E-Book, Deutsch, Band 4202, 200 Seiten
Reihe: Lobo
Wallon Lobo - Der Einzelgänger 02: Caleb Murphys Gesetz
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-392-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4202, 200 Seiten
Reihe: Lobo
ISBN: 978-3-95719-392-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sie warten auf die Postkutsche nach Dry Creek. Caleb Murphy und seine Bande haben einen Tipp bekommen und wollen die Lohngelder für die Rocking B Ranch rauben. Allerdings haben sie nicht damit gerechnet, dass Lobo in der Nähe ist.
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Kapitel 2
Lobo spürte die beißende Kälte, aber er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, während Dan Colter die Kutsche in Richtung Dry Creek lenkte. Er schaute immer wieder nach links und rechts und hielt Ausschau nach irgendwelchen Zeichen, die darauf schließen ließen, dass Gefahr drohte. Aber nach wie vor blieb alles still.
In der Ferne tauchten die ersten Häuser von Dry Creek auf. Eine kleine Stadt mit knapp zwei Dutzend Häusern. Umgeben von zahlreichen bewaldeten Hügeln, schon fast eine idyllische Lage. Eine Stadt wie jede andere, an der die Postkutschenstraße entlangführte.
Lobo spürte, dass er langsam müde wurde und sich nach einem warmen Ort sehnte, an dem er sich für ein paar Stunden ausruhen konnte. Vielleicht fand er ja eine geeignete Unterkunft zum Übernachten. Er würde seinen Ritt nach Westen dann am nächsten Tag fortsetzen, oder gegebenenfalls am übernächsten Tag. Er hatte keine besondere Eile und ließ sich einfach treiben. Aber er wusste auch, dass man einen Mann wie ihn nicht lange an einem Ort dulden würde. Zu groß war das Misstrauen der Menschen gegen einen Mann, der zur Hälfte ein Apache war. Viel zu oft hatte er ungezügelten Hass und Abneigung derjenigen Menschen gespürt, die wegen seiner Hautfarbe große Vorurteile hatten, und deswegen war und blieb er vorsichtig, was Freundschaften mit anderen Menschen anging. Er war ein Einzelgänger, ein Mann, von dem man sich wünschte, dass er lieber weiterzog, als blieb.
„Marshal Dylan wird mit Ihnen reden wollen, Gates!“, riss ihn die Stimme Dan Colters aus seinen vielschichtigen Gedanken. „Zumindest schuldet Ihnen die Stadt und erst recht Wells Fargo Dank für Ihr beherztes Eingreifen.“
„Keine Ursache“, murmelte Lobo. „Ich konnte doch nicht tatenlos bei dem zusehen, was die Halunken geplant hatten.“
„Ein anderer an Ihrer Stelle hätte sich das vermutlich zweimal überlegt“, meinte Colter. „Jedenfalls sind wir gleich da. Da vorne links ist schon die Wells-Fargo-Station.“
Während er das sagte, lenkte er das Pferdegespann zum Hof der Station. Offensichtlich hatte man die Ankunft der Kutsche bereits sehnsüchtig erwartet, denn vor dem Eingang zum Stationsgebäude standen zwei Männer, von denen einer schon zum wiederholten Mal auf seine Taschenuhr blickte und sehr nervös wirkte. Der zweite Mann, der etwas größer war, richtete seine erstaunten Blicke auf Lobo, der neben Dan Colter saß. Lobo konnte sich gut vorstellen, was dem Mann jetzt durch den Kopf ging, und die Tatsache, dass er ein Mischling war, machte die ganze Sache nicht besser.
„Colter, Sie sind fast eine halbe Stunde zu spät!“, richtete der kleinere der beiden Männer das Wort an den Postkutschenfahrer. Sein ganzes Verhalten deutete darauf hin, dass er hier etwas zu sagen hatte und es ihm nicht passte, dass es eine Verspätung gegeben hatte.
