Varela | Iron Heart - Aylas Rache | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 496 Seiten, Format (B × H): 138 mm x 215 mm

Reihe: Iron Heart

Varela Iron Heart - Aylas Rache

Auftakt einer emotionalen und aufregenden Duologie
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-910522-63-3
Verlag: foliant Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auftakt einer emotionalen und aufregenden Duologie

E-Book, Deutsch, Band 1, 496 Seiten, Format (B × H): 138 mm x 215 mm

Reihe: Iron Heart

ISBN: 978-3-910522-63-3
Verlag: foliant Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Liebe zwischen zwei Welten, zwischen Mensch und Automa – eine Liebe, die das Königreich in den Abgrund reißen oder zu neuer Freiheit führen kann.

Nach dem verheerenden Krieg der Arten herrschen die Automae, einst als lebendige Spielzeuge der Menschen erschaffen, über das Königreich Rabu. Die Menschen dienen ihnen, geknechtet und unterdrückt.

Ayla, eine junge menschliche Dienerin, schwört, den Tod ihrer Familie zu rächen – indem sie die scheinbar perfekte Tochter des Herrschers, Lady Crier, tötet.

Doch auch Crier beginnt zu zweifeln: Mit einem undurchsichtigen Verlobten, einem Vater, der seine finsteren Geheimnisse vor ihr verbirgt, und einer Gesellschaft, die sich immer mehr gegen ihre Familie auflehnt, gerät ihre Loyalität ins Wanken. Dann begegnet sie Ayla.

In ihrem atemberaubenden Debüt entführt Nina Varela in eine düstere, faszinierende Welt und stellt uns eine entscheidende Frage: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein?

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Als sie neu gemacht und noch schwach war, ihre gerade erst gewebte Haut weich und schimmernd von der Erschaffung, sagte Criers Vater zu ihr: »Überprüfe immer ihre Augen. So kannst du erkennen, ob eine Kreatur menschlich ist. Es ist in den Augen.«

Crier hatte gedacht, ihr Vater, der Herrscher Hesod, würde in Bildern sprechen, dass er meinte, Menschen besäßen eine besondere Kraft. Die Liebe, eine entzündete Laterne in ihren Herzen; der Hunger, eine flüssige Hitze in ihren Bäuchen; die Seele, eine dunkle Quelle in ihren Augen.

Natürlich hatte sie später herausgefunden, dass es keine Metapher gewesen war.

Wenn das Licht direkt auf die Augen der Automae traf, so blitzten ihre Iriden golden. Eine Spiegelung, eine Zersplitterung des Lichts für den Bruchteil einer Sekunde, wie bei den Augen einer Katze in der Nacht. Ein goldenes Flackern, und du wusstest, dass das nicht die Augen eines Menschen waren.

Menschliche Augen schluckten das ganze Licht.

***

Crier zählte vier Herzschläge: eine Kaninchenmutter und drei Junge.

Der Wald schien sich um sie herum zu krümmen, die Baumspitzen schlossen sich über ihr zu einem Dach. Neben ihren Füßen befand sich ein Kaninchenbau, eine warme, kleine Höhle, sicher unter der Erde versteckt vor Wölfen und Füchsen … allerdings nicht vor ihr.

Sie verharrte unmöglich ruhig und lauschte den vier winzigen, pochenden Rhythmen, die durch die Erde aufstiegen. Sie waren so schnell wie das Surren eines Bienenschwarms. Fasziniert von dem gedämpften Geräusch lebendiger Organe, legte Crier den Kopf schief. Wenn sie sich konzentrierte, konnte sie hören, wie sich die Luft durch vier Paare daumengroßer Lungenflügel bewegte. Wie alle Automae war sie so geschaffen, dass sie auch noch das leiseste Geräusch aus weiter Entfernung wahrnahm.

So tief im Wald hatte das Licht der Morgendämmerung den Waldboden noch kaum erreicht – die perfekte Zeit zum Jagen. Auch wenn Crier die Jagd nicht mochte.

Die Jagd war eine alte, menschliche Tradition, so alt, dass die meisten Menschen sie nicht mehr ausübten. Doch Hesod war ein Traditionalist und im Grunde genommen ein Historiker, also hegte er eine einzigartige Vorliebe für menschliche Traditionen und Mythen. Als Crier geschaffen worden war, hatte er ihre Stirn mit Wein und Honig gesalbt, das sollte ihr Glück bringen. Als sie mit dreizehn mündig wurde, schenkte er ihr ein silbernes, mit den Mondphasen besticktes Kleid. Und als er beschlossen hatte, dass sie Kinok, einen Scyre aus den Westlichen Bergen, heiraten würde, da hatte er keine Vorkehrungen für Crier getroffen, damit sie den Traditionen der Automae entsprechend zur Werkstatt eines Erschaffers fahren konnte, um dort ein symbolisches Geschenk für ihren künftigen Ehemann zu entwerfen und herzustellen. Er hatte eine Jagd organisiert.

