problem ab: Wie und wohin hatte eine ganze Kiste Yu-kwau-Brandy verschwinden können?
Mürrisch ging er zum wiederholten Mal die Bestandsliste durch. Gerade momentan machte es ihm der ganze Papierkram sauer, sein eigenes Geschäft zu führen, obwohl Buchhaltung und Inventarisierung etwas waren, worauf er sich recht gut verstand. Nun, viel und teure Ware zu verlegen war jedenfalls nicht seine Art. Und das ausgerechnet jetzt, wo charisianische Handelsstörer im Golf von Dohlar Ersatzlieferung aus der Alexov-Bucht verhinderten oder zumindest verzögerten! Zhak Myllyr hatte sich sicher nicht an der Kiste vergriffen. Er war eine grundehrliche Haut, von einem einzigen Manko – oder besser: Makel – einmal abgesehen. Nein, eher kehrte Langhorne in Glanz und Gloria zurück, als dass Zhak Myllyr seinen Arbeitgeber bestahl! Zudem hatte Mahkbyth in letzter Zeit reichlich andere und ungleich drängendere Dinge im Kopf gehabt. Unter diesen Umständen wäre es möglich, dass ihm ein ganzes Dutzend Inventarisierungsfehler hätten unterlaufen können. Also: Irgendwo musste die Kiste noch sein! Er brauchte sie nur noch zu finden. Und wenn er sie gefunden hätte, würde er sie bei Gott nicht wieder entkommen las…
»Guten Abend«, hörte Mahkbyth den Kunden antworten, »hätten Sie wohl eine Flasche Seijin Kohdys Premium Blend?«
Schlagartig war der Yu-kwau-Brandy vergessen.
Mahkbyth zwang sich, sich entspannt aufzusetzen, sich zu strecken und beiläufig zu gähnen, ohne dass sein Blick hinüber in den vorderen Teil des Ladengeschäfts ging. Mit einem Achselzucken säuberte er in ebenso aufgezwungener Bedächtigkeit die Schreibfeder, ehe er sie in den Halter zurücksteckte. Erst dann trat er um das Stehpult herum, um ganz beiläufig den Kunden in den Blick zu nehmen, der diesen Wunsch geäußert hatte.
Der Mann war gut gekleidet und auffallend groß, die Augen grau, das blonde Haar erkennbar schütter, und den Kinnbart ergänzte ein auffallend stattlicher Schnurrbart. Als fiele ihm erst jetzt auf, dass nicht nur Myllyr im Laden war, blickte der Kunde kurz über dessen Schulter hinweg zu Mahkbyth hinüber. Sofort aber galt seine Aufmerksamkeit wieder dem Verkäufer, der ihn angesprochen hatte.
»Tatsächlich ja, Sir«, beantwortete Myllyr gerade die Frage. »Ja, ich glaube sagen zu können, dass wir einer der wenigen Läden in ganz Zion sind, die diesen Whisky führen. Den meisten Whiskyfreunden der Tempel-Lande ist er zu torfig. Ich selbst, erlauben Sie mir, das zu sagen, schätze ihn gerade deswegen.«
»Ich ebenfalls«, mischte sich nun Mahkbyth ein. Er trat vor und streckte dem Kunden die Hand entgegen. »Es ist schön, Sie wiederzusehen, Meister Murphai. Ich wusste gar nicht, dass Sie ein Faible für Seijin Kohdys haben.«
»Meister Mahkbyth!« Sie tauschten einen Händedruck, Murphais Lächeln war herzlich. »Erst kürzlich durfte ich ihn bei einer Freundin, die ihn in den höchsten Tönen lobte, probieren und bin seitdem sehr angetan. Wie Ihr Assistent schon sagte: Sehr torfbetont, aber im Großen und Ganzen angenehm, nicht wahr?«
»Stimmt.« Mahkbyth blickte zu Myllyr hinüber und fuhr, an ihn gewandt, fort: »Zhak, diesen Kunden übernehme ich.«
»Aber …«, setzte Myllyr an.
Energisch schüttelte Mahkbyth den Kopf. »Gehen Sie ruhig schon in Ihre Mittagspause! Ich jedenfalls brauche dringend ein bisschen Abwechslung, ich schiele ja schon, so viel habe ich seit gestern in den Bestandslisten geblättert und gelesen – ohne, Shan-wei sei verdammt, der fehlenden Kiste auf die Spur gekommen zu sein!«
»Wenn Sie meinen, Sir …«
»Klar doch!« Mahkbyth angelte mit zwei Fingern nach einer silbernen Zehntelmark in seiner Hosentasche und schnippte sie dann seinem Angestellten zu. »Falls Sie sich irgendwie schuldig fühlen sollten, mich mit dieser unglaublich schwierigen Aufgabe jetzt allein zu lassen, bringen Sie mir doch auf dem Rückweg von Zhantrys eine Portion Fish’n’Chips mit, aber mit extraviel Essig und mindestens zwei großen sauren Gurken!«
»Jawohl, Sir!« Myllyr, der die Münze geschickt aufgefangen hatte, grinste und griff nach seiner Jacke. »Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Meister Murphai.«
»Ich danke Ihnen«, erwiderte Murphai freundlich.
