Vulpius | Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 546 Seiten

Vulpius Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3949-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 546 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3949-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Räuberroman 'Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann' gilt alseinziger kommerzieller Erfolg des Weimarer Autors. Zu seiner Zeit traf dieser Roman genau den Geschmack des Publikums und wurde mit viel Lob bedacht.

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Zweites Buch



  Der Zufall weilt, wo Liebe weilet,

  Er wirkt und schafft, er führt zum Ziel;

  Dort wird der süße Raub geteilet,

  Und immer kühner wird das Spiel.

Die Sonne war aufgegangen. Unser Pärchen machte sich auf den Weg. – Sie kamen der Landstraße näher und sahen, als sie eben dieselbe wieder verlassen wollten, einen Bauer auf sich zukommen, der bei ihrem Anblicke seine Schritte verdoppelte. Rosalie sprang in den Wald zurück; Rinaldo aber blieb stehen und erwartete die Annäherung des Bauern, der, noch weiter als zehn Schritte von ihm entfernt, ihm laut entgegenjauchzte:

»Sei gegrüßt, du glücklich Wiedergefundener!«

Da erkannte Rinaldo an der Stimme, daß es der wackere Cinthio war, der ihn so froh grüßte.

Sie eilten aufeinander zu und umarmten sich mit Frohlocken. – Rosalie trat schüchtern herbei.

RINALDO Sehe ich dich wieder, braver Cinthio! – Und du bist dem Tode entkommen?

CINTHIO Glücklich! – Ich, Altaverde und der Bube Steffano, wir sind es, glaube ich, nebst dir allein, die von uns allen entkommen sind. Wir dreie, verwundet, aber ich am leichtesten, wurden über die Gebirge getrieben. Bei dem Caprilischen Passe war Matheo mit seinem Kommando von den Soldaten beängstigt worden und zog sich, der Grenze näher zu sein, über die Perlenhöhen. Dort trafen wir uns und erzählten ihm unser Unglück. Es war nicht zu zaudern. Wir griffen einen Milizposten an, ließen acht Mann auf dem Platze und schlugen uns durch, bis in die Waldungen, wo ich dich jetzt so glücklich gefunden habe. Und hier hausen wir.

RINALDO Führe mich zu den braven Burschen. – Ich weiß einen guten Platz für uns.

CINTHIO Wer ist das Mädchen?

RINALDO Sie gehört mir an.

CINTHIO So sei sie gegrüßt und willkommen.

Nun wanderten sie dem Platze zu, wo Matheo und seine Gesellen ihr Lager aufgeschlagen hatten. – Rinaldo wurde mit lautem Jubel empfangen und erzählte die Geschichte seines Kampfs mit Batistello.

»Das war recht, Hauptmann!« schrie Matheo, »daß du den Kerl niederschossest.«

Hierauf beschrieb ihnen Rinaldo die Ruinen, und sie brachen sogleich auf, von denselben Besitz zu nehmen. – Da quartierten sie sich ein und fingen an zu kochen und braten.

Gegen Abend gaben die Wachen Signale. Alle griffen zu den Waffen und zogen einem Trupp von zehn Mann entgegen, die von Batistellos Bande waren. Es kam bald zwischen beiden Parteien zum Handgemenge, die Batistellianer zogen den kürzeren. Sechs Mann blieben auf dem Platze. Die übrigen vier unterwarfen sich, schwuren Rinaldo den Eid der Treue und wurden unter seine Bande aufgenommen.

»Es kommt nicht wenig darauf an«, – sagte Rinaldo, als sie einige Tage unter den Ruinen verlebt hatten, – »zu wissen, wie es in dem Florentinischen steht. Ich habe mich entschlossen, selbst Nachforschungen anzustellen, und werde daher morgen auf einige Zeit von euch gehen. Ihr sollt mich aber bald wiedersehen, hoffe ich. Bis dahin mag Altavede das Kommando über euch führen. Als Beistände gebe ich ihm Matheo und Cinthio zu.« Den folgenden Morgen bestieg er, fein gekleidet, ein schönes Pferd, und Rosalie folgte ihm in Bubentracht auf einem Maultiere nach.

Er schlug den Weg nach Oriolo ein, und die Leser können leicht denken, daß er in die Gebirge eilte, seinem Freunde Donato einen Besuch abzustatten.

Die Soldaten waren wieder in ihre Quartiere zurückgekehrt, glaubten Rinaldinis Bande ganz zerstreut zu haben, und die Grenzen waren unbesetzt.