Crier war also nicht wirklich allein in diesem Wald. Irgendwo dort draußen, verborgen im Schatten der Bäume, jagte auch ihr Verlobter Kinok.

Kinok galt als eine Art Kriegsheld. Zwar war er lange nach dem Krieg der Arten geschaffen worden, aber es hatte zahlreiche größere und kleinere Aufstände in den fünf Jahrzehnten nach dem eigentlichen Krieg gegeben. Einen der größten, eine Serie von Anschlägen, die als Erhebungen des Südens bezeichnet wurden, hatte Kinok mit seiner Genialität beinahe im Alleingang niedergeschlagen.

Außerdem war er der Gründer und Anführer der Bewegung gegen das Vertrauen – einer neuen politischen Gruppierung, die die Absicht hatte, die Gattungen der Automae und der Menschen noch weiter voneinander zu entfernen. Buchstäblich. Ihre Agenda zielte vor allem darauf ab, eine neue Automae-Hauptstadt im Hohen Norden zu errichten, auf einem Gebiet, das für Menschen unbewohnbar war. Sie sollte die derzeitige Hauptstadt Yanna ersetzen, die einst eine Menschenstadt gewesen war. Das war, ehrlich gesagt, lächerlich. Man musste nicht die Tochter des Herrschers sein, um zu wissen, dass für den kompletten Neubau einer Großstadt zehntausend, hunderttausend, nein, eine Million königliche Goldkoffer benötigt würden. Warum aber könnte so eine nutzlose Mühe all die Zeit und die Kosten je wert sein? Das war Wunschdenken.

Bevor Kinok die Bewegung gegen das Vertrauen ins Leben gerufen hatte, ungefähr vor drei Jahren, war er einer der Hüter des Eisernen Herzens gewesen. Es war eine würdevolle Aufgabe, die Mine zu schützen, in der Herzstein gewonnen wurde, und er war der erste Hüter gewesen, der je seinen Posten verlassen hatte. Natürlich hatte das zu vielen Spekulationen unter den Automae geführt: Er sei abgesetzt worden, aus irgendeinem ernsten Grund verbannt. Doch Kinok behauptete, es sei einfach um eine unterschiedliche philosophische Anschauung gegangen in Bezug auf das Schicksal ihrer Art, und niemand hatte einen gewichtigeren Grund für Kinoks Verlassen der Mine gefunden als das.

Bei der einzigen Gelegenheit, bei der Crier ihn nach seiner Vergangenheit gefragt hatte, war er ihr ausgewichen. »Das waren finstere Zeiten«, hatte er gesagt. »Nur wenige von uns hatten je das Licht gesehen.« Sie hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Vielleicht dachte sie aber auch zu kompliziert, schließlich hatte er in einer Mine gelebt.

Dennoch verlieh ihm dieses geheime Wissen – über das Eiserne Herz und seine Funktionsweise, über seine genauen Koordinaten im Gebirge des Westens – eine gewisse Macht und zeichnete ihn als etwas Besonderes aus. Viele Mitglieder des Rats ihres Vaters, die »Roten Hände« des Herrschers, schienen von Kinok fasziniert zu sein. Wie Hesod verfügte auch Kinok über eine gewisse Anziehungskraft, eine Art Sogwirkung. Doch während Kinok ernst war, war Hesod heiter. Während Kinok kontrolliert und ruhig war, war Hesod laut, leicht reizbar, häufig ungestüm. Und er war entschlossen, seine Tochter mit Kinok zu verheiraten, trotz all der Gerüchte und Spekulationen. Oder vielleicht gerade deswegen.

Mehrere Monate vor Kinoks Ankunft hatten Crier und ihr Vater einen langen Spaziergang an den Meeresklippen gemacht. »Die Anhänger von Kinok sind nicht zahlreich und sie sind verstreut, aber sein Einfluss wächst so schnell, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte«, hatte er ihr erklärt.

