E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Vargas Klimawandel - ein Appell
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-26217-4
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wir müssen jetzt handeln, um unser Klima zu retten.
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-641-26217-4
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nachhaltigkeit ist in aller Munde, Millionen protestieren gegen den Klimawandel, und Greta Thunberg spricht zu den Mächtigen der Welt: Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Fred Vargas ist als erfolgreiche Krimiautorin weltweit bekannt, doch als Doktorin der Archäozoologie und ehemalige Mitarbeiterin des renommierten Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Paris liegt die Natur ihr seit jeher besonders am Herzen. Bereits 2008 beim Klimagipfel in Helsinki hielt sie eine Rede für den Klimaschutz, die auch heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. Wie kann es sein, fragt sich Fred Vargas heute, dass seither kaum etwas geschehen ist und wir immer noch sehenden Auges auf die Klimakatastrophe zusteuern? In »Klimawandel – ein Appell« plädiert sie dafür, dass wir endlich etwas tun müssen – denn es ist noch nicht zu spät! Fred Vargas fordert uns alle auf, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern uns umzuschauen und uns zu überlegen, welche Möglichkeiten jeder Einzelne von uns hat, seinen Teil beizutragen. Denn unsere Natur stellt uns vor ein Ultimatum: Rettet mich, oder ihr werdet mit mir zusammen untergehen!
Fred Vargas, geboren 1957, ist ausgebildete Archäologin und hat Geschichte studiert. Sie ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin mit internationalem Renommee. 2004 erhielt sie für »Fliehe weit und schnell« den Deutschen Krimipreis, 2012 den Europäischen Krimipreis für ihr Gesamtwerk und 2016 den Deutschen Krimipreis in der Kategorie International für »Das barmherzige Fallbeil«.
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Verdammt, was, um Himmels willen, habe ich mir da eingebrockt? Wie löse ich diese Wahnsinnsaufgabe? Die Vorstellung, mich mit euch über die Zukunft der heutigen Welt zu unterhalten? Wie schaffe ich das bloß? Ich habe nicht die leiseste Ahnung, und ihr auch nicht.
Ich weiß nur, wie alles angefangen hat. Und jetzt, wo die Sache in Gang gekommen ist, läuft sie mit solcher Macht, dass ich die Bewegung nicht mehr aufhalten kann. Es ist wie ein Strudel, der mich mit sich reißt, etwas, das mich rigoros drängt fortzufahren, ohne mich nach meiner Meinung zu fragen. Obwohl ich mir ja durchaus vorstellen kann, dass ihr viel lieber einen unterhaltsamen kleinen Krimi von mir hättet. Später, versprochen. Aber nicht jetzt, ich kann nicht. Eine Art gnadenlose Notwendigkeit zwingt mich, erst dieses Buch zu schreiben.
Ja, ich weiß noch, wie es angefangen hat – mit einer Kleinigkeit. Ich hatte vor zehn Jahren einen ganz kurzen Text zum Umweltschutz geschrieben. Kaum der Rede wert. Von Freunden erfuhr ich wenig später, dass Auszüge daraus in China und in Brasilien auf T-Shirts gedruckt worden waren, ja sogar als Vorlage für Theaterstücke gedient hatten. Das hatte mich verwundert und auch amüsiert. Aber dabei blieb es nicht. Als ich in tiefer, stiller Nacht – o Pardon, ich bin im falschen Satz gelandet, also noch mal. Als man mich Tag für Tag von allen Seiten informierte, dass dieser erstaunlich unverwüstliche Text sich mittlerweile auf Facebook herumtrieb und durch die ganze Welt wanderte … Also bitte! Ich hatte nichts damit zu tun, das könnt ihr mir glauben. Dann teilte man mir schließlich mit, dass er auf der Weltklimakonferenz im Dezember 2018 von Charlotte Gainsbourg gelesen werden würde. Ein zehn Jahre alter Text! Immerhin, bei dem Tempo, in dem die UN-Klimakonferenzen aufeinander folgen, ohne einen einzigen Fortschritt zu erbringen, waren meine schlichten Sätze noch immer aktuell. Und da fasste ich in tiefer Nacht (diesmal stimmt es) den Plan (welcher Teufel hatte mich bloß geritten?), einen Text der gleichen Art zu verfassen, nur ein bisschen länger, so an die fünfzig Seiten, nicht mehr, um den Leser nicht zu erschlagen, über die Zukunft unseres Planeten, der lebenden Welt, der Menschheit. Nicht mehr.
Hier unterbreche ich die Entstehungsgeschichte dieses unmöglichen Buches und füge jenen kleinen Text mit dem so merkwürdigen Schicksal ein, damit ihr auch begreift, wie unscheinbar der Anfang war, von dem alles ausging, und bei welcher Ungeheuerlichkeit ich gelandet bin. Der Text trägt das Datum des 7. November 2008:
Ihr seht, nichts Besonderes, dieser kleine Text, nichts, was einen vom Hocker reißt. Und so kam mir in tiefer Nacht der Gedanke eines Büchleins von gleicher Art und erschien mir als durchaus machbar, vergnüglich, ja sogar als erregende Aufgabe, wenn es noch dazu irgendwie nützlich sein könnte. Machbar insofern, weil ich mich in Umweltfragen ja auszukennen meinte, denn schon im Alter von zwanzig Jahren hatte ich mich damit beschäftigt. Natürlich war mir klar, dass ich noch ein paar Dinge würde recherchieren müssen, aber als Forscherin hatte ich darin ja Erfahrung, es beunruhigte mich nicht. Und vom Schreiben verstand ich schließlich auch ein bisschen was.
Gleich am nächsten Tag stürzte ich mich frisch-fröhlich und ein wenig aufgeregt in die Phase der Dokumentation, für die ich naiverweise eine Woche veranschlagte. Aber eine Woche nach der anderen verging, ein Sujet ergab das nächste, ein Thema das andere, alle waren sie unentbehrlich, von der Sardine bis zum Lachgas über das Erdgas und die Packeisschmelze. Ich arbeitete wie besessen, vergaß die Uhrzeit, das Einkaufen, das Wäschewaschen , nicht allerdings das Essen, das ich hastig und spät runterschlang. Fieberhafte Wochen, in denen mir klar wurde, dass ich in Wahrheit fast nichts wusste außer, wie jedermann, die oberflächliche Erscheinung der Dinge. Die Umwelt, Tier- und Pflanzenwelt, die Menschheit, sie offenbarten sich mir unter gänzlich neuen, düsteren Aspekten, mit vielfältigen, sehr komplexen und miteinander verwobenen Facetten, die ich so weit wie möglich erforschte – denn das ist meine Archäologen-Natur. Und in diesen Höhlen, das kann ich euch sagen, habe ich oft schlimme Augenblicke erlebt, (ein Zitat des großen Victor Hugo, kann nie schaden, so was), oder nüchterner ausgedrückt, ich saß verloren auf meinem Küchenstuhl und starrte entgeistert vor mich hin. Aber Achtung, selbst in solchen Augenblicken habe ich keine Sekunde aufgehört, gleichzeitig wie wild – ja...




