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E-Book, Deutsch, 463 Seiten

Verne Die Jangada


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1336-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 463 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1336-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Hauptfigur ist Joam Garral, der Eigentümer einer Hacienda und Plantage ist, die jenseits der brasilianischen Grenze in Peru am Ufer des Amazonas liegt. Joam Garral wurde vor Beginn der eigentlichen Handlung als junger Mann halbverhungert im Urwald aufgefunden und von dem Portugiesen Magalhaes, dem Begründer der Hazienda gesundgepflegt und in die Familie aufgenommen. Joam Garral heiratete Magalhaes Tochter und übernahm die Leitung der Hazienda, reiste jedoch niemals nach Brasilien. Die eigentliche Handlung des ersten Bandes setzt 23 Jahre später ein, als Minha, die Tochter Joam Garrals heiraten will. Die Hochzeit soll bei den Schwiegereltern, die in Belém leben, gefeiert werden. Für die Reise lässt Joam Garral ein riesiges Floß, die Jangada, bauen, auf dem ein komplettes Dorf einschließlich Kirche Platz findet..... (aus wikipedia.de)

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»Der größte Fluß der ganzen Welt!«1 sagte am folgenden Tage Benito zu Manoel Valdez.

Beide saßen eben an der Südgrenze der Fazenda am Uferabhang und betrachteten die aus der Andenkette herkommende Wassermasse, welche sich hier langsam dahinwälzte, um sich nach einem Laufe von achthundert Meilen im Atlantischen Ocean zu verlieren.

»Und derjenige Strom, welcher dem Meere die beträchtlichste Wassermenge zuführt! setzte Manoel jenen Worten hinzu.

– Eine so beträchtliche, fuhr Benito fort, daß jenes noch sehr weit von dessen Mündung keinen Salzgehalt aufweist und Schiffe in der Entfernung von vierundzwanzig Meilen aus ihrem Kurse getrieben werden.

– Ein Fluß, dessen Lauf sich über eine Strecke von dreißig Längengraden ausdehnt.

– Und in einem Becken, das von Norden nach Süden nicht weniger als fünfundzwanzig Grad mißt.

– Ein Becken! rief Benito, ist sie ein Becken zu nennen, diese ungeheure Ebene, durch welche der Riese unter den Flüssen strömt, diese Savanne, welche sich auf unsichtbare Ferne hinausstreckt, ohne einen Hügel, um von einer Steigung derselben sprechen zu können, ohne einen Berg, der dieselbe am Horizonte begrenzte?

– Und in seiner ganzen Ausdehnung, fuhr Manoel fort, gleich den tausend Fühlfäden eines gigantischen Cephalopoden, zweihundert, von Norden oder Süden herzuströmende Nebenflüsse, jeder derselben gespeist von zahlreichen Armen, neben welchen die Ströme Europas nur wie Bäche erscheinen!

– Eine Wasserader, in der fünfhundertsechzig Inseln – die Eilande ungezählt, welche theils mitten im Flußbette liegen, theils nur durch die Fluthen vom Ufer abgerissen wurden – einen Archipel bilden, aus dem man allein schon ein Königreich machen könnte!

– Und zu seinen Seiten Kanäle, Lagunen und Seen, wie man sie weder in der Schweiz, der Lombardei, noch in Schottland oder Canada wiederfindet!

– Ein Strom, der mit seinen Zuflüssen binnen einer Stunde nicht weniger als zweihundertfünfzig Millionen Kubikmeter Wasser in den Atlantischen Ocean entleert!

– Ein Strom, der die Grenze zweier Republiken bildet und sich majestätisch durch das größte Reich Südamerikas dahinwälzt, als wäre es der Stille Ocean selbst, der sich hier durch einen Kanal in den Atlantischen Ocean ergösse!

– Und durch welche Mündung! Ein Meeresarm, in dem eine Insel, Marajo, einen Umfang von mehr als fünfhundert Meilen aufweist!...

– Und dessen Wassermassen der Ocean nicht anders zurückdrängen kann, als durch einen fürchterlichen Kampf zur Zeit des Neu- und Vollmondes, durch die bekannte »Pororoca«, eine Springfluthwelle, gegenüber der alle ähnlichen Erscheinungen in den anderen Flüssen nur wie kleine Wellen erscheinen, welche sich unter sanfter Brise kräuseln!

– Ein Strom, zu dessen Bezeichnung kaum drei Namen ausreichen und den Schiffe mit dem größten Tonnengehalt von seiner Mündung aus fünftausend Kilometer weit hinaussegeln können, ohne ihre Ladung zu vermindern!

– Ein Strom, der durch sich selbst und durch seine Nebenflüsse und deren Verzweigungen dem Handel eine Wasserstraße durch den ganzen Norden Südamerikas bietet, welche sich vom Magdalena bis zum Ortequaza, von diesem zum Caqueta, vom Caqueta bis zum Putumayo und von letztgenanntem bis zum eigentlichen Amazonenstrom erstreckt! Viertausend Meilen Wasserstraße, welche nur die Anlegung weniger Kanäle erforderte, um durch das ganze ungeheure Netz hin schiffbar zu werden!

– Wahrlich das wunderbarste und ausgedehnteste hydrographische System, welches die Erde bietet!«

Die beiden jungen Leute sprachen in einer Art Verzückung über den unvergleichlichen Strom. Sie waren ja eigentlich Kinder desselben, des Amazonas, dessen Nebenflüsse »Wege darstellen, welche gehen« und sich durch ganz Bolivia, Peru, Ecuador, Neu-Granada, Venezuela und durch das englische, französische, holländische und brasilianische Guyana verbreiten.

