Verne | Das Karpatenschloß | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

Verne Das Karpatenschloß


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1350-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1350-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Eine romantische Abenteuergeschichte um ein Schloß in den Karpaten, das lange Jahre verlassen war und nun wieder zum bewohnt ist.

Verne Das Karpatenschloß jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Fünftes Capitel.



Am folgenden Morgen machten sich Nic Deck und Doctor Patak gegen neun Uhr zum Aufbruch bereit. Der Forstwächter beabsichtigte den Bergrücken des Vulcan zu ersteigen, um sich so auf kürzestem Wege nach der Burg zu begeben.

Nach dem Auftreten des Rauches auf dem Wartthurme und nach der seltsamen Erfahrung mit der in der Gaststube des »König Mathias« gehörten Stimme, kann es nicht Wunder nehmen, daß die gesammte Bevölkerung ganz aus dem Häuschen war. Einige Zigeuner sprachen schon davon, das Land zu verlassen. In den Familien unterhielt man sich von nichts Anderem... und auch nur mit ganz leiser Stimme. Wer hätte denn noch gewagt zu läugnen, daß es einen Teufel, den »Chort« gebe, der von jener an den jungen Forstmann gerichteten Warnung Kenntniß hatte? In Jonas' Wirthshause waren ja wenigstens fünfzehn der glaubwürdigsten Personen anwesend gewesen, die jene merkwürdigen Worte selbst mit vernommen hatten, so daß die Annahme, sie wären nur das Opfer einer Sinnestäuschung gewesen, ganz unhaltbar erschien.

Nein, hier gab es keinen Zweifel; Nic war unter Nennung seines Namens gewarnt worden; ihm sollte ein Unglück widerfahren, wenn er wirklich so kühn war, das Karpatenschloß zu durchsuchen.

Und der junge Forstmann wollte das noch obendrein unternehmen, ohne daß er dazu gezwungen war. Obwohl Meister Koltz viel daran gelegen sein mußte, das Geheimniß der Burg zu entschleiern, und obwohl das ganze Dorf ein Interesse daran hatte zu erfahren, was dort in der That vorging, hatte man doch keine Mühe gespart, Nic zur Zurücknahme seiner Worte zu bestimmen. Verweint, verzweifelt, die Augen noch voller Thränen hatte Miriota ihn angefleht, sich das Abenteuer aus dem Sinne zu schlagen. Schon vor jener geheimnißvollen Warnung erschien das ja sehr ernst, nach derselben war es ein geradezu sinnloses zu nennen. Jetzt, fast am Vorabend seiner Hochzeit, wollte Nic sein Leben bei einem solchen tollen Versuche auf's Spiel setzen, und selbst seine Verlobte, die vor ihm auf den Knien lag, vermochte ihn nicht davon abzubringen.

Auf den Forstwächter machten indeß, ebenso wie die Beschwörungen seiner Freunde, die Thränen Miriotas keinen merklichen Eindruck. Das verwunderte übrigens Niemand. Die Leute kannten ja seinen entschlossenen Charakter, seine Zähigkeit, um nicht zu sagen, seine Starrsinnigkeit. Er hatte einmal gesagt, daß er in das Karpatenschloß gehen werde, und daran konnte ihn nun nichts mehr hindern... nicht einmal jene direct an ihn gerichtete Drohung.... Ja, er wollte nach der Burg gegen, selbst wenn er von da nimmermehr zurückkehrte!

Als die Stunde zum Aufbruche herangekommen war, drückte Nic Deck seine Miriota noch einmal ans Herz, während das junge Mädchen sich mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger bekreuzigte, was nach rumänischer Sitte als Huldigung der Dreieinigkeit gilt.

Und der Doctor Patak?... Nun, der arme Kerl, der sich genöthigt sah, den Forstwächter zu begleiten, hatte noch immer versucht, davon loszukommen – freilich ohne Erfolg. Was er nur dagegen sagen konnte, hatte er gesagt. Auch die Geisterstimme hatte er ins Treffen geführt, die ja ganz ausdrücklich verbot, das Schloß zu betreten....

»O, jene Drohung galt nur mir allein, gab ihm Nic Deck darauf einfach zur Antwort.

– Und wenn Euch nun ein Unglück zustieße, Forstwächter, hatte der Doctor geantwortet, würde ich denn dann ohne Schaden davon kommen?

– Schaden oder nicht, Ihr habt einmal zugesagt, mit mir nach dem Schlosse zu gehen, und das werdet Ihr thun, weil ich eben dahin gehe!«

Da sie einsahen, daß den jungen Forstmann nichts abhalten würde, sein Versprechen einzulösen, gaben ihm die Leute von Werst nun in dieser Hinsicht ganz besonders Recht. Es war doch immer besser, daß Nic Deck sich in dieses Abenteuer nicht allein stürzte. Auch der Doctor gab zwar voller Angst endlich klein zu, da ihm doch jeder Rückzug abgeschnitten war, er seine ganze Stellung im Dorfe gefährden und sich sagen mußte, daß man ihn nach seinen gewohnten Prahlereien herzlich auslachen würde. Dennoch klammerte er sich immer an die Hinterthür, schon das kleinste unterwegs auftretende Hinderniß zu benutzen, um seinen Gefährten zur Rückkehr zu bestimmen.

