E-Book, Deutsch, 334 Seiten
Verne Der Südstern
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1340-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 334 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1340-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Ein spannender Roman um Diamanten und das Land Südafrika. Jules Verne gilt als einer der bekanntesten Autoren klassischer Abenteuerromane.
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Man wird gerne zugestehen, daß der Inhalt dieses Gesprächs für den jungen Ingenieur nicht besonders angenehm war. Er konnte einer solchen Bemäkelung der Ehrenhaftigkeit des Mannes, den er noch immer heimlich als zukünftigen Schwiegervater betrachtete, keinen Geschmack abgewinnen. Deshalb gewöhnte er sich auch bald, die Ansichten des Jacobus Vandergaart über die Angelegenheit mit der Kopje als einer fixen Idee entsprungen zu betrachten, von der man gewiß Vieles abziehen müsse.
John Watkins, dem gegenüber er diese Sache einmal mit zwei Worten erwähnte, hatte erst statt aller Antwort laut aufgelacht und dann den Zeigefinger unter Kopfschütteln an die Stirne gelegt, wie um auszudrücken, daß es mit dem Verstande des alten Vandergaart nicht mehr ganz richtig sei.
War es denn nicht wirklich möglich, daß der Greis unter dem Eindruck der Entdeckung der Diamantenmine sich ohne hinreichenden Grund nur in den Kopf gesetzt hatte, dieselbe sei eigentlich sein Eigenthum? Jedenfalls hatte doch das Gericht ihm allseitig Unrecht gegeben, und man durfte doch als unwahrscheinlich ausschließen, daß die Richter absichtlich Recht für Unrecht angesehen hatten. Das sagte sich der junge Ingenieur zur Selbstentschuldigung, wenn er noch ferner mit John Watkins Umgang pflog, nachdem er erfahren, was Jacobus Vandergaart über diesen dachte.
Ein anderer Lagernachbar, bei dem Cyprien gelegentlich einmal gern vorsprach, weil er bei diesem das Leben des Boers in seiner ursprünglichen Färbung antraf, war ein Farmer Namens Mathys Pretorius, der unter allen Diamantengräbern des Griqualandes wohl bekannt war.
Obgleich erst vierzig Jahre alt, war doch Mathys Pretorius schon lange am weiten Becken des Oranjeflusses herumgeirrt, ehe er sich in diesem Lande ansiedelte. Das Nomadenleben hatte auf ihn aber nicht, wie auf Jacobus Vandergaart, die Wirkung, ihn magerer und reizbarer zu machen. Er war dabei vielmehr dick und fett, und das in solchem Maße geworden, daß er sich kaum auf den Füßen bewegen konnte. Man hätte ihn mit einem Elephanten vergleichen können.
Fast stets in einem ungeheuren Holzlehnstuhle sitzend, der ganz eigens für ihn gebaut war, um seine gewaltigen Körperformen aufzunehmen, verließ Mathys Pretorius das Haus nur im Wagen, in einer Art Preschwagen aus Weidengeflecht, vor den ein riesiger Strauß gespannt war. Die Leichtigkeit, mit welcher der Stelzfüßler die enorme Masse hinter sich herzog, lieferte einen sprechenden Beweis für die gewaltige Kraft seiner Muskeln.
Mathys Pretorius kam gewöhnlich nur nach dem Lager, um mit den Cantinenwirthen einen Handel in Gemüse abzuschließen. Er war höchst populär, leider von wenig beneidenswerther Popularität, weil diese sich auf seine ganz außergewöhnliche Verzagtheit gründete. Die Steingräber machten sich's auch häufig zum Vergnügen, ihm durch Erzählungen von tausend Dummheiten einen entsetzlichen Schrecken einzujagen.
Bald wurde ihm ein bevorstehender Einfall von Basutos oder Zulus gemeldet; bald wieder stellte man sich in seiner Gegenwart so, als lese man in einer Zeitung einen Gesetzvorschlag, wonach in den englischen Besitzungen jedes Individuum von über dreihundert Pfund Gewicht den Tod erleiden sollte Oder man ließ ihn auch hören, daß sich ein toller Hund auf der Straße von Driesfontein gezeigt habe, und der arme Mathys Pretorius, der diesen Weg einschlagen mußte um nach Hause zu gelangen, erfand dann tausend Ausflüchte, um im Lager zurückzubleiben. Seine eingebildeten Befürchtungen verschwanden jedoch noch immer gegenüber der ernsthaften Angst, die ihn wegen etwaiger Entdeckung einer Diamantenmine auf seinem Grund und Boden plagte.
Lî mit seinem Wäschkorb. (S. 67.)
Er entwarf sich schon im Voraus ein entsetzliches Gemälde von dem, was dann geschehen müsse, wenn die habgierigen Menschen über seinen Gemüsegarten herfielen, seine Beete umwühlten und ihn dann gar an die Luft setzten! Die Engländer würden schon Anhaltspunkte finden, ihm nachzuweisen, daß das Land eigentlich ihnen gehöre.
Die Armen stammten aus dem Berglande. (S. 69.)
