E-Book, Deutsch, Band 49, 64 Seiten
Reihe: Lore-Roman
Ich werde zu dir stehen
E-Book, Deutsch, Band 49, 64 Seiten
Reihe: Lore-Roman
ISBN: 978-3-7325-7887-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Schicksalsroman um das Liebesglück einer jungen Ärztin
Von Karin Weber
Die junge Ärztin René Petra Mathissen hat einen schweren Stand, als sie als neue Kollegin an die Chirurgische Klinik kommt. Sie hat glänzende Zeugnisse, doch man traut ihr nichts zu, sie ist eben eine Frau. So teilt man ihr die unbeliebten Arbeiten zu, lässt sie nicht selbstständig Operationen vornehmen, sondern nur assistieren, und zu allem Überfluss muss sie wie eine Anfängerin bei Klinikchef Professor Roderich Kolbe die Visite begleiten.
Doch René beißt sich durch, denn sie lebt für ihren Beruf, und sie will es dem begnadeten Chirurgen Kolbe beweisen, dass sie als Ärztin ihren Mann stehen kann ...
Renés Chance kommt schneller als gedacht, denn während einer schwierigen Operation bricht Professor Kolbe bewusstlos zusammen. Nun muss René allein weiteroperieren, und es geht um Leben und Tod ...
Dieser besondere Roman unserer beliebten Autorin Karin Weber ist wirklich ein Glanzstück. Lassen Sie sich ein auf diese ergreifende Geschichte um eine tapfere Ärztin, und schenken Sie sich ein unvergleichliches Leseerlebnis.
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Ich werde
zu dir stehen Schicksalsroman um das Liebesglück einer jungen Ärztin Von Karin Weber Die junge Ärztin René Petra Mathissen hat einen schweren Stand, als sie als neue Kollegin an die Chirurgische Klinik kommt. Sie hat glänzende Zeugnisse, doch man traut ihr nichts zu, sie ist eben eine Frau. So teilt man ihr die unbeliebten Arbeiten zu, lässt sie nicht selbstständig Operationen vornehmen, sondern nur assistieren, und zu allem Überfluss muss sie wie eine Anfängerin bei Klinikchef Professor Roderich Kolbe die Visite begleiten. Doch René beißt sich durch, denn sie lebt für ihren Beruf, und sie will es dem begnadeten Chirurgen Kolbe beweisen, dass sie als Ärztin ihren Mann stehen kann … „Herein!“, rief Professor Kolbe, als schüchtern an der Tür seines Dienstzimmers geklopft wurde. Fragend schaute er auf die Schwester, die unter seinem Blick errötete und verlegen lächelte. „Ich wollte mich nur erkundigen, ob Sie Kaffee haben möchten, Herr Professor“, brachte sie stockend hervor. Unter dem Blick des Arztes wurde ihre Stimme immer schwächer, zum Schluss flüsterte sie fast nur. Roderich Kolbe lächelte sarkastisch. „Hätte ich Kaffee gewünscht, dann hätte ich es Sie wissen lassen, Schwester Irmhild. War sonst noch etwas?“ Er hasste unnötige Störungen bei seiner Arbeit. „Nein, eigentlich nicht.“ „Was heißt eigentlich?“, fragte er unmutig. „Nichts. Es ist nichts mehr, Herr Professor. Bitte entschuldigen Sie die Störung, ich dachte nur …“ Sie hatte völlig den Faden verloren, während sie über und über errötete. „Es ist gut, Sie können gehen. Ach, noch eins! Wenn der neue Kollege kommt, führen Sie ihn sofort zu mir. Ich erwarte Doktor Mathissen um elf Uhr fünfzehn.“ „Jawohl, Herr Professor.“ Schwester Irmhild stolperte hinaus, holte draußen ein paarmal tief Luft. Ihre Kollegin Viktoria lächelte mit verständnisvoller Nachsicht. „Hat er dich wieder abblitzen lassen?