Verne | Die Leiden eines Chinesen in China | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 294 Seiten

Verne Die Leiden eines Chinesen in China


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1334-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 294 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1334-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Der Roman spielt in China am Ende des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte des jungen, reichen Chinesen Kin-Fo, der das Leben als solches nicht zu schätzen weiß. Dank seines Reichtums musste er nie erfahren, was es bedeutet, glücklich oder unglücklich zu sein. Er kennt den Unterschied nicht. Als er jedoch bei Spekulationen sein gesamtes Vermögen verloren glaubt, schließt er bei einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft eine Lebensversicherung ab, die auch das Ableben durch Selbstmord mit einschließt. Dadurch möchte er seine geliebte Freundin und seinen besten Freund, den Philosophen Wang, nach seinem Tode finanziell absichern. Wang, der in früheren Zeiten einst ein Mörder und Rebell war, solle ihm das Leben nehmen, damit die Versicherungssumme ausgezahlt werden könne. Als Kin-Fo nach der Erteilung dieses Mordauftrags plötzlich erfährt, dass er gar nicht bankrott sei, beginnen seine persönlichen Drangsale. Plötzlich möchte er nicht mehr sterben und deshalb verhindern, durch seinen treuen und zuverlässigen Freund ins Jenseits befördert zu werden. Doch Wang ist unauffindbar... (aus wikipedia.de)

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Sechstes Capitel. Das dem Leser vielleicht Lust macht, einen Gang nach den Bureaux der »Hundertjährigen« zu machen.



Am folgenden Tage verließ Kin-Fo, der die gewohnte Mißachtung aller Dinge dieser Welt auch nicht einen einzigen Augenblick verleugnete, allein seine Wohnung. Mit stets unverändertem Schritt wanderte er am rechten Ufer des Creek dahin. An der Holzbrücke angelangt, welche die englische Niederlassung mit der amerikanischen verbindet, überschritt er den Fluß und wendete sich nach einem hübschen Hause zwischen der Missionskirche und dem Consulate der Vereinigten Staaten.

An der Vorderseite dieses Hauses prangte ein großes Kupferschild, auf dem in riesigen Buchstaben folgende Inschrift zu lesen war:

Die Hundertjährige.

Gesellschaft für Lebens- und Feuerversicherung.

Garantiecapital: 20,000.000 Dollars.

Generalagent: William J. Bidulph.

Kin-Fo öffnete die Thür, hinter der sich noch eine zweite gepolsterte Flügelthür befand, und trat in ein durch zwei armhohe Geländer getheiltes Bureau ein.

Verschiedene Pappbände, Bücher mit Nickelschlössern, ein amerikanischer diebessicherer Geldschrank mit Selbstvertheidigung, ferner zwei oder drei Tische, an der die Gehilfen der Agentur arbeiteten, nebst einem vielfächerigen Schreibtische des ehrenwerthen William J. Bidulph: das war die Ausstattung dieses Raumes, der mehr einem Haus des Broadway als einem Gebäude an den Ufern des Wusung anzugehören schien.

William J. Bidulph war in China der Generalagent einer Lebens- und Feuerversicherungs-Gesellschaft, die ihren Sitz in Chicago hatte. Die in den Vereinigten Staaten sehr wohlangesehene »Hundertjährige« – gewiß ein verlockender Titel, der ihr Clienten gewinnen mußte – besaß Zweigniederlassungen und Vertreter in allen fünf Erdtheilen. Sie machte ungeheure und ausgezeichnete Geschäfte, Dank ihrer ebenso umfassenden als liberalen Statuten, welche es erlaubten, sich gegen jede denkbare Gefahr zu versichern.

Auch die Bewohner des Himmlischen Reiches befreundeten sich allmälich mit dem zeitgemäßen Ideenstrom, der die Cassen dieser und ähnlicher Gesellschaften füllte. Sehr viele Gebäude im Reiche der Mitte waren schon gegen Brandschäden versichert, und auch die Policen für den Todesfall trugen, eben wegen der Vielfältigkeit ihrer Bedingungen, chinesische Unterschriften schon in großer Anzahl. Das Schild der »Hundertjährigen« glänzte bereits über vielen Thüren in Shang-Haï und unter Anderem auch über dem reich geschmückten Säuleneingange zu Kin-Fo's Yamen. Sein Hab und Gut gegen Feuer zu versichern, das konnte der Grund also nicht sein, weshalb der Schüler Wang's jetzt dem erwähnten William J. Bidulph einen Besuch abstattete.

»Herr Bidulph?« fragte der Eintretende.

William J. Bidulph war bei der Hand, »in Person«, wie der Photograph, der allein arbeitet, stets dem Publikum zu Diensten bereit ist – ein Mann von vierzig Jahren in tadelloser schwarzer Kleidung mit weißer Cravate und bis auf den Schnurrbart ein ganzer Amerikaner.

»Mit wem hab' ich die Ehre? fragte William J. Bidulph.

