E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Weale Nur Freundschaft - oder Liebe?
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1806-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-1806-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liz weiß, dass ihr Nachbar ein Frauenheld und Herzensbrecher ist. Und sie ahnt auch, warum ihm dieser Ruf vorauseilt: Seiner erotischen Ausstrahlung kann selbst sie sich kaum entziehen. Eigentlich wollte die schöne Künstlerin in dem südspanischen Dorf ihren Garten Eden finden. Und nun kostet sie fast vom Baum der Versuchung ...
Jay Blakeney alias Anne Weale wurde am 20. Juni 1929 geboren. Ihr Urgroßvater war als Verfasser theologischer Schriften bekannt. Vielleicht hat sie das Autorengen von ihm geerbt? Lange bevor sie lesen konnte, erzählte sie sich selbst Geschichten. Als sie noch zur Schule ging, verkaufte sie ihre ersten Kurzgeschichten an ein Frauenmagazin, und sie hatte das Gefühl für das Schreiben bestimmt zu sein. Darum entschied sie sich, Autorin zu werden, und schrieb für Zeitungen und Magazine. Bereits mit 21 war Jay Zeitungsreporterin mit einem Karriereplan, aber der Mann in den sie sich unwiderruflich verliebt hatte, teilte ihr mit, dass er auf der anderen Seite der Welt arbeiten würde. Er war der Meinung, dass sie entweder heiraten oder sich auf Wiedersehen sagen sollten. Sie hatte immer daran geglaubt, dass wahre Liebe ein ganzes Leben lang halten würde, und sie wusste, dass es schwieriger ist, einen wundervollen Mann als einen guten Job zu finden. Darum legte sie ihre Karriere auf Eis, was sich als weise Entscheidung herausstellte. Gemeinsam bereisten sie die Welt. Hätte sie nicht einen Teil ihres ersten Ehejahres am Rand eines malaysischen Dschungels verbracht, wäre Jay wohl nie Liebesromanautorin geworden. Die abgelegene Lage und die Gefahren durch den Ausnahmezustand, der damals im Land herrschte, gaben ihr genug Stoff für ein Genre, das sie erst kennenlernte, als sie in der Bibliothek des Country Clubs Liebesromane entdeckte. Da sie selbst die große Liebe erlebt hatte, konnte sie über Gefühle schreiben, die sie aus eigener Erfahrung kannte. Nach ihrer Rückkehr nach Europa arbeitete Jay wieder als Journalistin und schrieb in ihrer Freizeit ihren ersten Liebesroman, den sie unter dem Pseudonym Anne Weale bei Mills & Boon veröffentlichte. Damals war sie erst 24. Nach der Geburt ihres Sohnes David beschloss sie, ihren Beruf aufzugeben und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sie war eins der Gründungsmitglieder der The Romantic Novelists' Association. Insgesamt hat sie 88 Romane geschrieben, auch unter dem Pseudonym Andrea Blake, die häufig vor exotischer Kulisse - in der Karibik oder ihrem geliebten Spanien - spielen.
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1. KAPITEL
La mujer sin hombre es como el fuego sin leña
Eine Frau ohne Mann ist wie ein Feuer ohne Holz
Es gab Nächte, in denen Liz nicht schlafen konnte.
Erinnerungen … Reue … Zweifel … unerfüllte Sehnsüchte … Freude über ihre Freiheit. All dies beschäftigte sie und hielt sie wach. Dann stand sie auf, machte sich einen Kräutertee und ging über die Außentreppe auf die Dachterrasse ihres kleinen Hauses.
Als sie eines Nachts dort stand und die Berge im Mondlicht betrachtete, wurde sie von Geräuschen aufgeschreckt. Sie kamen aus La Higuera, dem großen Haus am Hügel, an dem das kleine spanische Dorf Valdecarrasca erbaut worden war. Der Feigenbaum, der in dem Garten der Villa stand, hatte ihr den Namen gegeben.
Seit sie vor sechs Monaten hierher gezogen war, hatte das Nachbarhaus leer gestanden, und sie hatte fast vergessen, dass der Besitzer eines Tages zurückkehren würde und auf ihr Flachdach sehen könnte. Das Rattern der Rollläden und der Lichtschein, der durch die Erdgeschossfenster fiel, ließen keinen Zweifel daran, dass La Higuera wieder bewohnt war.
Rasch verließ Liz die Dachterrasse und verschwand im Haus, bevor irgendjemand sie bemerken konnte. In der dunklen Küche wartete sie, ob die Rollläden, die die oberen Fenster der großen Villa verdunkelten, hochgezogen wurden. Der Besitzer war der Fernsehreporter Cameron Fielding, doch manchmal überließ er das Haus Freunden, wie sie erfahren hatte. Bevor sie nach Valdecarrasca gezogen war, hatte sie noch nie von ihm gehört. Und das, was man ihr von ihm erzählt hatte, gefiel ihr nicht. Da sie allerdings gerechtigkeitsliebend war, schenkte sie einigen der Skandalgeschichten keinen Glauben.
