Wallner | Alpengold - Folge 208 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 208, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Wallner Alpengold - Folge 208

Dunkle Stunden im Bürgermeisterhaus
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-2123-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Dunkle Stunden im Bürgermeisterhaus

E-Book, Deutsch, Band 208, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7325-2123-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Ich würd mich immer wieder in dich verlieben, Weiberl', sagt Franz Altstetter, der Bürgermeister des kleinen Bergdorfes, zu seiner Frau Luitgard, als sie im Kreise ihrer Lieben mit einem rauschenden Familienfest Franz' Geburtstag und ihren dreißigsten Hochzeitstag feiern. Tatsächlich haben die Altstetters immer eine vorbildliche Ehe geführt. Und doch sie hüten ein dunkles Geheimnis, von dem nicht einmal ihre drei Kinder Marco, Stefan und Annerl etwas wissen.

Dass sich das ausgerechnet auf dem Fest ändern soll, ahnt niemand der Anwesenden. Aber als die Wahrheit ans Licht kommt, stehen alle unter Schock ...

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»Hoffentlich hält sich das Wetter, und wir können draußen feiern. Im Haus ist halt net genug Platz für die vielen Gäste«, meinte Luitgard Altstetter besorgt und fuhr sich mit dem Arm über die erhitzte Stirn.

Sie hatte schon den ganzen Tag für das Familienfest am morgigen Samstag vorgekocht, und in der heißen Küche war es kaum noch auszuhalten. Auf dem großen Herd brodelte es, aromatische Düfte nach Kräutern und Gewürzen erfüllten den Raum.

»Das Kaiserwetter soll noch eine Woche anhalten, mach dir keine Sorgen«, beruhigte sie ihr Mann, der es gewagt hatte, die Küchenschwelle zu übertreten, was sonst weder von seiner Frau noch von Resi Angerer, ihrer Haushälterin seit Jahrzehnten, gern gesehen wurde.

»Hoffentlich«, meinte Luitgard und rührte in einem großen Topf. »Und wie geht es draußen voran?«

»Gut. Die Kinder stellen die Tische und Bänke auf und schmücken das Haus. Sogar Lampions wollen sie in den Bäumen aufhängen«, gab Franz Altstetter Auskunft.

»Gut«, murmelte Luitgard und richtete sich auf.

Ihr gerötetes Gesicht zeigte plötzlich einen Ausdruck tiefer Erschöpfung, der ihrem Mann nicht entging.

»Du hast für heut genug getan, Luitgard. Es gibt doch wohl nichts mehr, was die Resi net allein bewältigen könnt, oder?«, sagte er in bestimmtem Ton.

»Das will ich meinen«, behauptete Resi verdrossen, denn sie fand, dass Luitgard ihr wieder viel zu viel aus der Hand genommen hatte.

»So, wir schauen uns jetzt an, was die Kinder zuwege gebracht haben«, schlug Franz vor, und Luitgard erhob keinen Widerspruch.

Sie legte die Schürze ab und strich sich die Haare zurück, dann verließen sie das geräumige Bürgermeisterhaus, wie die Wohnstatt der Altstetters im Dorf allgemein genannt wurde.

Es war von Simon Altstetter, dem Vater von Franz, erbaut worden und glich einem stattlichen ländlichen Anwesen. Breit am Dorfausgang hingelagert, mit Balustraden und kunstvoller Lüftlmalerei bot es einen Blickfang, besonders wenn im Sommer eine üppige Geranienpracht von den Fenstersimsen und Balkonen herabflammte. Dahinter erstreckte sich ein liebevoll angelegter Bauerngarten, der von Luitgard gehegt und gepflegt wurde. Er ging in eine große Streuobstwiese über, deren Bäume nun in voller Blüte standen.

Hier hatten Franz und später dessen Nachkommenschaft eine glückliche Kindheit erlebt. Von der Streuobstwiese führte ein kleiner, ausgetretener Pfad zu einem Bergsee mit wunderbar klarem Wasser. Im Sommer trafen sich dort die Dorfkinder und kühlten sich in dem erfrischenden Nass von der Hitze ab. Und natürlich versammelten sie sich auch im Schatten der alten Obstbäume, wo es Limonade und frisch gebackenen Kuchen aus dem Bürgermeisterhaus gab.

