E-Book, Deutsch, Band 3, 502 Seiten
Reihe: Fast-Reihe
Wagner Fire and Souls tonight
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-7226-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Millennium
E-Book, Deutsch, Band 3, 502 Seiten
Reihe: Fast-Reihe
ISBN: 978-3-7597-7226-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lisa Wagner, geboren 1991 in Hagen, wechselte nach der zweiten abgeschlossenen Ausbildung ihren Standort und zog an den beschaulichen Bodensee im wunderschönen Baden-Württemberg. Während sie schon immer die Nase in Bücher gesteckt hat, begann sie 2019 mit ihrem ersten eigenen Roman "Elves and Roses by Night", den sie über einen Selfpublishing-Vertreiber veröffentlichen konnte. Ihr Interesse an Irland und dem Außergewöhnlichen hat sie in ihren Romanen zum Ausdruck gebracht. Die Liebe zum Lesen, Schreiben und Erschaffen war schon in ihrer Jugend deutlich zu erkennen, während sie in mehreren Buchclubs angemeldet war und sich während ihrer Schulzeit für das Hauptfach Kunst entschieden hatte.
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PROLOG
Daymón rannte durch die Flure. Sein Atem kam in einem tiefen Röcheln aus seiner Kehle. Die nackten Füße flogen über den kratzigen Marmor, während der kälter werdende Körper in seinen Armen schlaff an seine Brust gedrückt wurde. Schweiß rann über sein Gesicht und die gerötete Haut und vermischte sich mit den Tränen, die ihm unkontrolliert über die Wangenliefen.
Alles in Daymón schrie, dass er schneller rennen sollte. Dass er dringend jemanden brauchte, der die Frau in seinen Armen rettete.
Hilf mir!
Du musst mir helfen, Daymón!
Ihre verzerrte Stimme hallte bei jedem Schritt durch seine Gedanken. Sein Puls raste und grau wirkende Farben rauschten an seinen glasigen Augen vorbei, während Daymón immer schneller lief und die Stahltür direkt vor sich fixierte. Er spürte, dass sich in dem riesigen Raum jemand befand, der ihm helfen konnte. Er musste nur durch diese Tür laufen.
Ich sterbe, Daymón!
Müsste er nicht den Körper fest an sich drücken, hätte er sich die Hände auf die Ohren geschlagen, um die Stimme in seinen Gedanken zu verdrängen. In diesem Moment, als Thórvi ihn flehend angeblickt und die zarten Worte ausgesprochen hatte, war sein Körper in tausend Teile gesplittert. Sein Herz war aus seiner Brust gesprungen, und dann war die ängstlich wirkende Frau in seinen Armen zusammengebrochen.
Seitdem wusste Daymón nicht, was er tun, denken oder sagen sollte. Vor wenigen Augenblicken hatte er noch mit ihr gesprochen, war wütend auf sie gewesen und aus ihrem Zimmer gestürmt. Jetzt lag sie bewusstlos in seinen Armen und kämpfte erneut um ihr Leben. Er hasste das Gefühl der Hilflosigkeit. Nicht zu wissen, ob ihm jemand helfen oder was er tun könnte, machten die quälenden Minuten, die er rannte, noch unerträglicher. Was war mit der Frau, die er liebte, passiert? Welch dunkle Magie war auf sie eingeprasselt und machte ihr den Kampf um ihr Leben so schwer? Daymón konnte keinen klaren Gedanken fassen, als sich das verzerrte Gesicht der Zauberin in seinen Kopf schob, die in diesem Moment triumphierend lächeln müsste.
Hjerdíz hatte ihr Ziel erreicht.
Sie hatte sich ihre Macht zurückgeholt, das Land an sich gerissen, gegen das sie so viel Hass empfand, und nun hatte sie sich ebenfalls ihre Rache an Thórvi genommen. Oder war dieser Schlag gegen ihn selbst gerichtet? Hatte die Zauberin ihn damit brechen wollen? Wollte sie ihn somit von innen heraus zur Kapitulation zwingen?
In diesem Moment flog der Meermann durch die Tür und kam abrupt zum Stehen, als ihn die Blicke der Umstehenden trafen und sich ein leichtes Raunen und Tuscheln durch den Raum schlichen. Einige Gesichter, die er keinen Namen zuordnen konnte, drehten sich dem aufgewühlten Prinzen zu, doch das war ihm egal. Ebenfalls interessierte es Daymón nicht, dass er in einem zerknitterten Hemd und mit rot geräderten Augen vor ihnen stand. Thórvis Anblick war das Einzige, was durch seine Gedanken schwebte und seinen Körper zum Zittern brachte.
»Hilfe!«, kam es in einer Mischung aus Flehen und Husten aus seiner Kehle, bevor er sich erschöpft zu Boden gleiten lassen musste. Seine Knie kamen auf dem Marmor unter ihm auf und schickten einen brennenden Schmerz durch seine Muskeln, doch das hielt ihn nicht davon ab, die Frau an seiner Brust fester an sich zu drücken. Er klammerte sich in ihre Haut, konnte den Geruch ihres Parfüms überall an ihm wahrnehmen, bevor er sich erneut an die Meute richtete. »HILFE!«, schrie er, und seine Stimme hallte an den Wänden des geräumigen Thronsaals wider.
Endlich kam Bewegung in die versteinerten Körper. Schritte wurden deutlich, einige Personen wurden zur Seite gedrängt, während sie ihre Augen nicht von dem Anblick nehmen konnten. Zuerst konnte er Dexter spüren, der hinter ihm angelaufen gekommen war und nun ebenfalls auf den schlafenden Körper von Thórvi blickte. Und dann fühlte Daymón seit Langem eine Wärme über seine Haut laufen, als ihm eine schmale zitternde Hand an die Wangegelegt wurde.