Wie viel Völker, wie viel Racen giebt es, deren Ursprung sich in altersgrauen Zeiten verliert! Ganz ähnlich ergeht es den großen Strömen des Erdballes. Ihre wirkliche Quelle entzieht sich zum Theile noch immer jeder Nachforschung. Meist streiten mehrere Staaten um die Ehre, ihre Wiege zu bilden. Der Amazonenstrom macht von diesem Gesetz keine Ausnahme Peru, Ecuador und Columbia haben sich lange Zeit um diese glorreiche Vaterschaft gestritten.

Heute erscheint es ziemlich zweifellos, daß der Amazonenstrom in Peru entspringt, und zwar in dem zur Intendanz von Tarma gehörigen Districte Huanaco, wo er, zwischen dem elften und zwölften Grade südlicher Breite, aus dem Lauricocha-See abfließt. Wer aber behauptet, daß er in Bolivia und zwar aus den Bergen beim Titicaca-See herrühre, der müßte nachweisen, daß der wirkliche Quellstrom des Amazonenstromes der Ucayali wäre, der aus der Vereinigung des Para und des Apurimac entsteht; diese Ansicht kann jedoch nicht mehr als begründet erachtet werden.

Beim Austritt aus dem Lauricocha-See wendet sich der Fluß auf einer Strecke von fünfhundertsechzig Meilen nach Nordosten und nimmt erst nach der Verbindung mit einem mächtigen Zuflusse, dem Panta, eine östliche Richtung an. Auf columbischem und peruanischem Gebiete heißt er bis zur Grenze Brasiliens Marañon oder vielmehr Maranhao, denn Marañon ist nur der gallisirte portugiesische Name. Von der Grenze Brasiliens bis Manao, wo sich der prächtige Rio Negro in denselben ergießt, nimmt er nach den Solimac-Indianern, von denen sich in den Ufergebieten noch einige Ueberreste vorfinden, den Namen Solimaës oder Solimoens an. Von Manao bis zum Meere heißt er dann Amasenas oder Fluß der Amazonen, ein Name, der von Spaniern herrührt, von Nachkömmlingen jenes Abenteurers Orellana, dessen enthusiastische, wenn auch nicht glaubhafte Schilderungen den Gedanken erweckten, es siedle am Rio Nhamunda, einem kleinen Nebenarme des großen Stromes, ein ganzer Stamm kriegerischer Frauen, was er aus der Aehnlichkeit jenes Namens mit unserem Worte »Amazonen« herleitete.

Schon in der Nähe seines Ursprunges kann man erkennen, daß sich der Amazonenstrom zu einem bedeutenden Wasserlaufe entwickeln werde. Seinen Lauf hemmen keinerlei Hindernisse von der Quelle ab bis zu jenem Punkte, wo er, etwas eingeengt, zwischen zwei ungleich hohen Felsenketten dahinrauscht. Wasserfälle bildet er erst an der Stelle, wo er direct nach Osten abbiegt, während er die mittlere Bergkette der Anden durchbricht. Hier finden sich mehrere Katarakte, ohne welche er von der Mündung bis zur Quelle schiffbar wäre. Jedenfalls ist er, wie schon Humboldt bemerkte, zu vier Fünftel seines Laufes für den Schiffsverkehr geeignet.

Von Anfang an fehlt es ihm auch nicht an Zuflüssen, welche wiederum durch eine große Anzahl Nebenflüsse gespeist werden. Dazu gehört z. B. auf der linken Seite, der von Norden herströmende Chinchipe; auf der rechten, der von Südosten kommende Chachapuyas, ferner links der Marona und Pastuca, und zur Rechten der Guallaga, der sich in der Nähe der Mission de la Laguna in denselben ergießt. Von links her kommen weiter der Chambyra und der Tigré von Nordosten, von rechts der Huallaga, der zweitausendachthundert Meilen vom Atlantischen Ocean in denselben mündet und auf dem Fahrzeuge noch zweihundert Meilen weiter bis in's Herz von Peru gelangen können. Zur Rechten endlich, nahe den Missionen von San Joachim d'Omaguas, vereinigt sich mit ihm, nachdem er seine majestätischen Wassermassen durch die Pampas von Sacramento dahingewälzt hat, der herrliche Ucayali, an der Stelle, wo das obere Becken des Amazonenstromes endigt, eine gewaltige Wasserader, genährt von den zahllosen Zuflüssen aus dem Chucuito-See im Nordosten von Arica.

Das sind die Hauptflüsse oberhalb des Dorfes Iquitos. Stromabwärts werden diese Nebenarme so mächtig, daß die Betten der europäischen Flüsse viel zu eng wären, um dieselben aufzunehmen. Diese Nebenarme wollte Joam Garral und seine Angehörigen aber bei Gelegenheit ihrer Thalfahrt auf dem Amazonenstrome wenigstens an deren Mündung selbst kennen lernen.

Zu den Reizen jenes Stromes ohne Gleichen, der das schönste Land der Erde bewässert, wobei er sich immer wenige Grade unterhalb des Aequators hält, tritt noch eine Eigenschaft hinzu, deren sich weder der Nil, noch der Mississippi, oder der Livingstone, der frühere Congo-Zaïre-Lualaba, rühmen kann. Man weiß jetzt, trotz der gegentheiligen Behauptung früherer, offenbar schlecht unterrichteter Reisender, daß der Amazonenstrom einen sehr gesunden Theil Südamerikas durchläuft. Der Ostpassat streicht frei durch sein...



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