E-Book, Deutsch, 170 Seiten
Vollenberg Mörderisch schöne Tage in Schottland
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-1853-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 170 Seiten
ISBN: 978-3-7597-1853-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Busrundreisen sind nicht Theresas Ding. Zum ersten Mal in ihrem Leben lässt sie sich dennoch auf dieses Abenteuer ein. Eine skurrile Reisegruppe nimmt sie am Flughafen von Edinburgh auf. Einige Mitreisende werden zu Freunden, andere nerven ununterbrochen. Sie landen auf Theresas Opferliste. Sie stellt fest, dass sie sich nicht der Seele Schottlands hingeben kann, wenn sie die Gemeinschaft ihrer Mitreisenden nicht in den Griff bekommt. Angeregt von der kriegerischen Geschichte des Landes gepaart mit ihrer kriminalistischen Fantasie findet sie mit Unterstützung ihrer Freundin Bea Wege, sich von den ständigen Nörglern zu befreien. Genießen Sie den schottischen Reisebericht, gewürzt mit krimineller Energie, humorvollen Wendungen und einem Hauch von Fantasy. Möglich, dass es auch ein Rezept für Sie ist, mit den ewigen Nörglern dieser Welt umzugehen.
1953 in Dorsten geboren, Schülerin der Ursulinen, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum. Mehr als dreißig Jahre führte sie mit ihrem Ehemann ein Architekturbüro in Gladbeck. Sozial stark engagiert galt ihre Aufmerksamkeit besonders Kindern und Jugendlichen. Neben Job und Familie arbeitete sie zwölf Jahre im offenen Ganztag an einer katholischen Grundschule. Sie gibt heute noch Kurse für kreatives Schreiben für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene. Viele Jahre betreute sie die golfspielende Jugend in ihrem Heimatklub. Ihre Liebe gehört dem Krimi. Sie ist Mitglied der Mörderischen Schwestern, einem Verein für Krimiliebhaberinnen und Mitglied in Bundesverband junger Autoren.
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Treffpunkt Flughafen Edinburgh
Wir landeten. Eine Gangway wurde an die vordere Ausstiegstür geschoben. Es dauerte lange, bis die Luke geöffnet wurde. Die Eiligen standen bereits im Gang, blockierten alles, obwohl die Anschnallgurte noch geschlossen bleiben sollten. Sie ignorierten die Durchsagen des Bordpersonals ebenso wie die Anzeigesymbole an der Decke. Ein geordnetes Verlassen des Flugzeugs war nicht möglich. Es beschlich mich der Gedanke, dass die meisten Gäste an Bord des Fliegers Deutsche waren. Das Urlaubsverhalten meiner Landsleute war nicht immer lobenswert. Über Gelassenheit verfügten die wenigsten Fluggäste. Diejenigen, die im Gang standen, zeigten dieses durch ihr selbstgefälliges Verhalten. Die zum Sitzen Gezwungenen sahen sich genötigt, ihren Unmut darüber zu äußern. Nur wenige lehnten sich entspannt auf ihren Plätzen zurück und warteten ab. Der Ausstieg wurde eingeleitet. Ich bemerkte es an einem frischen Luftzug, der nicht aus der eiskalten Klimaanlage entwichen war. Viele Reisende verließen vor mir das Flugzeug und quetschten sich in die bereitstehenden Transportmittel, die sie zum Terminal brachten. Die zielstrebige Flucht meiner Mitreisenden störte mich nicht. Ich nahm den letzten Bus, der nicht so proppenvoll war, und erreichte entspannt, nach einem gemütlichen Fußweg durch das Flughafengebäude, das Kofferband. Alle Blicke waren auf den schwarzen Schlund gerichtet. Die ersten Beschwerden wurden nach nur wenigen Minuten laut, weil die Gepäckausgabe nicht sofort begann. Unruhe und Hektik waren greifbar. Die meisten, die aus dem Düsseldorfer Flugzeug heraus geeilt waren und durch das Gewirr des Flughafens hetzten, belagerten das