E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Walker Hoffnung, Liebe - Zukunft
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4602-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4602-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verheißungsvoll klingen Rafaels Worte, denn die schöne Serena braucht seine Liebe so sehr! Nur ihn hat sie auf der Welt, seit sie nach monatelangem Koma erwacht ist und scheinbar keine Verwandten, keine Freunde. Rafael hat sie aufgenommen, ihr seinen entzückenden kleinen Sohn Tonio anvertraut, als sei sie die leibliche Mutter - und jetzt will er sie lustvoll lieben! Fast ist es, als schenke er ihr eine Zukunft voller Zärtlichkeit und Vertrauen - doch noch immer bleibt Serenas größtes Problem ungelöst. Denn sie hat ihre Erinnerung verloren, und Rafael scheint etwas von ihrer Vergangenheit zu wissen, das er ihr nicht verraten will. Etwas Schreckliches muss passiert sein, etwas, das Serenas Glück mit Rafael gefährden könnte ...
Kate Walker wurde zwar in Nottinghamshire in England geboren, aber ihre Familie zog nach Yorkshire, als sie 18 Monate alt war, und deshalb sah sie Yorkshire immer als ihre Heimat an. In ihrer Familie waren Bücher immer sehr wichtig, und so lasen sie und ihre vier Schwestern schon als Kind alles, was sie in die Finger bekamen. Schon bevor sie schreiben konnte, dachte sie sich Geschichten aus, und sie schrieb ihr erstes "Buch" im zarten Alter von 11 Jahren. Jeder sagte ihr, sie könne nie vom Bücher schreiben leben, und so suchte sie sich einen Beruf, bei dem sie wenigstens mit Büchern zu tun hatte: Sie wurde Bibliothekarin. Nach der Schule studierte sie in Wales Englisch und Bibliothekswissenschaften. Dort lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, der ebenfalls dort studierte. Nach ihrer Heirat zogen sie nach Lincolnshire, wo sie als Bibliothekarin arbeitete, bis ihr Sohn auf die Welt kam.
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1. KAPITEL
„Wie heißen Sie?“
Die Frage wurde in eigenartig scharfem Ton gestellt, und Serena versuchte verzweifelt, die Augen ganz zu öffnen, um ihre Umgebung klarer wahrzunehmen. Ihr Verstand schien umnebelt, und ihre Gedanken waren völlig wirr.
„Dumme Frage – natürlich weiß ich, wer ich bin! Mein Name ist Serena Martin. Und …“
Sie runzelte leicht die Stirn, kniff die braunen Augen zusammen und fuhr sich mit zittriger Hand durchs rote Haar, während sie sich umsah und ihre Umgebung aufzunehmen versuchte: den pastellfarbenen Raum mit den hellrosa Vorhängen, die genau zu den Bettbezügen passten. Trotz der freundlichen Farben wirkte das Krankenzimmer unpersönlich und kalt. Die dunkelhaarige Frau, die neben Serenas Bett saß und sie mit ihren grauen Augen anblickte, trug einen weißen Arztkittel.
„… und ich nehme an, dies ist ein Krankenhaus.“
„Das stimmt.“
„Wissen Sie auch, was geschehen ist?“
Zwei Stimmen auf einmal, für Serena war es fast unmöglich, sie auseinanderzuhalten. Aber ihr war klar, dass die Zustimmung von der Ärztin kam, während die Fragen von einer anderen Person gestellt wurden. Von dem Mann, der auf der anderen Seite des Raumes im Türrahmen stand, den er mit seiner kräftigen Gestalt fast ausfüllte. Seine Haltung war gerade, und seine Schultern waren breit.
Er war groß, eine stattliche Erscheinung, und hatte einen dunklen Teint. Er beeindruckte sie – und machte ihr gleichzeitig Angst.
Angst? Sie wusste ziemlich genau, dass sie diesen Mann noch nie zuvor gesehen hatte. Wieso brachte sie dann dieses Wort mit ihm in Verbindung? Das war ihr schleierhaft.
„Nun, wissen Sie es?“, beharrte er auf seiner Frage und verlieh seinem Tonfall, der Serena gleich faszinierte, besonderen Nachdruck. „Können Sie mir sagen, wie Sie hierher gekommen sind?“
Für sie war es äußerst schwierig, darauf eine Antwort zu geben. Sie war völlig durcheinander. Da waren nebelhafte Gedanken und schwache Erinnerungsfetzen – Lärm, Panik, ein fürchterliches Krachen und jemand, der vor Angst schrie.
