Voehl / Montillon | Dorian Hunter 59 - Daemon Mechanicus | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 59, 280 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

Voehl / Montillon Dorian Hunter 59 - Daemon Mechanicus


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-059-9
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 59, 280 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

ISBN: 978-3-95572-059-9
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wer ist George Morales wirklich, und welche Interessen vertritt seine geheimnisvolle Organisation? Was hat es mit den sieben Höllenplagen-Dämonen auf sich? Es scheint nicht nur eine Verbindung zu Asmodi I. zu geben, der sich verborgen hält - sondern auch zu Dorian selbst, zu einem seiner früheren Leben ... Der 59. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 235: 'Der siebenteilige Tod' 236: 'Dämonennächte' 237: 'Daemon Mechanicus'

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Der siebenteilige Tod

von Jo Zybell

1. Kapitel


Ein Sattelschlepper näherte sich aus Richtung des Hafens, ein Viehtransporter. Er stoppte vor einem Rollgittertor. Rinder blökten auf der Ladefläche. Aus dem Inneren der Schlachthäuser hörte man Männergebrüll und das jämmerliche Geschrei von Schafen und Lämmern, die zur Schlachtbank geführt wurden.

Schräg gegenüber, in der Parkanlage der Koranschule, spielten Halbwüchsige Fußball. Vom Khomeini Boulevard her rollte ein mit Dreck beladener Ochsenkarren heran. Auf der Höhe der Schule hielt er an. Zwei Männer stiegen vom Kutschbock, bärtig und mit schmutzig grauen Turbanen bedeckt. Sie zogen zwei lange Haken vom Kutschbock, gingen zum Kanalisationsdeckel in der Mitte der Straße und hievten ihn mit den Haken von der Schachtöffnung. Niemand beachtete sie.

Die Burschen im Schulpark schrien auf – ein Tor war gefallen. Vor dem Schlachthoftor stand mit laufendem Motor der Viehwagen. Seine Presslufthupe tönte über Dächer, Straße und Park, zweimal, dreimal, viermal. Die Fußballer äugten zu dem Truck hinüber. Endlich bewegte sich das Rolltor. Ein paar Straßen weiter, schon ziemlich nahe am Hafen, begann auf dem Minarett einer Moschee ein Muezzin zu singen. Zeit für das Mittagsgebet.

Die beiden Ochsenkarrenfahrer legten den Kanaldeckel ab und hoben den Sinkkasten aus der Fassung. Er war voller feuchtem Laub und Abfall. Der jüngere der beiden Turbanträger ließ seinen Haken fallen, packte den Kasten und schleppte ihn zum Ochsenkarren, um ihn zu leeren. Der andere fingerte eine Zigarette aus der Brusttasche seiner Jacke.

Im Park vor der Schule rangelten die Jungen um den Ball. In der offenen Tür der Koranschule stand der Imam und schrie sich die Kehle heiser, um die Fußballer zur Gebetszeit in die Schule zu rufen. Der Beifahrer des Viehtrucks, ein dürres Männchen in ehemals weißem Muskelshirt und mit grüner Baseballkappe, stand vor dem Rolltor; nachdem es sich zu nur einem Drittel geöffnet hatte, rührte es sich nun nicht mehr. Zwei Männer traten aus dem Schlachthaus und eilten zum Tor. Beide trugen blutige Plastikschürzen, einer hielt einen Werkzeugkasten in der Rechten. Der Fahrer steckte den Kopf aus dem offenen Fenster und stieß Verwünschungen aus, weil das Rolltor klemmte.

Neben dem Ochsenkarren breitete einer der beiden Kutscher eine Gebetsdecke auf dem Bürgersteig aus. Der andere bückte sich vor dem offenen Kanalschacht nach einem Schlüssel, der ihm aus der Tasche gerutscht war, als er nach dem Feuerzeug kramte. Eine Hand erschien am Rand des Kanalschachts, oder nein, eine schlammige, von Geschwüren bedeckte Klaue – sie griff nach dem Unterarm des Turbanträgers und zerrte ihn in die Öffnung des Kanalschachts. Der Mann stürzte, sein Schrei verhallte rasch.

