E-Book, Deutsch, Band 4, 141 Seiten
Weber Der Schmuckladen in Whitecliff Bay
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-467-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman: Verliebt auf der Isle of Wight, Band 4 | Small Town Romance für alle Fans von Laurie Gilmore
E-Book, Deutsch, Band 4, 141 Seiten
Reihe: Verliebt auf der Isle of Wight
ISBN: 978-3-98952-467-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Annette Weber, 1956 in Lemgo geboren, schreibt seit über 20 Jahren Romane, in die sie stets ihre Begeisterung für Pferde einfließen lässt. Annette Weber ist verheiratet, hat drei Söhne, sechs Enkelkinder und lebt in der Nähe von Paderborn. Die Autorin im Internet: www.annette-weber.com/ und www.sina-trelde.de Bei dotbooks veröffentlichte Annette Weber ihre »Verliebt auf der Isle of Wight«-Reihe mit den Romanen »Das Cottage in Seagrove Bay« und »Die Teestube in Freshwater Bay«, die auch als Hörbücher bei SAGA Egmont erhältlich sind. sowie ihre Familiensaga um »Gut Werdenberg« mit den Bänden »Stürme einer neuen Zeit« (auch erhältlich im eBundle »Schicksalstöchter - Aufbruch in eine neue Zeit«) und »Hoffnung eines neuen Lebens«.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Sadie
Den Typen, der an diesem Nachmittag in mein Lädchen kam, kannte ich vom Sehen. Ich hatte ihn auf der Hochzeit meiner Freundin Ruby kennengelernt, als wir zusammen am Buffet standen. Von Ruby wusste ich, dass er Schauspieler war, und nur deshalb hatte ich sogar die Serie geguckt, in der er mitspielte. Dabei interessierte ich mich eigentlich gar nicht für Liebesfilme. Colin Porter hieß er. Er war mit Rubys bester Freundin Nele verheiratet, und die beiden hatten vor einigen Wochen Zwillinge bekommen. Wie ich Nele um diesen Typen beneidete! Er sah unglaublich gut aus, ein bisschen wie Liam, mit dem ich zwei Jahre zusammen gewesen war, und der mich mit meiner besten Freundin Lana betrogen hatte. Als ich an Liam dachte, musste ich einmal tief durchatmen. Der Gedanke an ihn schien doch immer noch mehr weh zu tun, als ich mir selbst zugestand.
Dieser Colin schien jedenfalls nett zu sein, und er war offenbar auch ein liebevoller Vater. Er hatte eines seiner Babys in einem Tuch vor den Bauch gebunden und strich dem schlafenden Mäuschen immer wieder zärtlich über den Rücken. Gleichzeitig schaute er sich meine Kollektion an Kettenanhängern an, die aus Strandglas bestanden. Danach blickte er ein bisschen hilflos zu mir herüber. Ich winkte ihm kurz zu.
Komme gleich, sollte das heißen, und er nickte.
Ich war gerade dabei, ein Schmuckstück für eine Kundin schön zu verpacken. Meine Kollegin Gwyneth beriet einen anderen Kunden in Sachen Trauringe und war ebenfalls beschäftigt. Aber ich wollte die Beratung für Colin sowieso gerne persönlich übernehmen, erst recht, wenn es um die Strandglas-Kollektion ging. Die hatte ich nämlich selbst entworfen.
Meine Kundin nahm ihr kleines Päckchen strahlend im Empfang, zahlte und verließ den Laden. Nun ging ich zu Colin hinüber.
»Hi, grüß dich. Wir kennen uns, oder?«
Colin nickte. Seine grünen Augen fixierten mich nachdenklich.
»Von Rubys Hochzeit, oder?«
Er hatte mich also nicht vergessen. Das machte mich richtig stolz. Ich hatte nämlich das Gefühl, mit meinem Allerweltsgesicht überhaupt nicht aufzufallen. Schließlich sah ich aus wie alle Menschen: Nase normal, Haare normal, Augen normal. Nur meine Zähne waren schön weiß und gleichmäßig, aber das hatte ja mittlerweile auch jeder.
»Sadie heißt du, oder?«
Er kannte sogar meinen Namen. Ich war richtig gerührt.
