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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Das Licht der kommenden Tage

Wahl Der Himmel über der Hoffnung

Das Licht der kommenden Tage: Band 2
3. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-6046-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Licht der kommenden Tage: Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 300 Seiten

Reihe: Das Licht der kommenden Tage

ISBN: 978-3-7448-6046-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Fortsetzung des packenden Thrillers »DOGONBLUT«. Eric Harder und seine Frau Vera wollen endlich Gewissheit haben, was vor einem Jahr in Timbuktu geschehen ist. Doch was sie herausfinden, lässt böse Ahnungen aufkommen. Was passiert im Land der Dogon? Ist der mysteriöse Arnháton-Kult immer noch aktiv? Der alte Arthur Roth könnte helfen, aber ist er wirklich ein Freund?

Volker Wahl hat viele Jahre in der Werbebranche gearbeitet und malt in seiner Freizeit Aquarelle. Das Titelbild basiert auf einem seiner Werke.
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1


Es war nun schon mehr als vier Monate her, seit man Diome Biribi entführt hatte. Noch immer hielt man ihn die meiste Zeit in der recht komfortabel ausgestatteten Zelle gefangen. Nur fünfmal war er herausgeführt und in einen Raum gebracht worden, der einem Operationssaal glich. Jedes Mal hatte er Todesängste ausgestanden. Nie hatte man ihm gesagt, warum er hier gefangen gehalten wurde. Wieder und wieder hatte er versucht, ein Gespräch mit seinen Entführern zu beginnen. Doch die Antworten der Männer beschränkten sich auf knappe Anweisungen. Keiner ließ sich auf eine Unterhaltung mit ihm ein.

Seine Bewacher waren hellhäutiger als er. Sie sprachen aber ebenso wie er französisch. Diome stammte aus Mali. Er gehörte zu der Volksgruppe der Dogon und war ein Schwarzafrikaner. Manchmal fragte er sich, ob er in die Hände einer Bande von Rassisten gefallen war. Doch abgesehen davon, dass niemand ein Wort mit ihm sprach, behandelte man ihn nicht abwertend oder wie einen Feind. Fast hatte er den Eindruck, dass ihm so etwas wie Respekt entgegen gebracht wurde. Der Raum, in dem man ihn gefangen hielt, war sogar recht groß. Er hatte eine Fläche von etwa dreißig Quadratmetern. Er verfügte über einen Tisch, zwei Stühle, ein Bett, zwei offene Schränke. Sogar eine kleine Couch und ein Fernseher mit DVD-Player befanden sich darin. Außerdem eine Küchenzeile mit den nötigsten Utensilien und ein richtiges Badezimmer mit WC. Er war praktisch in einer kleinen Wohnung untergebracht.

„Um einen Menschen, den man als Feind betrachtet, gefangen zu halten, ist die Unterbringung zu luxuriös“, dachte Diome. Er wurde ja auch mehr als ausreichend mit allen möglichen Verbrauchsartikeln und Lebensmitteln versorgt. Fast so als wäre er ein Gast in einem Hotel.

Dass man ihm nicht sagte, warum er hier gefangen gehalten wurde und ob es eine Aussicht gäbe, wieder nach Hause zu kommen, machte ihm Angst. Höllische Angst. Daran konnte auch die bequeme Unterbringung nichts ändern. Aber am schlimmsten waren die Tage, an denen er in den Operationssaal geführt wurde. Da wäre er am liebsten gestorben. Auch wenn er die Prozedur schon bereits fünfmal über sich ergehen lassen musste, so fürchtete er sich bereits jetzt wieder vor dem nächsten Eingriff.

Die Behandlung, der man ihn unterzog, war nicht besonders schmerzhaft. Offenbar bestand die erste Injektion, die man ihm dabei verabreichte, aus einer lokalen Anästhesie. Doch die unbarmherzige Gleichgültigkeit, mit der ihm die Ärzte oder was auch immer diese Menschen waren, die ihm das alle zwei bis drei Wochen antaten, ließen ihn stets das Schlimmste erwarten.

Als man ihn zum ersten Mal in den Operationssaal schleppte, hatte er sich noch gewehrt. Voller Panik hatte er damals um sich geschlagen. Hatte versucht sich loszureißen und irgendwie zu fliehen. Doch seine Befreiungsversuche waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Die Männer, die ihn aus seiner Zelle holten, waren meist zu dritt oder zu viert. Sie waren kräftig und offenbar sehr geübt im Umgang mit unwilligen Gefangenen. Schnell und unsanft hatten sie ihm die Hände auf den Rücken gebunden und ihn in den Gang gezerrt. Am Anfang hatte er noch laut um Hilfe geschrien. Die Männer hatten es aber völlig ignoriert. Als sie dann vor dem OP-Saal angekommen waren, verabreichte man ihm eine lokale Betäubung im Beckenbereich und eine Beruhigungsspritze. Was dann mit ihm geschah, bekam er niemals richtig mit. Es fand jedes Mal ein Eingriff an seinem Beckenknochen, direkt über dem Gesäß statt. Etwa eine Stunde hantierten die Ärzte jedes Mal an dieser Stelle. Dann wurde er in seine Zelle zurückgebracht.

Wenn er dann die Stelle abtastete, an der man in seinen Körper eingedrungen war, konnte er jedes Mal nur eine kleine unscheinbare Narbe mit den Händen erfühlen. Er hatte dann praktisch keine körperlichen Schmerzen. Nur das Gefühl völliger Wehrlosigkeit und des absoluten Ausgeliefertseins. Dann brach er meist schluchzend zusammen und spielte in Gedanken unzählige Selbstmordvariationen durch.

