E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana
Waters Brautschau auf Italienisch
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-044-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86494-044-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nie hat der Seidenfabrikant Alessandro die anmutige Modestudentin Alice vergessen können. Nach ihrer ersten, verheißungsvollen Liebesnacht verschwand sie spurlos. Als er sie nun in Mailand wiedersieht, will er sie zurückgewinnen und lädt sie in seine Villa am Comer See ein. Doch nach einem traumhaften Wochenende ergreift Alice erneut die Flucht. Auf keinen Fall aber will Alessandro sie ein zweites Mal verlieren. Er wird kämpfen, alles wagen. Und dann kommt seine große Chance: Als er Alice auf einer Brautmodenschau im Publikum entdeckt, zieht er seinen kostbarsten Trumpf ...
Die erste Schreibmaschine, an der die Zehnjährige Geschichten schrieb, stammte von ihrem Großvater; später schenkten die Eltern ihr ein brandneues Modell, auf dem sogar kleine Bücher entstanden. Heute verdient Jane Waters als Autorin ihren Lebensunterhalt. Ihren Laptop nimmt sie auf viele Reisen rund um den Globus einfach mit, denn Schreiben geht immer und überall! Sie hat für sich den weltbesten Beruf gefunden, den sie mit niemandem tauschen möchte.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Majestätisch ragten die hohen Säulen des Doms in den strahlenden Himmel. Weiße Wölkchen segelten leicht dahin, und ein warmer Wind strich über den großen, sonnenüberfluteten Platz, erzählte von einem langsam sich zu Ende neigenden Sommer. Zwischen dem Lachen der flanierenden Menschen und den Geräuschen der Stadt schwebte sanft die Melodie eines Straßenmusikers, der mit dem Spiel seiner Violine das zauberhafte Ambiente noch unterstrich.
Alice konnte sich nicht sattsehen und ließ ihren Blick abermals über das imposante Bauwerk schweifen. Der Mailänder Dom, eines der Wahrzeichen Italiens, zählte zu den größten Kirchen der Welt. Eingebettet in das pulsierende Zentrum der Stadt und umgeben von unzähligen Schaulustigen, Touristen als auch Einheimischen, verbreitete das einzigartige Gotteshaus eine unbeschreiblich schöne Atmosphäre. Heute wie damals war Alice von der ganzen Pracht überwältigt, und sie hätte ewig hier stehen und staunen können.
Allerdings schmerzten ihr von der langen Besichtigungstour quer durch die City längst die Füße, denn sie trug blaue Pumps, die zwar elegant, aber nicht gerade bequem waren. Nun, sie war eben nicht zum Vergnügen, sondern in erster Linie als Repräsentantin von Richards Firma in die Modemetropole Mailand gekommen: „Lovely Dress“ – der Name des erfolgreichen Unternehmens war Programm, auch wenn ihre Vorstellung von schicker Haute Couture mit der ihres Onkels nicht unbedingt übereinstimmte.
Alice seufzte und sah sich um. Sie hatte sich nun wirklich eine Pause verdient. In welcher Richtung lag noch mal dieses kleine Café, in dem sie vor Jahren als Modestudentin immer so gerne gewesen war? Sie konnte sich nicht mehr genau erinnern, hatte sie doch vieles aus dieser erlebnisreichen Zeit verdrängt. Und das ja auch aus gutem Grund …
Nicht an die Vergangenheit denken! beschwor sie sich und ging einfach los. Schließlich wollte sie jede freie Minute ihres Aufenthalts einfach nur genießen. Wie sehr hatte sie sich gefreut, als Richard ihr das Flugticket auf den Schreibtisch gelegt hatte.
„Aber wenn du wieder unglücklich verliebt zurückkommst, war dies deine letzte Reise nach Italien!“, hatte er mit einem Augenzwinkern hinzugefügt.
