E-Book, Deutsch, 116 Seiten
Weber Auf dass wir Menschen werden
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-3730-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christlich-hermetische Betrachtungen für den Weg zu einem ganzheitlichen Sein und Werden
E-Book, Deutsch, 116 Seiten
ISBN: 978-3-7526-3730-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mensch ist man nicht, Mensch wird man. Und dies nicht nur in einer individuellen Biographie, denn auch die Menschheit als Ganzes hat auf ihrem langen Entwicklungsweg viele Stufen, Etappen und Krisen zu durchwandern, bis sie dereinst ihr eigentliches und letztendliches Ziel erreichen kann. Doch wenige wissen von diesem Ziel, denn dieses liegt nicht im Ursprung, also in einem Zurück zu den göttlichen Wurzeln, sondern in einer Zukunft, wofür der Mensch sich selbst zu einem Schöpferwesen und damit zu einem göttlichen Wirken und Sein sich hinentwickeln soll. Dazu sind hier einige Wegweisungen mitgegeben.
Franz Weber ist Autor mehrerer Schriften zu den Themen: Spiritueller Schulungsweg und Gral, Kunst und Religion, Partnerschaft und Gesundheit, Gesellschaft und soziale Frage ... Im Perceval-Institut für Kosmologie und christliche Hermetik wird Forschung und Beratung zu diesen genannten Themen angeboten.
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Wer bin ich?
Zahlreiche Identifikationen ermöglichen es dem Menschen, eine eigene Identität und damit eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur aufzubauen. Und dies im Laufe des Lebens immer stärker und immer besser mit oftmals wechselnden Attributen. Das heißt, in der frühen Jugendzeit sind andere Dinge wichtiger als im Alter, wo dann zum Beispiel bestimmte Fragen um die Gesundheit einen immer stärkeren Anteil im Leben erhalten können. In den folgenden Zeilen habe ich versucht, solche Attribute und Identifikationen etwas bewusster zu machen, auch in Hinsicht einer gewissen Rangfolge, die den Menschen zu dem macht, was er nun einmal darstellt und an was er sich mit seinem Selbstwertgefühl am meisten heftet, ob er sich dessen bewusst ist oder auch nicht. An erster Stelle was den Menschen ausmacht, ist natürlich der Mensch beziehungsweise das Menschliche selbst. Wenn man alle Attribute und Identifikationen weglässt, so bleibt eben der Mensch übrig, das bedenken wir oftmals viel zu wenig. Wir sind alle Menschen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Nationalität wir angehören. In diesem Menschsein sind wir alle miteinander verbunden. Was dieses Menschsein eigentlich ausmacht, soll dann später noch etwas näher angeschaut werden. Jedoch kann man von vorneherein sagen, dass der Mensch nach Leib, Seele und Geist eine Gliederung aufweist, die ihn vom Tier oder auch von der Pflanze vor allem dadurch unterscheidet, dass der Mensch einen individuellen Geist, also auch ein eigenständiges Denkvermögen und ein selbstbewusstes Seelenleben ausbilden kann. An zweiter Stelle einer prägnanten Komponente des Menschseins tritt die Geschlechterdifferenzierung in Erscheinung. Natürlich haben auch Tiere eine Geschlechtszugehörigkeit. Diese prägt Tier und Mensch gleichermaßen, doch der Mensch ist sich dessen bewusst und identifiziert sich damit. Drittens sind wir seelisch-geistig vor allem bestimmt durch die Muttersprache, durch Kultur und Bildung, durch Erziehung und Umwelt, in der wir aufgewachsen sind. Diese Ebene wird sich zeitlebens jedoch auch wandeln und erweitern können, denn der Mensch ist ein Wesen, das dazu aufgefordert