Verne | Meister Antifers wunderbare Abenteuer | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 516 Seiten

Verne Meister Antifers wunderbare Abenteuer


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1354-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 516 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1354-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Meister Antifer, eigentlich Pierre-Servan-Malo Antifer, Küstenfahrtskapitän aus Saint-Malo, hat vor Jahren ein Dokument von seinem Vater Thomas Antifer geerbt. Inhalt dieses Dokumentes ist die Angabe einer geographischen Breite, die viele Millionen wert ist, vorausgesetzt, es findet sich die notwendige Ergänzung durch die dazugehörige Länge..... (aus wikipedia.de)

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In der Nacht vom 9. zum 10. Februar wären die Reisenden im Hôtel de l'Union, die die Zimmer nach dem Platz Jacques-Coeur inne hatten, gewiß aus dem tiefsten Schlafe geweckt worden, wenn die Thür des Zimmers Nummer 17 nicht hermetisch geschlossen und mit einem Polsterbelag versehen gewesen wäre, der es verhinderte, daß ein Geräusch von innen nach außen dringen konnte.

Hier thaten nämlich zwei Männer, oder wenigstens einer derselben, ihrem Unmuthe keinen Zwang an, sie sprachen sehr laut, fluchten und stießen Drohungen aus, wie sie nur der ärgste Zorn eingeben kann. Der zweite sachte den ersten zwar zu beruhigen, doch das wollte ihm, so viel Mühe er sich darum auch gab, nicht recht gelingen.

Uebrigens hätte wahrscheinlich niemand von diesem Zwiegespräch etwas verstanden, denn es wurde in türkischer Sprache geführt, die ja im Abendlande nicht viel bekannt ist. Von Zeit zu Zeit fielen dazu freilich auch einzelne französische Worte, ein Beweis, daß die beiden Streitenden recht wohl sich in der hiesigen Landessprache hätten ausdrücken können.

Im Kamin loderte ein lustiges Feuer, und eine, auf einem Tischchen stehende Lampe beleuchtete verschiedene Papiere, die unter einem großen abgenützten Portefeuille halb versteckt lagen.

Der eine der Männer war Ben Omar – mit getäuschtem Gesicht und gesenkten Augen stierte er in die Flammen des Kamins, die weniger Gluth ausstrahlten, als die Augen seines Gefährten.

Dieser war die exotische Persönlichkeit mit wildem Ausdruck und unruhiger Haltung, der der Notar ein unbemerkbares Zeichen gemacht hatte, als Meister Antifer und er am Ende des Hafens miteinander sprachen.

Und dieser Mann wiederholte zum zwanzigsten Male:

»Du hast also keinen Erfolg gehabt?...

– Leider, Excellenz, doch Allah ist mein Zeuge...

– Ich brauche kein Zeugniß, weder von Allah noch von sonst jemand! Es ist Thatsache, daß Dein Versuch gescheitert ist.

– Zu meinem größten Bedauern.

– Der Malouin, den der Teufel rösten möge... (diese Worte wurden französisch gesprochen) hat es abgeschlagen, Dir den Brief auszuliefern?

– Ja, ganz bestimmt.

– Oder ihn Dir zu verkaufen?...

– Dazu war er bereit.

– Und Du hast ihn nicht gekauft, Unseliger?... Er ist nicht in Deinen Händen, und Du trittst mir hier entgegen, ohne ihn mitzubringen?

– Wissen Sie, was er dafür forderte, Excellenz?

– Nun, was liegt daran?

– Fünfzig Millionen Francs!

– Fünfzig Millionen...«

Und wieder flogen die Verwünschungen aus dem Munde des Aegypters wie die Kanonenkugeln einer Fregatte, die von beiden Seiten zugleich feuert. Dann – während er seine Kanonen von neuem lud – fuhr er fort:

»Der Seebär weiß also, Du Schwachkopf von einem Notar, welche Bedeutung diese Geschichte für ihn haben kann?

– Er mag es wohl vermuthen.

– Möge ihn Mohammed erwürgen... und Dich dazu! schrie der zornsprühende Mann, der mit schnellen Schritten im Zimmer auf und ab ging, oder vielmehr, was Dich angeht, werd' ich ihm die Mühe abnehmen, denn ich mache Dich verantwortlich für alles Unglück, das aus der Geschichte entsteht.

– Und doch ist es mein Fehler nicht, Excellenz!... Ich war in die Geheimnisse Kamylk-Paschas nicht genügend eingeweiht.

– Du hättest sie aber kennen, hättest sie ihm entreißen müssen, während er noch lebte, Du, als sein Notar, konntest und mußtest es können!«

Wiederum spien die Stückpforten ganze Breitenlagen von Flüchen hervor.

Dieser schreckliche Mann war niemand anders als Saouk, der Sohn Murads, jenes Vetters von Kamylk-Pascha. Er zählte jetzt dreiunddreißig Jahre. Nach dem Ableben seines Vaters der einzige Erbe seines reichen Verwandten, wäre ihm dessen ungeheures Vermögen zugefallen, wenn dieses seinen habgierigen Händen nicht entzogen gewesen wäre. Der Leser weiß, warum und unter welchen Verhältnissen das geschah.

