Verne | Cäsar Cascabel | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 490 Seiten

Verne Cäsar Cascabel


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1349-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 490 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1349-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte dieses Klassikers. Ein Roman um einen französischen Artisten, der in den USA unterwegs ist und nach Frankreich zurückkehren möchte.

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Acht Tage später, am sechsundzwanzigsten Mai, erreichte das Gespann die Quellen des Fraser. Der Regen war Tag und Nacht gefallen, aber wenn man den Versicherungen des Führers Glauben schenken durfte, so mußte das schlechte Wetter jetzt bald zu Ende sein.

Als die Quellen des Flusses auf ziemlich gebirgigen Wegen umgangen waren, drang die Belle-Roulotte in gerader Richtung gegen Westen vor.

Noch einige Tagereisen und Herr Cascabel erreichte die Grenze von Alaska.

Die letzte Woche hindurch hatte der von Ro-No verfolgte Weg an keinem Marktflecken, keinem Weiler vorübergeführt. Übrigens hatte man allen Grund, mit den Diensten dieses Indianers zufrieden zu sein, denn er kannte das Land vollkommen.

An jenem Tage meldete der Führer Herrn Cascabel, daß er, wenn er wolle. in einem unsern gelegenen Dorfe Halt machen könne, wo eine vierundzwanzigstündige Rast den etwas übermüdeten Pferden gut anschlagen dürfte.

»Was für ein Dorf ist es?« fragte Herr Cascabel, stets voller Mißtrauen, wenn es sich um die kolumbische Bevölkerung handelte.

»Ein Koquinendors,« antwortete der Führer.

»Also kein Sachsennest!« rief Herr Cascabel. »Dann bin ich's zufrieden.«

Abends machte die Belle-Roulotte am Eingang dieses Dorfes Halt. Sie brauchte höchstens noch drei Tage, um die geographische Grenze zu erreichen, welche Alaska von Kolumbia trennt.

Dann würde Herr Cascabel ungesäumt seine gewohnte, auf dem Gebiete Ihrer britannischen Majestät so arg kompromittierte gute Laune wiederfinden.

Das Koquinendors war von einer indianischen Bevölkerung bewohnt; aber es beherbergte damals gerade eine Anzahl Engländer, Jäger von Beruf oder aus Liebhaberei, welche es nur in der Jagdsaison aufzusuchen pflegten.

Unter den eben anwesenden Offizieren der Garnison von Viktoria befand sich auch ein gewisser Baronet Sir Edward Turner, ein hochmütiger, brutaler insolenter, stark auf seine Nationalität eingebildeter Mensch, einer jener Gentlemen, die da glauben, sich aus dem einfachen Grunde, weil sie Engländer sind, alles gestatten zu dürfen. Selbstverständlich verabscheute er die Franzosen zum mindesten ebenso sehr, wie Herr Cascabel dessen Landsleute verabscheute. Man sieht, wie sehr diese beiden geschaffen waren, einander zu verstehen!

Nun geschah es am Abend desselben Tages, während Jean, Xander und Clou auf Proviant ausgegangen waren, daß die Hunde des Baronets in der Nähe der Belle-Roulotte auf Wagram und Marengo stießen, welche offenbar die nationalen Abneigungen ihres Herrn teilten.

So entstand denn Zwietracht zwischen dem Wachtelhund und Pudel einerseits und den »Pointers« andererseits, Lärm, Zähnefletschen, Kampf und schließlich Einschreiten der Eigentümer.

Sir Edward Turner trat auf den Lärm hin aus dem Hause, welches er am Eingang des Dorfes bewohnte, und kam, um die Hunde des Herrn Cascabel mit seiner Peitsche zu bedrohen.

Letzterer eilte dem Baronet augenblicklich entgegen und ergriff die Partei seiner Tiere.

Sir Edward Turner – der sich in sehr korrektem Französisch ausdrückte – erkannte sofort, mit wem er zu thun hatte; er ließ seiner Insolenz die Zügel schießen und zögerte nicht, den Gaukler im besonderen und dessen Landsleute im allgemeinen mit britischer Grobheit zu traktieren.

Man kann sich leicht vorstellen, was Herr Cascabel bei solchen Reden empfand.