»Toll, dass du dir das gemerkt hast. Dich kennt man als Schauspieler natürlich.«
Colin verzog kurz das Gesicht und sah dabei aus, als wenn ihm das gar nicht recht wäre. Ich kannte von Ruby eine wilde Geschichte über ihn. Angeblich hatte er sich hier auf der Insel versteckt, um reiten zu lernen und war an Nele geraten. Und dann hatte es einen riesigen Run auf ihn gegeben, der damit endete, dass eine Serie hier auf der Insel und sogar auf Neles Reiterhof gedreht wurde. Nele hatte ihn am Anfang überhaupt nicht leiden können, dann aber hatten sich die beiden total ineinander verliebt.
»Wie kann ich dir helfen? Suchst du ein Kettchen aus Strandglas?«, versuchte ich, das Kundengespräch weiterzuführen. Ich hatte eine Reihe an schönen Anhängern in verschiedenen Größen und Strandglasfarben angefertigt.
Colin fuhr sich durch die Haare und sah nun ein wenig verlegen aus.
»Ich liebe diesen Strandglas-Schmuck sehr. Ich habe Nele bestimmt schon drei Ketten davon geschenkt.«
Er lachte, aber es klang fast ein wenig gequält. Jetzt strich er seinem Mäuschen wieder über den Rücken. Ich betrachtete das schlafende Baby. Es hatte seine Nase in Colins T-Shirt gedrückt. Die Augenlider waren geschlossen, die langen Wimpern legten sich über die Wangen. Zu süß sah es aus. Und so unglaublich vertrauensvoll.
»Ihr habt Zwillinge, oder? Ruby hat das mal erzählt.«
»Genau. Das hier ist Janet.«
Ich wartete geduldig. Colin schien unsicher mit dem zu sein, was er wollte.
»Möchtest du dich erst mal umschauen?«
»Eigentlich brauche ich deinen Rat.«
Ich nickte. »Klar. Gerne. Dazu bin ich da!«
Colin atmete tief durch. »Ich würde Nele so gerne etwas Außergewöhnliches schenken. Sie ist … sie ist einfach toll, und sie macht das alles so klasse mit den Kids und den Pferden …«
Wieder musste ich an Liam denken. Einmal hatte er mir auch Schmuck geschenkt, eine bunte Perlenkette, die ziemlich schwer gewesen war. Ich hatte sie ihm zuliebe manchmal getragen, aber eigentlich hatte ich sie nicht gemocht. Nach unserer Trennung hatte ich sie für einen Flohmarkt aussortiert.
Colin dagegen schien sich tatsächlich viele Gedanken über sein Geschenk zu machen. Schade, dass solche Männer immer vergeben waren.
»Wie lieb von dir, dass du sie überraschen willst«, sagte ich. »Dachtest du eher an eine Perlenkette? Oder einen Ring?«
Jetzt sah Colin noch gequälter aus.
»Das ist es ja«, meinte er. »Ich würde Nele so gerne Schmuck schenken. Das Problem ist nur, dass sie ganz ungern welchen trägt.«
Jetzt sah er richtig verlegen aus.
»Du denkst wahrscheinlich, ich bin total bescheuert, oder? Da gehe ich in einen Schmuckladen, dabei will sie so was gar nicht. Sie mag natürlich Schmuck, aber er stört sie immer bei der Arbeit auf dem Hof und wenn sie mit den Kindern beschäftigt ist.« Er seufzte erneut. »Dabei würde ich ihr damit so gern zeigen, wie besonders sie für mich ist.«
»Das ist überhaupt kein Problem«, versuchte ich ihm die Verlegenheit zu nehmen. »Ob du es glaubst oder nicht, aber ich habe sogar Schmuck für Menschen, die keinen Schmuck tragen. Das kommt nämlich gar nicht so selten vor.«
Colin sah mich nun dankbar an. »Ich wusste, dass du mir helfen kannst«, meinte er.
Ich führte ihn zu meinem Tresen und öffnete eine Schublade.
»Hier zum Beispiel habe ich einen Entwurf. Er ist noch nicht ganz fertig, aber du kannst sehen, wie er aussieht.«
Ich zeigte ihm drei Lederbändchen, die ich miteinander verflochten hatte. Um die Lederbändchen herum hatte ich Ringe gelegt, die die Bändchen miteinander verbanden, und auf die ich Namen eingraviert hatte.
