E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Walker Wenn du mich willst
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7456-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7456-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur Hass empfindet der Millionär Ricardo für Edward Venables! Um sich zu rächen, entführt er dessen Verlobte Felicity. Doch schon bald weckt seine süße Geisel alles andere als kalte Rachegedanken in ihm: Unwiderstehlich fühlt er sich von ihr angezogen ...
Kate Walker wurde zwar in Nottinghamshire in England geboren, aber ihre Familie zog nach Yorkshire, als sie 18 Monate alt war, und deshalb sah sie Yorkshire immer als ihre Heimat an. In ihrer Familie waren Bücher immer sehr wichtig, und so lasen sie und ihre vier Schwestern schon als Kind alles, was sie in die Finger bekamen. Schon bevor sie schreiben konnte, dachte sie sich Geschichten aus, und sie schrieb ihr erstes "Buch" im zarten Alter von 11 Jahren. Jeder sagte ihr, sie könne nie vom Bücher schreiben leben, und so suchte sie sich einen Beruf, bei dem sie wenigstens mit Büchern zu tun hatte: Sie wurde Bibliothekarin. Nach der Schule studierte sie in Wales Englisch und Bibliothekswissenschaften. Dort lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, der ebenfalls dort studierte. Nach ihrer Heirat zogen sie nach Lincolnshire, wo sie als Bibliothekarin arbeitete, bis ihr Sohn auf die Welt kam.
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1. KAPITEL
Rico Valeron hielt vor dem Haus, sah auf seine Armbanduhr und stellte den Motor ab. Ich habe noch viel Zeit, dachte er und lehnte sich zurück.
Oben in ihrem Schlafzimmer hörte Felicity das Auto und nur Sekunden später die Stimme ihres Vaters.
„Dein Wagen ist da!“, rief er die Treppe hoch. „Bist du so weit?“
Bin ich so weit?, fragte sich Felicity. Sie betrachtete sich im Spiegel, dann wandte sie sich schnell ab. Ihr gefiel nicht, wie viel ihr Blick verriet.
„Fliss!“ Joe Hamilton wurde ungeduldig. „Der Wagen ist da. Wir müssen los.“
„Ich komme gleich“, brachte sie mühsam heraus. Sie klang matt und niedergeschlagen, überhaupt nicht so, wie eine Braut klingen sollte, kurz bevor sie zu ihrer Hochzeit fuhr. Aber andererseits war dies ja auch nicht die Hochzeit, von der sie als junges Mädchen geträumt hatte. Damals war sie in ihren Fantasievorstellungen Aschenbrödel oder Königin Guinevere und ihr Bräutigam eine Mischung aus Märchenprinz und einem Ritter der Tafelrunde, der auf einem weißen Pferd auf sie zuritt und sie in das perfekte „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ entführte.
Dies war dagegen die Karikatur einer Heirat, zu der sie Angst und Verzweiflung gedrängt hatten und vor der sie sich bis zuletzt vergeblich zu drücken versucht hatte.
„Felicity!“
Ihr Vater benutzte ihren vollständigen Namen nur, wenn er sich über sie ärgerte, und sie sah ihn im Geiste vor sich, wie er gereizt auf seine Armbanduhr blickte. „Ich komme!“ Ihr blieb nichts anderes übrig. Kein Ritter auf einem weißen Pferd würde ihr zu Hilfe eilen. Nicht einmal ihrer Mutter hatte sie sich anvertrauen können. Dann hätte sie verraten müssen, in was für eine hoffnungslose Lage sich ihr Vater gebracht hatte und dass er niemals einen Ausweg finden würde.
Außer wenn sie diese Hochzeit durchzog.
„Einen Moment noch!“ Felicity drehte sich wieder zum Spiegel um und überprüfte ihr Aussehen. Das weiße Seidenkleid, auf dem Edward bestanden hatte, saß perfekt. Ärmellos und weich fließend, betonte es ihre schlanke Figur und die glatte gebräunte Haut. Ihr hellblondes Haar war unter dem Schleier zurückgesteckt, der ihr von einem zierlichen Diadem kaskadenförmig über den Rücken fiel. Der schlichte Stil unterstrich ihr fein geschnittenes Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den großen grauen Augen.
