Wallon | Civil War Chronicles 01: Todeskommando | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 270 Seiten

Reihe: Civil War Chronicles

Wallon Civil War Chronicles 01: Todeskommando


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7579-4816-0
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 270 Seiten

Reihe: Civil War Chronicles

ISBN: 978-3-7579-4816-0
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Bürgerkrieg zwischen Union und Konföderation geht in eine entscheidende Phase. Im Morgengrauen des 3. September 1862 überquert General Robert E. Lee mit seiner Konföderierten-Armee den Potomac River und trägt damit den Krieg zum ersten Mal nach Maryland hinein. Der Auftakt der großen historischen Western-Serie des Erfolgsautors Alfred Wallon. Die Exklusive Sammler-Ausgabe als Taschenbuch ist nur auf der Verlagsseite des Blitz-Verlages erhältlich!!!

Alfred Wallon wurde am 20.05.1957 in Marburg / Lahn geboren und interessierte sich schon sehr früh für das Western-Genre. Im Dezember 1981 erhielt er seinen ersten Autorenvertrag für einen historischen Western. Im Laufe der letzten 40 Jahre war Wallon auch in anderen Genres präsent. So veröffentlichte er bei verschiedenen deutschen Verlagen um die 200 Romane incl. eBooks und Neuauflagen in allen gängigen Genres der Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. ?? Sein favorisiertes Genre ist der historische Western. So entstanden für den BLITZ-Verlag die Serien DIE FORTS AM BOZEMAN TRAIL und TEXAS RANGER, beides Serien mit historischem Hintergrund. Alfred Wallon setzte darüber hinaus die Serie KAPITÄN NEMOS NEUE ABENTEUER bei BLITZ fort und wirkte auch mit neuen Romanen bei RED ROCK RANCH und LOBO mit. Bei BLITZ erschienen auch Regionalkrimis von ihm und abgeschlossene historische Western.
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Kapitel 1: Vorstoß ins Ungewisse


Die beiden Soldaten, die sich zwischen einigen Cottonwood-Büschen verborgen hielten, beobachteten unbemerkt die wuchtige Eisenbrücke, die über den Potomac führte und direkt in der Munitionsfabrik von Harper’s Ferry endete.

»Kannst du irgendwas Auffälliges erkennen?«, fragte der blonde Tom Higgins den älteren Sergeant Sean McCafferty. »Mir kommt es jedenfalls so vor, als hätte sich überhaupt nichts verändert, seit wir zum letzten Mal hier waren.«

»Da wäre ich vorsichtig an deiner Stelle«, brummte der irische Sergeant und ließ seine wachsamen Blicke weiter in die Runde schweifen. »Seit der Geschichte mit John Brown ist Harper’s Ferry in aller Munde, auch wenn seitdem schon drei Jahre vergangen sind. Glaub mir, die Yankees haben längst begriffen, welch große strategische Bedeutung Harper’s Ferry hat. Weißt du denn nicht, dass es hier schon einige Kämpfe gegeben hat?«

»Ich kann nicht alles wissen«, erwiderte Higgins leicht gereizt. »Aber ich bin sicher, du wirst es mir gleich erklären.«

»Worauf du dich verlassen kannst«, grinste der Sergeant. »Jetzt sag mir aber erst mal, was du drüben am anderen Ufer erkennen kannst.«

»Die Eisenbahn, was sonst?«, erwiderte Higgins. Er wusste nicht, worauf McCafferty eigentlich hinauswollte.

»Genau darum geht es«, sagte der Sergeant. »Die Baltimore & Ohio Railroad ist der wichtigste Schienenstrang für die Nordstaaten. Von hier aus werden Munitionstransporte durchgeführt, um McClellans Truppen zu versorgen. Außerdem vereinigen sich hier der Potomac und der Shenandoah River, und dieser Punkt ist gleichzeitig der nördliche Zugang zum Shenandoah Valley.«

»Und warum hat Lee diese Chance nicht längst genutzt?«

»Manchmal frage ich mich wirklich, ob du überhaupt was von dem mitbekommst, was um dich herum geschieht«, erwiderte McCafferty kopfschüttelnd. »Letztes Jahr im April hat General Lee doch schon einen Vorstoß unternommen, kurz nach der Beschießung von Fort Sumter. Der Lieutenant hat uns doch davon erzählt. Weißt du das nicht mehr?«

»Da war ich unterwegs auf einem Erkundungsritt zu General Stuart«, antwortete Higgins. »Und das hast du wiederum vergessen, Mac.«

