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E-Book

E-Book, Deutsch, 696 Seiten

Weber Gut Werdenberg

Zwei Romane in einem eBook: »Stürme einer neuen Zeit« und »Hoffnung eines neuen Lebens« | Die große westfälische Gestütssaga"
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-726-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Zwei Romane in einem eBook: »Stürme einer neuen Zeit« und »Hoffnung eines neuen Lebens« | Die große westfälische Gestütssaga"

E-Book, Deutsch, 696 Seiten

ISBN: 978-3-98952-726-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwischen Tradition und Neubeginn - das Erbe einer westfälischen Gutshof-Familie STÜRME EINER NEUEN ZEIT: 1922 im Mindener Land. Das Gestüt der Werdenbergs scheint dem Untergang geweiht: Einst weithin für seine prachtvollen Kaltblutpferde bekannt, droht nun der Verfall. Die einzige Hoffnung ruht auf Thekla, die als älteste Tochter den reichen Freiherren von Ellerbruch heiraten soll. Doch dafür müsste Thekla ihren Traum von einer Revolution der Pferdezucht aufgeben - und ihre Gefühle für einen anderen Mann?... HOFFNUNG EINES NEUEN LEBENS: Auch Theklas beste Freundin Bettina, die Tochter des Stallmeisters, eckt mit ihren Talenten überall an: Eine respektable junge Frau kann unmöglich am Turniersport teilnehmen, entrüsten sich die Männer! Aber dann kommt Bettina eine gewagte Idee?... Mutig muss auch Theklas jüngere Schwester Franzi sein, als sie in Hannover am Mädchenpensionat St. Ursula einen Neuanfang sucht?- doch die Vergangenheit holt sie bald wieder ein?... Die ersten zwei Romane der großen deutschen Familiensaga exklusiv in einem Band - für alle Fans von Maria Nikolai und Ulrike Renk.

Annette Weber, 1956 in Lemgo geboren, schreibt seit über 20 Jahren Romane, in die sie stets ihre Begeisterung für Pferde einfließen lässt. Annette Weber ist verheiratet, hat drei Söhne, sechs Enkelkinder und lebt in der Nähe von Paderborn. Die Autorin im Internet: www.annette-weber.com/ und www.sina-trelde.de Bei dotbooks veröffentlichte Annette Weber ihre »Verliebt auf der Isle of Wight«-Reihe mit den Romanen »Das Cottage in Seagrove Bay« und »Die Teestube in Freshwater Bay«, die auch als Hörbücher bei SAGA Egmont erhältlich sind. sowie ihre Familiensaga um »Gut Werdenberg« mit den Bänden »Stürme einer neuen Zeit« (auch erhältlich im eBundle »Schicksalstöchter - Aufbruch in eine neue Zeit«) und »Hoffnung eines neuen Lebens«.
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Kapitel 2


Mittlerweile war es Abend geworden. Sorgenvoll blickten die beiden jungen Frauen zum Himmel. Robert betrachtete sie mitleidig. Wahrscheinlich hatten sie nicht die Erlaubnis, so lange fortzubleiben.

»Können Sie uns wohl erklären, wie wir nach Hause zurückkommen?«, fragte Bettina.

Nun zögerte Robert keine Minute. Er hatte sich schon die ganze Zeit über ein wenig Sorgen um ihren Rückweg gemacht. Es dämmerte bereits, und sie hatten noch eine längere Wegstrecke vor sich.

»Wenn es Ihnen recht ist, begleite ich Sie«, schlug er vor, und als ihn die Frauen überrascht anschauten, fügte er stolz hinzu: »Ich besitze auch ein schönes Pferd.«

»Das wäre zu gütig von Ihnen«, erwiderte Thekla.

Roberts Pferd löste Entzückungsschreie bei den Frauen aus, was den Hufschmied verlegen und stolz zugleich machte. Denn tatsächlich war auch sein Pferd Titus ein ansehnlicher Hengst, dunkelbraun, fast schwarz, mit drei weißen und einem schwarzen Huf. Mit diesem Pferd konnte er mit den Pferden der Werdenbergs mithalten.

»Was für ein wunderschöner Hengst«, rief Thekla begeistert und streichelte die weiße Blesse. Auch ihre Stute betrachtete den Hengst mehr als interessiert. Der aber tat, als sei ihm die Stute gleichgültig. Allerdings konnte Robert erkennen, dass er das eine Ohr in Athenas Richtung gestellt hatte, während er versuchte, so unbeteiligt wie möglich auszusehen.