ist, beständig dazu zu lernen. Viertens bestimmt auch das Alter, die Reife beziehungsweise auch unsere leiblich-seelische Gesundheit das allgemeine Lebensgefühl. Ist man in der Lebensmitte zum Beispiel noch stolz auf manch erbrachte Leistung, kann dies im Alter recht schnell zweitrangig werden, wenn Gebrechen und Krankheiten uns vor ganz andere Hindernisse stellen. Doch ein wichtiger Faktor für ein reifes und erfülltes Leben, mit dem man zufrieden und erfolgreich sein kann, ist als fünfte Ebene der Beruf, der Status, das soziale Umfeld, sind die Familie, die Freunde und die Bekannten zu erwähnen, an und mit denen wir wachsen und durch die wir ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln dürfen. Der Mensch, nicht mehr nur als leibliches Wesen verstanden, wird hier zu einem sozialen Wesen, das er eben auch noch ist, so wie er sein geistiges Wesen durch Kultur, Bildung und dem Finden einer eigenen Identität und Aufgabe, zum Beispiel durch eine Berufung, ausbilden und ausarbeiten kann. Die Ebene innerhalb der Gesellschaft, wo es um eine Berufung, vielleicht auch um eine Mission oder um eine sinnvolle und kulturell nützliche Aufgabe geht, die man im Leben verspürt, steht noch über dem Beruf, dem Erfolg, dem Status und den sozialen Umfeldeinflüssen. Oftmals ist es gar so, dass durch eine Berufung nicht immer der Erfolg und die gesellschaftliche Anerkennung an vorderster Stelle stehen, sondern das kreative Schaffen selbst, das Schöpferisch-Sein, das innere Drängen, die spirituelle Reifung und das soziale Tun. Dieses schenkt ja auch eine gewisse innere Befriedigung. Was natürlich ebenfalls eine herausragende Bedeutung im Leben hat, ist die Frage nach dem Charakter. Tugenden wie die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft et cetera sind seelische Attribute und Merkmale, die mitentscheiden, wie und ob wir im sozialen Leben Anerkennung und Hilfen erfahren oder gute Freunde finden. Diese sechste Ebene verweist schließlich auch auf unsere Interessen, die wir im Leben entwickeln. Haben wir mehr leibliche, seelische oder geistige Interessen? Dies ist ja auch eine Frage des Charakters und des Temperamentes, denn dahin entwickeln wir uns zukünftig hauptsächlich hin. Siebtens erwähne ich hier eine karmische Ebene. Bestimmte Gebrechen, Talente, Einseitigkeiten, Schicksalsgegebenheiten und Charakterzüge bringen wir eben auch schon mit, an denen oder mit denen wir zu arbeiten haben. Keiner ist ein „unbeschriebenes Blatt“ und nur alles auf die Erziehung und auf gewisse Umwelteinflüsse schieben zu wollen, genügt daher noch nicht, wenn man den Menschen in seinen tieferen Gründen erfahren und erforschen will. Eine achte Ebene, die unser Sein und Leben bestimmen kann, wird geprägt durch unser Leistungsvermögen, durch das, was wir erschaffen, was wir an Nützlichem für die Allgemeinheit erbracht haben. Dies schenkt zumeist Anerkennung, Erfolg und Ehre, was natürlich eine starke Identitätsbildung fördern kann. Neuntens ist unsere geistige Einstellung, unsere Weltanschauung, zum Beispiel unsere politische oder spirituelle Ausrichtung prägend. Sind wir Materialisten, sind wir konservativ, liberal, links, rechts, reformerisch oder revolutionär? Das bestimmt erheblich unser eigenes Wertegefühl und den Willen, sich mit Gleichgesinnten zu verbinden. An die zehnte Stelle setze ich das Äußere, das Aussehen und die Ausstrahlung eines Menschen, durch die wir oftmals schon gewisse Vorteile, Anerkennungen oder Ablehnungen erfahren können. Die elfte Stelle ist bedingt