E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Reihe: Fast-Reihe
Wagner Fire and Souls tonight
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-4282-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Newmoon
E-Book, Deutsch, Band 1, 412 Seiten
Reihe: Fast-Reihe
ISBN: 978-3-7578-4282-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lisa Wagner, geboren 1991 in Hagen, wechselte nach der zweiten abgeschlossenen Ausbildung ihren Standort und zog an den beschaulichen Bodensee im wunderschönen Baden-Württemberg. Während sie schon immer die Nase in Bücher gesteckt hat, begann sie 2019 mit ihrem ersten eigenen Roman "Elves and Roses by Night", den sie über einen Selfpublishing-Vertreiber veröffentlichen konnte. Ihr Interesse an Irland und dem Außergewöhnlichen hat sie in ihren Romanen zum Ausdruck gebracht. Die Liebe zum Lesen, Schreiben und Erschaffen war schon in ihrer Jugend deutlich zu erkennen, während sie in mehreren Buchclubs angemeldet war und sich während ihrer Schulzeit für das Hauptfach Kunst entschieden hat.
Autoren/Hrsg.
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Daymón hatte sich immer ein Leben voller Abenteuer und nervenaufreibender Situationen gewünscht. Er war ein aufgeschlossener und begeisterungsfähiger Mann gewesen und hatte sich immer das genommen, was er wollte.
Manchmal auch Dinge, die er lieber in Frieden gelassen hätte. Geld. Alkohol. Frauen. Und von den Frauen hatte er nie genug bekommen. Vor allem scheute er nicht zurück, wenn plötzlich der Ehemann oder Freund in das Zimmer gestürmt kam und er nicht nur einmal eine Faust gegen den Kiefer gehauen bekommen hatte. Diese Abenteuer liebte er mehr als alles andere, doch die Fäuste in seinem Gesicht waren noch das geringere Übel.
Zu oft hatte er den Zorn hochrangiger Lords auf sich gezogen, wenn er mit ihren Frauen eine heiße Nacht verbracht hatte. Er hatte sich bei einigen sogar eine zweite Nacht gegönnt, nur um es noch etwas weiter zu treiben.
Um den Nervenkitzel so richtig auszukosten.
Dass ihm seine Eltern zu gerne das Recht auf den Thron genommen hätten, war ihm mehr als bewusst. Trotz seiner weiteren Eskapaden war in dieser Hinsicht noch immer nichts passiert. Womöglich lag es daran, dass er ein Einzelkind war und niemand sonst sich diesem Schicksal hingeben wollte. Also machte er einfach so weiter wie bisher und störte sich nicht daran, dass er als Frauenheld dargestellt und mit mürrischen Blicken bedacht wurde. Ihm war es schon immer egal gewesen, was andere über ihn dachten. Er war einfach nur Daymón, der arrogante, leidenschaftliche und egoistische Mann.
Die Maske, die er perfektioniert hatte und die alle Augen jeden Tag aufs Neue sehen konnten. Doch ganz tief in ihm versteckt schlummerte sein wahres Ich.
Nicht ohne Grund hatte er seine Eltern darum gebeten, als Botschafter für sein Volk zu fungieren. Die Abenteuerlust war nie aus ihm verschwunden, und dank dieser Aufgabe hatte er etliche Orte bereisen können, ohne groß aufzufallen. Er hatte gehofft, dass ihm das irgendwie in die Karten spielen würde.
Jahrelang war er in seinem Königreich geblieben und hatte dort alle Straßen und Häuser abgesucht. Er hatte die Nacht zum Tag gemacht und manchmal sogar vergessen zu essen. Doch das alles hatte nichts gebracht. Seine Suche war erfolglos geblieben. Es gab niemanden in seinem Volk.
Nichts!
