E-Book, Deutsch, Band 1, 432 Seiten
Reihe: Krone der Gefallenen
Vanadis Vanity Falling: Academy of Sins
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-377-90208-5
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Enemies-to-Lovers und die sieben Todsünden an einer düsteren Akademie
E-Book, Deutsch, Band 1, 432 Seiten
Reihe: Krone der Gefallenen
ISBN: 978-3-377-90208-5
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kari Vanadis liebt das geschriebene Wort. Am wohlsten fühlt sie sich im Fantasy-Genre, wo sie ihre eigenen Welten erschaffen kann, sie experimentiert aber auch gern mit anderen Einflüssen. Dabei legt sie Wert auf graue Charaktere, die Geschichten außerhalb von Gut und Böse erzählen. Mit 'Secrets of Dublin: Verbotene Zauber' veröffentlicht sie 2023 ihren Debütroman. Wenn Kari nicht gerade schreibt, verliert sie sich in stundenlanger Recherche um Kuriositäten, die sie zu neuen Geschichten inspirieren. Ihr Zuhause ist bei ihrem Mann und den zwei Töchtern in Kiel.
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Der Geruch verbrannter Erde lag in der Luft. Rahel schmeckte Asche auf ihren Lippen und wusste, dass sie nicht von dem Feuer stammte, das sich seinen Weg über den trockenen Boden fraß und jeden Gedanken an Flucht erstickte. Es war die Asche, die sie selbst hinterließ, der letzte Rückstand dessen, was sie einmal ihr Leben genannt hatte – und in diesem Moment verlor. Sie entstammte zerschlagenen Hoffnungen und einer ungeträumten Zukunft. Als sich Rahel mit der Zunge über die Lippen fuhr, schmeckte die Asche nach dem letzten Kuss, den sie auf die Stirn ihres Bruders platziert hatte.
Wenn ich heute sterbe, dachte sie grimmig, dann hoch erhobenen Hauptes, und meine Asche soll noch wochenlang die Gassen der Cañada Real überschwemmen, auf dass sie niemals vergessen, was sie verloren haben.
Die Warden hatten sie überrascht, waren plötzlich in den Innenhof eingedrungen, hatten die Wellbleche scheppernd aus ihren geflickten Verankerungen gesprengt und die roten Ziegel der Mauer wie Bauklötze auseinandergenommen. Sie waren zu viert gekommen – drei Warden in schwarz-goldenen Uniformen und ein Vicious, mit emotionslosem Blick in ihrem Schatten. Einem von ihnen hätten sie sich entgegenstellen können, zwei von ihnen wären sie mit hohen Verlusten entkommen, den Vicious hätte Rahel in die Knie gezwungen. Doch vier stellten eine Übermacht dar, der sich jeder vernunftbegabte Mensch unterworfen hätte. Spätestens beim Anblick ihrer strahlenden Schwerter, die von jahrhundertelanger Verwüstung sprachen.
Rahel jedoch hatte nicht eine Sekunde mit dem Gedanken an eine Kapitulation verschwendet. Sie drangen hier ein, in ihr Heiligtum, ihr Zuhause, mischten ihre Anhänger, ihre Familie auf – und erwarteten, dass sie sich stellte? Nicht mehr als ein verächtliches Lachen hatte sie für sie übrig, nichts anderes als ihre ungezügelte Macht würde sie ihnen zur Antwort geben.
Ein Leben voller Verehrung und Reichtum hätte sie mit offenen Armen willkommen geheißen. Stattdessen hatte Rahel die Cañada Real gewählt, das größte Elendsviertel Europas, den Schmutzabtreter vor den Toren Madrids. Seit Jahren wartete man auf die Katastrophe, mit der die Unerwünschten ausgelöscht werden sollten, oder versuchte, sie selbst herbeizuführen. Doch ebenso wenig, wie sie ihnen den Kampfgeist nehmen konnten, ließen sie sich dieses Land, ihre Häuser nehmen – so heruntergekommen sie auch waren. Rahel hatte die Entscheidung getroffen, diese Menschen zu beschützen und sie in eine bessere Zukunft zu führen. Und wenn jemand ihr das, was sie geschaffen hatte, entreißen wollte – dann würde sie darum kämpfen. Oder bei dem Versuch sterben.
Doch da war auch eine leise Stimme, die voller Verachtung für ebenjene Menschen sprach. Dass sie nicht vorher darüber informiert worden war, dass sich die Wächter näherten, konnte nur eines bedeuten: Rahel war verraten worden.
Ein Warden schritt inmitten der Panik, die ihr Überfall gestiftet hatte, auf sie zu. Das Schwert in der Hand, mit entschlossenem Blick und tödlicher Eleganz unter der eng anliegenden Uniform, doch Rahel ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie selbst stand etwas erhöht auf Stufen, die hinauf zu einer Terrasse führten, und hatte sich während der vergangenen Sekunden nicht bewegt. Nun verschränkte sie in einer herrischen Geste die Arme.
