E-Book, Deutsch, 286 Seiten
Usadel Die Ordnung der Schmetterlinge
5. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-2717-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alles Wichtige zum Thema Hochsensibilität, spannend und kurzweilig in Romanform.
E-Book, Deutsch, 286 Seiten
ISBN: 978-3-7494-2717-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der ärztliche Psychotherapeut Dr. David Usadel ist seit dem fulminanten Erfolg der Erstauflage seines Bestseller-Romans "Die Ordnung der Schmetterlinge" im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus als Experte für Hochsensibilität und frühe seelische Traumata bekannt. Neben der Tätigkeit als Coach/Therapeut und Autor ist er gern gesehener Kongressredner und Podcast-Gast. Die intensive Arbeit mit hochsensiblen Menschen brachte ihn in Kontakt mit dem Thema Entwicklungs-/Bindungstrauma und führte schließlich zu der Erkenntnis, dass diese Bereiche kaum getrennt voneinander betrachtet werden können. Ursprünglich verhaltenstherapeutisch ausgebildet, arbeitet D. Usadel inzwischen überwiegend nach den Prinzipien der körperorientierten Traumatherapie. Im Jahr 2024 erschien die vielfach gewünschte Fortsetzung der "Ordnung der Schmetterlinge" mit dem Titel "Grau ist bunter als oben und unten", in der D. Usadel das Thema früher seelischer Traumata und die damit einhergehende Störung der Selbstregulation behandelt. Zudem geht dort der Frage auf den Grund, wie Hochsensibilität und seelische Traumata miteinander zusammenhängen. www.dr-usadel.de
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1
Coco versuchte, die Augen zu öffnen. Ihre Lider fühlten sich unsagbar schwer an. Selbst die kleinste Bewegung kostete sie große Anstrengung.
Was war das für eine ungewohnte Stille? Kein Straßenlärm, keine laut aufgedrehten Fernsehgeräte aus den Nachbarwohnungen. Entfernt glaubte sie, Vogelgezwitscher zu hören.
Hatte sie das alles nur geträumt? Den nicht enden wollenden Dauerlauf durch unbekannte Gegenden der Stadt, die außergewöhnliche, getigerte Katze?
Der Untergrund, auf dem sie lag, war weich. Sie war zugedeckt. Coco tastete nach dem Schulbeutel. Da war nichts. Blinzelnd versuchte sie erneut, die Augen zu öffnen. Helles Sonnenlicht blendete sie, sodass sie den Versuch aufgeben musste. Doch - helles Sonnenlicht? Wie konnte es sein, dass die Sonne in ihr Fenster schien? Zu keiner Jahreszeit war es vorgekommen, dass die Sonnenstrahlen ihr Zimmer erreicht hatten. Und es war kein Fluchen oder Stöhnen des Vaters zu hören. War sie im Himmel? War ihr Wunsch endlich erhört worden? Wenn das der Himmel war, dann war es gut so!
Cocos Kopf schmerzte, die Schläfen pochten. Aber es gab keinen Grund mehr, dagegen anzukämpfen. Wenn sie im Himmel war, dann hatte sie nun keinerlei Eile, keinerlei Verpflichtungen mehr. Niemand würde sie mehr antreiben. Der entfernte Gesang der Vögel wurde leiser. Ruhe überkam Coco. Sie wollte nur noch schlafen. Für immer schlafen.
In dem Dämmerschlaf, in den sie verfiel, erschienen ihr Erinnerungen der vergangenen Tage. Wie Bilder, die aus dem Nichts auftauchten und die ebenso plötzlich wieder verschwanden. So war da plötzlich wieder diese außergewöhnliche Katze.
»Miststück, warum ist nichts zu essen da? Willst du, dass ich hier in diesem Drecksloch verhungere?«, glaubte sie plötzlich, die Stimme des Vaters rufen zu hören. Angespannt und mit klopfendem Herzen versuchte Coco, die Bettdecke zurückzuschlagen, um aus dem Bett aufzuspringen. Doch ihr Körper versagte ihr seinen Dienst. An ein Aufstehen war nicht zu denken. Anders als sonst, wenn sie krank gewesen war, vermochte die Angst vor dem Vater diesmal nicht, ihrem Körper eine letzte Anstrengung abzuverlangen. Doch was würde der Vater mit ihr anstellen? Sie musste aufstehen, sie musste ihm doch gehorchen! Gequält von dem Gedanken, den Groll des Vaters zu verstärken, lag sie nur noch einen kleinen Augenblick reglos da, mit der Absicht, einen weiteren Versuch zu unternehmen, aus dem Bett aufzustehen. Da fiel ihr auf, dass die Schreie und das Fluchen des Vaters verstummt waren. Irritiert lauschte sie, in Erwartung eines weiteren lautstarken Wutausbruches. Doch nichts geschah.




