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E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Verne Kein Durcheinander


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1348-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1348-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Ein Roman um die Versteigerung des noch unerforschten Teils des Nordpols und eines damit verbundenen Geheimplans.

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Sechstes Capitel. In welchem ein telephonisches Gespräch zwischen Mrs. Scorbitt und J. T. Maston unterbrochen wird.



Der Präsident Barbicane hatte nicht allein versichert, daß er sein Ziel erreichen werde – und jetzt, mit dem nöthigen Capital in der Hand, war er in der Lage, das ohne Rücksicht auf etwaige Hindernisse zu bewahrheiten – sondern er hätte auch sicherlich nicht die Kühnheit gehabt, öffentlich Geldmittel zu suchen, wenn er seiner Sache nicht ganz gewiß gewesen wäre.

Der Nordpol sollte endlich durch den vor nichts zurückschreckenden Menschengeist erobert werden.

Es war eine unumstößliche Thatsache, der Präsident Barbicane und sein Verwaltungsrath besaßen die Mittel und das Zeug dazu, da Erfolge zu erzielen, wo so viele Andere gescheitert waren; sie würden durchführen, was weder einem Franklin oder Kane, noch einem De Long, Nares oder Greely gelingen wollte; sie würden den vierundachtzigsten Breitengrad überschreiten, würden Besitz ergreifen von dem ungeheuren, durch die kürzliche Versteigerung erworbenen Gebiete und dem Banner Amerikas den neununddreißigsten Stern für den neununddreißigsten der Bundesrepublik angegliederten Staat einfügen.

»Windbeuteleien!« wiederholten die europäischen Abgesandten und ihre Anhänger in der Alten Welt.

 Von allen Carricaturen erfreute sich jene des größten Erfolges... (S. 63.)

Und doch konnte gar nichts wahrer sein; das einzig praktische, logische undiscutirbare Mittel, den Nordpol zu bezwingen – ein Mittel von solcher Einfachheit, daß man es hätte ein »kindisches« nennen können – hatte J. T. Maston seinen Clubgenossen angegeben. Diesem Schädel, in dem die Gedanken brodelten wie in einer stets siedenden Gehirnmasse, war der Vorschlag zu diesem großen geographischen Unternehmen, aber auch die Art und Weise, es zu gutem Ende zu führen, entsprungen.

Man vermag gar nicht genug darauf hinzuweisen, daß der Secretär des Gun-Club ein vorzüglicher Rechner war, wir möchten fast sagen ein »ausgedienter«, wenn der gewöhnliche Sprachgebrauch damit nicht einen Sinn verbände, der dem, was wir damit bezeichnen wollen, fast widerspricht. Für ihn war es nur Spielerei, die verwickeltsten Probleme der mathematischen Wissenschaften zu lösen. Er lachte über sogenannte Schwierigkeiten, sowohl in der Lehre von den Größen, d. i. die Algebra, als in der Lehre von den Zahlen, d. i. die Arithmetik. Es hätte ihn nur einer mit den Symbolen sollen umspringen sehen, mit den hergebrachten Zeichen, welche algebraischen Ausdrücken dienen, ob diese nun – wenn Buchstaben des Alphabets – Mengen oder Größen darstellten, oder ob sie – wenn verbundene oder gekreuzte Linien – die Beziehungen versinnbildlichten, welche zwischen den Mengen und den Operationen, denen man diese unterwirft, denkbar erschienen.

O, diese Coëfficienten, die Exponenten, die Radicale, die Index und die übrigen in diese Sprache übernommenen Ausdrücke – wie voltigirten deren Zeichen unter seiner Feder oder vielmehr unter dem Kreidestückchen, das mit dem Ende seines Eisenhakens umherhüpfte, denn er liebte es, an einer schwarzen Tafel zu arbeiten. Hier, auf dieser Fläche von zehn Quadratmetern – mit weniger kam J. T. Maston nicht aus – überließ er sich gänzlich dem Feuer seiner algebristischen Neigungen. Er verwendete bei seinen Rechnungen keine zwerghaften Ziffern, o nein, es waren phantastische, gigantische Zeichen, die er mit wüthender Hand auf die schwarze Unterlage warf. Seine 2 und 3 blähten sich auf wie Papierkoketten auf der Promenade; seine 7 waren Ebenbilder von Galgen, an denen nur der Gehenkte fehlte; seine 8 bogen sich zusammen wie große Brillengestelle, und seine 6 und 9 prahlten mit endlosen Schwänzen.

Und die Buchstaben, mit denen er seine Formeln ausdrückte, die ersten des Alphabets, a, b, c, die er für bekannte oder gegebene Größen anwendete, wie dessen letzte, x, y, z, welche zur Kennzeichnung unbekannter oder zu bestimmender Werthe dienten – wie warf er sie in vollem Zuge, ohne jeden Haarstrich, hin, und vorzüglich seine z, welche sich wie der Zickzack eines Blitzes ausnahmen! Welcher Schwung in seinen griechischen Buchstaben, den p, den l, den o u.s.w., auf welche ein Archimedes oder ein Euklid hätte stolz sein können!

