E-Book, Deutsch, 532 Seiten
Verne Zwei Jahre Ferien
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1346-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 532 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1346-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. In dem Buch geht es um 14 Jungen aus dem neuseeländischen Internat Chairman in Auckland, im Jahre 1860, die als Auszeichnung für besondere Leistung von ihren wohlhabenden Eltern eine Schifffahrt rund um Neuseeland geschenkt bekommen. Am 16. Februar sollten die Kinder samt einer ausgebildeten Mannschaft und Kapitän die Reise mit dem Schoner 'Sloughi' starten. Jedoch sind die Schüler in der Nacht vor der Abfahrt schon an Bord, während die Mannschaft im Hafen schläft. Durch ungeklärte Umstände reißt sich das Schiffsseil los und der Schoner gerät in einen fürchterlichen Sturm. Entsetzt bemerken die Kinder das sie zu fünfzehnt auf sich alleine gestellt sind. (aus wikipedia.de)
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Zwei Jahre Ferien
Erstes Capitel.
Der Sturm. – Ein verirrter Schooner. – Vier Knaben auf dem Berdeck des "Sloughi". – Das Focksegel in Stücken. – Im Innern der Yacht. – Der halberstickte Schiffsjunge. – Land in Sicht durch den Morgennebel. – Die Klippenbank.
In der Nacht des 9. März 1860 beschränkten die mit dem Meere fast zusammenfließenden Wolken die Sehweite bis auf wenige Fadenlängen.
Auf dem empörten Wasser, dessen Wogen, fahle Lichter werfend, einherstürmten, flog ein leichtes Fahrzeug fast segellos dahin.
Es war eine Yacht von hundert Tonnen – ein Schooner, mit welchem Namen man in England und Amerika solche Goëletten bezeichnet.
Dieser Schooner führte den Namen »Sloughi«; doch vergebens hätte man denselben am Achter des Fahrzeugs zu lesen gesucht, da die betreffende Tafelplanke durch irgend einen Zufall – durch Anprall der Wogen oder Collision – unter der Regeling zum größten Theil abgesprengt war.
Es war jetzt um elf Uhr Nachts. Unter den Breiten, wo sich das Schiff befand, sind die Nächte zu Anfang des März noch kurz. Das erste Tagesgrauen war etwa gegen fünf Uhr Morgens zu erwarten. Doch verminderten sich damit, daß die Sonne den Weltraum erleuchtete, die Gefahren, welche den »Sloughi« bedrohten? Blieb das gebrechliche Fahrzeug nicht noch immer der Gnade der ungeheuren Wogen anheimgegeben? Unzweifelhaft; nur die Besänftigung der hohlen See, das Abflauen des wüthenden Sturmes konnte dasselbe vor dem entsetzlichsten Schiffbruche bewahren, vor dem auf offenen Meere, fern von jedem Lande, auf dem die Ueberlebenden vielleicht hätten Rettung finden können.
Auf dem Hintertheile des »Sloughi« standen drei Knaben, der eine im Alter von vierzehn, die beiden andern in dem von dreizehn Jahren, und außerdem ein zwölfjähriger Schiffsjunge von Negereltern, am Steuerrade. Hier vereinigten sie ihre Kräfte, um den seitwärts anstürmenden Wellen, welche die Yacht querzulegen drohten, Widerstand zu leisten. Es war ein hartes Stück Arbeit, denn das trotz ihres Entgegenstemmens sich drehende Rad schien sie jeden Augenblick über die Schanzkleidung schleudern zu können. Kurz vor Mitternacht brach auch einmal eine solche Wassermasse über die Seite der Yacht herein, daß es ein Wunder zu nennen war, als das Steuer derselben noch glücklich Stand hielt
Die Knaben wurden zwar von dem Stoße umgeworfen, konnten sich aber sofort wieder erheben.
»Gehorcht es noch dem Steuer, Briant? fragte einer derselben.
– Ja, Gordon,« antwortete Briant, der seinen Platz schon wieder eingenommen und offenbar die gewohnte Kaltblütigkeit bewahrt hatte.
Darauf wandte er sich an den Dritten.
»Fest halten, Doniphan, rief er, und auf keinen Fall den Muth verlieren!... Es gilt, außer uns auch noch Andere zu retten!«
Diese Worte wurden englisch gesprochen, doch verrieth der Tonfall bei Briant die französische Abkunft.
Dieser kehrte sich nachher nach dem Schiffsjungen um.
»Du bist doch nicht verletzt, Moko?
– Nein, Herr Briant, erklärte der Gefragte. Doch lassen Sie uns darauf achten, die Yacht gerade gegen die Wellen zu halten, sonst laufen wir Gefahr versenkt zu werden!«
Eben wurde die Kappenthüre der nach dem Salon des Schooners hinabführenden Treppe hastig geöffnet.