Wir erzählen hier – nur ganz kurz – die Ereignisse seit der Zeit, wo Kamylk-Pascha Aleppo verlassen hatte und seine Schätze mitnahm, um diese in den Eingeweiden eines unbekannten Felsens zu verbergen.

Einige Zeit nachher, im October 1831, hatte Ibrahim mit zweiundzwanzig Kriegsschiffen, die dreißigtausend Mann Truppen brachten, Gazza, Jaffa und Caissa erobert, und auch Saint Jean d'Acre war im folgenden Jahre am 27. März in seine Hände gefallen.

Es schien also, als ob Palästina und Syrien der Herrschaft der Hohen Pforte entgiltig entrissen werden sollten, als die Einmischung der europäischen Mächte den Sohn Mehemet Ali's in seinem Siegeszuge aufhielt. Im Jahre 1833 wurde den beiden Gegnern, dem Sultan und dem Vicekönig, der Vertrag von Kataye aufgenöthigt, nach dem die Sachen im Status quo ante blieben.

Zum Glück für seine Sicherheit hatte Kamylk-Pascha während dieser unruhigen Zeit seine Schätze in der mit dem Doppel-K bezeichneten Grube verborgen und seine Fahrten weiter fortgesetzt. Wohin ihn seine Brigg-Goëlette unter dem Commando des Kapitän Zo führte, welche nahe oder entfernte Länder und Meere er berührte, das hätte außer seinem Kapitän und ihm kein Mensch zu sagen gewußt, denn bekanntlich kam niemand von der Besatzung je ans Land und die Matrosen wußten niemals, nach welcher Himmelsgegend die Laune ihres Herrn sie geführt hatte.

Nach diesen erfolgreichen Irrfahrten beging Kamylk-Pascha jedoch die Unklugheit, nach der Levante zurückzukehren. Der Friede von Kataye hatte dem ehrzeizigen Vormarsche Ibrahim's Halt geboten, der Norden von Syrien war dem Sultan wieder unterthan, und der reiche Aegypter glaubte deshalb, ohne Gefahr nach Aleppo heimkehren zu können.

Da wollte es das Unglück, daß sein Schiff – es war im Jahre 1834 – durch stürmisches Wetter bis in die Nähe von Saint Jean d'Acre verschlagen wurde. Noch immer in offensiver Haltung, kreuzte die Flotte Ibrahim's hier an der Küste, und auf einem der Schiffe befand sich gerade Murad, der von Mehemet Ali mit einer officiellen Mission betraut worden war.

Die Brigg-Goëlette führte die türkische Flagge am Top. Ob man nun wußte oder nicht, daß diese Kamylk-Pascha gehörte, jedenfalls wurde das Schiff verfolgt, geentert und – nicht ohne vorher muthig vertheidigt worden zu sein – besetzt. Dabei kam dessen Mannschaft ums Leben, die Brigg selbst wurde zerstört und deren Eigenthümer, sowie der Kapitän, gefangen genommen.

Murad erkannte Kamylk-Pascha sofort wieder, und damit hatte dieser seine Freiheit für immer verloren. Einige Wochen später warf man ihn und den Kapitän, die ganz geheim nach Aegypten gebracht worden waren, im Fort von Kairo ins Gefängniß.

Auch wenn es ihm gelungen wäre, sein Haus in Aleppo zu erreichen, hätte Kamylk-Pascha dort schwerlich die gewünschte Sicherheit gefunden. Der Theil von Asien, der vorläufig unter ägyptischer Verwaltung stand, seufzte schwer unter diesem verhaßten Joche. Das dauerte bis 1839, wo die Ausschreitungen der Beamten Ibrahim's so unleidlich geworden waren, daß der Sultan die ihm früher abgenöthigten Concessionen zurückzog. Das veranlaßte einen neuen Feldzug Mehemet Ali's, dessen Truppen den Sieg von Nezib davontrugen. Mahmud sah sich hierdurch selbst in der Hauptstadt der Europäischen Türkei bedroht. Jetzt schritten England, Preußen und Oesterreich zu Gunsten der Pforte ein, und setzten dem Sieger einen Damm entgegen, sicherten ihm jedoch den Besitz Aegyptens und überließen ihm die Verwaltung Asiens vom Rothen Meere an bis zum Tiberiassee im Norden und vom Mittelländischen Meere bis zum Jordan, das heißt ganz Palästinas diesseits dieses Stromes.

Der siegestrunkne Vicekönig, der an die Unüberwindlichkeit seiner Soldaten glaubte und vielleicht von der französischen Diplomatie auf Anregung Thiers' aufgestachelt wurde, lehnte das Angebot der verbündeten Mächte ab. Jetzt traten indeß deren Flotten in die Action ein. Der Commodore Napier bemächtigte sich im September 1840 der Stadt Beyrut trotz der Vertheidigung...



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