“, fragte sie. „Wann wirst du endlich merken, dass er sich wirklich nichts aus Frauen macht!“ „Du kannst leicht reden.“ In Irmhilds Augen funkelten Tränen. „Du liebst ihn ja auch nicht.“ „Stimmt“, räumte Viktoria ein. „In ein Denkmal verliebt man sich nicht. Unser guter Professor ist doch so etwas Ähnliches wie ein Denkmal.“ „Und das schon in so jungen Jahren. Ich habe ein paarmal bei seinen Operationen zugeschaut … Es ist fantastisch, wie er operiert.“ „Ja, für seine Arbeit interessiert er sich. Und für seine Patienten. Darüber hinaus für nichts, Irmhild. Es wäre gut, wenn du das endlich einsehen würdest.“ „Das ist so leicht gesagt. Ich träume immer von ihm. Ich kann nachts nicht schlafen, weil ich an ihn denken muss. Er ist so furchtbar einsam, Viktoria.“ „Quatsch!“, erklärte die Schwester energisch. „Er ist nicht einsam, er hat seine Arbeit, und die genügt einem Mann vollkommen.“ „Das glaube ich nicht. Er braucht doch bestimmt mehr. Ein bisschen menschliche Wärme, jemanden, der ihn liebt.“ „Wenn er das wollte, würde er sich einen Hund zulegen, möchte ich wetten“, meinte Schwester Viktoria burschikos. „Du bist nicht die Erste, die für ihn schwärmt. Und wenn du es ihm zu deutlich zeigst, dann wird er dich versetzen lassen.“ „Nein, das darf nicht sein! Wenn er mich aus seiner Nähe verbannte … Du glaubst ja nicht, wie mein Herz klopft, wenn er auf unserer Station Visite macht.“ „Kindskopf!“, äußerte Schwester Viktoria nachsichtig. „Such dir einen anderen netten Mann.“ „Mit Roderich lässt sich kein anderer vergleichen.“ „Lass ihn bloß nicht hören, dass du ihn Roderich nennst!“, warnte Schwester Viktoria. „Vertraulichkeiten liebt er ganz und gar nicht.“ „Was soll ich machen? Ich würde alles für ihn tun, Viktoria!“ „Wie gut, dass er nicht haben will, was du ihm geben möchtest. Es wäre schade um dich, Irmhild. Warte, bis der Richtige kommt. Es hat keinen Zweck, zu versuchen, nach den Sternen zu greifen. Professor Kolbe ist ein hervorragender Arzt, aber er würde einen ungewöhnlich schlechten Ehemann abgeben. Ich würde ihn jedenfalls nicht einmal geschenkt haben wollen.“ Das war eine arge Übertreibung. Schwester Viktoria war nur zu vernünftig, um von einem Mann zu träumen, der ihr absolut unerreichbar war. Sie hielt sich lieber an andere, die ein bisschen menschlicher waren als der hohe Chef. Dabei spielte Professor Kolbe sich niemals auf, wie es so manche Chefärzte taten. Er besaß eine natürliche Autorität, der sich jeder wortlos beugte. Man spürte, dass er eine Persönlichkeit war. „Manchmal vergisst er sogar, zu Mittag zu essen“, murmelte Schwester Irmhild. „Das ist seine Sache. Ich geh jetzt auf die Station.“ „Wir sehen uns beim Mittagessen.“ Irmhild nickte ihrer Kollegin zu. Dann schaute sie noch einmal auf die Tür, hinter der Professor Kolbe an seinem Schreibtisch saß. *** Gegen elf Uhr fanden sich nach und nach die Ärzte in der Teeküche ein. Sie waren neugierig auf den neuen Kollegen. Zugegeben hätte es allerdings keiner von ihnen. „Hoffentlich spielt der Neue einen anständigen Skat“, seufzte Dr. Wolter. Seine Kollegen lachten. Wolter ließ sein Leben fürs Skatspielen, und sein Traum waren Partner, die ihm gewachsen waren. „Eigentlich müsste er bald kommen“, stellte Schwester Irmhild fest. „Er soll nur nicht wagen, unpünktlich zu sein!