Kameras in verschiedenen Winkeln seiner Unterkunft beobachteten ihn ständig. Diome ahnte, dass er pausenlos den Blicken seiner Wächter ausgeliefert war. Sollte er wirklich einen Selbstmordversuch unternehmen, dann würden vermutlich seine Bewacher hereinstürzen um dies zu verhindern.

Auf irgendeine Weise war er wichtig für die Leute, die ihn gefangen hielten. Soviel war ihm klar. Sonst würde man sich nicht die Mühe machen und ihn so großzügig versorgen. Das Essen, das er bekam, war reichlich und schmackhaft. Auch wenn es nicht die Speisen waren, die er von seiner Heimat an den Felsen von Bandiagara her kannte. Was er hier bekam war eher orientalisch oder aus dem Norden Afrikas.

Der Raum, in dem man ihn gefangen hielt, war fensterlos. Tageslicht bekam er weder hier noch auf dem Gang zu dem Operationssaal zu sehen. Ob es Tag oder Nacht war zeigte ihm nur die Digitaluhr neben seinem Bett.

Das Fehlen von Fenstern beraubte ihn auch der Möglichkeit zu erahnen, ob er sich noch in Mali befand oder an einen anderen Platz der Welt geschafft worden war. Manchmal hatte er intensiv gelauscht, um anhand von Geräuschen ermitteln zu können, was sich in der Außenwelt befand. Doch es drang nichts bis in seine Zelle durch. Kein Geräusch, das ihm hätte verraten können, ob er nahe seiner Heimat war, oder vielleicht weit, weit weg.

Er fragte sich, ob er nun in den Händen von Terroristen war, die immer noch versuchten, die Herrschaft über Teile Malis zu bekommen? Berichte von Geiselnahmen aus der Vergangenheit schilderten einen weniger humanen Umgang mit Gefangenen. Auch hätte er dann irgendwann die üblichen Parolen von seinen Wächtern gehört.

Doch noch hatte Diome diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Vielleicht war er ja verwechselt worden. „Für diese Weißen sehen wir Farbigen doch alle gleich aus“, spekulierte Diome.

Er dachte zurück an seine Familie. An seine Eltern, seine Brüder und Schwestern an den Felsen von Bandiagara. Wie sehr fehlten ihm all diese Menschen von dem Dorf Jongu, in dem er sein bisheriges Leben verbracht hatte. Es war für ihn immer mehr als nur ein zufälliger Wohnort. Es war seine Heimat. Der Ort seiner Vorfahren. Der Ort, der sein Leben in allen Facetten geprägt hatte. In jeder Beziehung war er das Zentrum seines Volkes. Ein Leben fernab von der Falaise von Bandiagara hatte er sich bisher nicht vorstellen können. Die Menschen dort, die Erde, die Felsen, die Riten und Bräuche. All das gehörte zu ihm. Und all das wurde ihm seit Monaten genommen.

Diese Sehnsucht nach der Heimat und den Menschen, die er liebte, machte ihn unendlich traurig. Und an manchen Tagen zornig. Unbeschreiblich zornig. Dann hämmerte er mit den Fäusten gegen die Tür seiner Zelle. Oder er zertrümmerte Teile der Zimmereinrichtung. Meist hatte das zur Folge, dass mehrere Wärter in seine Zelle gestürzt kamen und ihn mit Gewalt auf sein Bett beförderten. Dort hielten sie ihn solange fest, bis er sich beruhigte. Manchmal dauerte das über eine Stunde. Erstaunlicherweise harrten die Männer stets solange bei ihm aus. Währenddessen kümmerte sich eine Reinigungskraft um den Schaden, den er bei seinen Wutausbrüchen angerichtet hatte. Wenn er sich dann irgendwann beruhigt hatte, verließen die Männer seine Zelle und Diome war wieder allein. Allein mit seinen Ängsten, Hoffnungen und Erinnerungen.

Als sich heute wieder die Tür seiner Zelle öffnete, waren die Wärter diesmal nicht alleine. Sie hatten eine junge Frau in ihrer Begleitung. Wie immer wartete man auf Diomes Reaktion und vergewisserte sich, dass keine Gewalt nötig war, um ihn aus seiner Unterkunft zu holen.

Das Erscheinen der jungen Frau verunsicherte Diome zunächst. Für einen Moment dachte er darüber nach, ob er die zierliche Person als Geisel nehmen könnte, um sich so eine Fluchtmöglichkeit zu verschaffen. Doch er hatte inzwischen zu oft die Erfahrung gemacht, dass er gegen die Übermacht seiner Wärter keine Chance hatte. Und so verwarf er diese Option.

„Bitte folge uns. Es wäre schade, wenn wir Gewalt anwenden müssten“, richtete die junge Frau das Wort an ihn. Auch sie hatte die Hautfarbe der Menschen, die an der Küste des Mittelmeers lebten.

„Was habt ihr mit mir vor?“, fragte Diome misstrauisch und trat einem Schritt zurück.

„Wir werden dich wieder in den Operationssaal bringen. Das kennst du doch bereits. Du weißt doch, dass wir dir dort keine Schmerzen bereiten werden.“ Die junge Frau trat auf Diome zu und bevor er erneut zurückweichen konnte ergriff sie seine rechte Hand. Mit beiden Händen hielt sie sie fest. Überrascht ließ Diome es zu.

„Diome. Ich bitte dich. Zwinge uns nicht dir weh zu tun. Ich möchte, dass du dich entspannst und mir vertraust. Du hast es selbst in der Hand, ob die nächste Stunde für dich angenehm wird oder nicht. Lass einfach geschehen, was unvermeidlich ist.“ Immer noch hielt sie seine Hand umfasst. Diome versuchte sich von ihr zu lösen, doch er spürte, wie ihr Griff fester...



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