Seine Seelengefährtin war nicht dort und das hatte ihn fast zur Weißglut getrieben. Sie zu finden, war der größte und wichtigste Wunsch, den er in seinem Inneren hegte. Er wollte glücklich sein mit dieser einen Person, die ihm den Atem rauben würde. Die ihm das Herz brechen und auch wieder zusammensetzen könnte.
Er wollte genau das!
Liebe.
Das unbändige Verlangen, nicht von einer Person loszukommen und die Angst zu spüren, wenn man in Gefahr geriet und sich vielleicht nie wieder sehen würde.
Es war so viel komplizierter, als er es sich jemals vorgestellt hatte. Und obwohl er die Möglichkeit hatte, die Welt frei zu bereisen, war er immer noch nicht fündig geworden. Daymón verzweifelte mit jedem Tag mehr und in etlichen einsamen Nächten hatte er sich wieder in unbedeutende Arme verschiedener Frauen gleiten lassen, nur um dieses Verlangen für einen Moment zu stillen.
Für einen Moment zu vergessen.
Doch sein Herz wusste genau, wie es in ihm aussah, und dieser Schmerz - das fehlende Puzzleteil - ließ sich langsam nicht mehr weiter verdrängen. Er war ein aufrichtiger, loyaler und liebenswerter Mann. Auch wenn er es niemanden wissen ließ.
Nur eine Handvoll - darunter seine Eltern - wussten, nach was er strebte und womit er seine wertvolle Zeit wirklich verbrachte. Die Frauengeschichten waren immer nur eine Ablenkung gewesen und manchmal gab es keine aufreizende Frau, die in seinem Bett gelandet war. Manchmal glaubten die Leute einfach das, was man ihnen erzählte oder wovon sie sowieso ausgegangen waren. Seit Monaten hatte er sich nicht mehr vergnügt. Ihm war einfach nicht mehr danach. Irgendetwas hatte sich verändert und er hatte sich von den Frauen abgewandt. Er wollte nicht mehr einfach nur ein unbedeutendes Spielzeug in dem Bett irgendeiner Frau sein. Er wollte in Bett liegen, nackte Haut auf seiner spüren und sich in Geruch und ihrer Schönheit verlieren. Doch an seiner Seite war Leere, die er nur durch Lügen und Intrigen weiterhin verstecken konnte.
Ein nervenaufreibendes Spiel mit dem Feuer.
Ein Spiel, welches Daymón perfektioniert hatte. Ein Meister der Maskerade. Prinz Daymón Szinárdín, das größte Arschloch unter dem Meeresvolk.
Er wusste nicht mehr, wie lange er bereits in der versteckten Bucht am nördlichen Ende von Merédyn saß. Der fein geriebene, hellbraune Sand klebte an seinen nassen Händen, den Schultern und kitzelte zwischen den Schuppen seiner Flosse. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, zu einem der Heiler zu gehen, und nach dem Trank zu fragen, der seine Schuppen in Beine verwandeln würde. Daymón hatte nicht vorgehabt an Land zu gehen, doch die warme Sonne, die den Sand ordentlich aufgeheizt hatte, hatte ihn magisch angezogen.
Das dunkelblaue Meer schwappte sanft über seinen Unterkörper, während er sich mit den Ellbogen im Sand abstützte und der langsam untergehenden Sonne zusah, wie sie sich weiter auf den Horizont zu bewegte. Er hatte schon oft hier gesessen, in der unendlichen Stille und sich nur auf das Hier und Jetzt konzentriert. Manchmal brauchte er diese Stille um sich herum.
In seinem Kopf.
Die Sonne schickte ihre letzten warmen Strahlen auf seine Haut und ein wohliges Brummen drang aus seiner Kehle. Er genoss es, obwohl er diesen Anblick wieder einmal allein genießen musste. Er stemmte die Hände in den Sand und ließ die klitzekleinen Körner langsam durch seine Finger gleiten.
Er hatte es wirklich satt.
