Buch, Deutsch, Band 3, 352 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 196 mm, Gewicht: 434 g
Reihe: Autor:innenreihe
Gerade Gedanken eines Schrägdenkers
Buch, Deutsch, Band 3, 352 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 196 mm, Gewicht: 434 g
Reihe: Autor:innenreihe
ISBN: 978-3-7374-1170-7
Verlag: Marix Verlag
»Und wie einem ein hohler Zahn weh tun kann, das ist mir unbegreiflich; denn wenn etwas hohl ist, dann ist doch nichts mehr drin, und wie einem das ›nix‹ weh tun kann, kann ich mir nicht erklären; da müssten doch so viele Menschen auf der Welt fortwährend Kopfweh haben!«
Karl Valentin war nicht nur ein begnadeter Komiker, Schrägdenker und Humorist, sondern auch ein genialer Schauspieler und Filmemacher. Der Meister der Groteske und des absurden Sprachspiels wird von vielen auf eine Stufe mit Charly Chaplin, Buster Keaton, Luis Buñuel, Samuel Beckett sowie Stan Laurel und Oliver Hardy gestellt. Kurt Tucholsky, der ihn als Linksdenker bezeichnete, hat einmal über ihn gesagt: »Ich muss lange zurückdenken, um mich zu erinnern, wann in einem Theater so gelacht worden ist.«
Dieses Buch enthält die besten und wichtigsten Monologe, Szenen und Stücke seines umfangreichen Schaffens, das den Leser Zeile für Zeile und Seite für Seite zum Nachdenken und Lachen bringt.
»Ich bin auf Sie angewiesen, aber Sie nicht auf mich! Merken Sie sich das!«
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Inhalt
Karl Valentin – Komiker, Schauspieler und
Philosoph
Einleitung von Josef K. Pöllath
»Fremd ist der Fremde nur in der Fremde«
Der Wortzerklauber
»Gar ned krank ist a ned gsund«
Über Krankheiten und andere Beschwerden
»Hoffentlich wird es nicht so schlimm,
wie es schon ist«
Kampf mit dem Ernstfall
»Sicher is, dass nix sicher is,
drum bin i vorsichtshalber misstrauisch«
Der linksherumdenkende Philosoph
Inhalt Literatur
»Sie ham halt a andere Weltanschauung«
Ein ungewöhnlicher Blick auf die Wirklichkeit
»Dass der Gesang nur Unsinn war,
das wird zum Schlusse jedem klar«
Nonsensklassiker
Literatur
Alphabetisches Verzeichnis
Editorische Anmerkung
Wer war Karl Valentin?
Wer heute beispielsweise bei YouTube das Stichwort Karl Valentin (im Folgenden KV) eingibt, erhält gut 80 bis 90 Einträge, Filme von und mit KV, Szenen und Dokumentationen von ihm und über
ihn und sein Werk, aber auch Filme jüngerer Schauspieler, die KVs Szenen und Dialoge nachspielen, neu interpretieren oder sich in
ihren Rolleninterpretation an ihn anlehnen. KV – der Schrägdenker, Komiker, Linksdenker, Philosoph und Schauspieler, dessen Texte und Szenen eine unvergleichlich absurde Dialektik aufweisen
– war ein begnadeter (Sprach-)Künstler, man darf sagen von internationaler Bedeutung. In der Rezeption – auch nach seinem Tod – wurde er häufig in eine Reihe mit Charlie Chaplin, Buster
Keaton, Luis Buñuel und Samuel Beckett gestellt. In seine Vorstellungen kamen Intellektuelle wie Bert Brecht, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky, die ihn sehr verehrten und schätzten. Tucholsky bezeichnete ihn als Linksdenker, der Theaterkritiker und Journalist Alfred Kerr als »bayerischen Nestroy«. Brechts frühe Jahre waren erwiesenermaßen sehr stark von KV beeinflusst. Unter der Regie von Erich Engel (1891–1966) und Brecht spielte KV in dem Film »Mysterien eines Frisiersalons« die Hauptrolle. Brechts sogenannter
Verfremdungseffekt ist eine konsequente Weiterentwicklung valentinesken Denkens. Lion Feuchtwanger hat mit der Figur des Balthasar Hierl in seinem Roman »Erfolg« ein wunderbares
Porträt von KV gezeichnet. In dieser Figur zeigt Feuchtwanger seine ganze Verehrung für diesen von vielen Menschen, vor allem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, oft missverstandenen schrägen
Komiker, damals auf eine Stufe gestellt mit Volkssängern wie Weiß Ferdl, Georg Blädel, Roider Jackl, Emil Vierlinger oder Bally Prell (die Schönheitskönigin von Schneizelreuth), die er, wie wir heute wissen, um Weiten überragte, und das in vielerlei Hinsicht.
KV ist immer noch aktuell, das belegen nicht nur die Publikationen über ihn, die wissenschaftlichen Arbeiten und diversen Dissertationen, sondern das zeigen auch die beiden Preise, die nach ihm benannt sind: Da ist der »Karl-Valentin-Orden«, eine Auszeichnung, die seit 1973 immer im Januar für humorvolle bzw. hintergründige Bemerkungen im Sinne KVs von der Münchner Faschingsgesellschaft Narhalla verliehen wird. Preisträger des Jahres 2018 ist zum Beispiel der Weltmeister und Ehrenspielführer
der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Philipp Lahm für seinen Kommentar nach einem Länderspiel gegen die Vereinigten
Arabischen Emirate: »Die meiste Luft hatte der Ball.« Frühere Preisträger waren unter anderen Loriot, Joseph Ratzinger, Edmund Stoiber, Christian Ude, Sir Peter Jonas, Roman Herzog und
Hape Kerkeling, um nur einige zu nennen.
Darüber hinaus wird seit 2007 in unregelmäßigen Abständen auf Initiative von Alfons Schweiggert der »Große Karl-Valentin-Preis« für herausragende künstlerische Leistungen an Menschen
verliehen, die sich um die geniale Persönlichkeit KVs und dessen Werk in besonderer Weise verdient gemacht haben oder die in der
Tradition KVs herausragende künstlerische Leistungen vorweisen können. Die bisherigen Preisträger sind Gerhard Polt und die Biermösl Blosn, der niederbayerische Musiker und Sänger Fredl Fesl, Helge Schneider und der Kabarettist Sigi Zimmerschied.
Laudatorin bei der Preisverleihung an Zimmerschied war die bayerische Sängerin und Kabarettistin Luise Kinseher. Wer aber
war dieser Karl Valentin?