Verne | Claudius Bombarnac | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 354 Seiten

Verne Claudius Bombarnac


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1352-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 354 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1352-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Der Reporter Claudius Bombarnac berichtet im Auftrag der Zeitschrift XX. Jahrhundert über seine Eindrücke vom Leben in Georgien und Tiflis. In Tiflis erhält er per Depesche den Auftrag, mit der neueröffneten Groß-Transasiatischen-Bahn von Uzan-Ada am Ostufer des Kaspischen Meeres nach Peking zu fahren und dem XX. Jahrhundert über seine Reiseerlebnisse zu berichten ..... (aus wikipedia.de)

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Siebentes Capitel.



Der Zug ist in Kizil-Arvat – zweihundertzweiundvierzig Werst vom Caspisee – angelangt, und zwar um sieben Uhr sieben Minuten, statt genau um sieben Uhr. Diese Verzögerung hat dreizehn Verwünschungen von Seiten des Barons, zwei auf die Minute, hervorgerufen Wir haben im Bahnhofe von Kizil-Arvat zwei Stunden Aufenthalt. Obwohl es schon zu dämmern beginnt, kann ich meine Zeit nicht besser anwenden, als zu einem Besuche der kleinen Stadt, die kaum zweitausend Bewohner, Russen, Perser und Turkmenen, zählt. Zu sehen giebt's nur wenig, im Innern des Orts, wie in dessen Umgebung, wo die von Bäumen ganz entblößte Landschaft – es wächst hier nicht einmal eine Palme – weiter nichts als Weiden und Getreidefelder zeigt, die von einem dürftigen Flusse bewässert werden. Mein guter Stern hat es gefügt, daß ich den Baron Noltitz als Begleiter, nein, noch mehr, als Cicerone haben sollte.

Unser Bekanntwerden ging sehr einfach vor sich. Der Major kam auf mich zu und ich ging auf ihn zu, als wir nur den Fuß auf den Perron des Bahnhofes gesetzt hatten.

»Mein Herr, begann ich, ich bin Franzose, Claudius Bombarnae, Correspondent des ›XX. Jahrhundert‹, und Sie sind der Major Noltitz vom russischen Heere. Sie gehen nach Peking und ich ebenfalls. Ich kenne Ihre Muttersprache, wie Sie voraussichtlich die meinige ...«

Der Major gab seine Zustimmung zu erkennen.

»Nun also, Herr Major Noltitz, statt uns auf dieser langen Fahrt durch Centralasien Einer dem Andern fremd zu bleiben ... beliebt es Ihnen, daß wir einander etwas näher treten, als gewöhnliche Reisegefährten? ... Sie wissen von diesem Lande Alles, was ich nicht weiß, und es würde mir ein Vergnügen gewähren, mich zu unterrichten über ...

– Herr Bombarnae, erwiderte mir der Major französisch und ohne jeden fremden Accent, ich bin völlig einverstanden.«

Dann setzte er lächelnd hinzu:

»Sie wollen von mir unterrichtet sein .... Hat nicht einer Ihrer hervorragendsten Kritiker, wenn ich nicht ganz irre, gesagt: Die Franzosen lieben nur das zu lernen, was sie bereits wissen ....

– Ich sehe, daß Sie Sainte Beuve gelesen haben, Herr Major, und vielleicht hatte jener skeptische Akademiker im Allgemeinen nicht so Unrecht. Was mich aber betrifft, mache ich eine Ausnahme von der Regel und strebe danach, zu lernen, was ich nicht weiß. Gerade bezüglich des russischen Turkestan bin ich nun so unwissend ....

– Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung, erwiderte der Major, und es wird mir ein Vergnügen sein, Ihnen die Großthaten des Generals Annenkof, dessen Arbeiten ich beobachtet habe, ausführlich zu schildern.

 Wir schütteln uns freundschaftlich die Hände. (S. 74.)

– Besten Dank, Herr Major. Ich erwartete kein geringeres Entgegenkommen von einem Russen gegenüber einem Franzosen ....

– Und, fällt der Major ein, wenn Sie mir gestatten, ein seit Danicheff berühmtes Wort theilweise anzuführen: ›So wird es immer sein, so lange es noch Franzosen und Russen giebt.‹

– Dumas Sohn nach Sainte Beuve! ruf' ich aus. Ich sehe, Herr Major, daß ich es mit einem Pariser zu thun habe ....

– Der ein geborner Petersburger ist, Herr Bombarnac.«

Wir schütteln uns freundschaftlich die Hände. Bald darauf durchstreifen wir vereint die Stadt, wobei mir Baron Noltitz Folgendes mittheilt:

»Gegen Ende 1885 war es, als General Annenkof in Kizil-Arvat das letzte Stück des Anfangstheiles dieses Schienenweges in der Länge von zweihundertfünfundzwanzig Kilometern zum Abschluß brachte. Von der ganzen Länge entfallen hundertsechzig Kilometer auf die Strecke, die durch die Wüste führt, welche keinen einzigen Tropfen Wasser liefern konnte.« Ehe sich Major Noltitz aber darüber ausließ, wie diese außerordentliche Arbeit durchgeführt wurde, erinnert er mich an die Ereignisse, die Schritt für Schritt die Eroberung Turkestans und dessen dauernden Anschluß an das moskowitische Reich vorbereiteten.

