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E-Book, Deutsch, 498 Seiten

Verne Nord gegen Süd


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1345-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 498 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1345-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Nord gegen Süd schildert die Geschichte von James Burbank, einem Nordstaatler und Gegner der Sklaverei, der nahe Jacksonville (Florida) am St. Johns River eine Farm betreibt, und Texar, einem Südstaatler und Befürworter der Sklaverei. Die Geschichte spielt Anfang des Jahres 1862, eingebettet in die Ereignisse des amerikanischen Bürgerkriegs. Erstmals 1887 in Frankreich veröffentlicht, erhielt das Buch nach seinem Erscheinen in den Vereinigten Staaten eine gemäßigte Reaktion, teilweise begründet in Jules Vernes lückenhafter Beurteilung bezüglich einiger Details des amerikanischen Bürgerkriegs. (aus wikipedia.de)

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Viertes Capitel. Die Familie Burbank.



Es war wenige Minuten nach sieben Uhr, als James Burbank und Edward Carrol die Stufen des Vorplatzes emporstiegen, nachdem sich die Hauptthür des Castle-House, an der nach dem Saint-John gerichteten Seite öffnete. Das kleine Töchterchen an der Hand führend, folgte Zermah den Männern nach. Alle befanden sich jetzt in dem Hausflur, einer Art Vorraum, von dessen kuppelförmig abgedachten Hintergrunde die doppelwangige große Treppe nach den oberen Stockwerken führte.

Hier befand sich Frau Burbank in Gesellschaft Perry's, des Oberaufsehers der ganzen Pflanzung.

»Keine neueren Nachrichten von Jacksonville?

– Gar keine, mein Lieber.

– Und auch nichts Neues von Gilbert?

– Doch... ein Brief!

– Gott sei Dank!«

Das waren die ersten kurzen Fragen und Antworten, welche zwischen Frau Burbank und ihrem Gatten gewechselt wurden.

Nachdem James Burbank seine Frau und die kleine Dy umarmt, erbrach er das ihm überlieferte Schreiben.

Dieser Brief war in Abwesenheit James Burbank's nicht geöffnet worden, Bei der augenblicklichen Lage des Absenders, ebenso wie der seiner Angehörigen in Florida, hatte Frau Burbank gewünscht, daß ihr Gatte der erste sei, der dessen Inhalt kennen lernte.

»Dieser Brief ist jedenfalls nicht mit der Post gekommen? fragte James Burbank.

– Nein, Herr James, antwortete Perry. Das wäre seitens des Herrn Gilbert zu unvorsichtig gewesen.

– Und wer hat es auf sich genommen, ihn zu überbringen?

– Ein Mann aus Georgia, auf dessen Ergebenheit unser junger Lieutenant sich verlassen zu können glaubte.

– Wann ist das Schreiben eingetroffen?

– Gestern.

– Und der Ueberbringer?...

– Ist noch denselben Abend wieder umgekehrt.

– Hoffentlich gut belohnt für seinen Dienst?...

– Ja, lieber Freund, erklärte Frau Burbank, aber schon von Gilbert selbst, so daß er von uns nichts mehr annehmen wollte.«

Die Vorhalle war durch zwei, auf einem Marmortische stehende Lampen erleuchtet, hinter dem Tische stand ein großes Sopha. James Burbank nahm am Tische Platz. Seine Gattin und die kleine Tochter setzten sich neben ihn. Edward Carrol hatte sich, nachdem er seiner Schwester warm die Hand gedrückt, in einen Armstuhl niedergelassen. Zermah und Perry standen neben dem Treppenaufgange. Sie gehörten so vollständig zur Familie, daß der Brief ohne Bedenken in ihrer Gegenwart verlesen werden konnte.

James Burbank hatte das Papier entfaltet.

»Er ist vom 3. Februar, sagte er.

– Schon vier Tage alt, bemerkte Edward Carrol. Das ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen lange Zeit...

– Lies doch, Papa, lies doch!« rief das kleine Mädchen mit einer bei ihrem Alter sehr natürlichen Ungeduld.

Der Brief lautete folgendermaßen:

»An Bord des »Wasbah«, auf der Rhede von Edisto.

Am 3. Februar 1862.

Mein liebster Vater!

Ich umarme zuerst im Geiste meine Mutter, meine kleine Schwester und Dich selbst. Ich vergesse auch nicht meinen Onkel Carrol, und um nichts zu übergehen, sende ich der guten Zermah die herzlichsten Grüße von ihrem Manne, meinem wackeren, treuergebenen Mars. Wir befinden uns Beide so gut wie irgend möglich und hegen das dringendste Verlangen, bald bei Euch zu sein. Das wird auch nicht lange mehr dauern, und sollte uns Herr Perry auch noch so sehr verwünschen, wenn er, der würdige Verwalter, angesichts der unaufhaltsamen Fortschritte des Nordens als eingefleischter Anhänger der Sclaverei seinem Unmuthe Luft macht.«

– Da haben Sie Ihren Theil, Perry, warf Edward Carrol ein.