Wenn sich solche düstere Vorstellungen seines Gehirns bemächtigten, schnürten sie ihm fast die Kehle zu. Wenn er unglücklicher Weise einen »Prospecteur«1 sah, der um sein Gehöft umherirrte, so konnte er weder essen noch trinken, und dennoch wurde der Mann alle Tage dicker.
Einer seiner hartnäckigsten Verfolger war jetzt Annibal Pantalacci. Der boshafte Neapolitaner – der nebenbei sehr gut zu gedeihen schien, denn er ließ drei Kaffern in seinem Claim arbeiten und trug einen sehr großen Diamanten im Brustlatze des Hemdes – hatte bald die Schwäche des unglücklichen Boers herausgefunden So machte er sich wenigstens einmal jede Woche das ziemlich zweifelhafte Vergnügen, in der Umgebung der Farm Pretorius Bodenuntersuchungen anzustellen oder wenigstens die Erde oberflächlich aufzugraben.
Das Gebiet dieser Farm erstreckte sich am linken Ufer des Vaal etwa zwei Meilen über das Lager hinaus und enthielt Alluvialboden, der in der That recht wohl Diamanten bergen konnte, obwohl bis auf den heutigen Tag dafür kein weiterer Beweis erbracht worden war.
Um diese alberne Komödie desto wirksamer zu machen, hielt Annibal Pantalacci darauf, stets in Sicht und vor den Fenstern Mathys Pretorius' Aufstellung zu nehmen, und meist schleppte er auch mehrere Kameraden mit, um denselben durch seine Neckereien einen Spaß zu bereiten.
Dann konnte man sehen, wie der, hinter den Baumwollenvorhängen halb erstarrte Mann ängstlich ihren Bewegungen folgte, jede Miene der Leute belauschte und sich immer bereit hielt, nach dem Stall zu laufen, um seinen Strauß einzuspannen und zu entfliehen, wenn er einen feindlichen Einfall in sein Gebiet befürchten zu müssen glaubte.
Warum hatte er aber auch das Unglück gehabt, einem seiner Freunde anzuvertrauen, daß er Tag und Nacht seinen Zugvogel angezäumt halte und die Sitzkasten seines Wagens schon mit Mundvorrath versehen habe, um bei den ersten entscheidenden Erscheinungen Reißaus nehmen zu können?
»Dann gehe ich zu den Buschmännern! sagte er. Schon vor zehn Jahren trieb ich mit ihnen Elfenbeinhandel, und ich versichere Ihnen, es ist hundertmal besser, inmitten der Wilden und der Löwen und Schakals zu leben, als unter diesen unersättlichen Engländern zu wohnen!«
Der Vertraute des unglücklichen Farmers hatte aber – nach unveränderlicher Gewohnheit aller Vertrauten – nichts Eiligeres zu thun, als diese seine Projecte aller Welt auszuschwatzen. Es braucht also kaum darauf hingewiesen zu werden, daß Annibal Pantalacci sich das zu nutze machte, die Leute in der Kopje weidlich zu amüsiren.
Ein anderes gewöhnliches Opferlamm der schlechten Späße des Neapolitaners war und blieb der Chinese Lî.
Auch dieser hatte sich bei der Vandergaart-Kopje niedergelassen und eine Waschanstalt gegründet. Es ist ja bekannt, daß die Kinder des Himmlischen Reiches sich auf das Geschäft als Wäscher vortrefflich verstehen.
Der berüchtigte rothe Kasten, der Cyprien so viel Kopfzerbrechen verursacht hatte, als er sich in den ersten Tagen auf der Reise nach dem Griqualande befand, enthielt nichts als Bürsten, Soda, Seifenriegel und Neublau. Für einen intelligenten Chinesen reichte das schon aus, um hier zu Lande sein Glück zu machen.
Cyprien konnte sich wirklich nicht enthalten, aufzulachen, wenn er Lî ganz ernsthaft und schweigend und beladen mit einem großen Korbe begegnete, in welchem dieser seinen Kunden die Wäsche überbrachte.
Dagegen ärgerte es ihn, zu sehen, wie wahrhaft roh sich Annibal Pantalacci gegen den armen Teufel benahm. Er warf ihm Tintenflaschen in seinen Waschzuber, spannte vor seiner Thür Seile aus, um ihn zu Falle zu bringen, und befestigte ihn an seiner Bank, indem er einen Nagel durch seine Blouse trieb. Vor Allem verfehlte er niemals, ihn, wenn sich irgend die Gelegenheit bot, mit einem Fußtritte zu regaliren und ihn »Hund von einem Heiden« zu schimpfen. Und wenn er ihm die eigene Kundschaft aufgenöthigt hatte, so geschah das nur, um wenigstens wöchentlich einmal solche Rohheiten ausführen zu können. Niemals fand er seine Wäsche in gutem Zustande, obgleich Lî sie mit größter Sorgfalt wusch und bügelte. Das kleinste falsche Fältchen setzte ihn in den wildesten Zorn und er behandelte den bedauernswerthen Chinesen, als ob dieser sein Sclave gewesen...