Es war ein schwüler Morgen, als er sich Donatos Klause näherte. Der Alte saß vor der Tür seiner Einsiedelei, hörte Hufschlag und stand eben auf, dem Geräusch entgegenzugehen, als Rinaldo vor ihm stand. Donato erkannte ihn nicht gleich, denn er hatte sein Gesicht unkenntlich gemacht, dennoch aber hatte er eine gewisse Ahnung, mit der er ihn scharf ins Auge faßte.

RINALDO Gott mit dir! Ich freue mich sehr, dich wohlauf zu sehen, ehrlicher Freund!

DONATO Du kennst mich?

RINALDO Wir kennen uns beide. – Kannst du nicht erraten, wer ich bin?

DONATO Ach! meine Ahnung! – Und du lebst wirklich noch? Man sagt für gewiß dich tot.

RINALDO Desto besser! – Du siehst aber, daß ich noch lebe.

DONATO Was willst du nun hier?

RINALDO Dich will ich noch einmal besuchen, ehe ich Italien verlasse.

DONATO Das willst du? – Und in andern Ländern? –

RINALDO Will ich in der Stille leben, Gutes tun und keine Räuber mehr anführen.

DONATO Segne der Himmel deinen Vorsatz!

RINALDO Jetzt bleibe ich bei dir und verlasse dich vor morgen nicht wieder.

Pferd und Maultiere wurden abgesattelt, die Mantelsäcke in Donatos Stube gebracht, und die Gäste nahmen Quartier. Was sie bei sich hatten, wurde für die Tafel hergegeben, und Rosalie, in ihrer jetzigen Tracht Rosetto genannt, nahm sich der Küche an.

Gegen Abend saßen Donato und Rinaldo vor der Tür und beobachteten den Zug donnerschwangerer Gewitterwolken, die die Gipfel der Berge umhüllten. Flammende Blitze durchkreuzten den schwülen Horizont, und das verdoppelte Echo gab die entfernten Donnerschläge zurück. Nach und nach fielen Tropfen; endlich strömte der Regen herab und trieb sie in die Klause. – Sie setzten sich an den Tisch, und Rosalie kredenzte den aufgetragenen Wein.

RINALDO Nun, Freund! da es sehr wahrscheinlich ist, daß wir uns jetzt zum letztenmal sprechen, so sage mir: Wo ist Aurelia?

DONATO Ich sage dir, bei Hand und Schwur, sie ist nicht mehr in dieser Gegend.

RINALDO Im Kloster?

DONATO Nein. – Ihr Vater hat sie mit sich genommen.

RINALDO Wer ist ihr Vater?

DONATO Mein Freund, der Mann, den du kennenlerntest, als du letzthin von mir gingst; der Malteser; der Prinz della Roccela.

RINALDO Ach! gewiß: Die Dame im Nonnenschleier ist Aureliens Mutter?

DONATO So ist es. – Sie ging nach der Geburt ihrer Tochter ins Kloster, denn – ihr Liebhaber, der Vater ihres Kindes, ist, wie du weißt, Malteser-Ritter. Der Prinz hat seine Tochter mit sich genommen und wird sie vermählen.

RINALDO Bist du mit ihm verwandt?

DONATO Ich bin sein Oheim

RINALDO Du bist? –

DONATO Ich bin ein verbannter Römer aus einem vornehmen Geschlecht, der dem verderblichen Nepotismus weichen mußte, dessen Anmaßungen er sich widersetzte.

RINALDO Kann ich dir gegen deine Feinde dienen? Willst du sie zur Rechenschaft gezogen sehen? Das Racheschwert lag schon oft in meiner Hand. Oft werden selbst Strafbare strafende Werkzeuge des Himmels.

DONATO Ich habe meinen Feinden verziehen und überlasse meine Rache dem Himmel selbst, ohne ihm vorzugreifen.

RINALDO Mein Anerbieten soll dich nicht beleidigen. – Brauchst du Geld?

DONATO Ich brauche keins. Du hast mich ohnehin neulich, ohne meine Erlaubnis, beschenkt. Wir trinken jetzt von dem Weine, den ich von dir erhielt.

Schweigend leerte Rinaldini sein Glas, und nach einer starken Pause fragte er mit beinahe wehmütiger Stimme:

»Wird Aurelia glücklich sein?«

DONATO Ich hoffe und glaube es. – Fürchtest du nichts, daß du dich so ganz allein in ein Land wagst, wo allenthalben deine Verräter lauern?

RINALDO Ich bin nie ohne...



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