Wanko | Eisenhagel 2 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Wanko Eisenhagel 2

Die Krah
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-903322-90-5
Verlag: edition keiper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Krah

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

ISBN: 978-3-903322-90-5
Verlag: edition keiper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie geht es weiter in Eisenhagel? Endlich gibt es den neuen Steiermark-Krimi von Martin G. Wanko. Gewitzt erzählt, noch bissiger und noch knackiger. Ein echter Wanko eben. Worum es geht? Nun, der Herbst läutet in Eisenhagel die Krampuszeit ein. Da genügt der erste Nebel, der sich aus den Wäldern nach Eisenhagel in die Gemächer einschleicht, oder das erste Kaminfeuer, das angemacht wird. Eisenhagel versinkt in winterlicher Stille. Aber nur fast, denn man bereitet bereits den nächsten Krampuslauf vor. Doch Jenny, Kevin und Annika haben noch Mühe, den Krampuslauf vom letzten Jahr zu verdauen, besonders Jenny, die ehemalige Krampusprinzessin, hat mit dem Krampuslauf diesmal nichts am Hut. Doch aus dem Nichts erscheint Edi, verteilt Krähen aus Schokolade und mietet sich in die sagenumwobene Krah ein. Aber wer kommt schon ohne Absichten nach Eisenhagel? Dazu taucht aus einem Nachlass ein Bild mit einem Mädchen auf, das auf bestürzende Weise mehr als nur ein Bild ist. Ja, am 5. Dezember wird Eisenhagel wohl erbeben, denn dann kommt der Krampus zurück! It's Krampus-Time! Wer den schrägen Autor näher kennenlernen möchte - http://www.m-wanko.at/

Martin G. Wanko, geb. 1970, lebt in Graz und Bregenz als Autor, Journalist und Texter. Er ist eingeschriebenes GAK-Mitglied.Bis jetzt wurden drei Romane (u.a. Bregenzer Blutspiele) von Martin G. Wanko veröffentlicht und über 25 Theaterstücke uraufgeführt. Wanko hat somit am meisten Uraufführungen unter den lebenden steirischen Autoren. Div. Preise und Stipendien. Seine Stücke wurden u.a. am Wiener Schauspielhaus, am Bregenzer Schauspielhaus, im Forum Stadtpark Theater, im Theater im Bahnhof oder im Theater im Keller uraufgeführt bzw. szenisch gelesen. Letzte Publikation: il carso. la bora. (Markart/Wanko, edition keiper 2018). UA: Samys Abenteuer (TiK/Wanko-Zinke). Wanko leitet seit 2000 die GAV Steiermark. www.m-wanko.at
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1. Teil


Jenny verbindet den Unterarm des Patienten. Sie sucht seinen Blick, doch er schaut schuldbewusst aus dem Fenster. In einer schüchternen Art, wie es Jugendliche machen, die unterwegs waren und nicht ganz nüchtern einen Scheiß drehen. Lange Nacht halt. »Im Bamm-Bamm gewesen?«, fragt Jenny nach. Sie kann es sich nicht verkneifen nachzufragen. Die Großraumdisco saugt am Wochenende die Jugendlichen auf. Zuerst Eishockey und dann ab ins Bamm-Bamm. Vorher vielleicht noch eine Pizza im Café. Seit das Technofett zu hat, der einzige Ort wo in der Nacht wirklich was los ist. Der Junge nickt. Jetzt ist er angekommen. Er weiß, dass sie ihn versteht, schaut in den Raum, chillt und die Muskeln entspannen sich. Jenny spürt, wie von einer Sekunde auf die andere der Blutdruck ihres Patienten auf unter 100 absackt. Eine Krankenschwester, die Verständnis für die Jugend hat, und vielleicht noch selbst unterwegs ist, ist nicht das Schlechteste. »Ich bin ausgerutscht«, sagt er so nebenbei und Jenny weiß ganz gut, was das bedeutet. »Das sagen sie alle«, antwortet sie und zieht kurz am Verband. Der Junge zuckt zusammen und schaut sie eingeschüchtert an. Hat sie ihn etwa reingelegt? Wird es jetzt ganz schlimm, weil er sich aufgeführt hat? Jenny zwinkert ihm zu und macht den Verband fertig. Sie schickt die Jugend gerne mit dem Gefühl nach Hause, dass es gut war, dass sie zum Spital raufgekommen sind, aber eben nicht ohne nachzudenken wieder runtergehen sollten. Sie kennt den Typen vom Sehen, er ist einer, der immer hinten an den Nostalgie-Flippern abhängt, sich betrinkt und dann halt »ausrutscht«. Es ist der Bereich hinter der ersten Bar, während sie sich mit ihren Leuten an der Bar vorne bei der Tanzfläche aufhält. Es gibt mehrere Bereiche im Lokal, denn in Eisenhagel gehen alle coolen Menschen von 10 bis 100 Jahren in dieselben Lokale. Jenny schaut kurz auf den Arztbrief und nickt. »Eine anständige Prellung, aber nichts weiter. Also nicht so oft ausrutschen, im Bamm-Bamm«, mahnt sie ihn und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Der Junge grinst. Jenny deutet ihm, das Spital zu verlassen, und das macht er auch. Er dreht sich noch einmal um, Jenny hat aber keine Zeit mehr für ihn. Vom Sehen her kennen sich in Eisenhagel irgendwie alle. Aber das Neonlicht zur nächtlichen Stunde in der Klinik hat viel Gutes, denkt sie sich. Es zeigt dir jede Pore, die Leute stehen absolut ungeschminkt vor dir und geben eine Ruhe. Und du bist Krankenschwester. Keiner vermutet zum Beispiel, dass die Krankenschwester Jenny sich letzte Woche um 4 Uhr morgens auf allen vieren aus dem Bamm-Bamm entfernt hat. Das hängt sie jetzt aber auch nicht an die große Glocke. Die Oberschwester Theresa geht Ende des Jahres in den Ruhestand und sie hat sich beworben. Sie ist nicht die Einzige und der Oberarzt Dr. Traisen hat versprochen, sie zu unterstützen. Vielleicht wird es ja was!

