E-Book, Deutsch, 446 Seiten
Vogel Wie alles begann
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-99038-519-7
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Die Geschichte von Vindsvalur (Vater des Windes)
E-Book, Deutsch, 446 Seiten
ISBN: 978-3-99038-519-7
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
100 n. Chr.: Zwei Menschen finden im verschneiten Buchenwald ein Baby, dem sie den Namen Vindsvalur - Vater der Winde - geben. Vom großen Hof wird die Tochter des Herrschers der Zeit gesucht und viele Kinder werden getötet. Nach dem gewaltsamen Tod dieser Kinder beginnt die Reise der Rache über viele Winter, und der kleine Vindsvalur erlebt die Liebe seiner Ziehmutter zu Töggur, einem der Söhne vom Hof, eine Liebe, die es nicht geben darf. Vindsvalur träumt von einer Frau mit grünen Augen, und der Herrscher der Zeit gibt ihm den Namen bekannt: 'Finde deine Frau mit dem Namen Alvör im Reich Norden, bringe zusammen, was zusammengehört.'
Norbert Vogel wurde 1966 in Nürnberg geboren. Nach der Bundeswehr zog es ihn nach Donauwörth zu Deutschlands größtem Hubschrauberhersteller. In dieser Zeit baute er ein Zweifamilienhaus, nahm seine Eltern mit zu sich und wurde Vater von drei gesunden Kindern. Nach seiner letzten Ausbildung zum Betriebswirt des Handwerkes zog es ihn mitsamt Familie das erste Mal nach Schweden - und da war es um ihn geschehen. Norbert Vogel verliebte sich in dieses Land, das ihn zum Schreiben animierte.
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1 Vindsvalur, deine Zeit ist gekommen Wir schreiben das Jahr 100 n.Chr., es sind noch über achthundert Winter bis zum Erscheinen von „Tag“ und „Nacht“. Es stehen zwei sehr große Langhäuser und ein Stall auf einem Hügel unweit des verzauberten Buchenwalds. In der Nähe der Langhäuser ist auch der Platz, wo die Verstorbenen verbrannt und bestattet werden. Ihre Asche und die Knochen legen die Leute vom Land dann später in eine ausgehobene Mulde, die sie mit Erde und im Winter mit Steinen verschließen. An den Küsten werden die Verstorbenen in ein Boot gelegt, Waren sie adelig und wohlhabend, bekommen sie eine Münze in den geöffneten Mund, damit sie ihre Fahrt in das Totenreich bezahlen können. Dann wird das Boot angezündet und in das Meer hinaus geschoben. Es ist der volle elfte Mond und es schneit schon seit Tagen. Die meisten Tiere, Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen, Gänse und Hühner, befinden sich im Stall, der gleich neben den Langhäusern liegt. Die Langhäuser haben eine Größe von zwanzig mal vierzig Fuß. Die Menschen, die hier leben, haben es in dieser harten Zeit bereits zu etwas gebracht. Bei den Menschen leben die Hunde, die treuen Begleiter und Schutztiere. Sie schützen den Hof und alle, die darauf leben. Auf den Fluren und in den Wäldern melden sie Gefahren oder die Ankunft fremder Menschen. Es ist die Zeit, in der es bereits sehr schnell dunkel wird. Am Abend treffen sich alle im Langhaus, während Sippa das Essen für alle vorbereitet. Es ist der elfte volle Mond in diesem Winter. Ihr Mann Ragnar hat unterdessen den ganzen Tag damit zugebracht, für Holz zu sorgen und Gegenstände für den gewöhnlichen Arbeitsablauf wieder zu reparieren. Immer wieder sieht er verstohlen zu seiner Frau und lacht sie an. Beide sind froh, seit vielen Wintern ein neues Zuhause für sich gefunden zu haben. Sippa und Ragnar sind hier auf dem Hof Knecht und Magd und in einem ziemlich hohen Alter. Beide müssten schon weit über fünfzig Winter alt sein. Zwei große Hunde sind mit im Langhaus. Ragnar steht auf, geht zum Stall und holt die bereits gerupften Hühner, die heute Morgen ihr Leben lassen mussten. Beide Hunde folgen ihm und er kann schon von Weitem sehen, dass alle, die heute unterwegs waren, wieder zurückkommen. „Sie werden gleich hier sein. Sippa, hier sind die Hühner, wo soll ich sie hinlegen?