Aber trotz des sorgfältig aufgetragenen Make-ups sah sie blass und müde aus. „Niemand wird es auch nur eine Sekunde lang glauben“, sagte sie zu ihrem Spiegelbild. „Kannst du nicht zumindest ein Lächeln zustande bringen?“
Nein, das war ja noch viel schlimmer. Ihr Lächeln war so offensichtlich falsch, dass es fast wie eine Grimasse wirkte. Hastig hob Felicity das lange Kleid an und ging zur Tür.
„Endlich!“, rief Joe. „Wir werden zu spät kommen.“
„Ist das nicht das Vorrecht einer Braut?“, erwiderte Felicity. „Und Edward wird warten.“ O ja. Er gewann so viel mehr durch diese Karikatur einer Heirat. Viel mehr, als er ihr für ihre Einwilligung versprochen hatte.
Rico konnte durch das Milchglas der Haustür eine Bewegung erkennen und setzte sich auf. Mit zusammengekniffenen Augen musterte er die Umgebung und nickte zufrieden. Niemand war in der Nähe. Alle waren zur Hochzeit des Jahres eingeladen, und sogar die Angestellten hatten den Tag freibekommen, damit sie vor der Kathedrale stehen und die eintreffenden Gäste beobachten konnten. Wenn sein Glück anhielt, müsste es ihm eigentlich völlig unbemerkt gelingen. Als die Tür aufging, stieg er aus und ließ eine Hand unauffällig in die Jackentasche gleiten.
„Wir kommen!“, rief Joe und winkte seine Tochter aus dem Haus. „Los, los, Fliss! Sonst wird Sir Lionel noch denken … Wer kann das sein?“
Das Telefon klingelte. „Lass es“, sagte Felicity. Jetzt, da sie auf dem Weg waren, wollte sie die Sache erledigt haben.
Joe war unfähig, das hartnäckige Klingeln zu ignorieren. „Geh schon vor, Liebling“, sagte er und kehrte um. „Ich bin sofort …“
Aber Felicity war plötzlich wie gelähmt. Eine unerklärliche Angst durchflutete sie, und sie fröstelte trotz der heißen Julisonne. Sie sah und hörte nichts, was die Panik hätte auslösen können, und dennoch …
„Miss Hamilton?“
Sie blickte den Chauffeur zum ersten Mal richtig an. Er war ein großer, imposanter Mann und entsprach überhaupt nicht ihren Erwartungen. Einen Fahrer hatte sie sich anders vorgestellt. Er stand gerade und stolz neben dem funkelnden silbergrauen Rolls-Royce und hielt die hintere Tür auf. Die schwarze Uniformjacke betonte seine breiten Schultern und die schmale Taille. Die eleganten Schuhe sahen wie handgearbeitet aus. Felicity kniff die Augen gegen die grelle Sonne zusammen, doch sie konnte seine Gesichtszüge wegen der tief in die Stirn gezogenen Schirmmütze nicht erkennen.
„Sind Sie Miss Felicity Hamilton?“
Er hörte sich überrascht an, und sein Akzent – Spanisch, vielleicht? – fiel ihr jetzt stärker auf. Die fremdländische Aussprache ließ ihren Vornamen verführerisch klingen, und Felicity spürte plötzlich eine prickelnde Erregung, die für eine Braut auf dem Weg zu ihrer Hochzeit mit einem anderen Mann völlig unpassend war. Oder unpassend wäre, wenn sie einen Mann heiraten würde, den sie wirklich gern hatte. „Ja. Felicity Jane Hamilton, zukünftige Felicity Jane Venables.“ Sie raffte ihr Kleid und ging auf den Chauffeur zu. „Aber das wussten Sie doch, stimmt’s? Deshalb sind Sie ja hier.“
„Ja, Miss Hamilton“, erwiderte er leise. „Genau deshalb.“
Jetzt, da sie vor ihm stand, nahm sie wahr, dass er dunkelbraune Augen, eine gerade Nase, ein energisches Kinn und einen so schönen, sinnlichen Mund hatte, dass sie sich danach sehnte, diesen Mann lächeln zu sehen und seine Küsse auf ihrer Haut zu spüren …
„Wollen Sie nicht einsteigen, Miss Hamilton?“
„Ich … Oh …“ Felicity wurde rot. Er blickte sie unverwandt forschend an, und es kam ihr so vor, als könnte er ihre Gedanken lesen. Die erotischen Gedanken, die sie nicht hätte haben dürfen! Obwohl sie Edward nicht liebte, hatte sie ihm versprochen, sich wie seine Ehefrau zu benehmen, und nichts sollte darauf hindeuten, dass es keine echte Heirat war. Dieses Versprechen würde unmöglich zu halten sein, wenn sie schon von anderen Männern fantasierte, bevor sie überhaupt den Ring am Finger hatte!