Alicia hat wohl nicht gemerkt, dass jemand in La Higuera angekommen ist, dachte sie, während sie weiter wartete. Alicia war die korpulente Spanierin, die sich um das Haus kümmern sollte, solange es leer stand. Sie sollte es lüften und reinigen, bevor jemand kam. Eigentlich sollte dies einmal im Monat geschehen. In Wirklichkeit, so hatte Liz gehört, tat sie dies aber nur einige Tage vor der Ankunft von Mr. Fielding oder seinen Gästen.
Diesmal war sie anscheinend überrascht worden. Einer der oberen Rollläden fuhr automatisch hoch. Ein Mann hatte ihn betätigt. Da seine Silhouette sich gegen das Licht abzeichnete, konnte Liz erkennen, dass er groß und breitschultrig war und dunkles Haar hatte. Er sah wie ein Spanier aus.
Eine zweite Person erschien. Eine Frau. Während der Unbekannte aus dem Fenster blickte, stellte sie sich dicht hinter ihn und umarmte ihn. Sofort drehte er sich herum und erwiderte ihre Umarmung. Liz beobachtete, wie er den Kopf zu ihr hinunterbeugte und sie lange und innig küsste. Doch es schien, als würde sein sechster Sinn ihm sagen, dass sie auch um ein Uhr nachts in diesem kleinen spanischen Dorf nicht ungestört waren, und er zog die Vorhänge zu.
Schuldbewusst schloss Liz ebenfalls die Vorhänge ihres Küchenfensters und suchte den Lichtschalter. Dann machte sie sich noch einen Becher Tee und ging in ihr Schlafzimmer hinauf, um das Buch weiterzulesen, das auf ihrem Nachttisch lag.
Sie konnte sich nicht konzentrieren. Diese Szene am Fenster hatte in ihr eine übermächtige Sehnsucht geweckt. Liz versuchte, sich zu beruhigen. Sie war neugierig, ob der Mann in La Higuera wirklich der legendäre Frauenheld war, um dessen amouröse Eroberungen sich so viele Gerüchte rankten.
„Er kommt immer mit einer anderen Freundin“ war ein Satz, den sie über ihn gehört hatte. „Er sieht so gut aus … und er ist völlig unmoralisch. Er ist immer noch nicht verheiratet. Deshalb kann man es ihm ja nicht übel nehmen, dass er keine Gelegenheit auslässt, oder?“ war ein anderer Kommentar, der sich ihr eingeprägt hatte.
Liz verachtete alle Schürzenjäger, denn wegen genau so eines Mannes, der zudem verheiratet gewesen war, hatte sie keine besonders glückliche Kindheit und Jugend gehabt. Sie hielt nichts von Menschen, die Sex nur als Spiel betrachteten.
Trotz der nächtlichen Störung stand Liz am nächsten Morgen wie gewöhnlich früh auf. Während sie sich im Badezimmer die Zähne putzte, fiel ihr auf, wie sehr sie sich seit ihrer Ankunft verändert hatte. Damals war sie blass und erkältet gewesen und hatte gerade den nasskalten englischen Winter hinter sich gelassen.
Jetzt war sie selbst nach einer unruhigen Nacht fit. Sie war nie eine Schönheit gewesen. Ihre dunkelblauen Augen und ihre helle Haut, die jetzt leicht gebräunt war, waren ihre positivsten äußerlichen Merkmale. Früher hatte sie immer gemäßigte Versionen der aktuellen Frisurenmode getragen. Hier war sie nicht mehr zum Friseur gegangen, um Geld zu sparen, und ließ ihr mittelbraunes Haar wachsen. Sie band es einfach zusammen oder steckte es hoch. Inzwischen war es von hellen Strähnen durchzogen.
Nach einer kurzen, heißen Dusche zog sie ein schlichtes weißes T-Shirt, einen marineblauen Rock und Segelschuhe an. Dann fuhr sie zum Wochenmarkt im nächstgrößeren Dorf, das einige Kilometer entfernt war. Gleich nach dem Frühstück wollte sie eine halbe Stunde im Garten von La Higuera arbeiten.
Die Vorbesitzerin ihres Hauses, eine ältere Engländerin namens Beatrice Maybury, hatte den nachbarlichen Garten versorgt. Liz hatte diese Arbeit von ihr übernommen. Sie liebte Gartenarbeit, und der großzügige Betrag, der ihr für eine Stunde Arbeit pro Woche gezahlt wurde, war eine willkommene Aufbesserung ihrer bescheidenen Einkünfte. Als sie diese Arbeit angenommen hatte, hatte sie nicht gewusst, wem dieses Anwesen gehörte. Beatrice hatte nie über Cameron Fielding geredet.
