Weber | Fürstinnen im Grünen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 156 Seiten

Weber Fürstinnen im Grünen

Spaziergänge durch Schlossgärten
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-0299-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Spaziergänge durch Schlossgärten

E-Book, Deutsch, 156 Seiten

ISBN: 978-3-7526-0299-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Buch führt als eine historische Gartenreise zu sechs Schlossgärten in Mecklenburg: Güstrow, Ludwigslust, Mirow, Hohenzieritz, Neustrelitz und Schwerin, wobei es auf Abstechern ebenfalls an die Loire, nach Versailles, London oder nach Wörlitz und Gotha geht. In all diesen Gärten verbergen sich die Lebensgeschichten kluger und faszinierender Frauen. Immer wieder wird der Lesespaziergang zur Spurensuche. Wer diese Schlossgärten besucht, dort auf den Wegen wandelt und sich Zeit für die Betrachtung nimmt, kann den einstigen Herrinnen der Schlossgärten begegnen und erfahren, wie diese Frauen Gartenträume mit Leben erfüllten und prachtvolle Erinnerungsorte hinterließen. Ganz wie Hildegard von Bingen sagte: "Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün." Die Printausgabe des Buches erschien 2016 im Nicolai Verlag, Berlin.

Editha Weber ist Kulturhistorikerin, hat an den Universitäten Halle, Edinburgh und Jena Geschichte, Evangelische Theologie und Kulturgeschichte studiert und wurde mit einer Arbeit über Englandreisen promoviert. In ihren Büchern lässt sie die Welt kluger und engagierter Frauen lebendig werden, die durch ihre Liebe zu Gärten, feinen Stoffen und kunstfertigen Schmuckgegenständen die europäische Kultur bereichert haben. Mehr über die Autorin unter: www.ulrich-travelguide.de