»Typisch Hengst«, lachte Thekla, die es auch bemerkt zu haben schien. »Die lassen sich ja gerne bitten!«

»Er sieht aus wie ein Pferd der Werdenbergs«, bemerkte Bettina überrascht. »Hat er ein Brandzeichen?«

Robert schüttelte den Kopf. »Wir haben ihn als Fohlen geschenkt bekommen. Er hatte das erste Lebensjahr noch nicht überschritten, als seine Mutterstute starb. Man hatte ihm wenig Chancen ausgerechnet, aber ich habe es geschafft und ihn mit der Flasche großgezogen.«

»Oh, wirklich?«, rief Thekla nun respektvoll und streichelte das Pferd erneut. »Das habe ich auch schon mal gemacht. Es ist eine anstrengende Arbeit.«

»Aber sie ist auch wundervoll«, erwiderte Robert nun. »Dieses Pferd ist auf die Weise mein größter Freund geworden.«

Robert brach erschrocken ab. So viel Persönliches wollte er gar nicht erzählen. Aber die Frauen brachten ihn dazu, mehr zu sagen, als er sonst redete.

Thekla blickte Robert an, und er erschrak erneut bei dem tiefen Blick, mit dem sie ihn anschaute. Ihre Augen hatten eine so ungewöhnliche Farbe – grau, fast silbrig, die im Schein des Schmiedefeuers fast zu leuchten schienen. Ihr Blick war so intensiv, dass sich Robert zwingen musste wegzuschauen.

»Ich sattele Titus schnell«, sagte er. »Dann können wir losreiten.«

Während er in aller Eile den Hengst für einen Ritt fertig machte, half Thekla ihrer Freundin erneut in den Sattel, um dann selbst aufzusteigen. Gemeinsam ritten sie los.

Er kannte eine Abkürzung durch die Weserwiesen bis hin zu einem kleinen Fährhaus. Von hier aus ließen sie sich mit der Fähre über die Weser setzen, führten dann ihren Weg fort, bis sie das kleine Dorf Ilvese erreichten.

Die Frauen bedankten sich noch einmal herzlich und versicherten ihm, einen Tag später jemanden vorbeizuschicken, der die Rechnung beglich.

Als Robert wieder an der Schmiede ankam, war es bereits später Abend. Robert versorgte Titus und brachte den Hengst in den großen selbst gebauten Stall, der sich direkt neben der Schmiede befand und den sich Titus mit zwei Ziegen teilen musste. Pferde waren Herdentiere und lebten nicht gern allein, aber Robert hatte keine weiteren Beistelltiere gefunden. Die drei waren allerdings trotz ihrer Unterschiedlichkeit gute Freunde.

Nachdem Robert sein Pferd und die anderen Tiere versorgt hatte, ging er zu seinem Vater in das Lehmhaus hinüber. In den Fensterscheiben spiegelte sich das Flackern des Kaminfeuers, ein Zeichen dafür, dass es immer noch warm in der guten Stube war. Robert betrat das Haus, hängte seine Jacke an den Haken hinter der Tür und schaute sich zu seinem Vater um. Dann aber durchzuckte ihn ein eisiger Schrecken. Der Vater hatte sich bis auf das Hemd ausgezogen. Die schmalen Beine und die großen Füße ragten unter der Bettdecke hervor. Jetzt strampelte der Vater sich los.

»Heiß ist es. Viel zu heiß«, murmelte er. Es war fast ein Flüstern.

»Vater!« Mit einem Satz war Robert bei ihm. »Natürlich ist es viel zu heiß. Du wolltest es so, weil du so gefroren hast. Aber wenn dir jetzt warm ist, mache ich das Feuer wieder aus.«

Der Vater lachte leise. Es klang wie ein merkwürdiges Kichern – ein albernes Glucksen wie von einem Wesen, das sich in einer anderen Welt befand.

»Es ist nicht das Kaminfeuer, das zu heiß ist«, krächzte der Vater. Er legte seine dürren Arme um die Schultern seines Sohnes, zog ihn tief zu sich und flüsterte ihm ins Ohr: »Es ist … das Fegefeuer.«

Robert versuchte, sich aus der festen Umarmung seines Vaters zu lösen. Und obwohl er nun versuchte zu lachen, war ihm dieser Satz doch sehr unheimlich.

»Vater«, versuchte er, gelöst zu klingen. »Du glaubst doch selbst nicht, dass du im Fegefeuer landest. Du hast in diesem Leben nur Gutes getan.«

Die Umarmung des Vaters wurde fester, veränderte sich zu einer Umklammerung.

»Es ist nicht schlimm, im Fegefeuer zu sein«, flüsterte er. »Ich bin doch bei ihr.«

Robert konnte nicht verhindern, dass ihm eine Gänsehaut über den Rücken kroch. »Bei wem?«, wollte er wissen.

Der Vater löste sich nun von ihm und sank zurück auf das Bett. Seine mageren nackten Beine krochen wieder unter die Bettdecke. »Bei deiner Mutter«, sagte er leise.

