Walker | Abenteuer Kommunikation (Leben Lernen, Bd. 349) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 349, 462 Seiten

Reihe: Leben Lernen

Walker Abenteuer Kommunikation (Leben Lernen, Bd. 349)

Auf den Spuren der Wegbereiter moderner Psychotherapie – Eine Entdeckungsgeschichte
10. Auflage 2025
ISBN: 978-3-608-12330-2
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf den Spuren der Wegbereiter moderner Psychotherapie – Eine Entdeckungsgeschichte

E-Book, Deutsch, Band 349, 462 Seiten

Reihe: Leben Lernen

ISBN: 978-3-608-12330-2
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das fünfte Paradigma: Psychotherapie und Kommunikation Wie die Kommunikationstheorie die therapeutische Praxis revolutionierte Die theoretischen Grundlagen moderner, interventionsorientierter Psychotherapie Medizinische, psychodynamische und verhaltenstherapeutische Vorstellungen prägen nach wie vor weite Bereiche der Psychotherapie. Psychische Probleme werden auf neurobiologische Störungen, innere Konflikte oder erlernte Denk- und Verhaltensmuster zurückgeführt. Doch der Blick auf das Individuum übersieht entscheidende Zusammenhänge. In den 1950er Jahren leiteten der Anthropologe Gregory Bateson und der Psychiater Jürgen Ruesch einen Paradigmenwechsel ein, dessen Tragweite bis heute massiv unterschätzt wird. Ihre kybernetisch fundierte Kommunikationstheorie stellt bestehende Annahmen radikal in Frage und eröffnet eine völlig neue Sichtweise auf die Ursachen und Behandlung psychischer Leiden. Sie zeigt schlüssig, dass diese als Folge fehlgeleiteter Informationsverarbeitungs- und Kommunikationsprozesse verstanden werden können - im Individuum, in Beziehungen und in der Gesellschaft. Zeitgleich entwickelten einige visionäre Psychotherapeuten und -therapeutinnen innovative Methoden, die solche Prozesse gezielt verändern. Sie schufen die Grundlage für moderne, interventionsorientierte Psychotherapie. Die Erforschung ihrer Arbeit lieferte Antworten auf entscheidende Fragen: Wie lassen sich psychische Prozesse theoretisch angemessen beschreiben? Und wie kann therapeutische Kommunikation so gestaltet werden, dass sie direkt Veränderungen bewirkt? Dieses Buch ist weit mehr als ein historischer Rückblick. Der Autor zeichnet die Entstehung dieser bahnbrechenden Erkenntnisse anhand fesselnder Biografien der Schlüsselfiguren nach. Er beschreibt und untersucht die Rolle grundlegender theoretischer Vorannahmen der großen psychotherapeutischen Strömungen und lädt dazu ein, diese konstruktiv zu hinterfragen. Ein Must-Read für alle, die sich mit den Grundlagen der Psychotherapie auseinandersetzen wollen - fundiert, vielschichtig und hochaktuell. Dieses Buch richtet sich an: Angehende und praktizierende Psychotherapeut:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen, Forschende im Bereich der Klinischen Psychologie und Psychotherapie, Coaches, interessierte Laien

 Wolfgang Walker (Dipl.-Psych.) studierte Philosophie, Germanistik, Linguistik und Psychologie in Freiburg/Breisgau und Berlin. Er arbeitet seit 1996 in freier Privatpraxis als Therapeut und Heilpraktiker (eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) und entwickelte ein eigenständiges, auf imaginativer Arbeit basierendes Therapiesystem. Überregional steht sein therapeutisches Angebot - auf Deutsch und Englisch - auch online zur Verfügung.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1

Paradigmatische Voraussetzungen therapeutischer Systeme


Was bewegt den Menschen zum Handeln? Wie erklären sich die – oft gravierenden – Widersprüche in seinem Verhalten? Und welche Ursachen haben die vielfältigen Formen des Erlebens und Verhaltens, die heute gemeinhin als »psychische Erkrankungen« bezeichnet werden?

Schon seit grauer Vorzeit ist der Umgang mit Krankheit ein zentrales Thema jeglicher menschlichen Kultur. Das Bemühen, Wege zur Heilung und Linderung von Leid zu finden, reicht bis in prähistorische Zeiten zurück.