Der Warden verzog das Gesicht zu einer Grimasse, und einen Moment lang legte Rahel alle Gewissheit, dass er es nicht wagen würde, sie anzufassen, in ihre Gedanken. Trunken vor heraufbeschworenem Siegesmut verschwamm ihre Sicht, und ein angenehmer Schmerz durchlief ihren Körper in einer trägen Welle. Sie nahm ihn an, umfing ihn mit ihrem Sein. In diesem Moment sie ihre Worte nicht nur – und sorgte dafür, dass der Warden sie ebenso als seine Wahrheit annahm –, sie formte sie zu einer neuen Wirklichkeit.
Und sein Geist gehorchte ihr. Bevor er die erste Stufe betreten konnte, blieb er stehen und schwankte. Jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht, während er sich verängstigt umsah, als würde er die Situation zum ersten Mal richtig wahrnehmen. Wer nicht rechtzeitig vom Innenhof auf die Straße geflohen war, hatte sich oben bei Rahel auf die Terrasse zurückgezogen. Doch der Warden sah nicht länger abgerissene Gestalten, sondern Krieger, die mit allem, was sie hatten, für Rahel kämpfen würden. Ihre Heilige. Ihre Göttin.
Als die anderen beiden Warden, ein Mann und eine Frau, zu ihm aufrückten, war er bereits einen Schritt zurückgewichen. Rahel nutzte ihre Macht, um ihre Wirklichkeit weiter zu dehnen und auch um sie zu schließen. Sie würde die drei Wächter darunter zermalmen. , flüsterte sie ihnen ein, und es spielte gar keine Rolle, ob sie vorhatte, das in die Tat umzusetzen. Entscheidend war, dass sie keinen Moment daran zweifelte.
Die Frau hatte eine Hand auf die Schulter des Warden gelegt, der sich Rahel bereits unterworfen hatte, und schrie ihm irgendwas ins Ohr. Der andere Mann dagegen atmete zischend ein, als Rahel ihm ihre Wirklichkeit aufzwingen wollte. Er murmelte etwas, das sie nicht verstand, und streckte seine Hand in einer schnellen Geste nach ihr aus. Wie ein Keil, der ins Eis geschlagen wurde, zerbrach er den Schleier, den sie gewoben hatte. Seine Splitter bohrten sich in ihren Geist und verletzten ihn dort, wo er am empfindlichsten war: in ihrem Hochmut.
»Versuch das noch mal, und wir töten dich auf der Stelle!«, zischte der Warden. Während der andere in sich zusammensackte und von der Frau nach hinten gedrängt wurde, setzte er den ersten Schritt auf die unterste Stufe.
Jemand bewegte sich zu ihrer Rechten. »Rahel, wir müssen hier weg!« Mateos Stimme war kaum mehr als ein angsterfülltes Raunen, und ihr wurde klar, dass es keine Bewegung nach vorne, sondern nach hinten gewesen war.
Sie drehte den Kopf, um in das Gesicht ihres jüngeren Bruders zu sehen. Seine Augen waren geweitet, als würde er nicht glauben, was sich vor ihm abspielte. Auch die anderen, die sich hier oben bei ihr befanden, waren unruhig.
Nicht Mateo.
»Nein«, erwiderte Rahel mit schneidender Stimme. »Es gibt keinen Ausweg. Ich bin verraten worden. Sie werden uns finden und uns alles nehmen, was wir erschaffen haben. Wenn ihr jetzt aufgebt, ist das nicht nur mein Todesurteil, sondern auch das eure.« Sie alle waren gefangen in dieser Illusion und wären ohne sie verloren. Rahel am allermeisten.
Sie blieben standhaft, obwohl Rahel merkte, wie ihr die Kontrolle immer mehr entglitt. Es war Jahre her, seit sie damit angefangen hatte, sie zu ergreifen, und inzwischen war es so natürlich wie das Atmen geworden. Und mindestens genauso überlebenswichtig. Wenn sie damit aufhörte, würde sie in den Staub getrampelt werden.
Sie schirmte sich vor den anderen ab und sah ihren Bruder an, allein ihn und niemanden sonst. Sie erlaubte ihm, sie zu sehen, wie er sie schon lange nicht mehr gesehen hatte. Rahel presste die rissigen Lippen zusammen, die nicht mehr verheißungsvoll von einer besseren Zukunft sprachen, sondern nach Mitgefühl dürsteten. Sie schloss für einen Sekundenbruchteil die Augen, deren dunkles Braun nicht mehr unerbittlich jeden niederstarrte, der sich ihr entgegensetzte. Tiefe Schatten darunter zeigten, wie müde sie war. Ihre Hände glitten zitternd über ihr schweiß- und staubverkrustetes Gesicht und streckten sich dann nach ihrem Bruder aus.
»Mateo, ich brauche dich.« Wenn Mateo den ersten Schritt machte, würden weitere folgen. Er vertraute ihr, und sie vertrauten ihm, wenn Rahel sie nicht mehr erreichen konnte. So war es schon immer gewesen. Er war ihnen näher, als sie ihnen jemals sein könnte. Mateo war einer von ihnen, während sie selbst schon immer etwas anderes gewesen war.
Etwas, an dem die Sünde haftete, das spürten sie.
Sein Blick wurde weich, von bedingungsloser Liebe erfüllt. Dass er so viel fühlte, hatte sie schon immer an ihm bewundert. »Rahel, .« Er...