Da er sich indessen in keine Händel einlassen wollte – noch dazu auf englischem Grund und Boden, wo irgendwelche Verwicklungen seine Reise verzögern konnten – so beherrschte er sich und sagte in untadelhaftem Tone:

»Ihre Hunde haben die meinigen zuerst angegriffen, mein Herr.«

»Die Ihrigen!...« versetzte der Baronet. »Die Hunde eines Possen reißers!... Für solche Köter sind Stock- oder Peitschenhiebe viel zu gut!«

»Ich muß Ihnen bemerken,« entgegnete Herr Cascabel, der sich trotz seines Entschlusses, ruhig zu bleiben, zu erhitzen begann, »daß eine solche Ausdrucksweise keines Gentleman würdig ist.«

»Und doch gebührt einem Menschen Ihrer Sorte nichts besseres.«

»Mein Herr, ich bin höflich... und Sie sind ein Flegel!...«

»Ah! Hüten Sie sich!... Sie wagen es, Sir Edward Turner frech zu antworten!...«

Herr Cascabel brauste auf; mit blassem Gesichte, flammenden Augen und drohenden Fäusten schritt er auf den Baronet los, als Napoleone herbeieilte.

»Vater, komm doch!...« sagte sie. »Mama verlangt nach dir.«

Cornelia hatte ihre Tochter zu Cascabel geschickt, um ihn zur Rückkehr in die Belle-Roulotte zu bewegen.

»Gleich!« antwortete Herr Cascabel. »Bitte deine Mutter zu warten, bis ich mit diesem Gentleman abgerechnet habe, Napoleone.«

Bei diesem Namen brach der Baronet in ein verächtliches Gelächter aus.

»Napoleone!« wiederholte er, »Napoleone, diese Kleine!... Der Name jenes Ungeheuers, welches...«

Das war mehr, als Herr Cascabel ertragen konnte. Er trat mit gekreuzten Armen dicht vor den Baronet hin.

»Sie insultieren mich!« sagte er.

»Ich insultiere Sie... Sie?«

»Mich! und Sie insultieren den großen Mann, der Ihre Insel auf einmal in den Mund gesteckt hätte, wenn er dort gelandet wäre!...«

»Wahrhaftig?«

»Der sie wie eine Auster verschluckt haben würde!...«

»Elender Hanswurst!« schrie der Baronet.

Er war ein wenig zurückgewichen und warf sich in Positur, um sich durch Boxen zu verteidigen.

»Jawohl! Sie insultieren mich, mein Herr Baronet, und Sie werden mir dafür Rede stehen!«

»Einem Gaukler Rede stehen!«

»Indem Sie ihn insultierten, haben Sie ihn zu Ihresgleichen gemacht!...

Und wir werden uns auf Degen, Pistolen, Säbel, was Sie wollen, schlagen... sogar mit den Fäusten!«

»Warum nicht mit Blasen,« gab der Baronet zurück, »wie Ihre Hanswürste auf den Brettern?«

»Verteidigen Sie sich...«

»Als ob man sich mit einem Marktschreier schlüge!«

»Doch!« schrie Herr Cascabel außer sich vor Wut, »doch! man schlägt sich... oder läßt sich schlagen.«

Und ohne zu bedenken, daß sein Gegner bei einer jener Boxereien, auf welche die Gentlemen sich trefflich verstehen, sicher im Vorteil sein würde, wollte er sich auf denselben stürzen, als Cornelia persönlich intervenierte.

Im selben Augenblick eilten einige Offiziere vom Regiment des Sir Edward Turner, seine Jagdgefährten, herbei; entschlossen, den Baronet nicht mit »solchem Gesindel« anbinden zu lassen, überschütteten sie die Familie Cascabel mit Schmähungen. Übrigens schienen diese Schmähungen nicht im stande zu sein, die imposante Cornelia aus der Fassung zu bringen. Sie begnügte sich damit, Sir Edward Turner einen Blick zuzuwerfen, welcher dem Beleidiger ihres Mannes nichts Gutes verhieß.

Jean, Clou und Xander waren ebenfalls herbeigekommen und der Streit drohte in Thätlichkeiten auszuarten, als Frau Cascabel rief:

»Komm, Cäsar, und auch ihr, Kinder, kommt!... Gehen wir!.... Alle in die Roulotte, und das augenblicklich!«

Ihr Ton war so gebieterisch, daß keiner dem Befehl zu trotzen wagte.

Aber welch einen Abend Herr Cascabel verbrachte! Sein Zorn legte sich nicht!... Er, in...



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