»Du könntest zum Beispiel so ein Lederbändchen nehmen und vier Ringe drum herum legen, in die ich eure Namen eingravieren könnte. Und weil dir ja auch das Strandglas so gut gefällt, könnte ich hinter jeden Namen auch noch einen kleinen Splitter von dem Strandglas einfügen. Für jeden eine eigene Farbe, wenn du willst.«
An Colins Blick konnte ich erkennen, dass ihn diese Idee faszinierte.
»Das sieht ja schick aus. Richtig genial!« Er strahlte jetzt. »So ein Armband trägt sie bestimmt.«
»Da bin ich mir auch sicher«, stimmte ich zu. »Das ist ganz leicht. Und es fühlt sich weich und gut an.«
Ich legte Colin nun das Armband um und schloss es. Er betrachtete es nachdenklich.
»Das ist perfekt.«
»Dann sollten wir mal überlegen, welche Steine wir für euch wählen wollen«, schlug ich vor, während ich mich insgeheim freute, mal wieder einen Volltreffer gelandet zu haben. Ich öffnete eine Schublade und holte die kleinen Glassteinchen heraus, die ich auf meinen Strandspaziergängen gefunden hatte. Ich hatte sie nach Größen sortiert. Für die Ringe kamen nur kleine Splitter in Frage. Colin strich vorsichtig mit seinen Fingern darüber. Faszination lag in seinem Blick.
»Die sind wunderschön. Hast du sie alle gefunden?«
»Nicht nur ich«, erklärte ich. »Auch Ruby und ihr Mann sammeln immer für mich, wenn sie am Strand spazieren gehen. Ebenso Noah und seine Freundin, wenn sie mit der Schafsherde über die Insel ziehen – die beiden kennst du, oder …?«
Colin nickte.
»Wir sind auch oft am Strand«, erklärte er. »Ich werde in Zukunft mal die Augen für dich auflassen. Diese Schmuckkollektion ist eine großartige Idee. Ein ganz besonderes Geschenk von der Isle of Wight. Die solltest du dir prämieren lassen.«
»So einzigartig ist sie gar nicht«, gestand ich. »Es gibt einige, die Schönes aus Strandglas herstellen. Ich verkaufe den Schmuck auch nicht nur hier im Laden, sondern auch im Internet bei Etsy. Da kann ich sehen, dass es recht viel Konkurrenz gibt.«
»Aber bestimmt nicht das Strandglas von der Isle of Wight«, gab Colin zurück. »Das ist einzigartig.«
Wieder beugte er sich über die Steinchen. Dann suchte er einen braunen Strandglassplitter heraus, der einen grünlichen Schimmer hatte. Nachdenklich hielt er ihn gegen das Licht.
»Der hat genau die Farbe von Neles Augen. Braun, aber wenn das Licht darauf fällt, funkeln sie grün«, sagte er etwas verträumt. »Gut, und welches Glas nehmen wir für dich?«
Wieder betrachtete er die Auslage eingehend. »Hm. Ich weiß nicht.«
Ich nahm eine Pinzette und zog einen blau-grünen Splitter aus den Steinchen. »Ich finde, dieses hier passt zu deinen Augen.«
»Findest du? Okay, dann nehmen wir das.«
Wieder konzentrierte sich Colin auf das Strandglas.
»Zu Janet würde der orange Stein passen«, sagte er. »Und Jacob … ah, dieser türkise wäre perfekt.«
»Alles klar.« Ich notierte mir die Namen der Familie, legte die passenden Steine zur Seite und stellte Colin verschiedene Schriften vor. Er suchte sich eine gut lesbare Schrift heraus – Calibri – und auch die passte irgendwie zu ihm. Jetzt kam die Gretchenfrage.
»Möchtest du die Ringe für das Armband in Gold oder in Silber anfertigen lassen?«, fragte ich und fügte vorsichtig hinzu: »Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber der Goldpreis ist im Moment ziemlich hoch, und sogar der Silberpreis …«
Colin machte eine wegwerfende Handbewegung. Geld schien für ihn keine Rolle zu spielen. Er dachte keine Minute nach.
»Für...