“, fragt er, als er wieder im Langhaus ist und die Türe verschlossen hat. Die Hunde haben sich auf den Weg gemacht, die anderen zu begrüßen. Das Bellen und laute Sprechen ist bereits auf dem Hof zu hören. „Lege sie zu mir her! Ich werde sofort anfangen, sie zu braten. Sie sind bestimmt alle hungrig.“ Ragnar verlässt das Langhaus und macht sich auf den Weg, alle die kommen, zu begrüßen. Sie kommen heute aus dem Bereich des alten Buchenwalds, sie mussten ihn umgehen, um die anderen Höfe zu erreichen. Es war eine grausige Opferfeier gewesen. Jeder Hof, der anreiste, brachte verschieden männliche Lebewesen mit und es gab auch viele Neuigkeiten, die aus dem Teil Westen stammen. Das offene Meer. Aber die Neuigkeiten von der Landung von Kriegern, die mit Drachenbooten kommen, ist zu diesem Zeitpunkt normal. So weit in das Hinterland haben sich die Krieger noch nie getraut. Aber dies wird sich ändern und der Tod wird Einzug halten, jedoch zu einem späteren Zeitpunkt. „Wie war es? Sind alle wieder da? Ich wäre so gerne dabei gewesen“, kommt es von Ragnar. „Du und deine Frau, ihr habt nichts verpasst, was wichtig für uns ist“, kommt es von Máttur, dem Bauern vom Hof. „Ich habe meine Frau mit den Mädchen zum Opferkult in das Langhaus der Frauen geschickt. Es war wieder sehr grausam. Nur meine beiden älteren habe ich daran teilnehmen lassen.“ „Sie haben achtzehn männliche Lebewesen einzeln an den Baum gehängt“, kommt es von Töggur, dem ältesten Sohn des Bauern, der im Alter von sechzehn Wintern ist. „Es waren Hunde und Leibeigene, sie sollen so lange dort hängen, bis sie verwesen. Dann werden sie uns die göttliche Kraft von Odin und Thor geben“, kommt es stolz von Undri. Er ist vierzehn Winter alt. Odin ist der Gott über alle anderen Götter. Er ist der Kriegs- und Todesgott und erst in zweiter Linie der Weise. Thor mit dem riesigen Hammer Mjöllnir ist der Gott der Bauern. Er beschützt die Götter und auch die Menschen. „Alles nur Gefasel, was man sich erzählt, ich glaube nicht daran, dass es stimmt“, spricht Gefjun, die Frau des Bauern. Ihr Blick geht zu den jüngsten, die mit ihr im Langhaus der Frauen waren. Mit dabei waren Mulinn, der dritte Sohn der Familie, der sieben Winter zählt. Und die drei Töchter, Pia mit achtzehn Wintern, Dilja mit zwölf Wintern und die kleine Nachzüglerin Birta mit fünf Wintern. „Da hat Mama recht, ihr hängt Lebewesen auf und singt Lieder, die so schlimm sind, dass man sich die Ohren zuhalten muss. Ihr solltet euch schämen“, kommt es von Pia, welche die kleine Birta im Arm hält und sie mit ihrem Umhang wärmt. „Du hast keine Ahnung, du bist eine Frau. Und wir sind die Männer“, spricht Undri mit seinen vierzehn Wintern. „Töggur und Undri, helft Ragnar beim Abspannen der Tiere vom Schlitten, bringt die Tiere in den Stall und versorgt sie anständig! Ragnar, du passt auf, dass sie alles richtig machen. Danach kommt ihr ins Haus. Wir wollen alle gemeinsam essen und besprechen, was morgen an Arbeit anfällt und was wir heute Neues gehört haben. Es wird auch Sippa interessieren“, spricht Máttur streng zu den älteren Söhnen. „Auf geht’s!“, kommt es von Ragnar. „Wo sind Skeggi und Valdis?“, will Gefjun wissen. „Ich kann sie nicht sehen.