Sie hatte aufmerksam zugehört und zu verstehen versucht, worauf er hinauswollte. Sie hatte von Kinoks Kundgebungen gehört, falls »Kundgebungen« überhaupt das richtige Wort dafür war – eigentlich waren es nur Versammlungen von Intellektuellen, bei denen sich kleine Gruppen von Automae über ihre Ideale, über Politik und Fortschritt austauschen konnten. »Scyre Kinok ist ein Philosoph, Vater, kein Politiker«, hatte Crier gesagt. »Er stellt keine Bedrohung deiner Herrschaft dar.«

Es war Spätsommer gewesen und der Himmel hatte klar und meeresblau geleuchtet. Crier hatte diese langen, gemächlichen Spaziergänge mit ihrem Vater immer geschätzt, hatte diese Momente wie Schmuckstücke gesammelt, kleine Dinge, die sie ins Licht halten und bewundern konnte. Jeden Tag freute sie sich darauf. Das war ihre Zeit – fernab vom Roten Rat, fernab von ihren Studien –, in der sie von ihm lernen konnte und nur von ihm.

»Ja, aber seine Philosophie gewinnt an Boden bei den Geschaffenen, deren Schutz und Führung in meiner – und deiner – Verantwortung liegt. Wir müssen ihn überzeugen, sich einer Familienstruktur anzuschließen, um die Kluft zu überbrücken.«

Crier blieb abrupt vor den Meeresblüten stehen, die gerade erst am Rand der Klippe zu blühen begonnen hatten. »Wenn er den Grundsätzen des Traditionalismus aber nicht zustimmt, so wird er doch sicher auch nicht mit der Art der Verbindung einverstanden sein, die du vorschlägst.« Sie konnte sich selbst noch nicht dazu überwinden, Ehe zu sagen.

»Das könnte man denken, aber ich habe Grund zu der Annahme, dass er die Gelegenheit ergreifen wird. Ihm wird das Macht und Status verschaffen. Uns wird es Stabilität garantieren und den Zugang ermöglichen. Wir werden in der Lage sein, herauszufinden, was die Bewegung gegen das Vertrauen erreichen will, und wir werden sie besser eindämmen können.«

»Du bist also anderer Meinung als die BGV«, stellte Crier fest.

Hesod wand sich. »Ihre Sicht auf die Menschheit ist mir zu extrem. Es ist eine Sache, diejenigen zu unterwerfen, die uns unterlegen sind, und eine ganz andere, sich so zu verhalten, als würden sie gar nicht existieren. Wir müssen unsere Strategien danach ausrichten, woher wir kommen. Wir wurden nicht in einer geschichtslosen Leere erschaffen. Zu denken, wir könnten nicht von den existierenden Strukturen der Menschheit lernen, ist ignorant.«

»Du findest die BGV zu extrem … Hältst du ihren Anführer dann für gefährlich?«, fragte Crier.

»Nein«, entgegnete Hesod kühl. Dann fügte er hinzu: »Noch nicht.«

Damit hatte sie es verstanden. Crier war der Verband für eine Verletzung, die derzeit noch geringfügig war, die mit der Zeit aber schwären konnte. Ein winziger Riss in Hesods ansonsten eisernem Herrschaftssystem, in seiner Kontrolle über ganz Zulla, über alles vom Meer des Ostens bis zum Gebirge des Westens – außer dem abgeschotteten Gebiet Varn. Obwohl Varn ein Teil von Zulla war, wurde es von einer eigenen Automa-Monarchie regiert. Königin Junn, die Kindliche Königin. Die Wahnsinnige Königin. Die Knochenfresserin.

Hesod konnte nicht noch mehr Abspaltung brauchen. Er wollte Einheit.

Crier wusste, dass er genau das behalten wollte, nach dem Kinok strebte: Macht.

Jetzt waren die Äste über Criers Kopf wegen des nahenden Winters schon halb kahl, doch die Bäume standen so dicht, dass sie fast nichts von dem schwachen, grauen Sonnenlicht...


Varela, Nina
Nina Varela wurde in New Orleans geboren und wuchs in einer Hippie-Kommune in Durham, North Carolina, auf, wo sie den Großteil ihrer Kindheit barfuß durch die Wälder lief. Heute lebt Nina mit ihrem kleinen, ungezogenen Hund in Los Angeles. Sie schreibt Geschichten über seltsame Magie, verliebte Mädchen und junge Menschen, die Monarchien stürzen. Sie finden Nina in jedem beliebigen Café im Großraum Los Angeles oder unter www.ninavarela.com.

Nina Varela wurde in New Orleans geboren und wuchs in einer Hippie-Kommune in Durham, North Carolina, auf, wo sie den Großteil ihrer Kindheit barfuß durch die Wälder lief. Heute lebt Nina mit ihrem kleinen, ungezogenen Hund in Los Angeles. Sie schreibt Geschichten über seltsame Magie, verliebte Mädchen und junge Menschen, die Monarchien stürzen. Sie finden Nina in jedem beliebigen Café im Großraum Los Angeles oder unter www.ninavarela.com.



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