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Warren / Reppenhagen Auf dem Weg der Erneuerung

Vitale Gemeinde entwickeln und leben

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Reihe: Beiträge zu Evangelisation und Gemeindeentwicklung Praxis

ISBN: 978-3-7615-6541-4
Verlag: Neukirchener
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es gibt sie tatsächlich: Vitale, anziehende und wachsende Gemeinden. Sie teilen gemeinsame Kennzeichen und sie bauen auf benennbaren Grundlagen auf.
Nach seinem Erfolgs-Buch 'Vitale Gemeinde' legt Robert Warren nun nach. 'Auf dem Weg der Erneuerung' will den Kern von Mission
für die Gemeinde erkennbar und umsetzbar machen. Das Buch geht auf der Grundlage der sieben Kennzeichen durch die wichtigsten
Dimensionen der missionarischen Gemeindeentwicklung. Dafür gibt es den Verantwortlichen eine Fülle von Ideen, Material, Erfahrungen und Anwendungen an die Hand.
Was Warren so unverwechselbar macht: Er fördert Haltungen und Werte und bleibt ganz nah bei den Menschen. Deshalb lässt sich
diese Schatzkiste für die Gemeindeentwicklung so gut umsetzen.
Ein elementares missionarisches Gemeindeaufbau-Handbuch!
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Kapitel 2 – Hindernisse überwinden Gehen wir also davon aus, dass es die Aufgabe von Kirche ist, auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene die Erkenntnis Gottes anzustreben und zu verkörpern, dann stellt sich die Frage: Warum ist dies nicht viel deutlicher sichtbar? Was hindert die Gemeinden daran, die Merkmale einer vitalen Gemeinde mehr nach außen hin zu zeigen? Viele Pfarrerinnen, Pfarrer und Laien sehnen sich danach, ihre Gemeinde zu einem lebendigen Zentrum christlicher Spiritualität und christlichen Lebens zu machen. Warum also ist das Bild von Kirche so anders? „Immer weniger Menschen in den Ländern der ‚ersten Welt‘ fühlen sich angezogen vom Christentum, weil in Religion so wenig Spiritualität zu finden ist.“18 „Es ist beunruhigend und aufschlussreich zu hören, dass die die Kirche von Suchenden außerhalb nicht mehr dafür kritisiert wird, ‚langweilig‘, ‚altmodisch‘ oder ‚irrelevant‘ zu sein. Heute wird sie kritisiert, weil sie nicht ‚spirituell‘ genug ist.“19 Zunächst einmal müssen wir feststellen, dass jede Gemeinde und jede Glaubensgemeinschaft einzigartig ist, so wie jede und jeder von uns einzigartig ist. Es gibt kein einfaches ‚Allheilmittel‘, das die eindeutig vorhandene Vielzahl von Gründen überbrücken könnte, die unsere Gemeinden daran hindern, geistliche Vitalität auszustrahlen. Es gibt allerdings gemeinsame Themen, auch wenn deren Umsetzung von einer Gemeinde zur nächsten unterschiedlich ist. Wir wollen uns im Folgenden einige der wichtigsten Hindernisse anschauen und überlegen, wie man sie überwinden kann. Hindernisse überwinden – biblische Wurzeln Die Schrift erzählt nicht nur die Geschichte von Menschen, die der übernatürlichen Heiligkeit Gottes begegnen, sondern auch die von den vielfältigen Hindernissen auf einem Lebensweg in der Nachfolge. Adam und Eva scheitern an der ersten Hürde, die Kinder Israels sehnen sich nach „den Fleischtöpfen Ägyptens“ zurück, Elia floh vor Isebel in die Wildnis, der sensible Jeremia landete in einem Brunnen, Daniel und seine Freunde fanden sich in einer Löwengrube wieder, Jakob kämpfte mit Gott auf dem Weg zurück zu seinem Bruder, den er betrogen hatte, Mose war mit Mangel an Nahrung und Wasser konfrontiert, Nehemia überwand physische Angriffe und psychologische Kriegsführung beim Wiederaufbau von Jerusalem; all dies sind Symptome für ein Volk, das um sein Überleben kämpft. Auch Jesus erfuhr Gegenwind von den religiösen Autoritäten und politischen Mächten, die dann zu seiner brutalen Folterung und Kreuzigung führten. Kein Wunder also, dass er diejenigen, die ihm nachfolgten, lehrte, sich ebenfalls auf solche Kämpfe einzustellen: „Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.