»Briant!... Briant! rief ein Kind von neun Jahren. Was ist denn geschehen?
– Nichts, Iverson, gar nichts, erwiderte Briant. Geh' mit Dole wieder hinunter, aber recht schnell!
– Ach, wir fürchten uns so sehr! ließ sich das zweite, noch etwas jüngere Kind vernehmen.
– Und die Anderen? fragte Doniphan.
– Die Andern auch! versicherte Dole.
– Nun geht nur Alle hinunter, ermahnte Briant. Schließt Euch fest ein, sucht Eure Lagerstätten auf und macht die Augen zu, dann werdet Ihr keine Furcht mehr spüren. Gefahr ist nicht vorhanden.
– Achtung!... Wieder eine große Welle!« rief Moko.
Ein gewaltiger Anprall erschütterte das Hintertheil der Yacht. Diesmal schlug die See glücklicherweise nicht über, denn wenn das Wasser in größerer Menge durch die Treppenthür gedrungen wäre, hätte sich die noch weiter belastete Yacht bei dem starken Seegange schwerlich wieder aufrichten können.
»Macht doch, daß Ihr hineinkommt! rief Gordon. Hinunter, oder ihr bekommt's mit mir zu thun!
– Geht, geht hinunter, Ihr Kleinen!« setzte Briant in freundlicherem Tone hinzu.
Die beiden Köpfe verschwanden gerade in dem Augenblicke, wo ein anderer am Treppenausgange erscheinender Knabe sagte:
»Du bedarfst unser nicht, Briant?
– Nein, Baxter, antwortete dieser. Du magst mit Croß, Webb, Service und Wilcox bei den Kleinen bleiben. Wir Vier sind uns genug.«
Baxter schloß wieder sorgfältig die Thür.
»Die Anderen fürchteten sich auch!« hatte Dole gesagt.
Aber befanden sich denn ausschließlich Kinder auf diesem vom Orcan verschlagenen Schooner? – Ja, nichts als Kinder. – Und wie viele waren es? – Fünfzehn, unter Einrechnung Gordon's, Briant's, Doniphan's und des Schiffsjungen.
– Durch welche Zufälligkeiten diese allein mit ihrem Schiffe abgesegelt waren, werden wir später erfahren.
Und auf der Yacht befand sich kein erwachsener Mann? Kein Capitän, um diese zu führen? Kein Seemann zur Bedienung des Segelwerkes und der Takelage? Kein Steuermann, um bei diesem Sturme das Steuer zu handhaben? – Nein, kein einziger!
Briant und Moko bewiesen erstaunliche Geschicklichkeit. (S. 11.)
Ebenso hätte keine lebende Seele an Bord genau angeben können, an welchem Orte auf dem Ocean der »Sloughi" sich befinde..... Welcher Ocean
Das Wasser rührte nur von Spritzseen her. (S. 13.)
war es überhaupt?... Der ausgedehnteste von allen, das Stille Weltmeer, das sich über 140 Längengrade von der Landmasse Australiens und den Küsten Neuseelands bis zur Küste von Südamerika erstreckt.
Was mochte hier vorgegangen sein? War die Besatzung des Schooners durch einen Unfall verunglückt? Hatten malayische Seeräuber sie entführt und an Bord die jungen Passagiere, deren ältester kaum vierzehn Jahre zählte, ihrem Schicksale überlassen? Eine Yacht von hundert Tonnen erfordert mindestens einen Capitän, einen Obersteuermann und fünf bis sechs Leute, und von diesem zur Führung des Schiffes unentbehrlichen Personal war ein Schiffsjunge allein übrig!... Woher endlich kam dieser Schooner, aus welchem australischen Gebiete oder welchem oceanischen Archipel? – Und wohin war er bestimmt? Auf diese Fragen, welche jeder Schiffer gestellt hätte, wenn ihm der »Sloughi« in diesen einsamen Meerestheilen begegnet wäre, würden die Kinder wohl haben Antwort geben können; es war jedoch weder ein Segel in Sicht, noch einer jener transatlantischen Dampfer, deren Reiserouten sich auf den Meeren Oceaniens kreuzen; ebensowenig eines der unter Segel oder Dampf laufenden Kauffahrteischiffe, welche Europa, wie Amerika, zu Hunderten nach den Häfen des Großen Oceans entsendet. Doch hätte auch eines jener mächtigen Fahrzeuge, durch seine Dampfmaschine oder seine große Besegelung gegen den Sturm ankämpfend, sich in dieser Gegend gezeigt, so würde es doch nicht in der Lage gewesen sein, der von der rollenden See gleich einem Spielballe umhergeworfenen Yacht Hilfe zu leisten.
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