Es war unwahrscheinlich, dass die Bewohner von La Higuera nach der späten Ankunft und dem leidenschaftlichen Kuss vor Mittag aufstehen würden. Liz beschloss, etwas Unkraut zu jäten und die Pflanzen zu gießen, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen würden. Sie betrat das Anwesen durch ein Seitentor, das zum Garten im hinteren Teil führte. Als sie schließlich vor dem niedrigen Beet an der efeubewachsenen Mauer kniete, die an ihren kleinen Garten grenzte, und einige silbergraue Beifußsetzlinge auspflanzte, hörte sie eine Männerstimme.
„Hallo … Wer sind Sie denn?“
Liz stieß einen erschrockenen Schrei aus, sprang auf und verlor fast das Gleichgewicht. Der Mann trat vor und ergriff ihren Arm.
„Entschuldigung … Ich wollte Sie nicht erschrecken. Wahrscheinlich dachten Sie, dass niemand da wäre. Ich bin gestern Nacht, oder besser gesagt, heute Morgen ankommen. Ich bin Cam Fielding, der Besitzer. Und Sie?“
Sie hatte sofort gewusst, wer er war. „Gut aussehend“ war noch untertrieben. Er war zweifellos der attraktivste Mann, dem sie je begegnet war. Letzte Nacht hatte sie ihn für einen Spanier gehalten, und er wirkte auch so. Sein Haar und die Augenbrauen waren schwarz, seine Haut war leicht gebräunt, und die markanten Gesichtszüge deuteten auf maurische Vorfahren. Aber seine Augen waren stahlgrau.
„Ich bin Liz Harris“, sagte sie und wurde sich seines Griffs bewusst. Außerdem merkte sie, dass er unter dem weißen Bademantel nackt war. Sie blickte an ihm hinunter und entdeckte seine nackten Füße. Darum hatte sie ihn nicht kommen hören. Er hatte gerade geduscht und sie wohl durch das Küchenfenster gesehen.
„Sind Sie die Tochter von Mrs. Harris … oder ihre Schwiegertochter?“, fragte er.
„Weder noch … Ich bin Mrs. Harris.“ Liz wünschte, er würde ihren Arm loslassen und ein Stück zurücktreten. Da er ihr so nahe war, empfand sie seine Anziehungskraft als unangenehm.
Cameron Fielding zog eine Augenbraue hoch. „Ich verstehe. Ich hatte Sie mir älter vorgestellt … so wie Beatrice Maybury. Als sie schrieb, dass eine englische Witwe ihr Haus kaufen würde, nahm ich an, Sie wären eine ältere Lady. Wie alt sind Sie?“
„Sechsunddreißig.“ Erleichtert, dass er endlich ihren Arm losgelassen hatte, trat sie einen Schritt zurück. Eigentlich ist es eine Frechheit, sofort nach meinem Alter zu fragen, dachte sie. „Und wie alt sind Sie?“
„Neununddreißig“, antwortete er. „War Ihr Ehemann viel älter als Sie … oder ist er jung gestorben?“
„Er war ein Jahr älter als ich und ist vor vier Jahren gestorben.“ Sie hatte war noch nie jemandem begegnet, der solche persönlichen Fragen so früh stellte. Die meisten Bekannten vermieden dieses Thema.
„Was ist passiert?“
„Er ist ertrunken, als er versucht hat, ein Kind aus schwerer See zu retten. Er war kein guter Schwimmer. Sie sind beide gestorben“, antwortete sie leise. Duncans Heldenmut war ihr immer noch ein Rätsel. Er war so ein vorsichtiger Mann gewesen, der nie ein Risiko eingegangen war. Diese Tollkühnheit war völlig untypisch für ihn gewesen.
„Das lässt seine Tat sogar noch edler erscheinen“, sagte Cameron Fielding. „Lebten Sie schon in Spanien, als es passierte?“
„Nein, in England. Wir waren oft mit seinen Eltern in Spanien gewesen. Sie haben immer eine Villa für den Winter gemietet. Mrs. Maybury hatte meinen Schwiegereltern ihr Haus angeboten. Ich war bei der Besichtigung dabei. Sie mochten es nicht, aber mir gefiel es.“
„Und was machen Sie hier?“, erkundigte er sich. „Die Mehrheit der britischen Auswanderer in diesem Teil von Spanien sind Rentner … obwohl die Anzahl der jungen, arbeitenden Auswanderer angeblich steigt. Haben Sie einen Job neben diesem hier?“
„Ich bin selbstständige Handarbeitsdesignerin … vor allem für Frauenmagazine. Das ist eine Arbeit, die ich überall ausüben kann – dank E-Mail.“
Eine Bewegung auf der...