Simon Altstetter war bis zu seinem plötzlichen vorzeitigen Tod Bürgermeister der kleinen Gebirgsgemeinde gewesen. Sein Sohn dagegen war mit seiner jungen Familie in München geblieben, wo er bei einer Behörde gearbeitet hatte. Kurz nach dem Ableben seines Vaters aber war er nach Eggertshofen zurückgekehrt, denn Luitgard, die auch aus dem Ort stammte, war zunehmend von Heimweh gequält worden und hatte sich in der Großstadt nicht wohlgefühlt.

Als man Franz den Bürgermeisterposten anbot, trat er die Nachfolge an. Es war seine Art, das Andenken seines Vaters zu ehren. Und er hatte es nie bereut. Sie bezogen das Bürgermeisterhaus, Luitgard blühte wieder auf und schenkte einem dritten Kind, einer Tochter, das Leben.

Daran musste Franz denken, als er neben Luitgard über den schmalen Weg, der mit Blumenrabatten gesäumt war, zu der Streuobstwiese schritt. Wie Schnee leuchteten die blühenden Bäume durch das satte Grün der Wiese, Sonnenstrahlen tanzten vor ihnen her. Zwischen den Baumgruppen tat sich eine Lichtung auf, die zwar beschattet war, aber gleichzeitig genug Raum bot, um eine Reihe von Tischen aufzustellen.

Das Ehepaar blieb unwillkürlich stehen, um das Treiben der jungen Leute zu beobachten. Wie gewöhnlich hatten sich die Spezln der beiden Söhne dazugesellt, und ihre Tochter unterhielt sich lachend mit zwei Freundinnen.

Der Anblick ihrer Kinder ließ den Altstetters immer das Herz aufgehen. Marco, der älteste Sohn, hochgewachsen und dunkelhaarig, verfügte über ein großes musikalisches Talent, auch wenn er es nur widerwillig zum Einsatz brachte. Stefan, sein jüngerer Bruder, schien dagegen in die Fußstapfen des Vaters zu treten, und studierte Verwaltungswissenschaft.

Luitgards Blick schweifte zu Anna, ihrer Tochter, die alle nur Annerl nannten. Mit den feinen Gesichtszügen und den silberblonden Locken, die ihr schönes Gesicht umgaben, wirkte sie geradezu elfenhaft. Ein Eindruck, der durch das helle Kleid, das ihre zierliche Gestalt umfloss, noch erhöht wurde.

Luitgards Herz zog sich zusammen. Ihr Annerl, das so gutherzig und empfindsam war. Sie leistete gerade ein soziales Jahr im Kreiskrankenhaus ab, und immer wenn es einem der Patienten schlechter ging, war sie bedrückt und unglücklich, auch wenn sie es zu verbergen suchte. Und dann machte sich Luitgard große Sorgen um die Tochter.

Jetzt aber war sie voller Lebensfreude, hängte mit den Freundinnen Lampions an den Ästen auf und gab schlagfertige Antworten auf die Neckereien der jungen Männer. Besonders der Sohn des Dorfarztes tat sich dabei hervor und ließ Annerl kaum aus den Augen.

Luitgard stieß ihren Mann leicht an.

»Da, schau nur! Der Martin vom Doktor ist anscheinend in unser Annerl verliebt. Er macht gar keinen Hehl draus.«

»Ach so? Das tät doch passen. Der Martl ist ein ordentlicher Bursche. Und wie steht sie denn dazu?«, gab Franz zurück.

»Du weißt ja, wie Madeln in dem Alter sind. Sie tut halt so, als ob sie nichts von ihm wissen wollt.«

»Sie will ihr Fell halt net so billig verkaufen«, gab Franz zurück.

»Mandl! Wie kannst du so über unser Annerl reden«, gab Luitgard entrüstet zurück, denn auf ihre Kinder ließ sie nichts kommen.

»Das war doch nur ein Scherz, Liebes«, lachte ihr Mann verschmitzt.