Nic Deck und Doctor Patak machten sich also auf den Weg, und Meister Koltz, Miriota, Hermod, Frik und Jonas begleiteten sie bis zur nächsten Biegung der Landstraße, wo sie zurückblieben.

Hier richtete Meister Koltz zum letztenmale das Fernrohr – das er jetzt nicht mehr aus der Hand legte – nach dem Schlosse zu. Aus dem Schornstein des Thurmes stieg kein Rauch empor, denn ein solcher wäre bei der klaren Luft des schönen Frühjahrsmorgens unzweifelhaft erkennbar gewesen. Einige der Männer glaubten schon, die natürlichen oder übernatürlichen Insassen des Schlosses möchten zu Kreuze gekrochen sein, da sie sahen, daß sich der Forstwächter nicht um ihre Drohungen kümmerte – und das erschien ja als weiterer Grund, die Angelegenheit bis zur befriedigenden Lösung zu betreiben.

Man drückte einander noch einmal die Hand, und Nic Deck, der den Doctor mit sich wegzog, verschwand am Winkel des Bergrückens.

Der junge Forstmann trug seine Dienstkleidung, die mit breitem Schilde versehene Mütze, den Waffenrock mit Gürtel und den Hirschfänger darin, weite Beinkleider, eisenbeschlagene Stiefeln, die Patronentasche an der Hüfte und die lange Flinte auf der Schulter. Er stand im Rufe eines sicheren Schützen, und da hier eine Begegnung, wenn auch nicht mit Geistern, so doch mit Landstreichern, die sich nahe der Grenze umhertrieben, oder wenn nicht mit diesen, dann wenigstens mit oft recht bösartigen Bären nicht ausgeschlossen schien, so war es ja ein Gebot der Klugheit, zur Abwehr gerüstet zu sein.

Der Doctor hatte sich mit einer alten Pistole mit Steinschloß bewaffnet, die bei fünf Schüssen dreimal versagte. Er trug auch eine Axt, die ihm sein Begleiter aufgenöthigt hatte, um sich im Nothfall durch das dichte Unterholz des Plesa einen Weg brechen zu können. Auf dem Kopfe den großen Hut der Landleute, den Körper in einen anschließenden Rock fest eingeknöpft, trug er an den Füßen mächtige Schuhe mit festem Eisenbeschlag – trotz dieser schweren Ausrüstung hoffte er aber doch entweichen zu können, sobald sich dazu eine irgend passende Gelegenheit bieten würde.

Nic Deck und er hatten sich gleichmäßig mit einigem Mundvorrathe versorgt, den sie im Rucksacke trugen, um ihren Ausflug gegebenen Falls länger ausdehnen zu können.

Ueber die Biegung der Straße hinausgekommen, gingen Nic Deck und der Doctor einige hundert Schritte längs des Nyad auf dessen rechtem Ufer hin. Der eigentliche Weg, der die Schluchten des Bergstockes vielfach umkreiste, hätte sie zu weit nach Westen geführt. Am vortheilhaftesten wäre es nun gewesen, wenn sie dem Bette des Bergbaches hätten immer weiter folgen können, da das die Entfernung bis zum Schlosse auf ein Drittel verkürzt hätte, denn der Nyad entspringt unmittelbar in den Falten der Hochfläche des Orgall. Das anfänglich gangbare Steilufer, das weiterhin sehr tief eingeschnitten und von Felsblöcken unterbrochen war, gestattete dann aber selbst Fußgängern kein Fortkommen mehr. Die beiden Wanderer mußten deshalb schräg nach links hin abweichen, um sich der Richtung nach dem Schlosse wieder zuzuwenden, wenn sie die untere Zone der Wälder des Plesa durchmessen hatten.

Das war übrigens die einzige Seite, von der aus man nach der Burg gelangen konnte. Zur Zeit, als Baron von Gortz noch darin wohnte, bildete ein Verbindungsweg nach dem Dorfe Werst, dem Rücken des Vulcan und dem Thale der walachischen Sil entlang, eine Art schmaler Schneuse, die in dieser Richtung angelegt worden war. Jetzt wucherte längs derselben freilich schon wieder seit zwanzig Jahren Baum und Strauch, die sie so dicht verschlossen, daß kein Weg, kein Schlangenpfad durch jene mehr aufzufinden war.

Beim Verlassen des tiefer ausgehöhlten Bettes des Nyad, durch das ein richtiger Wasserschwall hinunterschoß, blieb Nic einmal stehen, um sich zu orientiren. Das Schloß war jetzt nicht sichtbar. Es konnte erst jenseits des Waldes wieder hervortreten, der die unteren Stufen des Berges bedeckte – eine in der Oreographie der Karpaten ganz allgemeine Anordnung. Die Himmelsgegenden mußten also hier beim Mangel aller Merkzeichen schwer zu bestimmen sein. Nur die Stellung der Sonne, deren Strahlen über die entfernten Bergkämme im Südosten strichen, boten hierfür einigen Anhalt.

»Da sieht Er's ja, Forstwächter, da sieht Er's. Nicht einmal ein Weg ist vorhanden... oder wenigstens nicht mehr da.

– Es wird sich schon einer herstellen lassen, erwiderte Nic Deck.

...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.