»Bereits 1854 hatten die Russen dem Khan von Khiva einen Bündnißvertrag aufgezwungen. Einige Jahre darauf, 1860 bis 1864, brachten sie, unaufhaltsam nach Osten vordringend, durch zwei Feldzüge gegen Kokhan und Bukhara diese Gebiete in ihre Gewalt. Zwei Jahre später kam Samarkand, und zwar nach den Schlachten bei Irdjar und bei Zera-Buleh, unter ihre Herrschaft.

Jetzt blieb noch der südliche Theil von Turkestan zu bewältigen und vorzüglich die Oase Akhal-Tekke, die bis zur persischen Grenze reicht. Das versuchten die Generale Surakine und Lazareff durch die Expedition von 1878 bis 1879. Der Plan mißlang, und darauf vertraute der Czar den Versuch, die mächtigen Turkmenenstämme zu unterwerfen, dem berühmten General Skobeleff, dem Sieger von Plewna, an.

Skobeleff landete im Hafen von Mikhaïlov – der von Uzun-Ada bestand damals noch nicht – und um seinen Vormarsch durch die Wüste zu erleichtern, erbaute der zweite Befehlshaber der Truppenmacht, der General Annenkof, die strategische Bahn, die binnen zehn Monaten Kizil-Arvat erreichte.

Hierbei vollendeten die Russen also, wie ich schon erwähnte, diesen Schienenweg weit schneller, als die Amerikaner den ihrigen nach dem fernen Westen vorschoben. Das Werk versprach ebenso industrielle wie militärische Vortheile.

Von vornherein stellte der General Annenhof einen aus vierunddreißig Waggons bestehenden Wohnungs-und Arbeitszug zusammen. Dieser enthielt vier zweistöckige Wagen für die Officiere, vier ebensolche für Arbeiter und Soldaten, einen Speisewagen, vier Küchenwagen und einen Krankenwagen. Das waren seine fahrbaren Werkstätten und auch die Kasernen, in denen fünfzehnhundert Militärarbeiter und Beamte wohnten und gespeist wurden. Der Zug bewegte sich dem Fortschreiten des Schienenstranges entsprechend weiter. Die Arbeiter waren in zwei Brigaden getheilt, von denen jede sechs Stunden täglich thätig sein mußte.

Hierzu kamen noch gegen fünfzehntausend aus dem Lande zusammengeströmte Leute, die unter Zelten lebten. Ein Telegraphendraht setzte die Arbeiter mit Mikhaïlov in Verbindung von wo auf einem kleinen Schienenwege, nach Decanvilles' System, die Schienen und Querschwellen herbeigeschafft wurden.

Unter solchen Verhältnissen und Dank der Horizontalität des Erdbodens betrug der tägliche Fortschritt gegen acht Kilometer, während er in den Ebenen der Vereinigten Staaten nur vier erreicht hatte. Die Handarbeit kostete hier nicht viel; vierzig Mark per Monat für die Arbeiter aus der Oase, und vierundvierzig Pfennig täglich für die, die aus der Bukharei gekommen waren.

So wurden die Truppen Skobeleff's nach Kizil-Arvat und dann fünfhundert Kilometer weiter bis Gheok-Tepe befördert. Letztere Stadt ergab sich erst nach Zerstörung ihrer Wälle und nachdem zwölftausend ihrer Vertheidiger niedergemetzelt worden waren; doch damit fiel die Oase von Akhal-Tekke den Russen in die Hände, die Bewohner der Oase von Atek zögerten nicht, sich zu unterwerfen, und zwar um so williger, als sie die Hilfe des Czars in ihrem Kampfe mit Kuli-Khan, dem Häuptling der Mervier, angerufen hatten. Diese folgten, zweihundertfünfzigtausend an Zahl, ihrem Beispiel, und im Juli 1886 fuhr die erste Locomotive in den Bahnhof von Merv ein.«

»Und die Engländer, fragte ich den Major Noltitz, mit was für Blicken haben diese die Fortschritte Rußlands in Centralasien betrachtet?

– Natürlich mit denen der Eifersucht, erwiderte der Major. Bedenken Sie nur, die russischen Schienenstrecken verbunden mit den chinesischen, statt mit den Bahnlinien Indiens! Die Transcaspische Bahn als Concurrenz derjenigen, die zwischen Herat und Delhi in Gang ist! Uebrigens sind die Engländer auch in Afghanistan nicht so glücklich gewesen, wie wir in Turkestan. Sie haben doch wohl jenen Gentleman gesehen, der sich in unserem Zuge befindet?

– Gewiß, Herr Major, das ist Francis Trevellyan von Trevellyan-Hall, Trevellyanshire.

– Richtig! Dieser Sir Francis Trevellyan hat nun besonders verächtliche Blicke und ein wegwerfendes Achselzucken für Alles, was wir geleistet haben. Er verkörpert die glühende Eifersucht seiner Nation in seiner Person, und England wird sich kaum je mit der Thatsache abfinden können, daß unsere Eisenbahnen von Europa bis zum Stillen Ocean hinführen, während die seinigen am...



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