Kofferband. Ihr gestresstes Verhalten brachte ihnen keinen Vorteil. Gelassen positionierte ich mich abseits des Transportbandes. Mein Timing war perfekt. Das Kofferband setzte sich in Bewegung. Gebannt starrte ich auf die kreisenden Gepäckstücke wie ein Kaninchen auf eine Schlange. Die Letzten werden die Ersten sein. Den Spruch aus dem Matthäusevangelium hatte ich oft von meinem Vater gehört. Er wollte mich meistens damit ausbremsen, wenn ich versuchte, mich vorzudrängeln. Ich sah, wie sich aus der dunklen Höhle eine große grünkarierte Reisetasche herausquetschte. Sie wurde auf dem schwarzen Transportband durch die Gepäckhalle geschleust. Das war meine. Danke, Papa, hast mal wieder recht gehabt. Vorsichtig bewegte ich mich durch die Lücken in der Menschenmenge nach vorne an das Laufband heran. Wieder wurde meine Beherrschung auf die Probe gestellt. Niemand wich einen Schritt zur Seite. Keiner ließ mich durch, obwohl ich freundlich darum bat. Meine Gelassenheit löste sich langsam auf. Aber ich beherrschte mich. Zum einen waren die Bandblockierer vor mir keine Deutschen, sondern Dänen, was das Verhalten meiner Landsleute im Ausland ein wenig relativierte. Ich kämpfte mich am Band entlang und peilte eine kleine Lücke an, die einen Zugriff auf mein Gepäckstück ermöglichen würde. Ich war erleichtert, dass meine Reisetasche mit mir zusammen in Edinburgh gelandet war. Sei demütig und dankbar. Es ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, dass alle Passagiere ihr Gepäck entgegennehmen dürfen. Ich hatte von Problemen dieser Art in letzter Zeit oft gehört. Der Flughafen quoll über vor Menschen. Eine unangenehme Kälte von Klimaanlagen, von geöffneten Türen und Zugluft ließen mich erschaudern. Ich betrat die Ankunftshalle, sah mich erwartungsvoll um. Dann entdeckte ich eine junge Frau, die mit einem Pappschild winkte, auf der ich das Logo meines Reiseanbieters wahrnahm. Wir begrüßten uns. Mein erster Eindruck von dieser Dame war geprägt von Herzlichkeit. Ich gesellte mich zu den wartenden Menschen, die ich an ihren Kofferanhängern identifizierte, denn sie trugen den Slogan unserer Reisegesellschaft. Diese kleine Gruppe war ebenso wie ich auf die Schottlandreise gebucht. Mir war in diesem Moment völlig egal, was um mich herum passierte. Mitten im Menschengewimmel hockte ich mich neben meine Reisetasche und öffnete sie. Wenn ich nicht handelte, war mir eine dicke Erkältung sicher. Ich fischte eine warme Jacke heraus und tastete nach einem Schal. Eingemummelt wartete ich an dem mir zugewiesenen Ort. Fürs Erste angekommen, stellte sich meine Aufnahmefähigkeit und Neugier auf Pause. »Das fängt ja gut an«, mischte sich Bea in meine Gedanken. »Eine Busrundreise ist nichts für dich. Ich habe es dir doch gleich gesagt. Ab jetzt begibst du dich in die Hand dieses Mädels. Du bist nur ein kleines Puzzleteil unter deinen Mitreisenden. Sie werden in den nächsten Tagen deinen Urlaub mitbestimmen. Stell dich schon mal auf Warten ein. Du musst hier ausharren, bis die Gruppe komplett ist, dann erst geht es weiter, so wird es sich fortsetzen, Tag für Tag.« Im Flieger hatte ich Beas Bemerkungen beiseite gewischt. Warum mischte sie sich jetzt schon wieder ein? »Alleine dieser Flug. Also ich fand ihn schrecklich. Keine Spur von Luxus, auf niedrigstem Standard wird man da von Flughafen zu Flughafen transportiert. Die Reisewelt hat sich verändert und das nicht zum Positiven.