„Steigen Sie ein.“
Die Stimme des Chauffeurs hatte plötzlich einen drohenden Unterton, der Felicity beunruhigte. „Ich warte auf meinen Vater.“
„Sie können im Wagen warten.“
„Ich bleibe lieber hier draußen. Ich möchte mein Kleid nicht zerknittern.“
Er musterte es verächtlich und tat ihren Einwand mit einem Schulterzucken als unwichtig ab. „Wir werden zu spät kommen. Bitte steigen Sie ein, Miss Hamilton.“
So, wie er das Wort „bitte“ aussprach, hatte es nichts Höfliches und ließ Felicity schaudern. Aber sie hörte, dass sich ihr Vater bemühte, das Telefongespräch zu beenden.
„Ich muss wirklich los. Können wir ein anderes Mal da rüber reden?“
Er würde jeden Moment bei ihr sein, und dieses Wissen half ihr, die Selbstsicherheit zurückzugewinnen, die durch das beunruhigende Verhalten des Chauffeurs erschüttert worden war. Sie würde ins Auto steigen. Nicht, weil er darauf bestand, sondern weil sie es wollte.
Ihr war nicht klar gewesen, wie schwierig es sein würde, mit dem langen Kleid, dem Schleier und der Seidenschleppe auf den hohen Ledersitz zu kommen. Sie versuchte, das Kleid nicht zu zerknittern, was damit endete, dass sie das Gleichgewicht verlor und erschrocken aufschrie.
Er war sofort da, umfasste ihren Arm und stützte sie. Nur einen Moment später glitt sie sicher auf den Rücksitz.
„D… danke“, sagte sie und war sich schockiert bewusst, dass die Nähe des Fahrers ihre Stimme atemlos und zittrig klingen ließ und nicht der Gedanke an den gerade noch vermiedenen Sturz.
„De nada.“
Er ordnete das Kleid und die Schleppe, sodass sie nicht in die Tür eingeklemmt werden konnten. Seine Berührungen waren ruhig und völlig unpersönlich, und Felicitys nervöse Anspannung verschwand. Sie musste übertrieben und voreilige Schlüsse gezogen haben. Ihre Fantasie war mit ihr durchgegangen. „Danke“, sagte sie wieder, und als er aufsah, lächelte sie ihn an.
Er reagierte nicht. Sein ausdrucksloser starrer Blick ließ sie entsetzt zurücksinken. Ihr war kalt und schwindlig, und so bekam sie kaum mit, dass er die Tür zuschlug und ums Auto ging. Erst als er einstieg und den Zündschlüssel drehte, registrierte sie, dass nicht alles so war, wie sie erwartet hatte. Ihr Vater war noch im Haus, und … „Moment mal!“
Der Chauffeur ignorierte sie und fuhr los. Er lenkte den Rolls-Royce mit einer Hand und zog mit der anderen ein Handy aus der Hosentasche. „Okay, Auftrag ausgeführt“, sagte er scharf. „Du kannst jetzt aufhören.“
„Sie dürfen noch nicht abfahren. Mein Vater …“ Felicity verstummte, als sie völlig begriff, was er gesagt hatte.
Auftrag ausgeführt. Du kannst jetzt aufhören.
Sie beugte sich vor und schlug gegen die Trennscheibe. „Was machen Sie denn? Wohin fahren Sie?“
Er steckte das Handy zurück in die Hosentasche, legte die Hand aufs Steuer und gab Gas.
„Sie müssen anhalten! Mein Vater …“ Felicity bemerkte, dass der Chauffeur einen schnellen Blick in den Rückspiegel warf. Sie drehte sich...