„Wo denkst du hin!“ Resolut hatte sie sich gegen diese Vorstellung gewehrt. „Ich liebe zwar Italien, aber ganz bestimmt nie wieder einen Italiener.“ Lachend hatte sie ihren Onkel umarmt und alle weiteren Bedenken beiseitegeschoben. Eine ganze Woche durfte sie nun also das südliche Flair auskosten, das sie in ihrer kühlen Heimatstadt so sehr vermisste. Sicher, London war eine großartige Metropole. Doch immer schon hatte Alice tiefe Sehnsucht nach dieser genießerischen mediterranen Lebensweise verspürt. Nur leider ließ ihr der anstrengende Job als Chefdirektrice kaum Zeit für den Luxus eines Urlaubs.
Aber es gab noch einen anderen Grund, warum sie mit ihrer Arbeit in jüngster Zeit nicht ganz zufrieden war. Während sie vor Begeisterung für neue, moderne Kreationen sprühte, bremste Richard ihren Schaffensdrang regelmäßig aus. Er begnügte sich mit der langjährigen Klientel seines Hauses, meist ältere, gut betuchte Damen mit konservativem Geschmack. Alice hatte lange dafür gekämpft, die Kollektionen nun endlich etwas aufzufrischen. Die Reise nach Italien zu Mailands berühmter Modewoche, ein Event, das sowohl im Frühjahr als auch im Herbst Tausende von Modebegeisterten aus aller Welt anzog, war ein erster Erfolg – und allein ihr Erfolg. Sie hatte sich fest vorgenommen, die Modelinie im Haus künftig stärker mitzugestalten und sich fortan auch die eine oder andere Reise zu gönnen. Das hatte sie sich nach den vielen Jahren harter Arbeit einfach verdient.
„Attenta, attenta!“ Alice schreckte auf. Wer mahnte sie denn da so aufgebracht zur Vorsicht? Ganz in Gedanken versunken, hatte sie nicht auf den Weg geachtet. Gerade noch rechtzeitig konnte sie einem wütend klingelnden Radfahrer ausweichen. Betäubt vor Schreck, sah sie ihm nach. Wo befand sie sich überhaupt? Sie war einfach in eine der Seitenstraßen abgebogen und stand nun vor einem der vielen typischen Cafés, das im Schutz der großen hellen Markise mehr als einladend wirkte. Kurz entschlossen nahm sie an einem der freien Tische Platz und streckte ihre geplagten Füße aus. Wie gut das tat! Aus dem Inneren der Bar drang das laute Rumoren der Espressomaschine, und der kühle Schatten war – obwohl der Kalender bereits Ende September zeigte – immer noch eine Wohltat, denn Alice hatte ein paar herrlich warme Spätsommertage erwischt. Sie bestellte sich einen Milchkaffee und vertiefte sich rundum zufrieden in ihren Reiseführer. Ob dieses nette Lokal hier darin erwähnt wurde?
„Sie wünschen, Signorina?“ Alice sah von ihrer Lektüre auf und in das lächelnde Gesicht des Kellners. Der Bursche war noch ziemlich jung, aber es war schon abzusehen, dass er sich zu einem Frauenschwarm entwickeln würde. Was war es nur, das ihr an italienischen Männern so gefiel? War es ihr selbstbewusstes Auftreten, ihr offenes Lachen oder diese unergründlich dunklen Augen, die jedem gewechselten Wort den Hauch eines Geheimnisses verliehen? Sie lächelte zurück und bestellte einen Milchkaffee. Dann jedoch runzelte sie die Stirn. Genau das war ja das Problem dieser Männer – ihr Geheimnis. Das meist darin bestand, dass sie nicht nur eine, sondern gleich mehrere Geliebte hatten. Sie sollte sich lieber auf die Gegenwart konzentrieren, statt diesen Gedanken nachzuhängen, die sie damals nach ihrer überstürzten Abreise aus Mailand so gequält hatten.
