Weber | Honor Harrington: Superdreadnought | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 30, 366 Seiten

Reihe: Honor Harrington

Weber Honor Harrington: Superdreadnought


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5379-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 30, 366 Seiten

Reihe: Honor Harrington

ISBN: 978-3-8387-5379-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Admiral Michelle Henke hat der 'unbesiegbaren' Flotte der Solaren Liga eine schmachvolle Niederlage beigebracht. Doch trotzdem gehen die Kämpfe in dem Raumgebiet weiter. Selbst die besten Geheimdienstler der Galaxis wissen nicht, wer hier eigentlich auf wen schießt. Inmitten dieser Wirren sieht Michelle Henke sich plötzlich gezwungen, das Feuer auf eine unbekannte Flotte zu eröffnen - mit ungeahnten Konsequenzen ...

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Kapitel 1


Kontragrav trug die tragflächenlose Drohne lautlos durch die Nacht. In der Luft hing der Geruch von verbranntem Holz und Kohlenwasserstoffen, Nieselregen legte über alles einen Film aus nebliger Feuchtigkeit. Mit Ruß gemischt, ergab das eine dünne Schmierschicht, die sich auf der Haut sonderbar anfühlte. Hier und dort brannte es trotz des Regens immer noch. Die Feuer fraßen an den Schuttbergen, die einst Häuser gewesen waren, und trugen ihren Teil zum Rauch und Ruß in der Atmosphäre bei. In der Ferne grollte dumpfer Donner; ob dieser Donner natürlichen Ursprungs war oder von Menschen gemacht, ließ sich nicht unterscheiden.

Die Drohne, die entfernt an eine Untertasse erinnerte, bremste ab und hing nun reglos in der Luft. Sie war schwärzer als die Nacht selbst. Den Widerschein der lodernden Feuer schluckte Photon um Photon ihr regennasser, lichtabsorbierender Rumpf. An der Unterseite der Drohne schwenkte geräuschlos ein kleiner, turmartiger Aufbau in die Richtung, wo Sensoren und Linsensysteme des schweigsamen Beobachters beäugten, was ihre Aufmerksamkeit erregte. Seufzend strich Wind durch die Zweige von Zuckerpinien, Krebspappeln, echten terrestrischen Weymouthkiefern und Hickorybäumen, die man eigens hierher importiert hatte. In einem der brennenden Trümmerhaufen geriet etwas ins Rutschen; Funken stoben auf, ein brennender Dachbalken barst und ließ eine Decke einstürzen. Mit der gleichgültigen Hartnäckigkeit der Natur troff Wasser von regenschweren Ästen. Ansonsten aber blieb alles still und reglos.

Die Drohne brütete über einkommenden Sensordaten, beschied sie als hinreichend relevant, um sie einer höheren Instanz vorzulegen, und übertrug sie umgehend an den Nachrichtensatelliten und ihren eigenen Drohnentechniker im fernen Elgin City. Dann wartete sie.

Stille, Regen und Wind hielten an. Flammen zischten, als dickere Tropfen in das Herz der Glut fielen. Und dann …

Wie Zeus’ oder Thors Zorn selbst kam der Blitz vom Himmel herab, ein gleißend weißer Strahl schäumenden Plasmas, von seinem Ursprung zweihundertfünfundsechzig Kilometer oberhalb der Planetenoberfläche bis hinunter zum Boden. Das zweihundert Kilogramm schwere Projektil rauschte mit dreißigfacher Schallgeschwindigkeit heran und traf völlig lautlos sein Ziel.

Die Explosion, die daraufhin die stille Regennacht zerriss, hatte die Sprengkraft von, altmodisch ausgedrückt, zweieinhalb Tonnen TNT. Die gewaltige Energieentladung tauchte die Wolkendecke in widernatürliche Farben und ließ die Regentropfen einen kurzen, endlos scheinenden Moment reglos in der Luft stehen, sie alle funkelnde Diamanten und Rubine, ehe die gleißende Hitzeblase sie verdampfte. Was in der zerstörten Ansiedlung noch stand, zerschmetterte die Schock- und Druckwelle, die sich vom Zentrum der Explosion aus ausbreitete. Die Überreste dessen, was einst Häuser gewesen waren, wirbelten Meteoren gleich als lodernde Trümmer und Splitter dem Himmel entgegen.