– Mein Name ist Kin-Fo aus Shang-Haï.

– Ah, Herr Kin-Fo, einer der Clienten der »Hundertjährigen«, Police Nummer 27.200....

– Ganz richtig.

– Es würde mich ungemein freuen, Ihnen zu Diensten sein zu können.

– Ich möchte Sie unter vier Augen sprechen!« antwortete Kin-Fo.

Die Verhandlung zwischen den beiden Männern ging um so leichter von statten, als William J. Bidulph ebensogut chinesisch sprach, wie Kin-Fo englisch.

Der reiche Client wurde also mit der ihm gebührenden Zuvorkommenheit in ein Nebencabinet geführt, das mit dicken Tapeten geschmückt und mit Doppelthüren versehen war, wo man über den Umsturz der Dynastie der Tsing ruhig hätte verhandeln können, ohne Gefahr, von den seinen Ohren der Tipaos des Himmlischen Reiches gehört zu werden.

»Mein Herr, begann Kin-Fo, als sich Beide im Schaukelstuhle vor einem mit Gas geheizten Kamin niedergelassen hatten, ich wünschte mit Ihrer Gesellschaft zu verhandeln, um im Falle meines Todes, die Auszahlung eines Capitals, dessen Höhe sofort bestimmt werden soll, zu erlangen.

– O, die einfachste Sache von der Welt, antwortete William J. Bidulph; zwei Unterschriften, die Ihrige und die meinige unter einem Policebogen, und die Versicherung ist, bis auf Erfüllung einiger unwesentlicher Formalitäten, abgeschlossen. Doch, Sie erlauben mir eine Frage.... Sie haben doch den Wunsch, nur in sehr hohem Alter zu sterben, der ja übrigens ein sehr natürlicher ist?

– Warum? fragte Kin-Fo. Gewöhnlich deutet der Abschluß einer Lebensversicherung doch weit mehr darauf hin, daß man eher einen frühzeitigen Tod befürchtet...

– O, mein Herr, erwiderte William J. Bidulph ganz ernsthaft, von einer solchen Furcht kann bei den Clienten der »Hundertjährigen« nicht die Rede sein! Sagt das nicht schon der Name unserer Gesellschaft? Glauben Sie sicher, man erwirbt sich hier die gesicherte Aussicht auf ein sehr langes Leben! Ich bitte um Verzeihung, aber es ist sehr selten, daß unsere Versicherten nicht das hundertste Lebensjahr überschreiten... sehr... sehr selten!... In deren Interesse sollten wir allerdings ihr Leben abzukürzen suchen! Eben aus genannter Ursache erfreut sich ja unsere Gesellschaft einer so hohen Blüthe. Nein, ich wiederhole Ihnen, mein Herr, wer sich in der »Hundertjährigen« einkauft, gewinnt damit fast die Gewißheit, selbst ein solcher Hundertjähriger zu werden!

– So!« bemerkte Kin-Fo gelassen, indem er William J. Bidulph mit frostigen Blicken musterte.

Der Generalagent, der so ernsthaft sprach wie ein Minister, hatte aber gar nicht das Aussehen, als könne er jemals scherzen.

»Sei dem, wie ihm wolle, fuhr Kin-Fo nach kurzer Unterbrechung fort, ich möchte mich mit 200.000 Dollars versichern.

– Ganz recht! Wir sagen also für ein Capital von 200.000 Dollars!« antwortete William J. Bidulph ebenso ruhig.

Und er notirte die Zahl in seinem Buche, als hätte es sich um zehn Dollars gehandelt.

»Es ist Ihnen bekannt, fügte er hinzu, daß die Versicherung erlischt und die bezahlten Prämien, ohne Rücksicht auf deren Betrag, der Gesellschaft verfallen, wenn die Person, auf deren Kopf die Versicherung lautet, durch die That des über die stattgefundene Versicherung unterrichteten Erbberechtigten um's Leben kommt?

– Das weiß ich.

– Und welche Risiken gedenken Sie zu versichern, geehrter Herr?

– Alle.

– Die Gefahren der Reise zu Land und Wasser und auch die eines Aufenthaltes außerhalb der Grenzen des Himmlischen Reiches?

– Ja.

– Das Risico eines gerichtlichen Todesurtheils.

– Gewiß.

– Das eines Zweikampfes?

– Ebenso.

– Das Risico des Militärdienstes?

– Ja wohl.

– Dann wird die Prämie aber ziemlich hoch ausfallen?

– Mag sein, ich bezahle sie.

– Wie Sie wünschen.

– Aber, begann Kin-Fo, es giebt ja noch ein Risico, von dem Sie kein Wort erwähnen.

– Und das wäre?

– Der Selbstmord; ich glaubte, die Statuten der »Hundertjährigen« ließen auch eine Versicherung hiergegen zu.

– Ei freilich, mein Herr, ganz gewiß, antwortete William J. Bidulph, der sich schon die Hände rieb. Das ist sogar unsere reichste Einnahmequelle. Sie begreifen, daß...



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