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vom verlorenen Garten Elisabeths von Dänemark in Güstrow. Oder: Wer vererbte die Gartenlust an Friedrich den Großen?
»Gartenkunst ist Raumkunst.«
Alfred Lichtwark
Zwischen Pracht und Herrlichkeit
 Am Anfang der Gartenreise durch Mecklenburg stehen eine alte Burg und der selbstbewusste Anspruch eines fünfundzwanzigjährigen Fürsten auf Herrschaft. Der zweitgeborene Herzogssohn Ulrich zu Mecklenburg (1527–1603) erstritt gegenüber seinem älteren Bruder, dem regierenden Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg (1525–1576), die Teilhabe an der Landesherrschaft. Auf diese Weise konnte ein Krieg vermieden werden. Die Brüder einigten sich darauf, die Herrschaft aufzuteilen. Während der Ältere das westliche Mecklenburg von der Residenz Schwerin aus regierte, gebot Ulrich ab 1556 von der Residenz Güstrow aus über das östliche Territorium. Kirchenregiment, Universität, Schulen und Hospitäler verwalteten die Brüder gemeinschaftlich. Herzog Ulrich verließ den alten Bischofssitz Bützow, wo er als Administrator des Bistums residiert hatte, und zog in die alte Burg Güstrow. Weder Herzog Ulrich noch seine Ehefrau Elisabeth (1524–1586) mögen Gefallen an diesem alten düsteren Haus in Güstrow gefunden haben. Als ein Teil der mittelalterlichen Burg abbrannte, während das Herzogspaar auf einer Reise nach Sachsen unterwegs war, bot sich Gelegenheit, den Wiederaufbau im Zeitgeschmack umzusetzen. Die Legitimität seiner Herrschaft wünschte Herzog Ulrich aller Welt durch eine glanzvolle Residenz vor Augen zu führen. Das neue Schloss sollte ein sichtbares Zeichen seiner Macht sein. Zweifelsohne stand er in Konkurrenz zu seinem Bruder, der in Schwerin und Wismar ebenso ehrgeizig bauen ließ. Das neue Güstrower Schloss sollte schöner und strahlender werden, sich stilistisch von den Schöpfungen Johann Albrechts unterscheiden. Architektur ist immer mehr gewesen als ein Ort zum Wohnen. Türme und Erker, geschwungene Bögen und aufragende Giebel verkörperten Herrschaft und Stärke. Herzog Ulrich hatte gewiss die Renaissancebauten im Kopf, die er während seiner Zeit in süddeutschen Städten gesehen hatte. Das prägte seine Ideen von Machtdarstellung und seine Auffassung von Bauten. Der Nachwelt präsentiert sich dieser Mann auf Gemälden sowie in Schriften als kunstsinniger und gebildeter Renaissancefürst. Erzogen im katholischen Umfeld am Hof des bayerischen Herzogs Wilhelm IV., studierte er Rechte und Theologie an der Hohen Schule in Ingolstadt und arbeitete als regierender Herzog im Geiste des Luthertums an einer neuen Kirchenordnung für Mecklenburg mit. Ulrichs Repräsentationswillen übersetzten ab 1558 der italienischstämmige Franz Parr und ab 1582 der Niederländer Philipp Brandin in steinerne Formen. Elemente französischer, italienischer, niederländischer und deutscher Baukunst vereinigten beide Baumeister kongenial. Französisch betonte Außentürme und steile Dächer, verspielte Schornsteine, italienische Arkaden, niederländische Giebel und nach deutschem Muster asymmetrisch angelegte Erker verzaubern trotz der Verluste an Bausubstanz bis in unsere Tage. Etwas Filigranes, südlich Leichtes strahlt dieser Bau aus. Das Ensemble durchbricht die umschließende Stadtmauer und kennzeichnet Güstrow schon aus der Ferne als Residenzort. Diese Wirkung entfaltet sich noch heute besonders bei einer Anfahrt von Westen. Der Ausbau der Residenz zog Veränderungen nach sich. Die Einwohnerschaft war von 2500 Menschen um 1500 auf etwa 4000 bis 4500 Menschen um 1600 angewachsen. Um 1600 präsentierte sich der Güstrower Hof künstlerisch und kulturell auf der Höhe der Zeit und war anderen mitteleuropäischen Höfen ebenbürtig. Zur neuesten Mode gehörte es, neben Kräuter-, Nutz- und Obstgärten einen prachtvollen Lustgarten anzulegen. Ein Lustgarten mit Blumen und duftenden Kräutern war dazu da, „die Augen zu erfreuen, die Nase zu erfrischen, den Geist zu erneuern“, wie 1518 der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt. Herzogin Elisabeth hatte bedeutenden Anteil an der Verwirklichung der Umgestaltungen, wie verschiedene Schriftstücke belegen. Mit großer Freude genoss sie ihren Schlossgarten, betont der Gelehrte Johannes Caselius in seiner anlässlich ihres Todes 1586 verfassten Leichenpredigt De laudibus Elisabethae: „Auch hier rings um die Burg des Herzogs künden die [Gärten] Geschmack und Mühewaltung der Königin, wenn man die Kräuter aller Art betrachtet, die heimischen und ausländischen Bäume, die dem Vergnügen und der Gesundheit und dem Nutzen dienen.