»Ist ja schon gut«, winkte McCafferty ab. »Auf jeden Fall hatte Lee nicht lange Glück, denn nur zwei Monate später drehte sich der Spieß um. Im Juni eroberten die Yankees Harper’s Ferry zurück und Lee musste notgedrungen weichen. Diese Niederlage nagt seitdem an ihm, und deshalb sind wir hier. So leicht, wie er es sich vorgestellt hat, wird die Sache jedoch nicht werden. Schau mal da drüben beim Waffenarsenal: Siehst du die vielen Zelte?«

»Die haben aufgerüstet«, meinte Higgins. »Weil sie wohl damit rechnen, dass Lee einen erneuten Angriff plant.«

»Womit die Yankees nicht ganz unrecht haben«, schmunzelte McCafferty. »Aber sie ahnen nicht, dass Lee ein Mann schneller Entschlüsse ist. Die meisten Yankees vermuten wohl, dass Lee und seine Soldaten sich nach der zweiten Schlacht von Bull Run erst einmal eine Ruhepause gönnen. Die werden sich wundern, wenn die Truppen in spätestens zwei Tagen vor Harper’s Ferry stehen.«

Er brach ab, als er die dunkle Qualmwolke auf der anderen Seite des Flusses bemerkte. Sekunden später erkannten die beiden konföderierten Soldaten eine Lokomotive auf dem Schienenstrang, die mehrere Güterwagen zog.

»Da tut sich was«, sagte Higgins.

»Das sehe ich selbst«, knurrte McCafferty und gab dem blonden Soldaten mit einem kurzen Wink zu verstehen, dass dieser lieber nicht so viel reden, sondern sich stattdessen auf das konzentrieren sollte, was sich in unmittelbarer Nähe abspielte.

Der Zug mit den Waggons überquerte genau in diesem Moment die Brücke und drosselte seine Geschwindigkeit. Kurz darauf kam er vor den Lager- und Produktionshallen zum Stehen.

McCafferty setzte das Fernrohr ans Auge und spähte hindurch.

»Wie ich es mir gedacht habe«, sagte der Sergeant. »Hier, schau dir das selbst mal an, Tom.« Mit diesen Worten drückte er seinem Kameraden das Fernrohr in die Hand. Higgins nahm es an sich, schaute ebenfalls hindurch und war auf einmal ganz aufgeregt.

»Gütiger Himmel«, murmelte er. »Da kommen weitere Truppen an. Das wird keine leichte Sache werden.«

»Natürlich nicht«, sagte McCafferty. »Komm jetzt, wir haben genug gesehen. Es wird Zeit, dass wir uns auf den Rückweg machen. Der Lieutenant wird sonst langsam ungeduldig.«

Während sich die beiden konföderierten Soldaten tiefer in die Büsche zurückzogen, trug der Wind unten vom Tal her das Echo von lauten Kommandos und Truppenbewegungen zu ihnen herüber. Was das bedeutete, hatten McCafferty und Higgins längst begriffen. Die Yankees waren fest entschlossen, Harper’s Ferry kein zweites Mal aufzugeben.

Ihre Pferde hatten sie knapp fünfzig Yards entfernt in einer von zahlreichen Büschen und Bäumen bewachsenen Senke zurückgelassen. Wenige Minuten später saßen sie in ihren Sätteln und entfernten sich rasch aus der unmittelbaren Nähe des Shenandoah Valley. Bis jetzt hatten sie verdammt viel Glück gehabt, dass sie auf dem Weg hierher nicht auf eine Patrouille der Nordstaaten gestoßen waren. Das musste aber nicht bedeuten, dass das auf dem Weg zurück zu ihren Kameraden genauso sein würde. Harper’s Ferry war ein sehr sensibler militärischer Brennpunkt, und entsprechend vorsichtig mussten sie sein.

McCafferty kannte das Gelände rings um das Shenandoah Valley wie seine Westentasche. Lange bevor John Brown und seine fanatischen Abolitionisten-Freunde damit begonnen hatten, die Bevölkerung aufzuhetzen, hatte er sich schon in dieser Gegend aufgehalten. Deshalb waren ihm die zahlreichen verschlungenen Wege vertraut, die über die Berge führten und von deren Existenz nur die Einheimischen wussten. Selbst die Soldaten in Harper’s Ferry waren noch nicht so weit vorgedrungen. Wahrscheinlich, weil sie glaubten, dass ihnen noch keine unmittelbare Gefahr drohte. Das sollte sich jedoch nach General Lees Willen sehr bald ändern.