»Bei unseren Kindern versteh ich halt keinen Spaß«, erwiderte Luitgard schon wieder halb versöhnt. Doch dann erweckte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit. »Da, schau, die Blanka. Dass die sich hierher bequemt hat«, sagte sie ohne die geringste Begeisterung.

»Kaum zu glauben, dass der Martl eine solche Schwester hat«, meinte ihr Mann.

»Und wie sie sich wieder hergerichtet hat! Das enge schwarze Zeug, und net nur den Mund hat sie sich schwarz angemalt, sondern auch ihre langen Krallen sind so grausig lackiert. So tät ich meine Tochter net aus dem Haus lassen.«

»Ach, das ist vielleicht nur eine Phase. In ein paar Jahren reißt sie sich das schwarze Zeug vom Leib und steht in einem weißen Brautkleid vor dem Altar.«

»Ihr Mannsleut seht das halt anders. Ich glaub net, dass die Blanka sich ändert.«

Luitgards Stimme hatte einen unfreundlichen Unterton angenommen, was verwunderlich war, denn die Frau des Bürgermeisters war sonst immer freundlich und ausgleichend. Geradezu harmoniesüchtig, wie Franz oft fand, aber Blanka war ihr eben schon immer ein Dorn im Auge gewesen.

Tatsächlich wirkte das junge Mädchen wie ein Fremdkörper unter den anderen. Es war eine auffallende Erscheinung, wurde auch meistens »die schöne Blanka« genannt. Ihre schwarzen Haare, in der Mitte gescheitelt, flossen ihr glatt auf die Schultern, und weder die auffällig geschminkten Lippen noch die dicke schwarze Umrandung ihrer Augen konnten ihrer Schönheit Abbruch tun.

Sie trug enge schwarze Kleidung, Arme und Beine waren bedeckt, als wäre es nicht ein warmer Frühsommertag. Gleichzeitig wurde dadurch die Blässe ihrer Haut hervorgehoben, die fast unnatürlich wirkte.

»Hast du gesehen, wie der Stefan sie eben angeschaut hat?«, fragte Luitgard beunruhigt ihren Mann.

»Dem scheint sie zu gefallen. Gegensätze ziehen sich halt an …«

»Jesses«, fiel sie ihm ins Wort, »nur net so eine in unserer Familie! Es ist ja net nur ihr Aufzug, sondern sie taugt auch sonst net viel. Hängt den ganzen Tag herum und weiß net, warum sie auf dieser Welt ist.«

»Reg dich net auf, Weiberl. Es ist ja noch lang net gesagt, dass ihr der Stefan gefällt. Der ist wahrscheinlich viel zu langweilig und zahm für sie«, versuchte Franz sie zu beschwichtigen, erreichte dabei aber nur das Gegenteil.

»Langweilig – unser Stefan«, kam es empört von ihren Lippen.

»Du weißt schon, wie ich’s mein. Komm, jetzt gehen wir zu den jungen Leuten. Die haben sich alle Mühe gegeben, wie man sieht.«

Kaum war das Ehepaar näher getreten, als es auch schon mit Fragen bestürmt wurde. Man war sich nicht ganz sicher, ob die Tische so richtig platziert waren, doch die Altstetters fanden nichts daran auszusetzen.

»Meint ihr, wir sollen noch mehr Lampions aufhängen?«, fragte Annerl, deren Wangen sanft gerötet waren.

»Ich helf dir gern dabei«, bot sich Martin Donath, der Arztsohn, eilfertig an.

Er rückte einen Stuhl zurecht und stieg darauf, und Annerl blieb nichts anderes übrig, als ihm die Kette mit den Lampions hochzureichen.

»Wie wäre es denn mit Lampions auf dem Hof hinter dem Haus? Es sind ja noch genug da«, schlug Stefan vor.

Das fand Anklang, denn der geräumige Hof an der Rückseite des Bürgermeisterhauses sollte den jungen Leuten als Tanzfläche dienen. Eine bekannte Trachtenkapelle war engagiert worden, die aufspielen würde.

»Wie romantisch«, flötete eines der...



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