Veloso | Das Flüstern der goldenen Bucht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 433 Seiten

Veloso Das Flüstern der goldenen Bucht

Roman | Ein bewegender Sehnsuchtsroman - und eine Liebeserklärung an Rio de Janeiro
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-511-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Ein bewegender Sehnsuchtsroman - und eine Liebeserklärung an Rio de Janeiro

E-Book, Deutsch, 433 Seiten

ISBN: 978-3-98952-511-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine junge Frau, die für die Freiheit kämpft ... Brasilien, Ende des 19. Jahrhunderts: Als die junge Isabel de Oliveira erfährt, dass sie mit dem mächtigen Dom Fernando verheiratet werden soll, bricht ihr behütetes Leben von einem auf den anderen Moment zusammen. Statt in einen goldenen Käfig gesperrt zu werden, sehnt sich die Tochter eines verarmten Kaffeebarons nach einem Leben in Freiheit - und flieht so nach Rio de Janeiro, die Stadt der bunten Karnevale und weißen Sandstrände. Hier gewährt ihr der schöne Luiz Unterschlupf, der voller Hingabe gegen die Sklaverei kämpft - und Männer wie Dom Fernando. Doch der hat nicht vor, seinen exotischen Vogel so schnell ziehen zu lassen ... Der bewegende historische Roman ist ursprünglich unter dem Titel »Januarfluss« erschienen. • Mitreißender Landschaftsroman zwischen den tropischen Kaffeeplantagen Brasiliens und dem farbenfrohen Karneval Rio de Janeiros • Für die Fans von Tara Haigh und Janet MacLeod Trotter

Ana Veloso wurde 1964 geboren. Nach ihrem Studium der Romanistik arbeitete sie als Journalistin für mehrere namhafte deutsche Magazine. Ihr erster Roman, »Der Duft der Kaffeeblüte«, wurde ein großer Erfolg und in viele Sprachen übersetzt. Ana Veloso lebt als Journalistin und Autorin in Hamburg, verbringt aber jedes Jahr mehrere Monate im Ausland, um dort Eindrücke für ihre Romane zu sammeln. Die Website der Autorin: www.ana-veloso.de/ Bei dotbooks veröffentlichte Ana Veloso ihre exotischen Love-and-Landscape-Romane »Der Duft der Kaffeeblüte«, »Unter den Sternen von Rio«, »Der Himmel über dem Alentejo«, »Das Leuchten der Indigoblüte«, »Die Frau vom Rio Paraíso«, »Das Lied des Kolibris« und »Das Flüstern der goldenen Bucht«.
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Kapitel 1


29 Tage vorher –

Águas Calmas, Brasilien

13. Januar 1888

Als ich aufwache, weiß ich im ersten Moment nicht, wo ich mich befinde. Aber eines weiß ich mit Gewissheit: Heute ist ein ganz besonderer Tag. Es fühlt sich so ähnlich an wie vor Weihnachten, wenn die erste Empfindung, die man beim Erwachen hat, prickelnde Vorfreude ist.

Ich blinzle, denn ein Sonnenstrahl fällt durch einen Spalt zwischen den Gardinen direkt auf meine Augen. Als ich mich endlich an die Helligkeit gewöhnt habe, lasse ich meinen Blick umherschweifen. Die hellblauen Vorhänge, die blau-weiß gestreiften Tapeten, der kleine Holztisch mit der Waschschüssel und dem angeschlagenen Krug aus Porzellan -ja, das ist zweifellos mein Zimmer. Und ebenso plötzlich, wie meine Orientierungslosigkeit verschwunden ist, weiß ich auch, welcher Tag heute ist: mein 15. Geburtstag.

Da er auf einen Freitag fällt, muss ich nicht lange auf die große Feier warten: Schon morgen wird meine festa de quinze anos stattfinden, der wichtigste Tag im Leben eines jungen Mädchens. Dieses Fest zum 15. Geburtstag ist in Brasilien eine große Sache. Meine Freundin Alice, deren verstorbene Mutter Französin war, macht sich immer darüber lustig. In Europa, so behauptet sie, gebe es sogenannte Debütantinnenbälle, um die jungen Mädchen in die Gesellschaft und bei Hof einzuführen, und daran erkenne man mal wieder, wie rückständig Brasilien doch sei, wenn die Mädchen hier ganz private Feiern veranstalten müssten, bei den Eltern zu Hause, igitt.