Die Suche nach Antworten – so lehrt ein Blick in die Geschichte – ist stets von paradigmatischen Vorannahmen über die Grundstruktur der Wirklichkeit selbst geleitet. Diese – so der berühmte Wissenschaftshistoriker THOMAS S. KUHN in seinem Klassiker »Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen« – sind grundlegende Prämissen, die selbst nicht zweifelsfrei beweisbar oder widerlegbar sind. Sie sind – bis zu einem gewissen Grad willkürliche – Setzungen, die sich auf folgende Fragen beziehen:

»Welches sind die Grundbausteine des Universums? Wie wirken sie aufeinander und auf die Sinne ein? Welche Fragen können sinnvoll über diese Bausteine gestellt und welche Methoden bei der Suche nach Lösungen angewandt werden?«12

Und weiter:

»Die [eingenommenen] Positionen … spezifizieren nicht nur, welche Entitäten das Universum bevölkern, sondern auch, welche es nicht enthält.«13

Die Antworten auf diese Fragen fallen – je nach Weltregion und Zeitepoche – verschieden aus. Jede menschliche Kultur besitzt sozial akzeptierte Formen der Wahrnehmung und des Erkenntnisgewinns. Aus ihnen resultieren Vorstellungen über den Aufbau der Welt und die grundlegende Natur des Menschen. Krankheitstheorien – und daraus abgeleitete Heilbehandlungen – sind unauflöslich mit diesen Glaubenssystemen verwoben.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lassen sich auf die Frage nach der Natur »psychischer Störungen« – grob vereinfacht – vier ernst zu nehmende Antworten ausmachen: die schamanistische, die somatogenetische, die psychodynamische und die lerntheoretische Sichtweise. Sie alle leisten wertvolle Beiträge zur Linderung von Leid.14

Jede dieser Auffassungen beruht auf einer unterschiedlichen Art, die Welt zu erleben; und jede dieser Varianten des Erlebens führt zu anderen Annahmen über die Beschaffenheit der Wirklichkeit und des Menschen. Es überrascht daher kaum, dass auch die daraus abgeleiteten Folgerungen für die praktische Heilkunst höchst verschieden sind.

Der britische Psychiater und Neurowissenschaftler IAIN MCGILCHRIST, einer der Universalgelehrten unserer Zeit, formulierte in diesem Zusammenhang eine faszinierende These, die international großes Aufsehen erregte: Demnach nutzen die linke und die rechte Gehirnhälfte grundlegend verschiedene Arten der Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitssteuerung. Weltbilder und Kulturepochen – so MCGILCHRIST – lassen sich danach unterscheiden, ob die Hemisphären ausbalanciert zusammenwirken oder eine Seite funktional dominiert. Dementsprechend verändere sich das subjektive Erleben der Wirklichkeit.15

Die rechte Hemisphäre des Gehirns nimmt die Welt auf ganzheitliche und intuitive Weise wahr. Sie verarbeitet Informationen gleichzeitig und ordnet diese in deren Kontext ein. Anstatt sich auf Details zu konzentrieren, erfasst sie Muster und Zusammenhänge. Daher ist sie in der Lage, »Synchronizitäten« zu erkennen.16 Die rechte Hirnhälfte verarbeitet und differenziert emotionale Zustände und nonverbale soziale Signale wie Gestik, Mimik und Tonfall. Durch ihre Fähigkeit, die Welt mit emotionaler Tönung zu erleben, erlaubt sie ein ganzheitliches Verständnis der Umgebung. Sie ermöglicht Kreativität, Inspiration und überraschende intuitive Einsichten.

Die linke Hemisphäre – auch Sitz des Sprachzentrums – befähigt zu logisch-rationalem Denken. Sie begegnet der Welt analytisch. Im Unterschied zur rechten Hemisphäre zerlegt sie komplexe Aufgaben in einzelne Schritte. Sie isoliert Details und verarbeitet Informationen nacheinander. Darüber hinaus dient sie der Verarbeitung und Manipulation von symbolischen Repräsentationen und Zahlen.

Die rechte Hemisphäre erlebt die Welt direkt, während die linke Gehirnhälfte deren Erleben abstrahiert und lediglich »re-präsentiert«. MCGILCHRIST schreibt:

»Die Welt der linken Hemisphäre, abhängig von begrifflicher Sprache und Abstraktion, erzeugt Klarheit und die Fähigkeit, Dinge zu manipulieren, die bekannt, unveränderlich, feststehend, isoliert, dekontextualisiert, eindeutig, entkörperlicht, ihrer Natur nach allgemein, jedoch letztlich entseelt und leblos sind.

Im Unterschied hierzu bringt die rechte Hemisphäre eine Welt individueller, sich verändernder, sich entwickelnder, miteinander verbundener, implizit personifizierter lebender Wesen innerhalb des Kontextes einer real gelebten Lebenswelt hervor, die ihrer Natur nach niemals vollständig erfassbar, stets nur unvollständig bekannt ist – und zu der sie in einer Beziehung der Fürsorge steht.

