E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Weber Carnivora
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8314-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-7562-8314-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Während eines Superbebens mit Epizentrum in der Schweiz und Österreich sterben in Zentraleuropa etwa elf Millionen Menschen. Weite Teile Europas werden dabei völlig zerstört und in Schutt und Asche gelegt. In den benachbarten Regionen werden Versorgungspunkte errichtet, um die überlebenden Zivilisten vorerst mit dem Nötigsten zu versorgen. Das Rettungsteam von Commander Dawn, die sechste Task Force, wird in eines der Krisengebiete entsandt, um dort nach dem Rechten zu sehen. Nicht nur das sie umgebende Chaos erweist sich als Herausforderung der besonderen Art. Bald zeigt sich, dass sich in den Trümmern und Ruinen der Stadt eine viel schrecklichere Bedrohung herumtreibt. Dies ist die Geschichte von Commander Dawn und seinem Team.
Benjamin Weber, geboren 1977 in Zürich, wurde im Jahr 2007 zum ersten Mal Vater. Etwa ein Jahr später erkrankte er an einer schweren endokrinen Stoffwechselstörung und litt unter massiver Schlaflosigkeit. Während der ihm nachts zur Verfügung stehenden Zeit begann er zu schreiben. 2010 wurde er zum zweiten Mal Vater; es folgte eine gut zwei Jahre andauernde Schreibpause. 2012 nahm er sein Manuskript wieder zur Hand, überarbeitete den Entwurf komplett und begann dann das Ende der Geschichte zu schreiben. Als sich seine Krankheit zunehmend verschlimmerte, musste er eine weitere mehrmonatige Schreibpause einlegen. 2015, ein Jahr nach einer erfolgreichen Operation und endlich vollends auskuriert, konnte er seinen Roman fertiggschreiben ..
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Wir schreiben das Jahr 2021. Als die Erde etwa zwei Monate zuvor von einem Superbeben der Stärke 9,9 auf der Richterskala erschüttert worden war, hatte sich die afrikanische Kontinentalplatte mit solcher Wucht unter die europäische geschoben, dass sich der gesamte Alpenkamm gehoben und gesenkt hatte wie die Wogen des Meeres. Das Beben brachte der Alten Welt die Apokalypse. Bergflanken stürzten ein und begruben ganze Städte und Dörfer unter ihren Massen. Staudämme barsten, und riesige Flutwellen ergossen sich durch die Alpentäler. Beschauliche Dörfer und blühende, jahrhundertealte Städte wurden innerhalb kürzester Zeit ausgelöscht, als hätten sie nie existiert, oder stürzten in die Tiefe, ohne eine Spur zurückzulassen. Kein Stein stand mehr auf dem anderen. Im gesamten Gebirgszug zeigte sich ein Bild vollständiger Zerstörung. Die Schweiz und Österreich existierten nicht mehr, sämtliche Regierungsmitglieder waren verschollen, und von heute auf morgen war jegliche Infrastruktur verschwunden. Strassen, Stromleitungen, Krankenhäuser, Schulen und Einkaufszentren: Alles war komplett zerstört. Der Westen Frankreichs sowie Süddeutschland, weite Teile Tschechiens und Norditalien waren ebenfalls massiv zerstört. Ganze Stadtteile waren in sich zusammengestürzt oder in den gigantischen Erdspalten verschwunden. Bis zu tausend Kilometer weit waren die Ausläufer des Bebens vorgestossen, zum Teil bis tief in die umliegenden Länder hinein. Wie würden die Länder Europas einer Katastrophe solch ungeheuerlichen Ausmasses Herr werden können? Würde es überhaupt möglich sein? Sämtliche Regierungsgeschäfte wurden sofort eingestellt, um sich nur noch der Katastrophenbewältigung widmen zu können. Die ehemaligen Staatsgebiete der Schweiz und Österreichs, an