“ (Matthäus 5,12) Schließlich überwand Jesus in seinem Leiden die unterdrückende Kraft der Römer und der religiösen Führer durch seine aufopfernde Liebe und „öffnete damit das Reich des Himmels für alle, die an ihn glauben“. Kein Wunder, dass das letzte Buch der Bibel einen neuen Begriff für die Gläubigen prägt: die Überwinder. Am Verwunderlichsten aber ist das, was Jesus tat und Paulus lehrte: Die Gläubigen sind aufgerufen entgegen der eigenen Intuition, das Böse mit Gutem zu überwinden. Texte zum Thema: Matthäus 5,38-42; Markus 3,1-6; Lukas 4,1-13; Römer 12; 1. Korinther 13. Die Tyrannei des Dringlichen Die ständige Geschäftigkeit des Lebens und die endlose Liste von Aufgaben, die erledigt werden müssen, hindern Pfarrerinnen, Pfarrer und Laien daran, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die wirklich wichtig sind. Hat man die Wahl zwischen dringend und wichtig, dann entscheiden sich die meisten von uns für das Dringende, einfach weil es die lautere Stimme und eine unmittelbare Wirkung hat. Darüber vergessen wir oft, was wirklich getan werden muss. In exakt diese Situation kam Jesus vor 2000 Jahren als er sagte: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“(Matthäus 11,28-30) Gewöhnlich betrachten wir ‚Nachfolge Christi‘ als eine herausfordernde Art zu leben. Die Wahrheit ist jedoch, dass das Leben weniger von Angst geprägt ist, wenn wir seinem Weg folgen und seine Prioritäten zu unseren eigenen machen. Ja, es hat seinen Preis, aber es schenkt auch Ruhe. Diese Wahrheit kam auf überraschende Weise zum Vorschein bei unserer Suche danach, was eine vitale Gemeinde ausmacht. Wir alle, die wir Geschichten aus den 25 (zahlenmäßig) gewachsenen Gemeinden gesammelt haben, gingen unbewusst von der Annahme aus, dass es sich dabei einfach um Gemeinden handelte, die schneller und härter arbeiteten als andere. Entdeckt haben wir, dass diese Gemeinden ‚fokussiert statt aktionistisch‘ sind. Außerdem lag Ihr Fokus auf Dingen von Bedeutung: Das Wichtige zählte mehr als das Dringende. Sie hatten entdeckt, welches Geheimnis darin liegt‚ sich auf das Wesentliche zu konzentrieren‘.20 Wie also könnten Gemeinden, Geistliche und Menschen, die erkennen, dass sie mehr ‚aktionistisch sind als fokussiert‘, dieses Problem in Angriff nehmen? Ein großer Schritt ist schon getan, wenn man es zugibt. Ansonsten muss man damit rechnen, dass die Gemeinde und alle, die sich dort engagieren, an den Rand der Erschöpfung geraten mit dem Gefühl, trotz aller Bemühungen nichts zu erreichen. Innehalten ist also überlebenswichtig. Und das nicht nur mal eben kurz, sondern lange genug, um eine Bestandsaufnahme und einen Plan machen zu können, wie es gelingen kann, ‚zurückzukehren zum Herz dessen, worum es eigentlich geht‘. Was also kann dabei helfen, ein solches Innehalten herbeizuführen? Der erste Schritt ist, zwischen ‚Handeln‘ und ‚Dasein‘ zu unterscheiden. Sollen der Einzelne sowie die Gemeinschaft gesund sein, müssen diese beiden Pole menschlicher Existenz in eine Balance gebracht werden. Der griechische Philosoph Sokrates sagte vor über zweitausend Jahren, dass „ein Leben kein Leben ist, wenn es nicht kritisch betrachtet wird“. Um zurückzukehren zu dem, worum es im Kern geht, müssen sich eine Gemeinde und alle, die sich dort engagieren, zuallererst trauen innezuhalten. Sie müssen