Sein Kollege auf dem Gebetsteppich fuhr hoch. Sekunden lang kniete er reglos und starrte auf den leeren Asphalt neben der Schachtöffnung; bis er aufsprang. Er schrie so durchdringend und gestikulierte so wild, dass die Männer am Tor vor dem Viehtransporter aufmerksam wurden. Der Beifahrer und einer der Metzger liefen herbei. Der Fahrer des Trucks, ein junger, drahtiger Bursche in abgeschnittenen Jeans und mit nacktem Oberkörper, stieg aus dem Fahrerhaus und folgte den anderen. Auch drei oder vier Halbwüchsige aus dem Park der Koranschule liefen herbei.

Sie alle versammelten sich um den offenen Kanalschacht, beugten sich hinunter, hörten sich die Schilderung des Ochsenkarrenkutschers an oder riefen nach dem Abgestürzten. Plötzlich kam Bewegung in die Gruppe, alle deuteten in die Tiefe. Einige gingen in die Knie und streckten ihre Hände in den Schacht. Sie zogen den Abgestürzten herauf, der sich auf den Asphalt kauerte und seltsam teilnahmslos vor sich hin stierte. Alle redeten auf ihn ein.

Der Fahrer des Trucks holte eine Stablampe aus seinem Lastwagen und leuchtete in den Kanal. Der Metzger deutete erschrocken auf die Stirn des Geretteten. Dort wölbte sich eine blutige Beule. Sie platzte und ein Schwall Blut und Eiter ergoss sich über den Bedauernswerten. Jetzt war es der Beifahrer des Viehtransporters, der zum Truck rannte, um den Verbandskasten zu holen. Noch immer lief der schwere Motor.

Von jetzt auf nun sprangen die Männer voller Entsetzen vom geöffneten Kanalschacht zurück. Bis auf einen: den Fahrer des Viehtransporters. Der lag auf der Straße, wand sich und schlug mit der Stablampe nach einer schwarzen Klaue, die aus dem Schacht nach seinem Unterschenkel griff. Sie hielt das Bein des Mannes fest und zerrte ihn Zentimeter um Zentimeter in den Kanalschacht hinein. Bis zur Hüfte schon war er darin verschwunden, gab es nun auf, mit der Lampe nach der Klaue zu schlagen, klammerte sich stattdessen lieber am schweren Kanaldeckel fest. Doch auch der rutschte schon der Öffnung entgegen.

Der junge Bursche brüllte panisch, warf seinen nackten Oberkörper hin und her und versuchte vergeblich, sich zu befreien. Die Männer um ihn herum gestikulierten wild, wagten sich aber nicht näher als bis auf einen Schritt an den Truckfahrer heran. Endlich kam dessen Beifahrer zurück, sah, was geschah, ließ den Verbandskasten fallen und griff zu. Er packte seinen Gefährten an den Handgelenken, zog und zerrte und forderte die anderen auf, ihm zu helfen. Zwei junge Koranschüler fassten sich ein Herz, stießen Gebetsrufe aus und packten mit an.

In diesem Augenblick riss der Ochsenkarrenfahrer, den die Männer aus dem Schacht gezogen hatten, den Mund weit auf. Ein Schwall Blut ergoss sich über Brust und Hosenbeine. Die Lippen waren geschwollen, Geschwüre bedeckten nun auch den Hals und die Hände. Er stemmte sich hoch, starrte seine Retter aus rollenden Augäpfeln an und knurrte wie ein scharfer Hund. Die Männer verstummten, denn der Schreck fuhr ihnen erneut in die Knochen.

Dann ging alles sehr schnell: Der Beifahrer schrie auf und lag unverhofft neben seiner grünen Baseballkappe und den beiden Koranschülern rücklings auf der Straße. Halb über ihm hing sein Fahrer – endlich war er frei. Doch statt sich zu freuen, blickte er brüllend über die Schulter hinter sich auf seine Beine: Sein linker Unterschenkel fehlte. Schwallartig sprudelte das Blut aus dem leeren Hosenbein. Die beiden Koranschüler knieten wie festgefroren. Einem wurde der Schritt seiner Hose feucht.