deren Stelle sich nun ein gewaltiges Loch von Tausenden Quadratkilometern befand, wurde sofort zum Sperrgebiet erklärt. Deutschland, Frankreich, Italien und Tschechien erklärten ihre zerstörten Regionen zum Katastrophengebiet. Jeder andere europäische Staat schloss sich einem dieser vier Länder an, um ihnen jede mögliche Hilfe zur Bewältigung der Krise zur Verfügung zu stellen. Aber was sollte mit dem Sperrgebiet geschehen? Man einigte sich darauf, dass Grossbritannien und die skandinavischen Länder, die selbst weitgehend vom Beben verschont geblieben waren, die Zuständigkeit darüber übernehmen sollten. Diese Länder verfügten über hochmoderne militärische Mittel und waren es gewohnt, in Krisengebieten zu arbeiten. Denn es war klar, dass trotz der vollständigen Zerstörung dieses gewaltigen Gebiets Menschen überlebt haben mussten und dass diese kaum eine Chance haben würden, längere Zeit ohne Hilfe zu überleben. Diese Menschen zu finden und mit dem Notwendigsten wie Lebensmitteln, Trinkwasser, Zelten und Decken zu versorgen, war das primäre Ziel. Genauso verhielt es sich mit den Zonen, die um das Sperrgebiet herum lagen. Die Notversorgung der überlebenden Bevölkerung musste koordiniert werden – und nicht zuletzt mussten Abertausende von Toten geborgen werden, um das Ausbrechen von Seuchen und Krankheiten zu verhindern. Nach einigen Wochen begannen die Regierungen sogenannte Versorgungsstützpunkte mit minimaler Infrastruktur aufzubauen. Zwar traf eine unglaubliche Menge an Hilfsgütern, Personal, Maschinen und Geräten aus allen Ecken der Welt ein, doch es zeigte sich, dass es unmöglich war, die Versorgung der Bevölkerung auf einem so grossflächigen Gebiet zu gewährleisten. Alleine das Koordinieren der Hilfsgüter benötigte Hunderte von Personen. Wer und was wo benötigte wurde, war das eine – wie man es an die betreffenden Orte bringen sollte, das andere. Bald war klar, dass es die Versorgung der notleidenden Bevölkerung enorm erleichtern würde, wenn sich ein Teil davon in die Nähe der Versorgungspunkte begeben würde. So wurde vereinbart, in einem Ring um das gesamte Sperrgebiet alle hundert bis hundertfünfzig Kilometer einen Versorgungspunkt mit minimaler Infrastruktur aufzubauen. Zu diesem Zweck wurden Städte ausgewählt, in denen es noch einige grosse bewohnbare Gebäude gab. Dort sollte eine medizinische Grundversorgung eingerichtet werden und die Verteilung der Lebensmittel und anderer Hilfsgüter wie Zelte, Decken und Kochgeschirr stattfinden. Auf Flugblättern und mit durch die Städte fahrenden Fahrzeugen, die mit Lautsprechern ausgerüstet waren, wurde die Bevölkerung informiert, wo sich die Versorgungspunkte befanden, zu denen sie sich so schnell wie möglich begeben sollten. Während des Superbebens mit Epizentrum in der Schweiz waren in Zentraleuropa rund elf Millionen Menschen gestorben. Weitere drei Millionen Menschen kamen in den darauffolgenden Tagen im Chaos der Trümmer ganzer Städte ums Leben. In der näheren und weiteren Umgebung stürzten Hochhäuser in sich zusammen, und Brücken brachen ein. Strassen wiesen Risse auf, in denen Lastwagenkolonnen, sogar ganze Stadtteile ohne Weiteres verschwanden. Einstige Dörfer sahen aus wie frisch gepflügte Äcker. Auch in grösserer Entfernung vom Epizentrum hatten die letzten Ausläufer so viel Schaden angerichtet, dass ganze Gebäude in Schutt und Asche gelegt oder so stark beschädigt worden waren, dass sie kurz vor dem Zusammenbruch standen. Die öffentlichen Gebäude, Infrastrukturen, ganze Regionen waren bis zu achtzig Prozent