durch unsere Religionszugehörigkeit; da haben wir zumeist ein Gruppengefühl mit ähnlich Denkenden und Fühlenden. Auch Atheisten haben dies. Eine Werte- und Sinn-Gemeinschaft vermittelt Identität und Zugehörigkeit, die aber auch ins Fanatische, Einengende, ins Überzeugen-Wollende und ins Begrenzende einmünden kann. Da wird oftmals von „Oben“ beziehungsweise von Außen festgelegt, wie der Mensch zu leben hat und nach was er sich ausrichten soll. Nicht er selbst, also sein eigenes Erleben und Erfahren ist dabei zumeist das Impulsierende, sondern eine Gruppen-Dynamik, ein Gruppen-Verband, unter den sich der Einzelne zu stellen hat. An zwölfter und letzter Stelle erwähne ich hier die Nationalität beziehungsweise die Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Eine nationale Identität scheint heute wieder stärker in den Vordergrund zu treten. Am Leiblichen und an der Herkunft will man seine Identität, seine Zugehörigkeit und sein Gemeinschaftsgefühl stärken. Das ist einerseits verständlich, weil die geschichtliche und die kulturelle Entwicklung immer stärker in eine Individualisierung und damit auch in eine Vereinzelung hinein verläuft, vor der viele Menschen zurückschrecken. Da ist es doch leichter, sich auf eine gemeinsame Abstammung, auf die sogenannte „Blut und Boden“-Ideologie zu beschränken, doch mit der Gefahr, sich von den Anderen, die nicht so sind wie wir, zu trennen beziehungsweise auch in eine Feindschaft mit diesen zu geraten. Staaten kommen und gehen, sie sind nicht für die Ewigkeit gebaut, das zeigt die Geschichte immer wieder. Deutschland beziehungsweise den deutschen Staat gibt es seit knapp 200 Jahren; da sollten wir unsere Identität nicht zu sehr anbinden, obwohl es natürlich auch wichtig ist, sich für das Wohl seines Staates einzusetzen. Zudem kann beobachtet werden, wer sich zu sehr an nationalistische, an ethnische oder auch an fundamentalistisch religiöse Strömungen heftet, der kann sehr leicht die wichtigen Aufgaben vernachlässigen oder verlieren, die wir als Menschen nun einmal haben, eben die Punkte und Ebenen, die zuvor geschildert wurden. An erster Stelle des Menschseins steht nämlich die Aufgabe: Mensch zu werden. Denn der Mensch ist ein Werdender und daher noch lange nicht fertig. Wir müssen daher immer mehr, immer tiefgründiger und immer vielschichtiger dazulernen, nicht nur an der Außenwelt, zum Beispiel an und in fremden Ländern und Kulturen und uns für diese engagieren, sondern wir sollen auch noch den inneren Menschen und damit den ganzen Menschen sehen lernen, also nicht nur den äußeren nach Aussehen, nach Erfolg, nach Status, nach den jeweiligen Interessen und nach seiner Gemeinschaftszugehörigkeit. Vor allem dieser innere Mensch, in sich selbst und dann auch im Anderen wahrgenommen, kann uns letztlich eine innere Heimat und damit ein Vertrauen schenken, zu sich selbst und dann auch zur Welt. Dadurch braucht man keine Angst mehr zu haben vor der Vereinzelung, vor der Individualisierung, denn der innere, der geistige Mensch ist schließlich mit allem verbunden. Wir können den Menschen vereinfacht darstellen in einem Kreuz, in dem dieser steht, nämlich in den verschiedenen Ebenen eines solchen Kreuzes: 1. Die Hinten – Vorne Ebene: Hinten – das Vergangene, von der Geburt bis zum Tod, also in die Zukunft (Vorne) hinein. Dies bedeutet folglich auch, dass wir uns nicht nur aus der Vergangenheit herkommend begreifen und bestimmen sollen, sondern dass wir auch die Möglichkeit haben, sich von der Zukunft und...