*

Lieutenant Jay Durango spürte die Unruhe, die Ben Fisher, Frank Porter und Neil Vance erfasste, weil McCafferty und Higgins schon seit über zwei Stunden ausblieben. Der schwarzhaarige Lieutenant kannte seinen Stoßtrupp gut genug, um zu wissen, wie unwohl sich die Männer fühlten. Zwar hielten sie sich noch immer in Virginia auf, aber sicher waren sie hier nirgendwo. Denn in diesem Teil kontrollierten die Truppen des Nordens das Territorium. Das würde auch so lange anhalten, wie sie Harper’s Ferry besetzt hielten.

»Was glaubst du?«, wandte sich Neil Vance, der Sprengstoffexperte des kleinen Einsatzkommandos, an seinen Lieutenant. »Wie wird es auf der anderen Seite des Potomac aussehen?«

»Ich hoffe, das werden uns Mac und Higgins gleich sagen«, erwiderte Durango. »Zerbrich dir jetzt nicht den Kopf darüber, Neil. Es ist nicht das erste Mal, dass wir so einen Job erledigen müssen. Bei Bull Run hatten wir auch die eine oder andere brenzlige Situation durchzustehen, oder?«

»Ich will lieber nicht mehr daran denken«, winkte Vance ab. Seit den dramatischen Ereignissen um John Brown und Harper’s Ferry ritten die Männer mit ihrem Lieutenant und hatten im Lauf der Jahre so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft gebildet. Entsprechend vertraut gingen sie miteinander um.

Die Generäle Robert E. Lee, Thomas J. Jackson und J. E. B. Stuart wussten, dass Durango und seine Leute gute Schützen und tapfere Kämpfer waren, und ließen daher manches an Freiheiten durchgehen, die diese Truppe für sich beanspruchte. Dafür waren sie jederzeit bereit, heikle Aufträge durchzuführen, wie auch an diesem sonnigen Mittag des 3. September 1862.

Lees Befehl war eindeutig gewesen. Durango und seine Männer sollten zunächst das Gelände rund um Harper’s Ferry kontrollieren, bevor sie dann den Potomac überqueren und sich im Grenzgebiet von Maryland umschauen sollten. Durch diesen Spähtrupp erhoffte sich Lee einen aktuellen Bericht über die Lage, bevor er weitere Schritte in die Wege leitete.

»Da kommen sie endlich!«, rief Porter ganz aufgeregt und zeigte nach Westen. Als Durango das hörte, erhob er sich von dem Felsblock, auf dem er gesessen hatte, und ging mit schnellen Schritten zu Porter. Auch Vance, zu dem sich nun auch Fisher gesellt hatte, kam mit. Gemeinsam beobachteten sie, wie McCafferty und Higgins einen Hügel herunterritten und schließlich das verborgene Camp erreichten, in dem sich der konföderierte Stoßtrupp aufhielt.

»Wir hatten Glück«, ergriff McCafferty sofort das Wort, als er Durangos Blick sah und die sich darin widerspiegelnde unausgesprochene Frage richtig deutete. »Die Yankees haben uns nicht bemerkt, obwohl wir ziemlich nahe an das Depot herangekommen sind.«

»Gab es keine Wachposten?« Durangos Stimme klang erstaunt. »Dann müssen sie sich aber wirklich ganz sicher fühlen.«

»Dazu haben sie auch allen Grund«, kam prompt die Antwort des irischen Sergeants. »Wir konnten die Ankunft eines Zuges beobachten. Aber in den Wagen befand sich keine Fracht, sondern Soldaten.«

»Wahrscheinlich ist es die A-Company der 22. New Yorker Miliz«, schlussfolgerte Durango. »McClellan beginnt seine Trümpfe auszuspielen und will uns damit abschrecken. Aber das wird ihm nicht gelingen. General Lee lässt sich in keinster Weise einschüchtern. Hast du irgendetwas an zusätzlichen Posten gesehen, Mac?«

Der Ire schüttelte nur den Kopf, und Tom Higgins bestätigte, dass ihnen nichts aufgefallen war, was sie zur Vorsicht hätte mahnen können.

»Gut, dann gehen wir jetzt den nächsten Schritt«, entschied Durango. »Wir überqueren den Potomac weiter flussabwärts...



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