Walsh | DAS VERBRECHEN DES JAHRHUNDERTS | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 219 Seiten

Walsh DAS VERBRECHEN DES JAHRHUNDERTS

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7554-2719-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 219 Seiten

ISBN: 978-3-7554-2719-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Im Flur standen drei Mann. Der erste war Mike Polchinski - gestraffte Backenknochen, fest zusammengepresste Lippen, harte, blaue Augen mit einem kalten, finsteren Blick. Der zweite war ein uniformierter Polizeibeamter, der dritte ein Mann in grauem Sommeranzug und Panamahut. Auf Polchinskis Zufahrt hatte ich ihn nicht wiedererkannt, aber ich kann Ihnen sagen, jetzt erkannte ich ihn sofort. Ich wäre fast umgefallen...    Der Roman  Das Verbrechen des Jahrhunderts  des US-amerikanischen Kriminal-Schriftstellers Thomas Walsh (* 19. September 1908 in New York; ? 21. Oktober 1984 in Danbury) erschien erstmals im Jahr 1962; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1963.

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  Erstes Kapitel
    Also, jetzt werde ich es Ihnen erzählen. Es heißt, ich hätte mal vor Jahren in der achten Klasse der Saint-Anthony-Schule recht nette Aufsätze geschrieben, damals, als mich Schwester Ethelda betreute (wahrscheinlich hätte sie gern auf diese Ehre verzichtet), und aus irgendeinem Grund ist mir das neulich durch den Kopf geschossen, als ich mit Katie im Kino war. Der Film, den wir sahen, handelte von hochvornehmen Herrschaften, die die meiste Zeit halb nackt herumliefen und sich amüsierten. Da dachte ich mir, als wir aus dem Kino kamen, wie denn vielleicht eine vernünftige Geschichte wirken würde, nämlich die Geschichte von mir und dem Dicken ich meine die schlichten Tatsachen, das, was sich faktisch zwischen uns abgespielt hat. Schön. Ich erwähnte es ganz nebenbei, und Katie schien gleich Feuer und Flamme zu sein, weil sie sich neuerdings einbildet, dass ich alles schaffe, was ich mir vornehme, egal, was es sein mag. Na, ehrlich gestanden, ich glaube last, dass ich mir das früher einmal selbst eingebildet habe, und es ist auch noch gar nicht so lange her. Jetzt aber weiß ich besser Bescheid, weil ich viel dazugelernt habe. Und wieso denn? Eben – also eben. Wenn Sie es wirklich wissen wollen, lassen Sie mir eine Minute Zeit, damit ich mich an die ganze Sache erinnere, dann werde ich Ihnen vielleicht erklären können, wieso und wann und wo es angefangen hat. Ich möchte es auch gern näher erklären. Mir ist einfach danach zumute... Also schön. Ich meine, eigentlich hat es vorigen Sommer im Strandhaus meines Bruders Robert begonnen, Ende August. An einem Freitagmorgen war ich mit Katie in aller Frühe losgefahren und hatte mich schon auf das schönste Wochenende gefreut, das man sich nur wünschen könnte. Ich hatte gleich gemerkt, dass Robert und seine Frau Meg Katie gut leiden mochten (ich hatte es erwartet), und dass Katie die beiden gut leiden mochte, also lud ich uns alle – natürlich bis auf die beiden kleinen Kinder meines Bruders – zu dem größten und besten Hummeressen ein, das in der ganzen Umgebung für Geld und gute Worte zu haben war. Nachher saßen wir auf der vorderen Veranda, sahen den großen runden Augustmond aufgehen und genehmigten uns einige Gläschen, und als wir dann gegen zwölf alle zu Bett gingen, da überlegte ich mir, dass Katie und ich vielleicht im kommenden Sommer heiraten würden, wenn sie mir die gleichen Gefühle entgegenbrachte, wie ich sie für sie zu hegen glaubte. Vielleicht würden wir uns dann hier draußen in Duffy’s Point