“ „Beide sind heute in den Buchenwald gegangen. Sie haben ein tiefes und lang anhaltendes Röhren gehört, sie wussten nicht, was das ist, haben sich angezogen und sind vor Einbruch der Dunkelheit mit einem Hund losgelaufen“, sagt Ragnar und weiß, was kommen wird. „Das gibt es doch nicht, beide wissen ganz genau, dass der Buchenwald das Heim der Trolle und Elben ist. Wenn es dunkel wird, sind sie auf der Jagd nach Menschenfleisch, beide wissen es. Verdammt noch mal“, fährt zornig Máttur Ragnar an. „Die beiden älteren werden die Tiere in den Stall bringen, Ragnar bereite alles vor, was wir brauchen! Decken, Essen, Fackeln und Waffen. Jeder hier gehört zur Familie und jeder wird gesucht, bis er gefunden wird“, kommt es ruhig von Gefjun, die bei ihrem Mann steht und ihren Arm um ihn gelegt hat. „Töggur und Undri, ihr werdet mit Vater und Ragnar dem Weg der beiden folgen, noch sind die Spuren sichtbar und es könnte noch nicht zu spät sein“, fährt sie fort, jedoch ist ihre Unsicherheit hörbar. Töggur und Undri gehen mit den Pferden, mit denen sie den ganzen Tag unterwegs gewesen sind, in den Stall. Sie bringen sie in ihre Boxen, reiben sie trocken und geben ihnen Futter. Dann bereiten sie vier andere Pferde für die kommende Suchaktion vor. Diese werden vor den Stall gebracht und zwei von ihnen vor den Schlitten gespannt, der jetzt nach der Fahrt einsam und alleine dort steht, die Felle liegen noch darin. Die beiden anderen Pferde werden gesattelt. Sie stehen da und warten auf die anderen. Töggur und Undri sind sehr aufgeregt und fest davon überzeugt, dass sie auf den Pferden reiten werden. Sie steigen schon auf, als sie Vater und Ragnar mit den anderen Dingen, die sie noch brauchen, auf sich zulaufen sehen. „Kommt sofort von den Gäulen runter und bewegt euch hierher! Holt die anderen Dinge, die noch im Langhaus liegen und sagt Bescheid, dass wir sofort aufbrechen!“, ruft Máttur verärgert den beiden zu. „Es sind doch nur Kinder, sei nicht zu streng zu den beiden“, kommt es von Ragnar. „Alle beiden müssen noch viel lernen, aber das ist Faulheit ohne Weitsicht. Es geht um das Leben von den beiden und da kenne ich keine Grenzen. Das weißt du ganz genau. Dein Junge Skeggi und Valdis gehören ebenfalls zu unserer Familie, so wie du und meine Kinder.“ Die beiden Knaben ziehen ihre Köpfe ein und steigen so schnell wie möglich von den Pferden ab. Mit eingezogenem Haupt springen sie an Máttur und Ragnar vorbei Richtung Langhaus. „Ihr beiden sitzt auf dem Schlitten und nicht auf den Pferden! Habt ihr mich verstanden? Wartet, bis wir wieder zu Hause sind, das sage ich euch.“ „Jetzt reicht es, Máttur, auch wenn ich der Knecht bin, es ist jetzt Ruhe. Beide wissen ganz genau, was sie verkehrt gemacht haben. Erwachsen werden sie schnell genug. Das glaube mir“, spricht energisch Ragnar den Bauern an. Máttur sieht ihn an und sieht ein, dass er wieder einmal übertrieben hat. „Du hast recht, ich werde mich bei beiden, wenn wir zurückkommen, entschuldigen.“ Nachdem die beiden zurückgekommen sind und ihren Platz auf den Wagen eingenommen haben, lacht sie ihr Vater an und fragt, ob sie bereit sind. Sie sehen beide die Entschuldigung in seinen Augen und geben ein freudiges Ja als Antwort. Skeggi ist der Sohn von Ragnar und Sippa, er ist fünfundzwanzig Winter alt. Valdis ist zwanzig Winter und stammt von der Westküste, aus dem Land, wo das Drachenboot bekannt ist. Einst haben Gefjun und Máttur sie aufgenommen und wie eine eigene Tochter erzogen. Jetzt ist sie die Frau von Skeggi und hilft Sippa bei allen Dingen, die bei der Arbeit im Haushalt anfallen. Skeggi ist mit seinem Vater früh morgens zum Stall gegangen, nachdem die anderen mit ihren Schlitten den Hof verlassen haben. Sein Vater und er versorgen alle Tiere, die sich im Stall befinden, füttern und reinigen die Ställe und lassen die Hühner und Schreigänse auf den Hof. Anschließend fangen sie fünf Hühner und reißen ihnen den Kopf vom Rumpf. Dann werden diese im Stall zum Ausbluten in sicherer...