War sie das selbst?
„Ich … ich vermute, es muss irgendeinen Unfall gegeben haben.“
„Was für einen Unfall?“
Während des kurzen Gesprächs war der Mann nicht von seinem Platz gewichen. Ihr schien es aber, als wäre er weiter ins Zimmer gedrungen, als hätte er sich ihr gefährlich genähert und als wollte er sie förmlich an die Wand drängen.
„Das weiß ich nicht!“ Zum ersten Mal wandte sie sich ihm direkt zu und richtete den Blick ihrer braunen Augen herausfordernd auf sein Gesicht. „Warum sagen Sie es mir denn nicht?“
Wer war das eigentlich? Noch ein Arzt? Er trug keinen weißen Kittel wie die Ärztin an ihrer Seite, sondern einen dunklen Maßanzug, dessen hervorragender Stoff und vorzügliche Machart von Wohlhabenheit zeugten. Vielleicht war er ein höher gestellter Arzt, ein Chirurg oder ein Facharzt. Die trugen bekanntlich keine weißen Kittel und wurden mit „Mister“ angesprochen, nicht mit „Doktor“.
Wie auch immer, er war ein erstaunlicher, unwahrscheinlich gut aussehender Mann. Serena konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Er übte eine verheerende Wirkung auf sie aus.
Zu seiner eindrucksvollen Größe kam noch volles, glatt nach hinten gekämmtes pechschwarzes Haar. Das unterstrich seine wohlgeformten Gesichtszüge. Ganz benommen betrachtete sie seine gerade, kräftige Nase, sein energisches Kinn und einen überraschend sinnlichen Mund. Die Augen begeisterten sie jedoch am meisten. Sie waren von unglaublich dichten schwarzen Wimpern gesäumt, hatten eine Farbe wie flammendes Gold und leuchteten hell.
Der dunkle Teint war sicher auch nicht das Ergebnis eines Urlaubs am Mittelmeer, sondern offensichtlich seine natürliche Hautfarbe, ein Erbe von Vorfahren, die nicht aus England stammten.
Ihr wurde plötzlich heiß, und sie konnte nicht länger still im Bett liegen. Eine merkwürdige Unruhe erfasste sie, ließ ihr Herz schneller schlagen und ihr das Blut in den Kopf steigen. Auf einmal wurde Serena bewusst, dass sie unter der Bettdecke nicht mehr anhatte als das Kliniknachthemd.
Sein leidenschaftlicher Blick verriet ihr, dass der Mann ihre Gefühle erwiderte, obwohl sein Gesichtsausdruck abschätzend blieb. Gerade dieser Widerspruch zwischen Beherrschtheit und wildem Feuer war der Grund, dass sie einige Male trocken schlucken musste.
„Wieso meinen Sie, ich könnte Ihnen etwas sagen?“, erwiderte der Mann scharf, wobei sein fremdartiger Tonfall besonders deutlich zu hören war.
„Mr. Cordoba …“, mischte sich die Ärztin warnend ein, aber keiner von ihnen kümmerte sich darum, sosehr waren sie mit sich beschäftigt.
„Kennen wir uns?“, erkundigte sich Serena.
„Ganz sicher nicht!“
Mit einem lässigen Schnippen seiner feingliedrigen Finger tat er das als Unsinn ab.
„Sie haben mich ganz bestimmt noch nie gesehen.“
Serena war etwas erleichtert. So viel war ihr klar: Hätte sie diesen Mann irgendwann schon einmal gesehen, dann hätte sie sich unter allen Umständen wieder an ihn erinnert. Sie wusste zwar nicht, wie sie hierher gekommen war, hatte keine Vorstellung von dem, was passiert war, doch es beruhigte sie sehr, dass dieser – wie hieß er doch gleich? – Mr. Cordoba in ihrem Leben noch keine Rolle gespielt hatte.
„Wer sind Sie denn?“
„Ich heiße Rafael Cordoba.“
Er erwartete offensichtlich, dass ihr der Name etwas sagte. Serena konnte allerdings nichts damit verbinden und hätte in dem Moment viel darum gegeben, Näheres über diesen Rafael Cordoba und seine Bedeutung für sie zu erfahren. Sie empfand ihn als Bedrohung und wollte endlich dieser zermürbenden Fragerei entkommen.