selber etwas mieten und für den Rest unseres Lebens versorgt sein, genau wie Robert und Meg. So also schlief ich ein, hatte alle möglichen Pläne und gar keine Probleme im Kopf, aber als ich am nächsten Morgen gegen sechs aufwachte, musste ich wohl einen schlechten Traum gehabt oder falsch gelegen haben, weil ich mir gar nicht mehr wie der alte Eddie McNulty vorkam. Kaum machte ich die Augen auf, da wusste ich gleich, dass die gute Laune beim Teufel war, und dass es gar nicht das schöne Wochenende werden würde, das ich mir erhofft hatte. Also stand ich auf, ohne die anderen zu wecken, ging an den Strand hinunter, setzte mich hin, sah den hohen Brechern des Atlantiks zu, wie sie herangerollt kamen, und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Ich kann Ihnen sagen, ich fühlte mich recht elend und deprimiert. Wie konnte ich nur davon träumen, ein junges Mädchen wie Katie Polchinski heiraten zu wollen? Ja, ich konnte ihr ja nicht einmal die Wahrheit über Eddie McNulty sagen (jedenfalls hatte ich sie ihr noch nicht gesagt). Und warum nicht? Weil ich wusste, was dann passieren würde – darum. Ich wusste, sie würde sich schleunigst aus dem Staub machen – ja, weshalb denn auch nicht? – und ich würde sie nie wieder zu sehen bekommen. Und wenn ich mir überlegte, wie sie mir in den knappen sechs Wochen ans Herz gewachsen war, und dann sollte mir so etwas passieren, nein, da hätte ich ja ebenso gut gleich aufstehen und in die graue Brandung hinausmarschieren und nicht eher haltmachen mögen, als bis ich etliche Millionen Tonnen Meerwasser über mir hatte.   Ach ja. Vielleicht wissen Sie, wie das ist. Es fängt damit an, dass man sich selber leid tut, dann wird man böse und versucht sich einzureden, dass man genauso viel taugt wie alle anderen auch, egal, was man angestellt hat, und dann, wenn man merkt, dass man ja eigentlich nur den Kopf in den Sand steckt und es nicht wie ein Mann hinnimmt, egal, was es sein mag, ja, dann fährt der Teufel in einen, auch wenn man mit Menschen beisammen ist, die man besonders liebhat. Man faucht sie an – wenn man so gebaut ist wie ich –, man schnauzt sie an, man kommt ihnen mit höhnischen Bemerkungen. Ich kann mir schon denken, was es ist: das schlechte Gewissen. Meinen Sie nicht auch? Man schlägt um sich, egal, was da kommt. Aus irgendeinem Grund wird man böse und gemein wie eine Schlange. Fragen Sie mich aber nicht, wie das passiert. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Aber den ganzen Sonnabend über spürte ich, wie der böse Geist immerzu in mir rumorte, was ich auch anfasste, und wie es mich auch wurmte, wenn ich darüber nachdachte, was mein Bruder alles hatte – ich meine Meg und die beiden süßen kleinen Kinderchen – und wie ich mit leeren Händen dastand. Dann begann ich ihn zu hassen und zu verachten, und bald darauf natürlich, auch wenn ich es mir selber nicht eingestehen wollte, begann ich Eddie McNulty noch heftiger zu hassen und zu verachten. Ich blieb also den ganzen Nachmittag allein unten am Strand. Dabei wusste ich, Katie würde gekränkt sein und höchlichst verwundert über die Art, wie ich sie plötzlich behandelte. Und als Meg gegen halb sechs aus dem Hause kam, winkte und mir zurief, ich sollte mir vor dem Essen die Hände waschen, gönnte ich nach wie vor keinem von ihnen einen Blick oder ein Wort. Stattdessen fing ich, als ich ins Haus kam, mit den beiden Kindern zu spielen an – mit der vierjährigen Maggie, die auf den Namen ihrer Mutter getauft war, und dem zweijährigen Edward James, der meinen Namen trug – und machte dabei recht viel Lärm, recht viel Krach. Als nachher Katie