Ich glaube, dass Alice in Wahrheit nur neidisch ist. Sie wird erst im September fünfzehn und wahrscheinlich gönnt sie mir mein großes Fest nicht. Dabei redet sie seit Wochen von nichts anderem. Sie ist nämlich sehr verliebt in meinen Cousin, und der ist natürlich, genau wie Alice, zu meiner festa eingeladen. Sie kann es kaum erwarten, sich ihm an den Hals zu werfen, obwohl er ein ziemliches Scheusal ist.

Alice und ich reden in letzter Zeit häufig über Jungen und über die Liebe, obwohl meine Erfahrungen auf diesem Gebiet – leider – sehr begrenzt sind. Ich wünschte, ich könnte mit mehr Kenntnisreichtum aufwarten, und am liebsten wäre mir, ich hätte diese Kenntnisse mit Gustavo erworben. Ah, Gustavo ... Allein beim Gedanken an ihn werden meine Knie weich. Aber ich habe in meinem ganzen Leben erst einen Kuss bekommen und der war vom Nachbarssohn. Dieser berühmte Kuss fand im vorletzten Jahr statt, als ich dreizehn war und er sechzehn. Es war, offen gestanden, kein Erlebnis, das ich allzu bald noch einmal haben möchte, jedenfalls nicht in dieser Form. Ich bin sicher, dass Gustavos Küsse ganz anders sein werden.

Alice weiß nichts von meiner heimlichen Liebe. Ich verstehe selbst nicht, warum ich sie nie eingeweiht habe, denn umgekehrt schildert sie mir jedes Detail ihrer amourösen Begegnungen. Vielleicht habe ich insgeheim Angst davor, dass sie sich über mich lustig macht oder, schlimmer noch, dass sie sich Gustavo an den Hals wirft. Sie ist diese Art Mädchen, sie kann nicht anders, als mit allen Männern zu flirten.

Dennoch macht es Spaß, sich mit Alice über solche Dinge zu unterhalten. Damit ich in diesen Gesprächen erwachsener wirke als ich bin und um vor Alice ein bisschen anzugeben, habe ich mir einen älteren Verehrer ausgedacht. Das heißt, es gibt diesen Mann natürlich, aber ich kenne ihn gar nicht näher. Er heißt Dom Fernando, ist bestimmt schon dreißig Jahre alt und ein Geschäftsfreund meines Vaters. Spontan war mir kein Kandidat eingefallen, der zum Prahlen besser geeignet gewesen wäre, denn dieser Mann sieht immerhin sehr gut aus und ist schwerreich. Er wird morgen Abend zu meinem Fest kommen, und mir ist jetzt schon flau bei der Vorstellung, wie ich dann vor Alice so tun muss, als sei er mein Traumprinz.

Das ist er nämlich nicht. Die wenigen Male, die er bei uns zu Hause war, hat er mir penetrant aufs Dekolleté gestarrt. Außerdem hat er beim Händeschütteln unauffällig seinen Daumen über mein Handgelenk bewegt, wie ein leichtes Streicheln. Es war eine so intime, dabei aber so kleine und kurze Geste, dass ich mir nicht mal ganz sicher bin, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat.

Habe ich mir das alles vielleicht nur eingebildet?

Wie dem auch sei. Mein dummes Gerede hat mich nun in die unangenehme Lage gebracht, dass ich einerseits vor Alice so tun muss, als sehnte ich mich nach den Aufmerksamkeiten von Dom Fernando, und mir andererseits diesen alten Lüstling vom Hals halten muss. Zugleich möchte ich natürlich die Nähe von Gustavo suchen, ohne dabei Alices Interesse für ihn zu wecken. Ist das nicht vertrackt?

Dennoch freue ich mich wie verrückt auf die Feier. Es ist das erste Mal, dass ich in der Öffentlichkeit höhere Absätze, ein eng geschnürtes Korsett sowie ein Kleid mit großzügigem Ausschnitt tragen darf. Mit der festa de quinze anos wird die Verwandlung des Mädchens zur Frau gewürdigt, sodass meine Garderobe morgen Abend erstmals die einer erwachsenen Frau sein wird. Meine Mutter wird mir ihr Smaragdcollier sowie die passenden Ohrringe leihen und sogar ein wenig Lippenrot, Puder und Rouge werde ich auftragen dürfen.

Das alles habe ich selbstverständlich schon heimlich getan, und es ist wirklich erstaunlich, um wie vieles älter man in dieser Aufmachung wirkt. Ich kann meinen großen Auftritt vor den Gästen kaum erwarten. Die werden Augen machen! Ich kann mir genau die bewundernden Blicke der Männer vorstellen und die erstaunten Kommentare der Frauen: »Sieh nur, die kleine Isabel de Oliveira, wie sie sich entwickelt hat!« Und Gustavo erst — er wird mich anschmachten und plötzlich erkennen, dass er mir rettungslos verfallen ist.