»Was ist passiert?«, fragte Medina, die immer deutlicher zum Vorschein kam. Die High Lady hatte sich ebenfalls auf die Knie fallen lassen, eine Hand Daymón gereicht und die andere auf die Stirn ihrer Tochter fallen lassen. Ein weiterer Körper drängte sich in das Bild, als der High Lord sich neben seine Frau fallen ließ und ganz langsam den Körper aus Daymóns Armen nahm.
Der Prinz konnte durch das Dröhnen in seinem Kopf hören, wie jemand nach dem Magier schicken ließ, und spürte weitere Personen näher treten. Da war Connáh, der sich die Hand vor den Mund halten musste und ebenfalls mit Tränen zu kämpfen hatte. Ronán und seine Schwester. Er spürte die Wut in Chará aufkeimen, und dann erinnerte er sich an die Worte, die Medina zu ihm gesagt hatte. »I-ich weiß es n-nicht ... Ihre Hand war bereits schwarz, als ich sie gefunden habe, und dann ist sie zusammengebrochen.«
Ein dankendes Lächeln zog sich über die Lippen der High Lady, bevor sie sich ihrem Mann zuwendete und ihre Augen abwechselnd von ihm zu ihrer Tochter huschten.
»LASST DAS!«, brüllte Daymón so ungehalten, sodass er das kurze Zucken in ihren Körpern erkennen konnte. »Haltet mich nicht zum Narren und sagt mir, welche Vermutungen ihr in euren Köpfen hin und her sendet!« Er wusste, dass seine Nerven brachlagen. Dass er es in normalen Umständen niemals gewagt hätte, so mit Medina und Tobén zu sprechen. Doch das hier war alles andere als gut.
Thórvi lag im Sterben.
Und Daymón hatte es zugelassen.
Doch bevor Medina ihm antworten konnte, stürmten zwei weitere Personen in Windeseile auf sie zu. Thalia ließ sich neben ihren Vater fallen und presste die Hände auf Thórvis Stirn. Keálas blieb aufrecht stehen und betrachtete die Prinzessin mit besorgtem Blick. Die Druidensteine auf seiner Brust vibrierten und schickten seine Magie über die Körper vor ihm. Alle hielten gespannt den Atem an, während sie darauf warteten, dass Keálas etwas sagte. Dass er ihnen preisgab, was genau sich hier abspielte.
»Es ist Hawke.«, wisperte der Magier vor sich her. »Die Zauberin nutzt ihre Verbindung aus, um Thórvi unschädlich zu machen.«
»Wir müssen etwas tun!«, schickte Thalia durch die Stille. Während sie sich weiterhin auf ihre Schwester konzentrierte, funkelten ihre Hände in einem unnatürlich weißen Ton. Vorsichtig ließ sie ihre Magie durch Thórvis Körper schweben und suchte nach dem rettenden Anker. Doch Daymón konnte in ihrer Haltung erkennen, dass es der jungen Nachtelfe schwerfiel, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Niemand hier wollte wahrhaben, dass es der Frau zwischen ihnen schlecht ging. Niemand wollte mit dem Gedanken leben, dass sie heute sterben könnte.
Der Schleim zog sich weiter Thórvis Arm hinauf, und als die ersten Zuckungen durch den leblos wirkenden Körper pulsierten, schaffte Daymón es nicht mehr, still sitzen zu bleiben. Er sprang unter Tränen auf und fiel seinem besten Freund in die Arme, mit denen er den Prinzen der Meerwesen beharrlich an sich drückte. Ein beruhigendes Brummen ging durch Dexters Körper, doch dieses Mal schaffte er es nicht, Daymóns Herz ruhiger schlagen zu lassen.
Daymón war gebrochen, und nicht nur das laute Knacken in seinem Inneren durchbrach die Stille. Ein dunkles, sadistisches Lachen drang an seine Ohren und setzte sich in jeder Faser seines Körpers fest. Als er sich von Dexter löste und den Blick hinter sich richtete, konnte er dem Tod in voller Pracht entgegenblicken.
Alles in seinen Erinnerungen verschwamm zu einem Fluch, der ihn auf die Knie zwingen wollte. Dieser Anblick war schlimmer als alles, was er in seinen Träumen gesehen hatte, denn die geliebte Frau war zu einem Monstergeworden.
Thórvi strahlte boshafte dunkle Macht aus, die nicht nur Daymón zurückschrecken ließ. Alle Umstehenden waren ebenfalls einige Schritte zurückgewichen und starrten ängstlich auf die Frau in ihrer Mitte. Tobén hatte seine Arme um Medina geschlungen, die sich mit zittrigen Händen an ihm festkrallte. Rueth war zu Thalia gelaufen, hatte sie zur Seite gedrängt und konnte den Weinkrampf ihres Körpers nur mühselig unterdrücken. Die gesamte Angst, die sich in diesen Raum festgesetzt hatte, stachelte die Boshaftigkeit in Thórvis dunklen Augen weiter an. Während der schwarze Schleim deutlicher ihren Arm hinauflief, sich dunkle Schwaden um ihre Füße zogen und sie wissend zu grinsen anfing, drehte sie sich um ihre eigene Achse und nahm jedes Detail in sich auf.
Als sich ihre Augen erneut auf Daymón fixierten, wich er einen weiteren Schritt zurück. »Du bist ein Narr, zu glauben, du könntest die Völker und deinen Palast vor dem Untergang bewahren!«, hallte die verzerrte Stimme durch die Stille um sie herum, und nichts daran erinnerte mehr an den lieblichen Klang,...