und Meg in die Küche gingen, um sich mit dem Backhuhn und dem grünen Salat zu beschäftigen, sah ich, dass Robert ein wenig herumzuzappeln begann, und da wusste ich, dass er sich aufputschen wollte, um mir eine Strafpredigt zu halten, weil ich mich den ganzen Tag so miesepetrig aufgeführt hatte. Ich irrte mich auch nicht, denn gleich zu Anfang sagte er, wie sehr er sich über die neue Stellung freue, von der ich ihm erzählt hatte (und die eigentlich gar nicht existierte, wenn ich aufrichtig sein soll). Natürlich hatte ich gestern Abend vor ihm und Katie eine geschlagene Stunde lang mit dieser nichtexistenten neuen Stellung geprahlt. Kann mir, da wir anscheinend jetzt bei diesem Thema angelangt sind, irgendjemand verraten, warum Eddie McNulty immer das Gefühl hatte, er müsse anderen Menschen imponieren und ihnen klarmachen, was er eigentlich für eine große Kanone sei und wieviel Geld er verdiene? Ich glaube nicht, dass Katie mich in Verdacht hatte, es sei alles erlogen, wenn ich ihr von meiner Tätigkeit in einem großen Maklerbüro in der Wall Street erzählte, weil sie mich ja erst seit sechs Wochen kannte. Robert hatte natürlich den ganzen Schwindel sofort durchschaut, weil er das alles schon etwa fünf- bis sechsmal mitgemacht hatte. Also? Also Wurde ich jetzt fuchsteufelswild, nur weil er die Wahrheit witterte. Während er sich noch bemühte, einen Anknüpfungspunkt zu finden, ging ich hin, mischte mir einen kräftigen steifen Drink, und dann legte ich los. »Egal, wie die Firma heißt, für die ich arbeite!«, erklärte ich rundheraus. »Das geht nun einmal niemanden an außer mich – meiner unmaßgeblichen Meinung nach. Dich geht es gar nichts an. Und ich finde es unverschämt von dir, dass du auch nur danach fragst, weil ich genau weiß, worauf du hinauswillst. Ich weiß, was dir im Kopf herumgeht. Wem willst du denn was vormachen?« Natürlich war die Sache sonnenklar. Ich wollte ihm die Schuld in die Schuhe schieben, als hätte er mich grundlos beleidigt, dabei wusste ich die ganze Zeit im Grunde meines Herzens, wie es gemeint war, also wusste ich auch, wer unrecht hatte und wer nicht. »Na, also schön«, sagte Robert und warf einen hastigen Blick zur Küchentür, um sich zu vergewissern, dass die Frauen noch nicht zurückkehrten. Dann drehte er sich mit bekümmerter Miene zu mir um! »Schön, Eddie. Wollen wir ausnahmsweise einmal versuchen, die Sache ruhig und still zu besprechen? Du bist immer gleich aus dem Häuschen, noch bevor wir angefangen haben. Hast du dir schon einmal überlegt, warum du so reagierst?« »Die Sache?«, sagte ich. Ich fühlte, wie meine Zähne knirschten. »Was denn für eine Sache? Wovon ist die Rede?« »Du weißt, wovon die Rede ist«, erwiderte Robert. »Wovon lebst du, Eddie? Du bist in keinem Maklerbüro angestellt. Du hast überhaupt keine Stellung – punktum. Wie kommt es also, dass du in einem Kabriolett umherkutschierst, das seine guten viereinhalbtausend Dollar kostet? Wo hattest du das Geld her?« »Wer zum Teufel will denn so was wissen?«, schrie ich und sprang auf. »Vielleicht habe ich das Geld von der Bank abgehoben – von einer Sandbank bei Coney Island. Halt doch den Mund!« Sogar die beiden Kinder merkten jetzt, dass da etwas nicht stimmte. Sie bekamen es mit der Angst zu tun. Ganz erstarrt saßen sie vor uns, der kleine Eddie hatte die Faust in den Mund gestopft und war dem Heulen nahe, und Maggie hielt eine Stoffpuppe im Arm. Jetzt fing sie an, die Puppe zu streicheln, wahrscheinlich, um sich zu trösten. Es war deutlich zu sehen, wie ihre großen braunen Augen sich mit...



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