Und zu seinem Pech schien auch die Stille heute gegen ihn zu sein. Ein Schwarm Möwen kam von Osten auf ihn zugeschossen und flog in rasantem Tempo über seinen Kopf hinweg. Ihr Kreischen war nicht freudig oder musikalisch.
Sie schienen in Panik zu sein. Irgendetwas musste sie aufgeschreckt haben und eine Gänsehaut bildete sich auf Daymóns Armen, als weitere Vogelschwärme an ihm vorbeischossen. Und selbst das Meer vor ihm wand sich gegen etwas, das er bis jetzt noch nicht erkannt hatte. Dicke, kräftige Wellen schwappten an das Ufer und peitschten um seinen Körper.
Sekunden später stemmte er sich auf und ließ sich mit einer schnellen, aber eleganten Bewegung durch die Oberfläche in die Tiefe gleiten. Das Meer war dunkel, doch nicht wegen der bereits untergehenden Sonne.
Nein!
Auch hier versuchten die Meereslebewesen, vor etwas davonzulaufen. Aale schossen in Panik an ihm vorbei, Lachse bildeten größere Gruppen und eine undurchdringbare Wand. Selbst die Rochen suchten Schutz in den dunklen Höhlen unterhalb Merédyns oder buddelten sich am Erdboden unter einer dicken Schicht Sand ein.
Er sah den Schock deutlich in ihren Augen und da war noch etwas mehr. Sie hatten Panik!
Todesangst.
Daymón wusste nicht, was das zu bedeuten hatte. Trotzdem konnte er nicht anders. Er ließ sich langsam in die Richtung gleiten, aus der immer noch weitere Lebewesen angeschossen kamen. Und dann schien die Welt sich aufzubäumen.
Das Wasser vibrierte stärker, als Daymón es jemals zuvor gespürt hatte. Die Fische hielten abrupt inne und versuchten, sich in ihrer Position zu halten. Auch Daymón selbst musste sich stark zusammenreißen, nicht von einer Welle erwischt und herumgewirbelt zu werden.
Das Meer spielte verrückt.
Nein!
Das Wasser selbst versuchte, vor etwas zu fliehen. Immer wilder peitschten die Wogen des sonst so friedlichen Meeres und Daymón gelang es nur mit Mühe, seine Augen offen zu halten. Er war in einem Strudel aus Angst, Zorn und Neugierde gefangen.
Dann brüllte etwas weit vor ihm auf und dieses Geräusch konnte nicht von dieser Welt sein. Das Meer verstummte, die Lebewesen blieben wie angewurzelt stehen und alle Blicke richteten sich nach Osten.
Nach Delhyá, der Schwesterinsel von Merédyn.
Als sich das Meer noch weiter verdunkelte, wusste Daymón, dass er nicht länger warten durfte. Irgendetwas geschah auf Delhyá und er wünschte, er hätte noch Zeit gehabt, nach Verstärkung zu rufen. Doch sein Körper war bereits in Bewegung und sauste so schnell durch die stumme Masse des Meeres, dass er kaum mehr zu erkennen war. Er musste mit eigenen Augen sehen, was diese Unruhe in seiner Heimat hervorrief.
Er schwamm so schnell er konnte, und seine Lungen fingen an zu brennen. Die ganze Situation hatte ihn in einen Schock versetzt und sein Körper rebellierte. Trotzdem schwamm er weiter, ohne auf das Flimmern in seiner Brust zu achten.
Das Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung wurde noch größer, als er das Schrecken direkt vor sich erblickte. Er hielt abrupt in seiner Bewegung inne und musste sich dazu zwingen, die Augen direkt darauf zu richten.
Er hatte nie wirklich gewusst, was Delhyá so besonders und wertvoll machte und warum seine Eltern so großes Interesse an dieser unscheinbaren Insel hatten. Doch jetzt ahnte er Böses und ihm wurde mit einem Schlag bewusst, dass er sich...