Der gerettete Ochsenkarrenfahrer aber stürzte sich auf seinen Kollegen und den Metzger. Er riss beide um, drückte einem den Hals zu und schlug dem anderen die Zähne in die Wangen. Als er Sekunden später von den Männern abließ, sprangen sie blutend auf und flüchteten zum Schlachthaustor: der Beifahrer des Viehtransporters, die Koranschüler, der Metzger. Der von Geschwüren übersäte Ochsenkarrenkutscher verfolgte sie knurrend.

Zuletzt stemmte sich der Truckfahrer hoch. Schwielige Beulen und offene Wunden bedeckten den nackten Oberkörper. Auf einem Bein hüpfte er quer über die Straße zum Truck und zum Schlachthaustor. Er zog eine Blutspur hinter sich her.

George Morales steuerte seinen Mercedes von Westen her in die Innenstadt. Er fuhr nicht schnell, warum auch? Niemand verfolgte sie, und sie verfolgten niemanden. Außerdem wollte er nicht auffallen. Also fuhr er ganz gemütlich, als käme er vom Picknick am Strand und nicht aus einem mörderischen Kampf mit den dämonischen Mächten der Schwarzen Familie. Die erste größere Schlacht war geschlagen.

»Glückwunsch, Hunter!«, wandte er sich an den schnurrbärtigen Mann auf dem Beifahrersitz. »Sie haben eine verdammt gute Figur gemacht, alle Achtung!« Über die Schulter spähte er zur Rückbank, wo Coco Zamis saß. »Und Sie erst, Ma'am! Ich bin schwer beeindruckt!«

Dorian dachte über eine bissige Antwort nach, doch Coco war schneller. »Sparen Sie sich den Atem, Morales.« Sie hatte die Beine auf die Rückbank gezogen. Aufmerksam beobachtete sie die Fahrzeuge hinter ihnen. »Sie werden ihn noch brauchen. Ich fürchte, das war nur die erste Schlacht in einem Krieg, in den uns jemand hineinziehen will.«

»Eine Schlacht, die eine Menge verbrannter Erde hinterlässt.« Dorian Hunter fingerte eine Players aus der Schachtel, die dritte schon, seit sie die Seuchenklinik im Außenstadtbereich verlassen hatten. »Dieser dämonische Schlächter hat gewütet wie ein tollwütiger Höllenhund.«

»Was heißt hier hineinziehen will?« Morales kantige Züge wurden hart. »Sie sind schon mittendrin, schätze ich.« Er kippte den Rückspiegel ein wenig, sodass er die ehemalige Hexe beobachten konnte. »Ich könnte sie natürlich sofort zum Airport fahren, wenn sie keine Lust auf weitere Schlachten haben.« Genüsslich betrachtete er ihre kleine Gestalt, den üppigen Busen und die festen Schenkel, die der weit nach oben gerutschte schwarze Rock entblößte. »Ich persönlich hätte schon noch Lust.«

Lust, dachte Dorian. Pass bloß auf, Morales!

Coco antwortete nicht, beachtete den ehemaligen Agenten nicht einmal.

»Reden Sie keinen Unsinn, Morales!«, blaffte der Dämonenkiller. »Wir fahren zum Hotel. Und dort besprechen wir in Ruhe, wie wir weitermachen. Don und Phillip sollten dabei sein.«

»Jetzt machen Sie mich aber glücklich, Hunter.« Morales stellte den Rückspiegel wieder so ein, dass er den rückwärtigen Verkehr beobachten konnte. »Ich hätte ungern auf die weitere Unterstützung unserer schönen Begleiterin verzichtet.« Er stoppte vor einer roten Ampel.

»Manchmal langweilen Sie mich, wissen Sie das?« Dorian zündete seine Zigarette an, steckte das Feuerzeug weg und stellte die Beine auf den Flammenwerfer, den Morales in der ersten Hektik des...



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