Die Zeichen endlich, welche er mit reiner, steinkornloser Kreide zog, waren einfach wundervoll. Seine + zeigten auf den ersten Blick, daß sie die Addition zweier Mengen andeuteten, und auch seine – erschienen, wenn auch bescheidener, doch noch in respectabler Form. Seine × erhoben sich wie ein Andreaskreuz. Was seine = anging, so bewiesen diese durch ihre genau übereinstimmende Länge, daß J. T. Maston sich in einem Lande befand, wo die Gleichheit keine leere Formel ist, wenigstens so weit die Typen der weißen Rasse in Frage kommen. Dieselbe großartige Factur zeigten seine < seine >, wie seine, in außergewöhnlichen Verhältnissen auftretenden . Was das Zeichen angeht, das Wurzelzeichen einer Zahl oder Menge, so war das sein Triumph, und wenn er es mit dem horizontalen Ausläufer als

hinwarf, so schien dieser Wegweiserarm, der über die schwarze Tafel hinausreichte, gleich die ganze Welt mit seinen außer Rand und Band gerathenen Gleichungen zu bedrohen.

Möge aber Niemand glauben, daß der mathematische Scharfsinn J. T. Maston's sich mit dem Horizonte der elementaren Algebra begnügte. O nein! Weder die Differential- und die Integralrechnung noch die Variationen waren ihm fremd, und mit sicherer Hand zog er jenes berühmte Zeichen der Integration, jenen in seiner Einfachheit erschreckenden Buchstaben die Summe einer Unendlichkeit, unendlich kleiner Elemente.

Dasselbe war der Fall mit dem Zeichen S, welches die Summe einer endlichen Zahl endlicher Elemente darstellt; mit dem Zeichen ~, durch welches die Mathematiker die Unendlichkeit ausdrücken, und mit allen jenen geheimnißvollen Symbolen, deren sich diese, gewöhnlichen Sterblichen unverständliche Sprache bedient.

Kurz, der erstaunliche Mann wäre im Stande gewesen, sich leicht bis zu den letzten Sprossen der hohen Mathematik aufzuschwingen.

Das ist das Bild dieses J. T. Maston; deshalb konnten seine Collegen volles Vertrauen hegen, wenn er daran ging, die wunderlichsten, seinen erfinderischen Hirnwindungen entsprossenen Aufgaben rechnerisch zu lösen. Das hatte auch den Gun-Club bestimmt, ihm das Problem der Entsendung eines Geschosses von der Erde nach dem Monde zu übertragen, und das war auch die Ursache, daß Mrs. Evangelina Scorbitt, geblendet von seinem Ruhme, ihm eine Bewunderung entgegenbrachte, welche schon nahe an Liebe grenzte.

Im vorliegenden Falle – das heißt bezüglich der Lösung des Problems der Bezwingung des Nordpols – brauchte sich J. T. Maston gar nicht in die höchsten Regionen der Analyse zu versteigen. Um den neuen Concessionären der arktischen Gebiete deren Ausbeutung zu ermöglichen, sah sich der Schriftführer des Gun-Club nur vor die Lösung eines mechanischen Problems gestellt – eines Problems, das zweifelsohne seine Schwierigkeiten haben und geistvolle, vielleicht neue Formeln erfordern würde, welches er jedoch mit Ehren zu lösen hoffte.

Ja, man konnte sich wohl auf J. T. Maston verlassen, obgleich der geringste Fehler seinerseits vielleicht den Verlust von Millionen bedeutete. Noch niemals seit dem Alter, wo sein Kinderkopf sich mit den Anfangsgründen der Arithmetik beschäftigte, hatte er sich einen Fehler – nicht einmal den eines Mikrons1 – zu Schulden kommen lassen, wenn seine Rechnung gerade die Messung einer Längengröße betraf. Hätte er sich auch nur bei einer zwanzigsten Decimalziffer geirrt, so würde er nicht gezaudert haben, seinen Guttaperchaschädel in die Luft zu sprengen.

Es kam uns darauf an, diese bemerkenswerthen Fähigkeiten J. T. Maston's besonders hervorzuheben. Nachdem das geschehen, müssen wir ihn in Thätigkeit zeigen zu diesem Zwecke aber nothwendig um einige Wochen zurückgehen.

Etwa einen Monat vor der Veröffentlichung des an die Bewohner der Alten und der Neuen Welt gerichteten Documentes hatte J. T. Maston es übernommen, die Elemente des in Frage stehenden Projectes, dessen wunderbare Consequenzen er seinen Clubgenossen so lebhaft geschildert, ziffermäßig festzustellen.

Seit einer Reihe von Jahren schon wohnte J. T. Maston in Nr. 179 der Franklin-Street, einer der ruhigsten Straßen von Baltimore und fern von dem geschäftlichen Getriebe, von dem er...



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