“ Wolter grinste schief. „Dann ist er beim Chef gleich unterdurch.“ Aber Dr. Mathissen, auf den sie hier so ungeduldig warteten, kam nicht. Nur eine junge Frau stieß die Schwingtür auf, die den Korridor zur Vorhalle hin abgrenzte. Eine Besucherin offenbar. Dr. Wolter betrachtete sie wohlgefällig. Eine Frau mit solch einer fantastischen Figur bekam man nicht alle Tage zu sehen. Und die Art, wie sie ging … Am liebsten hätte Wolter nach Gassenjungenart gepfiffen. Diese Frau hätte solch eine Ovation verdient. „Guten Tag“, wünschte sie, als sie bei ihnen angekommen war. „Ich suche das Dienstzimmer von Herrn Professor Kolbe.“ „Zwei Türen weiter, zur rechten Hand. Sind Sie angemeldet?“, fragte Dr. Wolter neugierig. Sie hatte die schönsten blauen Augen, die ihm jemals begegnet waren. Krank sah sie nicht aus. Aber dass Kolbe sie jetzt zur Untersuchung bestellt hatte … Jeden Augenblick musste Mathissen doch kommen, um sich vorzustellen. Da hat seine Sekretärin mal wieder Termine verwechselt, dachte er. Sie kann sich auf einiges gefasst machen. „Vielen Dank.“ Die junge Dame lächelte ihnen in einer Art und Weise zu, die Wolter das Blut in den Kopf schießen ließ. Er knallte die Hacken zusammen und verneigte sich eckig. „Uff!“, stöhnte er, als sie weitergegangen war. „So etwas sollte man verbieten. Der Anblick ist nichts für einen schwachen Kreislauf. Man reiche mir ein herzstärkendes Mittel.“ „Tut es auch eine Tasse Kaffee?“, fragte Schwester Viktoria. Diese Männer, dachte sie. Als Ärzte müssten sie eigentlich klüger sein. Aber Ärzte waren eben auch nur Männer. Schwester Viktoria hatte im Laufe ihrer Berufsjahre alle Illusionen verloren. „Wer mag sie sein?“, sprach Wolter aus, was alle dachten. Er rieb sich mit der flachen Hand das Kinn. „Wie kann man das herausbekommen?“ „Erkundige dich bei der Sekretärin“, riet ihm sein Kollege Dr. Schmiedinger. „Schenk ihr einen Blumenstrauß, schau ihr tief in die Augen und frag sie nach der Frau.“ „Vielleicht geht es auch ohne Blumen … Hat einer von euch gesehen, ob sie einen Ring trägt?“ Die Herren schüttelten den Kopf. „Sie trägt keinen Ring.“ Schwester Viktoria hatte als Frau darauf geachtet. „Vielleicht ist sie noch zu haben, meine Herren.“ Dr. Wolter zog seinen Schlips gerade. „Hmhm!“, machte er und schlenderte hinaus. Er hielt sich in der Nähe des Chefzimmers auf. Vielleicht brauchte sie jemanden, der ihr den Ausgang zeigte, wenn sie mit der Untersuchung fertig war. Er hatte die Absicht, sie zu begleiten. Der Bau war verwinkelt, man konnte sich leicht verlaufen. „Viertel nach“, stellte Dr. Schmiedinger fest. „Und von dem Neuen ist weit und breit nichts zu sehen. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.“ *** Professor Kolbe stand widerwillig auf, als die junge Dame in sein Zimmer kam. Sein Gesicht wirkte alles andere als verbindlich. Wer hatte sie hier heraufgeschickt? Sehr zurückhaltend erwiderte er den freundlichen Gruß der Dame. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte er...