Gerade wollte Robert erwidern, dass sich auch seine Mutter nicht im Fegefeuer befand, da redete der Vater schon weiter.

»Doch, sie ist da!«, sagte er nun mit ruhiger Stimme. Sein Blick irrte nicht mehr umher, vielmehr fixierte er Robert. »Sie ist schon so lange da, und nun werde ich bei ihr sein. Ja, nun ist es so weit.«

»Vater! Hör auf mit diesem Unsinn!«, rief Robert entsetzt. Er hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten wie ein kleines Kind, aber der Vater hinderte ihn daran.

»Du weißt es nicht, weil ich dir immer etwas vorgelogen habe«, erklärte der Vater nun. »Du hättest die Wahrheit über sie nicht ertragen.« Er schluckte. »Ich habe sie ja selbst kaum ertragen.«

Robert hatte Mühe, seine Gedanken zu ordnen. Er spürte aber, dass der Vater etwas auf dem Herzen hatte, was er unbedingt loswerden wollte. Also setzte er sich zu ihm und nahm seine Hand. Dabei lief ihm der Schweiß von der Hitze, die im Raum hing, den Rücken hinunter.

»Was ist mit Mutter?«, fragte er nun.

Der Vater rang nach Luft.

»Sie ist nicht ertrunken«, murmelte er. »Sie hat den Freitod gewählt.«

Es traf Robert wie ein Schlag, doch er zuckte nur innerlich zusammen. Er zwang sich, seinen Vater ruhig anzuschauen. »Wie kommst du darauf?«, wollte er wissen.

»Ich weiß es, weil ich sie verstoßen habe«, flüsterte der Vater nun. Dann drehte er sich zur Seite, schaute gegen die Wand und vermied es auf die Weise, Roberts Blick standhalten zu müssen. »Sie trug ein Kind in sich«, sagte er leise. »Von einem anderen.«

Robert schnappte nach Luft, aber der Vater redete sofort weiter. »Sie hat es mir nicht erzählen wollen, aber ich habe sie gedrängt, die Wahrheit zu sagen«, erklärte er. »Ich wusste, dass das Kind nicht von mir war. Ich war ja immer unterwegs.«

Robert nickte. Sein Vater war in den Jahren vor dem Krieg als Wanderschmied unterwegs gewesen, war mit einem Wagen und einem Pferd von Ort zu Ort gezogen und hatte Pferde beschlagen und Schmiedearbeiten erledigt.

Als die Mutter gestorben und auf dem kleinen Friedhof an der Kirche begraben war, hatte er sich zu Hause eine Schmiede eingerichtet, um für seinen Sohn da zu sein. Oft hatte Robert ihm bei der Arbeit zugeschaut, später seinem Vater als Gehilfe zur Seite gestanden. Dann kam der Krieg. Zunächst dachten sie noch, sie würden ihn unbeschadet in dem kleinen Angerdorf überleben, schließlich war viel zu tun, um die Kavalleriepferde zu beschlagen, doch der Krieg machte auch vor ihnen nicht halt. Der Hufschmiedemeister Hans-Georg Steinfels wurde an der Front gebraucht, zunächst als Schmied, dann als Soldat.

In der Zwischenzeit führte Robert allein die Schmiede. Das war die Zeit, in der er erwachsen wurde. Als das Ende des Krieges abzusehen war, wurde Roberts Vater durch einen Granatsplitter im rechten Oberarm schwer verletzt, hatte einige Zeit im Kriegslazarett gelegen und war mit schlecht verheilter Wunde nach Hause geschickt worden. Anschließend war es ihm nur mit Roberts Hilfe möglich gewesen, den schweren Beruf weiter auszuüben. Der Splitter hatte einen Teil seiner Muskeln zerstört. Er übertrug seinem Sohn die häusliche Schmiede und übernahm die Versorgung des Haushaltes. In den schweren Zeiten nach dem Krieg, in denen die Lebensmittel knapp wurden, hatte er sich auf das Einkochen und Haltbarmachen der Nahrungsmittel verstanden, um Robert und sich ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen. Sie konnten froh sein, dass sie auf dem Land lebten, wo das Beschlagen der Pferde und das Schmieden von Haushaltsgegenständen oft mit einem Huhn, Kartoffeln oder Gemüse bezahlt wurden. So lebten sie gar nicht schlecht. Im Vergleich zu den mageren Städtern, die aufs Land fuhren, um sich einige Nahrungsmittel zu erbetteln, war ihr Leben fast wie ein kleines Paradies.

Dass seine Mutter schwanger gewesen war, schien Robert eine ungeheuerliche Behauptung zu sein. Er war unsicher, ob es sich bei den Bildern um Fieberphantasien des Vaters handelte oder ob es die Wahrheit war, die er seinem Sohn kurz...



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