Im Grunde aber wollte sie nur dieses beunruhigende Gefühl loswerden, das er in ihr hervorrief. Noch nie war sie sich der körperlichen Anziehungskraft eines Mannes so bewusst geworden. All ihre Gedanken drehten sich plötzlich um sinnliche Lust. Und Rafael Cordoba war schuld daran. Sie konnte an nichts anderes denken.
„Und wer sind Sie?“ Serena wandte sich der Frau an ihrem Bett zu.
„Ich bin Dr. Greene.“ Serena war erleichtert, dass die Frau ihren heimlichen Hilferuf verstanden hatte und sie beschwichtigend fragte: „Sind Sie in der Lage, einige Fragen zu beantworten?“
„Ich werde es versuchen.“
Es fiel Serena schwer, sich von Rafael Cordoba abzuwenden. Und sie beobachtete ihn weiter aus den Augenwinkeln, obwohl sie versuchte, sich ganz auf die Ärztin zu konzentrieren.
„Sie heißen Serena Martin?“
„Richtig.“
„Und wie alt sind Sie?“
„Dreiundzwanzig.“
Langsam begann Serena, sich zu entspannen. Dr. Greene machte es ihr leicht. Ihre Fragen warfen keine Probleme auf, machten ihr keine Angst. Serenas Verwirrung begann sich langsam zu legen. Offensichtlich hatte sie auch keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten, denn sie konnte prompt antworten.
„Wo wohnen Sie?“
„Alban Road fünfunddreißig in Ryeton … Stimmt was nicht?“, fragte Serena, als die Ärztin plötzlich zu schreiben aufhörte und sie stattdessen überrascht ansah.
„Ryeton in Yorkshire?“
„Genau.“
„Und was machen Sie in London?“
Da war die Stimme wieder, die sie erregte und erschauern ließ. Es war klar, dass Rafael Cordoba nicht lange ruhig bleiben konnte.
„Sind wir denn wirklich in London?“
„Dieses Krankenhaus ist es jedenfalls“, bestätigte er kurz angebunden und übersah einfach Dr. Greenes tadelnden Blick. „In London, wo Sie jetzt sind, wo der Unfall sich ereignete, wo …“
„Es reicht, Mr. Cordoba!“
Doch Rafael Cordoba ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Mit einer heftigen Kopfbewegung und blitzenden Augen wies er den Tadel zurück.
„Also, was machen Sie hier, wenn Sie in Ryeton …?“
„Das weiß ich nicht!“ Serena war am Ende ihrer Kräfte. Ihr Kopf schmerzte, und sie war erschöpft wie nach einem Marathonlauf. Heftig schüttelte sie den Kopf, Tränen schossen ihr in die Augen und ließen sie Rafael Cordobas dunkles, entschlossenes Gesicht nur noch schemenhaft wahrnehmen. „Vielleicht verbringe ich hier meinen Urlaub. Vielleicht …“
„Ich sagte ‚genug‘!“ Dr. Greene bewies, dass Rafael Cordoba sie nicht übermäßig eingeschüchtert hatte. Trotzdem milderte sie ihren Ton gleich wieder. „Ich muss auf das Wohl meiner Patientin achten. Miss Martin hat Ruhe nötig. Sie hat Schlimmes durchgemacht, das jedem von uns zugesetzt hätte, selbst dem Kräftigsten. Sie braucht dringend eine Erholungspause, und ich muss darauf bestehen, dass sie die bekommt.“
Derartig Belehrendes mochte er offensichtlich nicht hören. Serena sah, wie in seinen wunderschönen Augen Wut aufloderte und er sich nur mühsam beherrschte, indem er die sinnlichen Lippen zusammenpresste.
Sie konnte diese Zeichen höchster Anspannung in seinem Gesicht sofort deuten, als wäre sie schon lange mit seiner Art vertraut. Wer auch immer er war, er war offensichtlich keinen Widerstand gewohnt von jemandem, der nicht seine gesellschaftliche Stellung hatte. Er atmete tief ein und wollte etwas entgegnen.
Serena hatte sich gerade darauf eingestellt, dass ein Donnerwetter auf die Ärztin niedergehen würde, als er sich plötzlich doch besann.
„Wie Sie wünschen!“, sagte er eisig.
Dr. Greene wandte sich daraufhin wieder Serena zu.
...