»Nun, Callum, überzeugt, dass der Vorschlaghammer gereicht hat?«, erkundigte sich die Frau knochentrocken. Die dunkelblaue Uniform, die beim Vereinigten Sicherheitsdienst des Loomis-Systems üblich war, kleidete sie gut.

Sie stand hinter dem bequemen Sessel des Drohnentechnikers und blickte dem Mann, den Abzeichen am Ärmel nach ein Sergeant mit zwanzigjähriger Dienstzeit, über die Schulter. Auf dem Display zeigte ein stecknadelgroßes, blinkendes Icon die Explosion an. Einen kurzen Moment schien der Sergeant zu zögern, dann wandte er sich zu ihr um.

»Unbefugtes Betreten eines Sperrgebiets, Ma’am«, erwiderte er.

»Und dafür mussten Sie ein KP einsetzen?« Der Lieutenant zog eine Augenbraue hoch. »Gegen einen Fasthirsch? Oder einen Bisonelch?«

»Die IR-Signatur war eindeutig menschlich, Ma’am. Das muss einer von MacRorys Dreckskerlen gewesen sein. Wer sonst sollte sich dort herumtreiben.«

»Ich verstehe.« Die Offizierin des Sicherheitsdienstes verschränkte die Arme hinter dem Rücken. »Zufälligerweise habe ich gerade eben neben Ihnen gestanden«, bemerkte sie mit unverkennbarer Schärfe in der Stimme. »Wenn ich mich recht erinnere, erfordert der Abschuss eines kinetischen Projektils laut der Zentralen Dienstvorschrift die Zustimmung des unmittelbaren Vorgesetzten – ausgenommen in zeitkritischen Situationen. Irre ich mich?«

»Nein, Ma’am«, gestand der Sergeant. Seine Vorgesetzte schüttelte den Kopf.

»Ich weiß, ich weiß: Sie haben an großen Explosionen einen Riesenspaß, Callum. Und, zugegeben, hatten Sie dieses Mal einen deutlich besseren Grund als sonst. Aber die ZDV gibt’s schließlich auch aus gutem Grund. Tun Sie mir den großen Gefallen, Callum, und vergessen Sie das beim nächsten Mal nicht wieder. Im Gegenzug dürfen Sie dann auch weiterhin Ihren fetten Hintern in diesem bequemen Sessel parken, statt im Wald Streife zu gehen. Meinen Sie, das bekommen Sie hin?«

»Jawohl, Ma’am«, erwiderte der Sergeant deutlich zackiger. Das bestätigende Nicken seiner Vorgesetzten fiel nicht gerade freundlich aus, dann kehrte sie zu ihrer eigenen Station zurück.

Der Sergeant blickte ihr hinterher. Als er sich wieder seinem Display zuwandte, grinste er breit. Er hatte schon damit gerechnet, dass sie ihn rundmachen würde. Auch das wäre es ihm wert gewesen. Drei seiner besten Kumpel waren während der ersten beiden Tage des Aufstands ums Leben gekommen. Deswegen stand ihm nach wie vor der Sinn nach Vergeltung. Außerdem hatte es einfach etwas von gottgleicher Allmacht, wenn man den Zorn des Himmels auf andere niederfahren lassen konnte. Callum hatte ganz genau gewusst, dass Lieutenant MacRuer den Einsatz eines KP niemals gebilligt hätte – nicht anhand einer einzelnen, zweifelhaften Infrarotsignatur. Genau deswegen hatte er sie auch gar nicht erst gefragt. Ehrlich gesagt, war er sich selbst nicht ganz sicher gewesen, ob er nicht doch nur ein Geistersignal aufgefangen hatte. Für dieses Gefühl völliger Zufriedenheit aber war ein bisschen Missbilligung durch einen Vorgesetzten ein geradezu lächerlich geringer Preis.