Der junge Ober servierte den Milchkaffee, und Alice griff, nachdem sie einen Schluck getrunken hatte, wieder nach ihrem Reiseführer und stockte. Was steckte denn dort zwischen den Seiten? Sie zog an dem weißen Stück Papier, und hervor kam ein Kuvert, das eine ihr wohlbekannte Handschrift trug: Für Alice. Onkel Richard! Aber warum? Halb überrascht, halb skeptisch öffnete sie den Umschlag. Wahrscheinlich hatte er es nicht lassen können, ihr noch ein paar fürsorgliche Anweisungen mit auf den Weg zu geben. Er kümmerte sich eben wie ein echter Vater um sie, war stets um ihr Wohl besorgt – so sehr, dass es ihr manchmal zu viel wurde …
Sie öffnete das Kuvert. Darin steckte eine schlichte weiße Karte, aus der, als sie aufgeklappt wurde, eine nagelneue 500-Euro-Note auf den Boden segelte. Schnell bückte sie sich und hob den Geldschein auf. Na so was! Sie überflog Richards wenige Worte: Kauf Dir was Schönes! Oder gönne Dir einen Luxus! Dein Dich liebender Onkel. Alice jedoch wollte kein rechtes Dankeslächeln gelingen. Stattdessen starrte sie lange auf den Schein. So war Richard eben: In irgendeiner Weise streckte er immer die Finger nach ihr aus, meinte es stets gut mit ihr – und übersah dabei geflissentlich, dass sie schon lange selbstständig war. Sie brauchte sein Geld längst nicht mehr!
Doch sie war nun einmal Richards Ersatztochter und wusste, wie sehr er sich eigene Kinder gewünscht hatte, auch wenn er und Tante Sue keine bekommen konnten. Da war es wie ein tragischer Wink des Schicksals gewesen, als ihre Eltern bei einem tragischen Unfall ihr Leben verloren und sie als kleines Mädchen in die Obhut ihres Onkels kam. Alice konnte sich nicht erinnern, dass es ihr je an Liebe und Zuwendung gefehlt hatte.
„Die Lady wirft also mit Banknoten um sich!“, riss sie plötzlich eine tiefe Stimme aus den Gedanken.
Alice zuckte zusammen. Sie hatte da wohl einen ungebetenen Beobachter – wahrscheinlich einer dieser vielen einheimischen Frauenjäger, die in den Bars und Cafés beständig auf Beute lauerten. Das kannte sie ja schon. In diesem Fall war es das Beste, gar nicht erst zu reagieren.
„Schön, dich mal wiederzusehen! Und das nach so langer Zeit!“
Jetzt aber wurde ihr anders, heiß und kalt zugleich. Nun erst stellte sie fest, dass ihr Beobachter nicht Italienisch, sondern nahezu perfekt Englisch sprach. Jede Faser ihres Körpers spannte sich plötzlich an, und sie spürte, wie das Blut aus ihrem Kopf wich. Denn diese Stimme kannte sie doch, diese Stimme konnte nur einem gehören …
„Alessandro!“ Fast klang es wie ein Schrei, als sie sich ihm zuwandte. Und tatsächlich saß er da, zwei Tische neben ihr, mit lässig übereinandergeschlagenen Beinen. Ein amüsiertes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, und er musterte sie mit den gleichen faszinierenden Augen wie eh und je, Augen, die dunkelbraun glänzten und doch einen hellen Grund bargen, Augen, die sie von Anfang an gefangen genommen hatten … Alessandro Domenico!
Was für ein seltsamer Zufall, ihn hier zu treffen. Und wie unglaublich gut er aussah! Alice konnte seinen muskulösen Oberkörper und das dunkle Brusthaar unter seinem weißen Hemd erahnen. Ein durch und durch attraktiver Mann! Sieben Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Jahre, in denen auch aus ihr eine richtige Frau geworden war. Was war sie einst doch für ein naives Mädchen gewesen …
„Du bist es wirklich! Alice! Alice Morton!“ Schon war Alessandro aufgestanden und kam zu ihr herüber. „Ich habe meinen Augen eben nicht getraut. Doch als du dich nach dem Geldschein gebückt und dir dann die Haare aus dem Gesicht gestrichen hast, habe ich dich erkannt. An dieser Geste …“
Alice blieb vor Überraschung die Luft weg. Wie leicht Alessandro daherredete, so, als wäre zwischen ihnen überhaupt nichts passiert. Doch noch bevor sie etwas erwidern konnte, saß er bereits an ihrem Tisch und griff nach ihrer Hand. „Warum schaust du mich denn an, als ob ich ein Geist wäre?“ Er...