Sie schaut aus dem Panoramafenster in eine schwarze Welt. Einen Schritt aus dem Spital und sie würde in ein Nichts kippen. Einen Augenaufschlag später hebt sich der Himmel eine Nuance gegen den noch schwarzen Wald ab. Jetzt beginnt der Tag. Sie sagt sich intuitiv gerettet! Sie weiß nicht warum. Wer soll sie von wo retten und überhaupt. Eigentlich rettet eher sie Menschenleben. Dennoch. Mit aller Stärke, die sie aufbieten kann, lässt sich eine Art Verlassenheit verdrängen, wenn sich der Himmel vom Wald abhebt. Sie schaut in den Wald hinein. Noch ist alles schwarz, reglos, aber der anbrechende Tag lässt sich nicht mehr aufhalten.

»Du bist die Krampusprinzessin!« Jenny zuckt zusammen, so erschrocken ist sie momentan! Sie dreht sich um. Schon wieder steht der Junge vor ihr. Sie hat ihn gar nicht kommen gehört. »Stimmt!«, antwortet sie.

»Wir sind da hinten bei der Stahlgasse beim Palmers gestanden und haben dich angeschaut, dir zugejubelt! Go, Jenny, go!«, sprüht der Junge nur so vor Energie. Ein Feuerwerk voller Eindrücke verlässt seinen Mund, während im schlauchigen Spitalsgang seine Worte nachhallen. Der ganze Krampuslauf saust an ihr nochmals wie im Zeitraffer vorbei. Eigentlich das ganze halbe Jahr. Von dem Moment, wo sie sich im Verein freiwillig meldete, die Krampusprinzessin, quasi die Anführerin aller Krampusse zu sein, und dann die zwei Monate, bis es tatsächlich zum Lauf kam. Schon der Gedanke daran wühlt sie auf und zehrt an ihren Akkus. Ihr Mund wird trocken und salzig, ihre Zunge verwandelt sich in ein Reibeisen. Heuer wird es keinen Lauf geben, zumindest nicht mit ihr. Ihr hängt das ganze Ding noch nach und sie will ein Jahr pausieren, bevor es wieder losgeht. Am liebsten hätte sie, dass Kevin, ihr Freund, auch die Finger vom Lauf lassen würde, aber da ist sie wohl machtlos. So ein Lauf beschwört immer Gestalten ans Tageslicht, mit denen sie nicht zwingend etwas zu tun haben will. Nebenbei passt es nicht wirklich zu einer Oberschwester, wenn man so zufällig auch noch Krampusprinzessin ist, und der Job ist nun mal bald zu haben, weil Oberschwester Theresa in Rente geht. Es passiert halt immer einiges bei diesem Lauf und das Spital ist im Härtefall dadurch überlastet. Obgleich ihr die plötzliche Prominenz in Eisenhagel durch ihre Rolle als letztjährige Krampusprinzessin durchaus zum Vorteil gereicht hat, das gibt sie gerne zu.