innehalten, um Bilanz zu ziehen, die eigene Situation zu bewerten und dann herauszufinden, wo hinein Energie und Aufmerksamkeit fließen müssen. Das ist schwer, besonders dann, wenn eine Gemeinde nicht daran gewöhnt ist. In diesem Fall müssen Wege gefunden werden, das zu vermitteln. Wenn Gemeinde sich in eine reflektierende Gemeinschaft verwandelt ist dies eine frohe Botschaft für alle: für die einzelnen Gemeindemitglieder genauso wie für die Glaubensgemeinschaft. Im zweiten Schritt müssen Wege gefunden werden, um das Innehalten in das Leben Einzelner und der Gemeinschaft zu integrieren. Im Gottesdienst eine kurze Zeit der Stille einzuhalten nach Lesungen und Evangelium (wenigstens eine Minute – mit Blick auf die Uhr) und Zeit zwischen den Fürbitten sind hilfreich, um Gewohnheiten zu verändern. Auch wenn sich die Gemeindeleitung bei ihren Sitzungen und auch bei weniger formalen Treffen – wie einem gemeinsamen Wochenende – Zeit nimmt zur Reflexion und zum Gebet, ist dies hilfreich für den gesamten Prozess. Auch gemeinsames Lesen von entsprechender Literatur kann uns selbst, anderen Einzelpersonen und auch Gruppen dabei helfen, das Tempo so zu verlangsamen, dass wir Gottes Prioritäten für die eigene Gemeinde erkennen und den eigenen Anteil daran. Vertiefend – besonders für Leitungsteams – wirkt hier die Arbeit mit einem themenbezogenen Sachbuch.21 Ebenso helfen kann ein Leitungstreffen ohne Tagesordnung einmal im Vierteljahr, bei dem man darüber nachdenkt, worum es im Kern der Arbeit geht. Eine gute Maßnahme ist auch, Pfarrerinnen und Pfarrer zu ermutigen, Reflexionszeiten einzuplanen (z. B. einen Studientag im Monat). Hierzu bedarf es einer Selbstdisziplin, die geübt werden muss. Wenn Laien (z. B. Mitglieder der Gemeindeleitung) eine solche Praxis speziell fordern, kann dies auch Ansporn sein für die Hauptamtlichen der Gemeinde. Ein Innehalten aller Betroffenen soll im Wesentlichen zu der Erkenntnis führen, wie ein Gemeindeleben mit Fokus auf das ,Dasein‘ neu ausbalanciert werden kann. Drittens hilft es – auch wenn dies am allerschwierigsten ist – ‚Nein!‘ zu sagen. Meistens möchte man anderen entgegenkommen, das gilt wahrscheinlich in besonderer Weise für Pfarrerinnen und Pfarrer. Trotzdem ist ‚Nein‘ ein Wort voller Vitalität. Es kann ‚nicht jetzt‘ bedeuten oder ‚nicht ich‘. Aber es braucht Mut, ‚Nein‘ zu sagen. Leichter wird es, sobald wir wissen, was Gott von uns erwartet, denn dann haben wir einen klaren Weg, von dem aus wir Ablenkungen besser erkennen können. Wie Nehemia müssen wir in der Lage sein zu sagen: „Ich habe ein großes Werk auszurichten, ich kann nicht hinabkommen.“ (Nehemia 6,3), auch wenn wir sicher lieber einen anderen Weg finden würden, um das zum Ausdruck zu bringen! Bei all dem tut es gut, sich daran zu erinnern, dass dieses Innehalten – so wie es die oben zitierten Worte Jesu sagen – eine gute Nachricht für von...


Warren, Robert
Robert Warren, einer der Autoren des EMMAUS-Kurses, war verantwortlich für eine der größten und schnell wachsenden Gemeinden in England, St. Thomas, Crookes. 1993 wurde er Nachfolger von John Finney als Beauftragter der Kirche von England für Evangelisation. Seit 1998 gehört er Springboard an, einer Initiative für Evangelisation, ins Leben gerufen von den Erzbischöfen von Canterbury und York.

Reppenhagen, Martin
Martin Reppenhagen, geb. 1964, ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden und seit 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald. Forschungsschwerpunkte: "Missional Church", "Emerging Church" und Missionstheologie.


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