„Wir wurden überfallen!“, erwiderte Colter und ließ sich von dem vorwurfsvollen Tonfall nicht einschüchtern. „Warren hat’s erwischt. Er liegt oben zwischen dem Gepäck. Er ist tot, Mister Buchanan.“
„Wer ist das Halbblut?“, ergriff nun der zweite Mann das Wort. Er gehörte zu der Sorte Menschen, die einem Mann wie Lobo Gates von Anfang an mit Ablehnung begegneten. Aber Lobo wusste, wie er sich in solchen Fällen zu verhalten hatte.
„Ich heiße Lobo Gates“, erwiderte er mit gezwungener Freundlichkeit. „Helfen Sie mir, den Toten herunterzuholen, Mister. Dann bezwecken Sie wenigstens etwas Vernünftiges ...“
„Also das ist doch ...“, murmelte der Mann, der mit solch einer Antwort natürlich nicht gerechnet hatte. Er schaute Hilfe suchend zu dem Stationsleiter, aber der zuckte nur mit den Schultern und gab ihm mit einer knappen, aber klar verständlichen Geste zu verstehen, dass er Lobo helfen sollte. Was der Mann darauf erwiderte, konnte Lobo nicht hören, denn er war schon oben auf dem Dach und wartete darauf, dass er endlich Hilfe bekam. Gemeinsam hoben sie den toten Begleitmann herunter und legten ihn in den matschigen Schnee, während die Passagiere jetzt einer nach dem anderen ausstiegen.
„Kümmern Sie sich um den Mann“, sagte Lobo und ging zurück zu den anderen Passagieren. Weil er natürlich sicher sein wollte, dass Clay Murphy sich nach wie vor ruhig verhielt. Aber der Bandit schien seine Lektion gelernt zu haben. Er wehrte sich nicht, als Theodore Shelby ihn aus der Kutsche zog; auch wenn seine Blicke Bände sprachen. Aber das nützte ihm in seiner Situation nichts.
Die Ankunft der Kutsche war in Dry Creek natürlich nicht unbemerkt geblieben. Innerhalb weniger Minuten hatte sich trotz des kalten und windigen Wetters eine kleine Menschenmenge im Innenhof der Station versammelt. Erschrockene Gesichter registrierten den Toten im Schnee, und Lobo spürte weiteres Misstrauen, das vermutlich ihm galt.
„Die Murphy-Bande wollte uns ausrauben und die Lohngelder der Rocking-B-Ranch stehlen“, ergriff nun zum Glück Dan Colter wieder das Wort. „Wenn Gates nicht gewesen wäre, hätten wir jede Menge Ärger bekommen. Er hat diese verdammten Hundesöhne in die Flucht gejagt und mindestens einen von ihnen erwischt. Der Kerl hier ist Caleb Murphys Bruder Clay. Nun schaut nicht alle so verängstigt drein. Jemand soll endlich Marshal Nate Dylan verständigen!“
Lobo bemerkte aus den Augenwinkeln, wie einer der Männer loslaufen wollte. Aber das brauchte er nicht mehr, denn in diesem Augenblick bahnte sich ein Mann einen Weg durch die Menschenmenge. Er trug eine Parker Gun bei sich und blickte bestürzt und überrascht zugleich auf den toten Begleitreiter.
„Was ist hier passiert?“, wollte er wissen. Er war breitschultrig und kräftig. Aufgrund seines weißen Haares und der Falten im Gesicht schätzte ihn Lobo auf mindestens Mitte fünfzig. Der Stern auf seiner Cordjacke wies ihn als Gesetzeshüter von Dry Creek aus. Also musste es Marshal Dylan sein.
„Es gab einen Überfall“, sagte Colter und wiederholte nochmals das, was er miterlebt hatte. Marshal Dylan hörte schweigend zu und blickte abwechselnd von Colter zu Lobo und dann wieder zu dem Toten im Schnee. Schließlich stieß er einen tiefen Seufzer aus, schob sich den Hut kurz in den Nacken und kratzte sich nachdenklich an der rechten Schläfe.