Dieses Mal zumindest, setzte er lautlos hinzu. Wenn ich diese vorschriftenverliebte Erbsenzählerin auf dem falschen Fuß erwische, bringt die es noch fertig, mich wirklich auf Streife zu schicken. Callum verkniff sich ein Kopfschütteln. Kaum denkbar, dass es Spaß machen würde, mit dem Gesindel da unten im Wald Fangen zu spielen.

»Einschlag bestätigt, Ma’am«, meldete Lenkwaffentechniker Erster Klasse George Chasnikov. »Sieht aber aus, als wäre das Projektil fünfzehn oder zwanzig Meter zu weit in den planetarischen Westen gegangen.« Er schüttelte den Kopf. »Ziemlich schlampige Arbeit.«

»Lag das Problem auf deren Seite oder auf unserer?« Lieutenant Commander Sharon Tanner, Taktische Offizierin der SLNS Hoplite, hatte Wache. Daher holte sie sich, noch bevor die letzte Silbe ihrer Frage verklungen war, den entsprechenden Bericht auf das Display vor ihr. »Wenn es um kinetische Projektile geht, höre ich das Wort ›schlampig‹ überhaupt nicht gerne, Chaz.«

»Ich auch nicht, Ma’am«, pflichtete Chasnikov ihr säuerlich bei. »Deswegen habe ich’s auch angesprochen.« Er schüttelte den Kopf und gab eine Abfrage in seine Konsole ein. »Kann diese Dinger ohnehin nicht ausstehen«, setzte er gerade laut genug hinzu, damit Tanner ihn hörte.

Sie ging darauf nicht weiter ein. Chasnikov war ein erfahrener und geschätzter Ressortmitarbeiter: ein Berufssoldat, der bis zum Tage seines Ablebens der SLN die Treue halten würde; jeder Taktische Offizier, unter dem Chasnikov dienen würde, könnte sich glücklich schätzen. Deswegen war Sharon Tanner auch durchaus bereit, ihm gegenüber ein wenig Nachsicht walten zu lassen.

Außerdem hat er recht, sinnierte sie verbittert. Wieder einmal dachte sie an die Aufgaben, die die Hoplite und ihr kleines Geschwader in den letzten Wochen zu erfüllen gehabt hatten. Im Vergleich dazu war die Verschwendung eines einzelnen kinetischen Projektils auf etwas, das höchstwahrscheinlich ein Geistersignal gewesen war, wirklich Kleinkram.

»Sieht so aus, als läge das Problem bei denen, Ma’am«, lautete Chasnikovs Antwort kurz darauf. »Das Projektil hat nicht die Zielkoordinaten verfehlt, sondern die präzisierten Koordinaten. Die haben uns zwar eine Korrektur geschickt, aber eben zu spät, um die Zielansprachen-Reihenfolge noch auf den neuesten Stand zu bringen.«

»Haben sie uns denn freundlicherweise wenigstens verraten, was wir dieses Mal umbringen sollten? Oder ob wir es erwischt haben?«

»Nein, Ma’am. Nur die Koordinaten. Genauso gut könnte das eines ihrer eigenen Bataillone gewesen sein. Und bislang liegt uns auch noch keine Erfolgsabschätzung vor.« Und wir werden auch keine bekommen … wie immer, halt – stand ihm ins Gesicht geschrieben, Worte waren nicht vonnöten.

»Verstehe.« Kurz rieb sich Tanner die Nasenspitze, dann zuckte sie mit den Schultern. »Nehmen Sie’s ins Protokoll auf, Chaz. Machen Sie deutlich, dass wir beim Abschuss unsere Checkliste genauestens abgearbeitet haben. Ich gebe den Bericht dann an Commander Diadoro weiter. Der Skipper und er werden denen da unten gewiss noch einmal mit Nachdruck … erläutern wollen, dass beim Einsatz kinetischer Waffen selbst kleinste Abweichungen beachtliche Konsequenzen haben können. Und sie werden gewiss auch noch einmal betonen, dass wir keine klare Zielbeschreibung erhalten haben. Wir können doch nicht immer weiter die teuren kinetischen Projektile des Steuerzahlers verschwenden, wenn wir nicht einmal wissen, worauf wir da schießen.«

Und ich hoffe,...



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