zerstört. Das Militär war für die Bergung und Rettung der Betroffenen zuständig, wobei keinerlei Mühen gescheut wurden. Tag und Nacht wurde nach Überlebenden gesucht, doch für die meisten kam jede Rettung zu spät. Bald schon füllten sich die Leichenhallen, und die Zahl der Toten stieg immer weiter an. Es mussten Unmengen an provisorischen Leichenhäusern errichtet werden, damit die Toten zumindest aus dem Blick der Öffentlichkeit gebracht werden konnten. Auch die Grundversorgung der Überlebenden mit Strom und Nahrung wurde vorerst durch das Militär gewährleistet. Schutzräume und sanitäre Anlagen wurden improvisiert und über Solarzellengeneratoren am Laufen gehalten. Nach zwei Monaten erlosch jede Hoffnung, weitere Überlebende zu finden. Die Lager wurden abgebaut, und die militärischen Einheiten zogen allmählich ab. Die Regierungen der angrenzenden Länder waren immer noch mit der Beseitigung der Toten beschäftigt. Es wurden eiligst Krankenhäuser, Supermärkte und Unterkünfte gebaut und zu guter Letzt etliche Massengräber in allen Teilen des Katastrophengebietes ausgehoben. Natürlich alles auf provisorischer Basis, in so kurzer Zeit war schlicht und einfach nicht mehr zu machen. Bei einer Routineüberprüfung, leider viel zu spät, entdeckte das Militär, dass bei einem erst kürzlich geschlossenen Massengrab das Erdreich von Chemikalien durchtränkt und von Bakterien verseucht worden war und informierte daraufhin umgehend die regional einzige noch intakte medizinische Einrichtung, das SinAid, sich wohl bald schon auf noch mehr erkrankte Personen, nämlich die Grubenarbeiter, vorzubereiten. Die nahe an das verseuchte Massengrab angrenzenden Gebäude sowie der Hauptkomplex der dortigen Walking Mind Corporation, eines riesigen Forschungszentrums für Chemikalien und Bakterien sowie für Gentechnik und militärische Kampfstoffe, war bei dem Superbeben grösstenteils zerstört worden. Vier der hundertdreissig Mitarbeitenden hatten überlebt, die anderen waren unter den Trümmern des Gebäudes nach dessen Einsturz gestorben. Ein Überlebender erzählte Dr. Schreier, dem leitenden Arzt des SinAid-Hospital, er habe einige der Wissenschaftler und Angestellten noch an den Fenstern gesehen. Schreiend und mit dem Entsetzen vor dem bevorstehenden Tod im Gesicht hätten sie an die Fenster geschlagen, als der gesamte Westtrakt in sich zusammenbrach und alles unter sich begrub. Dabei wurden einige der Tanks und Silos für Chemikalien und Bakterien, die unter den eingestürzten Laboratorien angelegt waren, zerstört. In diesen Silos sollen nach Angaben des Angestellten unter anderem Chemikalien und Bakterienstämme zur Kreuzung verschiedener Gewebe und Materialien eingelagert gewesen sein. Man war dabei, ein Mittel zu entwickeln, um Gewebe und Materialien robuster und widerstandsfähiger zu machen. In einer weiteren Phase wurde die Formel so angepasst, dass sie – ähnlich wie das Klonverfahren – die behandelte Struktur hätte befähigen sollen, sich selbst wieder zu aktivieren, Verletzungen selbst zu versorgen oder zu heilen, ja sogar Abgestorbenes wiederzubeleben. Zuerst habe man es an toten, anorganischen Objekten und an Pflanzen versucht. Da diese aber keine geeignete Struktur oder einen zu geringen Stoffwechsel aufwiesen, habe man als nächstes die Leichen einiger verstorbener Häftlinge benutzt, die sich freiwillig dafür zur Verfügung gestellt hätten. Als auch dies nicht die gewünschten Ergebnisse zu Tage gebracht habe, habe man sich für Versuche am lebenden Organismus entschieden. Zuerst arbeitete man mit Tieren, da...




