Vennemann Maddrax - Folge 281
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8387-0580-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bausteine des Lebens
E-Book, Deutsch, Band 281, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
ISBN: 978-3-8387-0580-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie waren Unsterbliche gewesen, am Leben erhalten durch Nanobots - mikroskopisch kleine Roboter, die ihre verfallenden Zellen immer wieder reparierten. Doch dann wurde der 'Hüter im See', der Quell ihrer Unsterblichkeit, von einem Techno ermordet, und damit hatten auch sie ihr Leben verwirkt.
Dachten sie. Doch die Macht der Nanobots war ungebrochen! Solange sie die sterblichen Überreste des Hüters bewahrten, hatte der Tod keine Macht über sie.
Doch wieder irrten sie. Als das Sterben und der Wettlauf um das Leben begann...
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" (S. 3-4)
Er starb zum letzten Mal. Seine Kinder hatten ihn, den Hüter, unter einen Felsvorsprung gezogen. In ihren Gesichtern standen Tränen. Oder war es Regenwasser? Er hatte den Unterschied nie richtig verstanden. Ein Teil von ihm wusste, dass auch sie sterben würden, nun, da er in die Ewigkeit einging. Er konnte sie nicht länger am Leben erhalten. Der Hüter spürte die Hände, die über sein Fell und seine angelegten Flügel streichelten, hörte die sanften Worte seiner Kinder und schloss die Augen. Seine Einsamkeit hatte ein Ende. Mehr hatte er nie gewollt.
Der „Hüter im See“ war tot. Chiiftan Teggars Atem bebte, als er, von Weinkrämpfen geschüttelt, das lange zottige Fell der Kreatur streichelte, die ihm und allen Bewohnern der beiden Dörfer am See die Unsterblichkeit geschenkt hatte. Zumindest bis jetzt. Sein Freund und Kampfgefährte Mecloot kauerte neben ihm. Auch ihm liefen die Tränen das Gesicht herunter und benetzten die großen Klauenfüße des Wesens, das sie seit ewigen Zeiten verehrt hatten.
„Was soll nun werden?“, hauchte Mecloot leise. Die Verzweiflung in seiner Stimme jagte Teggar einen zusätzlichen Schauer über den Rücken. So am Boden zerstört hatte er seinen Weggefährten noch nie gesehen. Im Hintergrund klangen der Sturm und das Gewitter langsam ab. Das schwarze Wasser des Sees kräuselte sich zwar noch unter den abflauenden Windböen, aber es fiel schon wieder Licht durch die dunklen Wolken. Weit hinten, dort wo das „Verbotene Land“ in Britana überging. „Wären Maddrax und Aruula doch niemals hierher gekommen!1“, presste er zwischen den Zähnen hindurch.
Er stöhnte leise und fasste sich an die Seite. Dorthin, wo der weiße Umhang aus Lupafell verbrannt war und sich der Lichtblitz aus dem Fluggerät der Besucher in seinen Körper gebohrt hatte. Die Wunde heilte nicht. Normalerweise hätte sich binnen Minuten an den verschmorten Rändern neue Haut bilden sollen, die verbrannten Reste wären wie verkohlte Blätter zerbröselt und zu Boden gerieselt. Der Hüter ist vergangen, dachte Teggar. Und mit ihm unsere Unsterblichkeit. Wir alle werden sterben.
Der Chiiftan hatte schon oft darüber nachgedacht, wie es wäre, nach über dreihundert Jahren wieder dem Tod ins Auge blicken zu müssen. Oder besser: zu dürfen? War es ein Fluch oder ein Segen, sterblich zu sein? Der Segen des Hüters hatte sie beschützt. Immer dann, wenn Wunden klafften, Knochen brachen oder Gliedmaßen abgetrennt wurden. Nichts an einem Körper war unersetzlich, das hatte Teggar während seines langen Lebens am See erfahren."