„Das klingt nach jeder Menge Ärger“, meinte er schließlich nach kurzem Nachdenken. „Ausgerechnet Caleb Murphys Bruder ...“
„Sie sollten diesen Halunken am besten einsperren und so schnell wie möglich vor Gericht bringen, Marshal“, sagte Lobo. „Den Strick hat er jedenfalls verdient, nachdem ich erfahren habe, zu welcher Bande er gehört.“
„Das kann nur der Richter entscheiden, wenn er wieder nach Dry Creek kommt“, erklärte der weißhaarige Marshal mit seufzender Stimme. Lobo runzelte die Stirn, als er das sah. Offensichtlich schien er einen wunden Punkt angesprochen zu haben, ohne dass ihm das klar geworden war. „Er war erst vor drei Tagen hier“, fuhr der Gesetzeshüter fort. „Jetzt dauert es wieder zwei Wochen, bis er sich wieder hier blicken lässt. Dry Creek ist nicht unbedingt eine große Stadt, Mister ...?“
„Gates“, wiederholte Lobo seinen Namen. „Lobo Gates.“
„Ich habe es nicht so mit Namen“, brummte Marshal Dylan. „Aber Gesichter kann ich mir dagegen sehr gut merken. Zumindest Ihres habe ich noch auf keinem Steckbrief gesehen.“
Lobo hätte am liebsten etwas darauf erwidert, weil ihm diese Bemerkung natürlich nicht passte. Aber er zwang sich, ruhig zu bleiben. Eine andere Möglichkeit hatte er ohnehin nicht. Er war ein Fremder in Dry Creek, und offensichtlich gingen die meisten Bewohner zu Neuankömmlingen immer erst einmal auf Distanz.
„Kommen Sie am besten gleich mit ins Office, Gates“, forderte ihn der Marshal unvermittelt auf. „Oder wollen Sie gleich weiterreiten?“
„Eigentlich hatte ich vor, ein oder zwei Tage hierzubleiben, Marshal“, antwortete Lobo. „Vorausgesetzt, dass ich niemandem dabei auf die Füße trete.“
„Sie sind ein Mann direkter Worte, wie?“, meinte Dylan und grinste kurz. Damit war die Sache aber auch schon für ihn erledigt, und stattdessen widmete er seine Aufmerksamkeit dem jungen Banditen, der immer noch wütend dreinblickte und dem es gar nicht passte, wie man ihn behandelte.
„Junge, ich bin nicht mehr der Jüngste“, sagte Dylan zu Clay Murphy. „Aber ich kann immer noch treffen, auf was ich ziele. Also komm jetzt einfach mit in mein Office. Im Nebenraum wartet eine Zelle auf dich, wo du dir es erst einmal gemütlich machen kannst, bis du vor dem Richter stehst.“
„Vor einem Richter?“, schnaufte Clay Murphy. „Ich höre wohl nicht recht. Sie glauben doch nicht ernsthaft daran, mich vor Gericht zu stellen? Hört mal alle gut zu, ihr elenden Stadtfräcke! Mein Bruder Caleb wird schon dafür sorgen, dass ihr ...“
Eigentlich hatte er noch mehr sagen wollen, aber in diesem Augenblick trat Lobo einen Schritt nach vorn und verpasste dem Halunken eine saftige Ohrfeige, die ihn von einer Sekunde zur anderen verstummen ließ. Er blickte erstaunt und dann erst wütend zu Lobo, weil er mit dessen Eingreifen nicht gerechnet hatte; und er empfand das als geradezu entsetzliche Blamage, im Angesicht der anderen Menschen so gemaßregelt zu werden.
„Halte einfach deinen Mund“, riet ihm nun auch der Marshal, zog seinen Revolver und richtete den Lauf auf Clay Murphy. „Geh einfach vor. Es ist nicht mehr weit bis zur anderen Straßenseite.“ Und zu Lobo gewandt, meinte er abschließend: „Sieht so aus, als wenn ich ein bisschen zu voreilig mit meiner Beurteilung war, Gates. Manche Leute wie der da...