« »Halt endlich deinen Mund. Von dir lasse ich mir die Reise nicht vermiesen. Du bist ja nur sauer, dass ich dich nicht mitgenommen habe. Und wenn ich edel und luxuriös auf einem Flug bedient werden möchte, dann fliege ich Emirates und vor allem Businessclass. Aber Düsseldorf Edinburgh hat diese Fluggesellschaft nicht im Programm.« Ich drehte mich um und beäugte meine Mitwartenden. Hoffentlich hatte niemand mein Gespräch mit Bea wahrgenommen. »Oh, was sagen Sie da? Erwarten wir Gäste aus den Arabischen Emiraten?« »Nein, nein, das denke ich nicht«, stotterte ich verwirrt. »Was halten Sie davon, wenn wir uns nach draußen begeben? Ich kann diese Klimaanlagen nicht vertragen«, schlug ich vor. »Gute Idee. Wir sollten unserer Reiseleiterin nur Bescheid sagen.« »Die Regenwolken haben sich verzogen.« »Ja, die Sonne scheint.« Diese Sätze, die zwischen meinen Mitreisenden hin- und herflogen, hatte ich wahrgenommen. Abwechselnd schaute ich in die Gesichter der Menschen, die mich umgaben. Ich entdeckte ein allgemeines Einverständnis, das Flughafengebäude gemeinsam zu verlassen. Eine kleine hagere Frau trat in meinen Fokus. Verhärmt und unscheinbar duckte sie sich hinter einer Mauer von Reisenden. Ihr altes, faltiges Gesicht spiegelte ihr Leben in einer Enzyklopädie mit mindestens 8 Bänden. Sie drückte ihre Zustimmung, das Terminal zu verlassen damit aus, indem sie hastig nach einer Schachtel Zigaretten in der Handtasche wühlte. Mit zitternden Fingern befreite sie einen Glimmstängel aus der Packung. Das Feuerzeug einsatzbereit in der Hand lief sie los. Ich schwang mir meinen Rucksack über die Schulter und griff den Ziehbügel der Reisetasche und folgte meiner unvollständigen Reisegruppe nach draußen. »Hast du das kleine schnuckelige Café dort drüben gesehen? Erzähl mir nicht, dass du dort nicht gerne eingekehrt wärst. Aber mitgefangen, mitgehangen«, hörte ich. »Shut up!«, fauchte ich Bea an. »Ich freu mich auf Schottland.« »Oh, Mrs Traveller hat umgeschaltet, ab jetzt nur in Englisch unterwegs, was?« »Ich kann auch anders«, fauchte ich Bea an. »Mach dich vom Acker! Verschwinde!« Ein Hauch von Zigarettenqualm umspielte mich. Ich wechselte die Position. Die grauhaarige, kleine Raucherin, in eine azurblaue Steppjacke gehüllt, nahm einen tiefen Lungenzug und pustete den Qualm genüsslich in den Edinburgher Himmel. Die Sonnenstrahlen fielen auf ihr Gesicht und mir offenbarte sich ein maskenartiges Antlitz, das großzügig farblich angelegt jeden Visagisten die Augen hätte verdrehen lassen. Die Brauen waren dicke braune Striche, der Lippenstift zu grell und inakkurat aufgetragen. Das Lidschattenpuder hatte sich in den Falten der Augenlider gesammelt. Es erfüllte seine ursprüngliche Aufgabe nicht mehr. Ich hatte als Kind in einer Zitatensammlung meines Vaters gelesen, dass es keine Grenzen gab, an denen mehr geschmuggelt wurde als an den Altersgrenzen. Erst jetzt verstand ich, was damit gemeint war. »Puh, ist das herrlich hier«, sagte sie mit ihrer kratzigen Raucherstimme. Sie lächelte und sah mich freundlich an. Das Leuchten in ihren wasserblauen Augen berührte mich. Sie sah glücklich aus. Mir ging es in diesem Moment ebenfalls gut. Ich war neugierig auf Schottland, ein Land, das ich nicht kannte und das ich erobern wollte. Mir war klar, dass ich innerhalb der Gruppe auf Menschen treffen würde, die aus der gleichen Motivation wie ich die Reise angetreten hatten. Die anderen, die ewigen Miesmacher und Nörgler, die kein Gespür für das Schöne und Interessante hatten, das Schottland für uns bereithielt, würde ich ausblenden. Ich parkte mein Gepäck. Sah mich um und begann mit der Kontaktaufnahme. Geh in die Offensive, motivierte ich mich, umso schneller findest du Gleichgesinnte. »Hallo,...