»Ich freue mich schon auf den heurigen Lauf!«, lässt der Junge nicht locker und bringt sie wieder zurück in die Realität. »Dann gehst bis zum Lauf am 5. Dezember anständig in die Kraftkammer pumpen und rennst auf die Berge, wenn du selber einmal mitlaufen willst. Weil da hast noch ziemlich zu tun!«, ermahnt sie den Jungen. Er nickt eifrig. »Ich sag dir was, ich werd ein ganz ein cooler Kämpfer! Mit so einem Bizeps! Die werden noch alle Augen machen! Und du bist dann wieder die Krampusprinzessin, und dann kann dich niemand aufhalten! Ich werd dich an jeder Ecke gegen alle Krampusse dieser Welt verteidigen und du gewinnst den Lauf und dann bist du die Königin! Ganz Eisenhagel wird dich feiern! Nieder mit Hangbluten, dem Scheißkaff!« Dabei schaut er Jenny mit aufgerissenen Augen an. Sein Echo hallt durch alle Stockwerke. Von der Annahme schaut Erna kurz zu Jenny, ob eh alles passt. Jenny nickt ihr zu und deutet dem Jungen Richtung Ausgang. Mit schnellem Schritt verlässt er das Spital, schwer überzeugt, ein Kämpfer für die gute Sache zu werden. Den Jungen wird man in Zukunft wohl eher im Fitnessstudio treffen als im Bamm-Bamm, und das ist ja nicht das Schlechteste.

Jenny schaut auf die Uhr. 5:30 Uhr. Schichtwechsel. Sie nimmt ihre Haube ab und lockert ihr schulterlanges Haar. Sie begrüßt Iris, die sie ablösen wird.

»Herr Ignaz, Zimmer 302, schläft nun endlich. Vielleicht könnt ihr die Visite so planen, dass er als Letztes drankommt.«

»Von mir aus, gerne«, antwortet Iris und hebt dabei fragend ihre Hände, »aber kannst du vielleicht ein Memo hinterlassen, weil auf dich hört man ja!«, antwortet sie einen Deut zu schnippisch. Jenny schaut aber darüber hinweg. Iris ist harmlos, sie will keine Oberschwester werden. Und ja, seit sie den Krampuslauf anführte, ist sie eben ein Stück bekannter in der Stadt als andere, das verschafft ihr auch mehr Gehör.

»Versuch es doch einfach«, antwortet Jenny ruhig und unterdrückt ein Gähnen, ihre Augen werden dennoch glasig.

»Ich werde schauen, dass er als Letzter zum Fiebermessen drankommt«, verspricht Iris nun wieder in normaler Stimmlage und macht eine Notiz.

»Passt, das ist schon viel wert!«, antwortet Jenny und klopft mit Iris freundschaftlich ab.

Die elektrische Schiebetür öffnet sich mit einem Knarren und einem ruckartigen Zittern. Jenny geht zufrieden ins Freie. Natürlich wird Herr Ignaz ganz normal aufgeweckt werden. Vielleicht kann er später auch wieder einschlafen. Sie ist ja nicht blind und weiß, wie die Systeme funktionieren. Dennoch sollte man nichts unterlassen, um den Aufenthalt für Patienten möglichst erträglich zu machen. Kommt ja niemand freiwillig. Auch der Junge von heute morgen nicht. Natürlich erfüllt der Titel »Krampusprinzessin« sie mit Stolz, und sie gibt auch gerne zu, dass es geile Momente gab, an die sie sich euphorisch zurückerinnert, und es ist auch nicht schlecht, in Eisenhagel keine kleine Nummer zu sein. Sie hat etwas mitzureden und das tut ihr gut. Immerhin war sie eine Vollwaise, die bei ihren Großeltern aufgewachsen ist, da tut Anerkennung gut. Aber es ist eben nur ein Titel, und dafür muss ein Jahr pausieren möglich sein, indem sie an ihren Job und die Aufstiegschancen denkt. Es ist ja nirgendwo Feuer am Dach. Niemand muss Eisenhagel retten.

Außer vielleicht …

Aus dem Aschenbecher an der Eingangstür steigt eine dünne Rauchfahne hoch, noch von den flüchtig ausgedrückten Kippen der Frühschicht. Plötzlich überkommt sie die Lust, selber eine Zigarette zu rauchen. Sie greift auf die Außentaschen ihres Rucksacks, sie hat keine dabei, wahrscheinlich am Küchentisch...


Martin G. Wanko, geb. 1970, lebt in Graz und Bregenz als Autor, Journalist und Texter. Er ist eingeschriebenes GAK-Mitglied.Bis jetzt wurden drei Romane (u.a. Bregenzer Blutspiele) von Martin G. Wanko veröffentlicht und über 25 Theaterstücke uraufgeführt. Wanko hat somit am meisten Uraufführungen unter den lebenden steirischen Autoren. Div. Preise und Stipendien. Seine Stücke wurden u.a. am Wiener Schauspielhaus, am Bregenzer Schauspielhaus, im Forum Stadtpark Theater, im Theater im Bahnhof oder im Theater im Keller uraufgeführt bzw. szenisch gelesen. Letzte Publikation: il carso. la bora. (Markart/Wanko, edition keiper 2018). UA: Samys Abenteuer (TiK/Wanko-Zinke). Wanko leitet seit 2000 die GAV Steiermark. www.m-wanko.at



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