von Bingen / Hildebrandt / Gloning | Physica | E-Book | sack.de
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E-Book, Latin, Deutsch, 1032 Seiten, Gewicht: 10 g

von Bingen / Hildebrandt / Gloning Physica

Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum

E-Book, Latin, Deutsch, 1032 Seiten, Gewicht: 10 g

ISBN: 978-3-11-021590-8
Verlag: De Gruyter
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Hildegard von Bingen ist nicht nur wegen ihrer visionär-prophetischen Schriften und ihrer musikalischen Schöpfungen eine herausragende Gestalt des deutschen Mittelalters, sie hat auch mit ihrem naturkundlich-heilpraktischen Werk Physica großen Einfluss ausgeübt, der bis in die Gegenwart reicht. Allerdings wurde die bisherige Standardausgabe aus dem Jahr 1855 ihrem Werk nur unzureichend gerecht, weil die wichtigsten Handschriften erst im Nachhinein entdeckt worden sind – die authentischste sogar erst im Jahre 1983. Diese Florentiner Handschrift konnte der neuen Textausgabe als Grundlage dienen, wobei aber auch die gesamte übrige Überlieferung wesentlich zur Textkonstitution beiträgt. Das Ergebnis ist ein fast um das Doppelte erweiterter Text, wobei in den bisher nicht bekannten Teilen vor allem kombinierte Rezepturen im Vordergrund stehen, die unter den Aspekten der schon in der Antike vorgeprägten mittelalterlichen Humoralpathologie erstellt wurden. Ihre Gültigkeit bis in die Gegenwart ist in Fachkreisen ein heiß umstrittenes Thema. Dass das Werk als Naturlehre in der langen Tradition eines Isidor von Sevilla und des Summarium Heinrici steht, konnte erst durch die begleitenden Forschungen bei der Erarbeitung dieser Textausgabe nachgewiesen werden. – Ein kommentiertes Wörterbuch zu den deutschen Wörtern der Physica ist in Vorbereitung.
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Zielgruppe


Academics, Institutes, Libraries / Wissenschaftler, Institute, Bibliotheken

Weitere Infos & Material


1;Band I;2
1.1;Vorwort;8
1.2;Inhalt;12
1.3;Einleitung;14
1.4;(Physica Hildegardis);60
1.4.1;(Liber primus);62
1.4.2;(Liber secundus);184
1.4.3;(Liber tertius);191
1.4.4;(Liber quartus);241
1.4.5;(Liber quintus);272
1.4.6;(Liber sextus);299
1.4.7;(Liber septimus);339
1.4.8;(Liber octavus);378
1.4.9;(Liber nonus);391
1.4.10;Anhang I;397
1.4.11;Anhang II;404
1.4.12;Hildegard von Bingen – Das Berliner Fragment;420
2;Band II;446
2.1;Hildegard von Bingen Einleitung zum zweiten Band;450
2.2;(Liber primus);457
2.3;(Liber secundus);685
2.4;(Liber tertius);693
2.5;(Liber quartus);781
2.6;(Liber quintus);822
2.7;(Liber sextus);871
2.8;(Liber septimus);943
2.9;(Liber octavus);1013
2.10;(Liber nonus);1032


Einleitung (S. 1-2)


Es war für die Mittelalterphilologie ein ganz außergewöhnliches Geschehen, dass innerhalb dreier Jahre um 1983 drei neue Handschriften einer einzigen Autorin – Hildegard von Bingen – entdeckt wurden (Florenz, Vatikan, Freiburg), die dem bisher nur sehr disparat überlieferten naturkundlichen Werk dieser wohl bedeutendsten Frau des deutschen Mittelalters wesentlich konkretere Konturen verlieh (Hildebrandt 2001).

Die hiermit vorgelegte neue Textausgabe ist bestrebt, diese veränderten Konturen deutlich hervortreten zu lassen, indem mit einer dreifach differenzierten Apparatetechnik der stark divergierenden Texttradition Rechnung getragen wird, wobei die Textgüte der Florentiner Handschrift die maßgebliche Grundlage bot, so dass sie mit nur geringen Abstrichen als Leithandschrift für diese Textausgabe dienen konnte.

Die Divergenzen haben zweierlei Ursachen, die in der komplexen Beschaffenheit des Originals gesucht werden müssen: Zum einen muss es sich um ein Original gehandelt haben, das keine Niederschrift aus einem Guss gewesen sein kann, sondern nach dem ersten Impuls eines reinen Pflanzenbuches erst im Nachhinein und damit sekundär eine Ausweitung auf die weiteren Bücher der Bäume, Steine, Metalle und des Tierreiches erfuhr. Zum zweiten ist davon auszugehen, dass es neben einem Grundtext einen kontinuierlich erweiterten marginalen Zusatztext gegeben hat, der in einigen Textzeugen erst posthum mit dem Grundtext vereinigt worden ist.

Die erste Phase eines reinen Pflanzenbuches umfasste zunächst 173 Pflanzenkapitel, wobei das 173ste als ursprüngliches Abschlusskapitel den umfangreichsten Text aufweist, weil die im einzelnen unterschiedenen Pilze nur als Unterabschnitte dieses letzten Kapitels abgehandelt werden. Wenn dann aber in allen vorhandenen Textzeugen noch weitere 44 Kapitel folgen, so bildeten diese deutlich ein nachträgliches Sammelsurium einer Reihe weiterer Pflanzen sowie elf Kapiteln über Ernährungsgrundstoffe wie Milch, Eier, Honig, Zucker und Salz und schließlich auch noch Harz, Pech und Schwefel. Eingestreut sind zusätzlich weitere 14 Dublettenkapitel, die ganz oder in Ausschnitten mit jeweils einem der vorausgehenden 173 Originalkapitel textlich übereinstimmen mit der einzigen Ausnahme, dass so gut wie alle dort vorhandenen deutschen Originalwörter Hildegards durch lateinische ersetzt worden sind.

Das dürfte ein sicheres Indiz dafür sein, dass Hildegards Sekretär Volmar generell die Ambition hatte, die deutschen Wörter der Meisterin durch lateinische zu ersetzen, so oft er es vermochte – nur in den späteren Büchern nicht mehr so, dass er seine Neufassungen ganzer Kapitel anhangsweise einbrachte, sondern nur noch so, indem er direkt beim Diktieren zu Hildegards deutschem Wort das lateinische – vermutlich mit Hildegards Tolerierung – marginal hinzusetzte (Hildebrandt 2006, S. 11–14). Nur so ist es jedenfalls zu erklären, dass die nachfolgenden Kopisten bis hin zu den uns erhaltenen Textzeugen wahlweise entweder das deutsche oder das lateinische Wort überlieferten oder auch beide, indem sie sie mit der ‘id est’-Formel verbinden (wie z. B. oft in der Brüsseler Handschrift).

In der hier vorgelegten Textausgabe sind diese zweisprachigen Wortalternativen mit Schrägstrich in den Text eingebracht. Nur in Ausnahmefällen finden sich auch einmal zwei alternative deutsche Wörter, die dann nur so erklärt werden können, dass das zweite auf einem bewussten synonymischen (heteronymischen) Wortaustausch durch einen späteren Kopisten beruht.


Reiner Hildebrandt, Philipps-Universität Marburg; Thomas Gloning, Justus-Liebig-Universität Gießen.

Reiner Hildebrandt, Philipps-Universität Marburg; Thomas Gloning, Justus-Liebig-Universität Gießen.


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