– Darüber hat Jeder seine eigenen Gedanken!« antwortete Perry wie Einer, der die seinigen auf keinen Fall aufzugeben gewillt schien.

James Burbank fuhr fort:

»Dieser Brief kommt Euch durch einen Mann zu, dem ich trauen kann; seid also in dieser Hinsicht ohne Sorgen. Ihr werdet schon erfahren haben, daß das Geschwader des Commodore Dupont sich der Bai des Port-Royal und der benachbarten Inseln bemächtigt hat. Der Norden überwältigt also nach und nach den Süden. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß die föderalistische Regierung versuchen wird, die Haupthäfen von Florida zu besetzen. Man spricht schon von einer Expedition, welche Dupont und Sherman gegen Ende des Monats gleichzeitig unternehmen werden. Sehr wahrscheinlich würden wir dann die Bai von Saint-Andrews unter unsere Gewalt bringen. Von dort aus wäre man in bequemer Lage, in den Staat Florida selbst einzudringen.

O, wie sehne ich mich, schon dort zu sein, lieber Vater, und selbstverständlich mit unserer siegreichen Flottille! Eure Lage inmitten jener sclavenhaltenden Bevölkerung beunruhigt mich jede Stunde neu. Der Augenblick naht jedoch heran, wo wir zum schönsten Triumphe den Ideen verhelfen werden, welche in Camdleß-Bay stets die herrschenden gewesen sind.

Ach, wenn ich nur, und wäre es blos auf vierundzwanzig Stunden, entweichen könnte, wie würde ich eilen, Euch einmal wiederzusehen! Doch nein, das wäre für Euch und für mich gar zu unklug gehandelt, und es ist besser, sich in Geduld zu fassen. Noch einige Wochen, und wir sind Alle wieder im Castle-House beisammen.

Ich eile zum Schlusse und frage mich nur, ob ich Niemand vergessen habe, meine zärtlichen Grüße zu senden. Ja, wahrhaftig! Da hab' ich den Herrn Stannard und meine liebliche Alice, nach der ich mich ja so herzlich sehne, doch übergangen! Bringt ihrem Vater die wärmsten Grüße und ihr – noch etwas mehr von mir!...

Mit kindlicher Verehrung die innigsten Grüße von

Gilbert Burbank.«

James Burbank hatte auf den Tisch den Brief niedergelegt, den seine Gattin sogleich ergriff und an ihre Lippen führte. Auch die kleine Dy drückte einen herzhaften Kuß auf die Unterschrift ihres Bruders.

»Tüchtiger Junge! sagte Edward Carrol.

– Und ein braver Mann, der Mars! setzte Burbank hinzu mit einem Blicke auf Zermah, welche das kleine Mädchen liebkoste.

– Wir werden Alice benachrichtigen müssen, daß wir einen Brief von Gilbert erhalten haben, ließ Frau Burbank sich vernehmen.

– Ja, ich werde ihr schreiben, erklärte James Burbank. In einigen Tagen muß ich übrigens selbst nach Jacksonville und werde dort Stannard aufsuchen. Seit Gilbert diesen Brief schrieb, können bezüglich der geplanten Expedition schon weitere Nachrichten eingelaufen sein. O, daß unsere Freunde aus dem Norden doch bald kämen und über Florida das Banner der Union von neuem wehen ließen! Hier wird unsere Lage mit der Zeit fast unhaltbar!«

In der That hatte sich mit der Weiterausdehnung des Kriegstheaters nach dem Süden in Florida eine klarliegende Umwandlung der Ansichten über die Frage vollzogen, welche jetzt den Bestand der Vereinigten Staaten gefährdete. Bis zu dieser Zeit hatte sich die Sclaverei in dieser alten spanischen Colonie eigentlich niemals recht entwickelt, und letztere auch nicht mit demselben Feuer wie Virginia und die beiden Carolina an der Bewegung theilgenommen. Bald wußten sich aber einige fanatische Führer an die Spitze der Parteigänger für Beibehaltung der Sclaverei zu setzen. Jetzt beherrschten diese Leute, die nur auf eine Empörung hofften, bei der sie nichts zu verlieren hatten, vielleicht aber viel zu gewinnen dachten, die Behörden sowohl in Saint-Augustine, wie vorzüglich in Jacksonville, wo sie sich auf die Hefe der Bevölkerung stützten. Das war der Grund, warum die Lage James Burbank's, dessen Abstammung und Gedanken Jedermann kannte, sich unter gewissen...



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