Das Wissen, das durch die linke Hemisphäre vermittelt wird, … hat den Vorteil der Perfektion, aber eine derartige Perfektion wird letztlich um den Preis einer Leere, einer Selbstbezüglichkeit erkauft. Sie kann Erkenntnisse nur in Form einer mechanischen Reorganisation anderer bereits bekannter Dinge hervorbringen. Sie kann niemals wirklich ›ausbrechen‹, um etwas Neues zu erkennen, da ihr Wissen lediglich aus ihren eigenen Re-Präsentationen besteht. Während der Gegenstand selbst nur für die rechte Hemisphäre ›präsent‹ ist, wird er von der linken Hemisphäre lediglich ›re-präsentiert‹, indem er nun zur Idee eines Gegenstands geworden ist.«17

Je nachdem, ob ein Weltentwurf aus der ausgewogenen Zusammenarbeit beider Hirnhälften oder der Dominanz einer Hemisphäre hervorgeht, unterscheidet sich die Beschreibung der Wirklichkeit.18

Die schamanistische Sichtweise


Animistisch geprägte Kulturen erleben die Welt als von beseelten Kräften durchzogen. Diese Vorstellung ist so alt wie die Menschheit selbst. Sie findet sich zu allen Zeiten und in allen Regionen der Erde. Noch im 21. Jahrhundert beeinflusst sie – unbeeindruckt von den erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften der Moderne – das Leben und den Alltag weiter Teile der Weltbevölkerung. Schon von alters her begründete sie die Praxis der Magie und des schamanistischen Heilens.19

Animistisch geprägte Zivilisationen betrachten die Welt als ein lebendes, bewusstes und multidimensionales Wesen. Unzugänglich für die Sinnesorgane des Körpers wirkt in dessen materieller Ausdrucksform eine Vielzahl immaterieller Kräfte. Alles, was existiert, ist ein individuierter Teil dieses Wesens und von einer lebensspendenden Essenz beseelt. Menschen, Tiere und Pflanzen – aber auch scheinbar unbelebte Gegenstände sowie Orte, Berge, Flüsse und Winde – besitzen immaterielle »Seelen«. Diese weisen eine energetische Signatur auf, die als »Ausstrahlung« oder »Atmosphäre« erspürt werden kann.20

Mitglieder solcher Kulturen sind von einem Leben nach dem Tod überzeugt. Viele vertreten das Konzept der Reinkarnation. Demnach verleihen sich »Seelen« von Zeit zu Zeit Ausdruck in der materiellen Dimension. Doch ihre Inkarnationen sind zeitlich begrenzt. Ziehen sie sich aus der Materie zurück, so existieren und wirken sie in nicht-physischen Wirklichkeiten weiter. Diese wiederum – so die animistische Überzeugung – sind von Myriaden weiterer, niemals inkarnierender Wesen bevölkert. Deren Bildnisse zieren – mit Ausnahme muslimischer Kultstätten – die Fassaden von Kirchen und Tempeln in aller Welt.

»Götter«, »Dämonen«, »Geister« und die »Seelen« Verstorbener – sie alle besitzen ein gewisses Maß an »Macht«, mit der sie das Handeln und Erleben des Menschen beeinflussen können. Sie sind immaterielle Wirkkräfte, die je nachdem »gut«, »böse«, »hilfreich«, »boshaft« usw. sind. Der Mensch ist ihrer Willkür bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Daher ist es unumgänglich, ein wohlwollendes Verhältnis zu ihnen zu pflegen.

Mit diesem Weltbild geht ein tiefer Respekt vor anderen Lebewesen, der Natur und nicht-physischen Dimensionen der Wirklichkeit einher. Was auf materieller Ebene getrennt erscheint, ist für animistisch geprägte Kulturen aufs Engste in einem dynamischen Netzwerk von Beziehungen und Wechselwirkungen miteinander verwoben. Folglich muss alles mit Rücksicht behandelt werden. Lebenspraktiken und Rituale animistischer Kulturen zielen darauf ab, das Gleichgewicht der Wirkmächte in der Welt zu bewahren. Dies sichert das harmonische Gleichgewicht der Kräfte – und damit das eigene Wohlergehen.

Die maßlose...


Walker, Wolfgang
Wolfgang Walker (Dipl.-Psych.) studierte Philosophie, Germanistik, Linguistik und Psychologie in Freiburg/Breisgau und Berlin. Er arbeitet seit 1996 in freier Privatpraxis als Therapeut und Heilpraktiker (eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) und entwickelte ein eigenständiges, auf imaginativer Arbeit basierendes Therapiesystem. Überregional steht sein therapeutisches Angebot – auf Deutsch und Englisch – auch online zur Verfügung.

Wolfgang Walker (Dipl.-Psych.) studierte Philosophie, Germanistik, Linguistik und Psychologie in Freiburg/Breisgau und Berlin. Er arbeitet seit 1996 in freier Privatpraxis als Therapeut und Heilpraktiker (eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) und entwickelte ein eigenständiges, auf imaginativer Arbeit basierendes Therapiesystem. Überregional steht sein therapeutisches Angebot – auf Deutsch und Englisch – auch online zur Verfügung.



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