Myllyr streifte die Jacke über, schlang sich den Schal um den Hals und öffnete die Ladentür. Das Wetter war mild genug, dass Myllyr beides nicht unbedingt benötigt hätte. Doch nur ein unverbesserlicher Optimist ginge davon aus, im wetterwendischen Zion bliebe das länger als ein, zwei Stunden so. Die Sonne hatte schon Kraft, aber es war erst Anfang Mai. Wo die Sonnenstrahlen für eine Weile hinfielen, schmolzen die Überreste der letzten Schneefälle. Dort, angetaut, über Nacht gefroren, angetaut und wieder gefroren und ordentlich verharscht, schien der Schnee den Stiefeln von Zions geschäftiger Bevölkerung zu weichen. Wo aber keine Sonne hinkam, lag der Schnee immer noch so hoch, dass man fast bis zum Knie darin versank, und mannshoch türmte er sich an den Straßenecken, wohin man all den Schnee vom Bürgersteig und vor den Eingangstüren der Geschäfte geschoben hatte. Was auch immer die trügerisch warme Mittagssonne verhieß: Die Eisdecke auf dem Pei-See brach gerade erst, und aus der Tempel-Bucht oder bei Westwind auch vom See her konnte rasch, schneller, als man »Ohne Vorwarnung« sagen konnte, ungemütlicheres Wetter aufziehen.
Murphai blickte Myllyr nach. Kaum fiel die Tür ins Schloss, suchte er den Blick des Ladeninhabers.
»Schön, Euch zu sehen, Seijin«, sagte dieser in nun völlig anderem Tonfall. »Kommt Ihr von Arbalest?«
»Nicht direkt.« Murphai klang ernst, düster. »Aber ich hatte Kontakt zu ihr. Bitte verzeihen Sie, ich wünschte wirklich, ich hätte früher hier sein können. Aber Arbalest hielt es für das Beste, den Kontakt zu Ihnen zu minimieren, bis wir uns mehr oder minder sicher sein konnten, dass Sie nicht unter Verdacht stehen.«
»Dann seid Ihr Euch also jetzt ›mehr oder minder sicher‹, ja?« Mahkbyth neigte den Kopf zur Seite; sein Lächeln fiel säuerlich aus, beinahe schon bissig.
Murphai schnaubte leise. »Ich mag ein Seijin sein, Ahrloh«, sagte er und verwendete ganz bewusst Mahkbyths normalen Vornamen, nicht seinen ›Helmspalter‹-Codenamen Barcor, »aber allwissend bin ich nicht. Gleichwohl verfüge ich über bessere Quellen als die meisten anderen, und keine davon hat Anzeichen entdeckt, Sie stünden unter Beobachtung. Und ehrlich gestanden sind Sie ein entschieden zu dicker Fisch, als dass man Sie frei herumlaufen ließe in der Hoffnung, Sie führten die Behörden zu den Hintermännern. Ahnten Rayno oder Wynchystair, wer Sie sind, wären Sie unmittelbar nach Rückkehr von Ihrer ›Geschäftsreise‹ verhaftet worden. Und, das möchte ich nicht unterlassen anzumerken, mit besagter Rückkehr haben Sie verdammt noch eins viel Mumm gezeigt.«
»Ja, vielleicht.« Mahkbyth zuckte mit den Schultern. »Nur so konnte ich mir sicher sein, und es ist ja nun nicht so, als hätte ich nicht schon an dem Tag, an dem mich Arbalest angeworben hat, meinen Frieden mit den Erzengeln gemacht. Bitte haltet mich nicht für gleichgültig«, setzte er rasch hinzu, als Murphai fragend eine Augenbraue wölbte, »und ich habe es auch ganz und gar nicht eilig, mich im Himmel zu melden! Aber damals habe ich mich entschieden, dass es diese Sache wert ist, mein Leben zu riskieren, und seitdem hat sich meine Meinung nicht geändert. Aber natürlich würde ich auch gern um die peinliche Befragung oder die Strafen Schuelers herumkommen.«
Nicht mehr nur grimmig klang er bei diesem letzten Satz, sondern eisig – mit einem Stich ins geradezu Boshafte. Kaum merklich drehte er die linke Hand, sodass sich das Licht an dem goldenen Opalring brach, den er an dieser Hand trug.
»Ich weiß nicht, wie es diese Dreckskerle geschafft haben, Brautreif und Castagnette zu verhaften, bevor sich die beiden vergiften konnten. Aber mich davon abzuhalten, werden die richtig große Schwierigkeiten haben!«
»Nun, wenn’s Ihnen beliebt, zöge ich selbst es vor, wenn es nicht dazu käme«, gab Murphai zurück. »Ganz abgesehen davon, dass Arbalest Sie wirklich sehr mag, können wir es uns schlichtweg nicht leisten, Sie zu verlieren, vor allem nach den Verlusten, die wir haben hinnehmen müssen.«
»Ich habe die Nachricht von der Festnahme kaum, dass ich davon erfuhr, weitergegeben«, sagte Mahkbyth mit schwerer Stimme. »Ich hatte allerdings nicht die Zeit herauszufinden, ob die Nachricht auch alle erreicht hat. Andererseits wäre es nicht klug gewesen, miteinander zu reden, hätte auch nur einer von uns unter Verdacht gestanden.«
»Stimmt. Aber mit Stichtag letztem Fünftag kann ich berichten, dass nur zwei Angehörige von Brautreifs Zelle ihr Versteck in Tanshar nicht erreicht haben – bisher nicht. Sie sind auf dem Weg, und ich bin zuversichtlich, dass sie ihr Ziel doch noch erreichen.« In Wahrheit wusste er, dass dem so war....