“ Als gebildet und selbstbewusst, fromm und engagiert beschreiben sie die Zeitgenossen. Die drei Jahre ältere Tochter des dänischen Königs Friedrich I. hatte 1556 in zweiter Ehe Ulrich zu Mecklenburg geheiratet. Da war die dänische Prinzessin bereits eine verwitwete, kinderlose mecklenburgische Herzogin. Ihr erster Gemahl Herzog Magnus III. zu Mecklenburg, ein Cousin ihres zweiten Ehemannes, verstarb bereits 1550. Elisabeths reiche Mitgift war eine wichtige Grundlage für die aufwendigen Umbauten. Als Landesmutter unterstand ihr die Hauswirtschaft des Schlosses. Was im Garten angebaut, verarbeitet und im Keller gelagert wurde, beaufsichtigte sie. Persönlich verwaltete die Fürstin die Güter Grabow und Grevesmühlen, die ihr als Leibgedinge und somit zur materiellen Versorgung im Falle einer Witwenschaft übereignet wurden. Sie wirtschaftete umsichtig, plante für die Zukunft. Elisabeth ließ Bäume, wie beispielsweise in den Heidbergen, pflanzen, einem wenige Kilometer von Güstrow entfernt gelegenem Gebiet, das nach jahrhundertelangem Holzeinschlag verödet dalag. Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Rühn lag ihr sehr am Herzen. Herzog Ulrich hatte es ihr 1557 übergeben. In ihrem Auftrag erfolgten die Renovierung und die Einrichtung einer Schule für adelige Mädchen. Auf ihren Wunsch hin wurden auch die Hospitäler in Güstrow, Bützow, Burg Stargard, Stavenhagen und Grabow renoviert, ausgebaut und mit höheren finanziellen Mitteln ausgestattet. Nachdem ihre einzige Tochter Sophie (1557–1631) 1572, kurz vor ihrem 15. Geburtstag, mit ihrem Cousin, dem siebenundreißigjährigen dänischen König Friedrich II. verheiratet wurde, reiste das mecklenburgische Herzogspaar wiederholt nach Dänemark. Elisabeth war fast immer zugegen, wenn ihre Tochter in den Wehen lag. Wissend und helfend konnte sie ihr zur Seite stehen. Das war ungewöhnlich für ihre Zeit und ihren Stand. Elisabeths eigene Schwiegermutter Herzogin Anna suchte etwa angesichts ihres kranken Sohnes hilflos und verzweifelt Zuflucht bei Gott. Unter der Regierung ihres Vaters hatte Herzogin Elisabeth die Durchsetzung der lutherischen Reformation in Dänemark erlebt. In Güstrow setzte sie sich für den Umbau des Domes zur evangelischen Hofkirche ein. Der nach der Reformation von den Chorherren verlassene Bau wäre bald zum Steinbruch geworden. Die Herzogin förderte gleichfalls die Ausgestaltung der neuen Hofkirche, in der die fürstlichen Grabdenkmäler ihren Platz fanden. Der Umbau rettete den Dom. Das im nördlichen Chorraum aufgestellte Ulrich-Monument zählt zu den bedeutendsten fürstlichen Erinnerungsgrabmälern der Renaissance. Ein fast architektonischer, an antiker Formensprache orientierter Rahmen zeigt drei hintereinander kniende Figuren: Herzog Ulrich und seine zwei Ehefrauen Elisabeth von Dänemark und Anna von Pommern (1554–1626). Elisabeth im Kleid aus weißem Marmor mit goldenen Borten, graziösen Puffärmeln und weitem, vielfaltigem Kragen. Eine zierliche Haube, einer Krone gleich, schmückt den Kopf. Das Gesicht blass, seltsam starr. Weich lagern die Knie auf einem prächtigen Kissen. Während das steinerne Denkmal an die Herzogin erinnert, ist von ihrem Garten keine Abbildung überliefert. Allein Beschreibungen und Archivalien geben vage Auskunft über sein Aussehen. Doch die Schlossarchitektur lässt erahnen, wie glanzvoll dieser Garten einst gewesen sein mag. Vor den Toren der mecklenburgischen Landstadt Güstrow, durchzogen vom kleinen Fluss Nebel und an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen gelegen, entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Residenzgarten unter dem Einfluss der Renaissance. Als ein nordisches Pendant zur südlich inspirierten Gartenkultur hinterlässt er Spuren in alten Aufzeichnungen, erzeugt Erwartungen, regt zu Deutungen an und bleibt doch schemenhaft. Dabei ist der Rahmen dieses Gartenkunstwerkes erhalten geblieben. Dem Weg durch das barocke Torhaus des Güstrower Schlosses folgend, zeigt sich der Spaziergängerin von der Schlossbrücke mit einem Blick nach rechts das große Gartenparterre vor dem Südflügel. Etwa ein Hektar groß ist die rechteckige Gartenfläche, die von einem Laubengang aus Hainbuchen und einem Wassergraben eingerahmt wird. In neun Beetquartieren, acht in rechteckiger, das mittig gelegene in Herzform eingefasst, stehen Lavendel, zierliche Bäume und im jahreszeitlichen Wechsel gepflanzte Blumen. Zur sommerlichen Blüte ist der Gartenraum von Duft erfüllt. Besucher schwärmen, schauen, riechen. Die Illusion barocker Feststimmung lebt auf. Was für Träume ein Garten wecken kann! Dieses geordnete Gartenkunstwerk ist jedoch vom Renaissancegarten Herzogin Elisabeths zu unterscheiden. Der heutige Garten stellt eine Rekonstruktion nach grafischen Darstellungen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert dar. Genauer betrachtet, ist er eine Neuschöpfung. Kunsthistoriker würdigen den Güstrower Schlossgarten als eine der wenigen in Mittel- und Nordeuropa existierenden Anlagen, die, am authentischen Ort wiederhergestellt, eine Vorstellung von dem vermittelt, wie ein Fürstengarten der Renaissance an der Schwelle zum Barock aussah. Elisabeths Garten sehen wir nicht. Nachweislich existierte der Garten in veränderter Form bis zum Erlöschen der Güstrower Linie im späten...



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