Am schönsten wird natürlich der Anblick von Alice sein, wie ihr die Kinnlade herunterklappt. Sie hält sich für so viel reifer, hübscher und klüger, aber wenn sie mich erst in meinem Abendkleid aus Seide sieht, wird sie ihre Meinung wohl ändern müssen. Ich sehe in dem Kleid aus wie eine Märchenprinzessin. Es hat dieselbe hellgrüne Farbe wie meine Augen und zusammen mit den grünen Edelsteinen meiner Mutter ist der Effekt wirklich grandios.

Ein hartes Klopfen an meiner Tür unterbricht mich in meinen herrlichen Tagträumen. Ich mache mir nicht die Mühe, »herein« zu sagen, denn kaum eine Sekunde später kommt, genau wie ich es erwartet habe, unser Hausmädchen Maria hereingepoltert. Ich schließe die Augen, aber sie weiß genau, dass ich nicht mehr schlafe.

»Aufstehen, Senhorita lsabel!«, ruft sie so laut, dass man es bis in die senzala, die Sklavenunterkunft, hören kann. »Sie machen mir nichts vor, junges Fräulein. Ich weiß, dass Sie hellwach sind.«

»Ist gut, Maria, ich steh schon auf«, murmele ich in gespielter Schlaftrunkenheit und gähne ein wenig übertrieben.

»Hier steht schon Ihr café com leite, Ihr Milchkaffee.«

»Mit drei Löffeln ...

»... Zucker, wie immer.« Dann werden ihre Gesichtszüge plötzlich weicher und ihre Stimme nimmt einen zärtlichen Klang an: »Feliz aniversário, Kindchen.« Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

»Danke, Maria.«

Sie legt mir ein kleines Päckchen auf die Bettdecke. Dann wird ihr Ausdruck wieder strenger, so als schäme sie sich ihrer tiefen Gefühle für mich.

Genau wie Maria immer schon weiß, was ich sagen will, weiß ich, was sie tun wird. Und tatsächlich: Sie schreitet energisch zum Fenster, zieht die Vorhänge zurück und schiebt die Fenster hoch. Dann klappt sie die Holzläden nach außen, die ohnehin nicht richtig geschlossen waren, denn sonst hätte sich der Sonnenstrahl ja nicht in mein Gesicht verirren können. Schließlich stellt sie sich vor meinem Bett auf und droht mir damit, mir die Decke wegzureißen. Sie hat ihre Hände dabei auf die breiten Hüften gestemmt und sieht mich mit einem Blick an, von dem sie glaubt, dass er furchterregend wirkt.

»Erst öffne ich das Geschenk«, sage ich und wickele es bereits hastig aus. Es ist ein Satz Knöpfe: sechs schlichte Holzknöpfe, die Maria mit Pinsel und Farbe in einzigartige Schmuckstücke verwandelt hat. Ich bin zutiefst gerührt und will ihr einen liebevollen Dank aussprechen, als ich ihr böses Gesicht sehe, das sie beibehält, weil ich noch immer nicht aufgestanden bin.

Mit Mühe verkneife ich mir ein Grinsen. Maria kann mich nicht täuschen. Sie liebt mich. Und ich liebe sie. Seit ich denken kann, ist sie mir Mutter, Kindermädchen, Schwester und Freundin in einer Person.

In Wahrheit ist Maria unsere Sklavin. Eine von vielen.

Eines Tages, wenn ich Gustavo heirate und von hier fortgehe, wird mein Vater sie mir als Mitgift mitgeben. Und wenn sie offiziell mein Eigentum ist, werde ich ihr die Freiheit schenken. Ich finde die Sklaverei schrecklich. Kann ein Mensch einem anderen »gehören«? Meiner Meinung nach ist das völlig absurd. Wir leben immerhin im späten 19. Jahrhundert, es sind moderne Zeiten. Es gibt elektrisches Licht und immer schnellere Eisenbahnen, neuerdings gibt es sogar einen sogenannten Fernsprechapparat, mit dem man über große Entfernungen hinweg mit anderen Menschen reden kann. Ist das nicht unglaublich? Und mitten in dieser Fortschrittlichkeit, die auch in Brasilien Einzug gehalten hat, leben Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Sklaven, die für uns die niedersten Arbeiten verrichten müssen. Wie in der Antike.

Es scheint sich allerdings etwas zu ändern. Seit ein paar Jahren gibt es Gesetze, die zum Beispiel den Handel mit Sklaven stark einschränken. So ist es nicht mehr erlaubt, Schwarze in Afrika einfach einzufangen und auf Schiffen hierherzubringen, um sie dann an den...



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