Turano | Braut auf Zeit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Turano Braut auf Zeit

Roman.
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96122-234-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-96122-234-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



New York City, 1882: Die junge Hutmacherin Hannah Peabody liefert Ware an die vermeintliche Verlobte des reichen Junggesellen Oliver Addleshaw aus. Doch die Lieferung geht so gründlich schief, dass Hannah sogar ihre Anstellung verliert. Überraschend eröffnet sich ihr eine neue Perspektive: Da Oliver für seine Geschäfte dringend eine weibliche Begleitung braucht, engagiert er kurzerhand Hannah. Schon bald müssen die beiden feststellen, dass sie mehr füreinander empfinden, als es ihre 'geschäftliche Vereinbarung' zulässt ...

Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.
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1

New York City, 1882

Miss Peabody, ich störe Sie wirklich nur sehr ungern bei der Arbeit, aber mich hat gerade eine dringende Nachricht erreicht, die meine unverzügliche Aufmerksamkeit erfordert. Kommen Sie bitte in mein Büro. Ich muss mit Ihnen sprechen.“

Hannah Peabody legte die Feder zur Seite, die sie gerade an einem monströsen Hut hatte anbringen wollen, und folgte Mrs Feinman. Obwohl sie ahnte, dass das, was ihr ihre Vorgesetzte mitzuteilen hatte, höchstwahrscheinlich nichts Erfreuliches war, betrat Hannah das Büro und zog die Tür hinter sich zu. Sie bahnte sich einen Weg zwischen den zahlreichen Hüten hindurch, die auf dem Boden lagen, und blieb vor dem Schreibtisch stehen. Als Mrs Feinman sie einen Moment lang wortlos anschaute, musste sie sich sehr beherrschen, um nicht nervös zu zappeln.

„Möchten Sie eine Tasse Tee, meine Liebe?“, fragte Mrs Feinman schließlich.

Schlagartig bildeten sich Schweißperlen auf Hannahs Stirn.

Mrs Feinman hatte ihr noch nie einen Tee angeboten. Kein einziges Mal in der ganzen Zeit, die sie bereits für diese Frau arbeitete!

„Danke, aber ich habe keinen Durst“, brachte sie mühsam über die Lippen, obwohl ihr Mund plötzlich wie ausgetrocknet war.

„Ich bestehe darauf.“ Mrs Feinman deutete mit dem Kopf zu einem Teeservice.

„Eine Tasse Tee wäre köstlich.“ Hannah trat zu der Teekanne und schenkte sich eine Tasse ein. Einige Teetropfen landeten auf dem Tisch, da ihre Hände plötzlich zu zittern begonnen hatten. Sie wischte die Tropfen mit einem Zipfel ihres Ärmels verstohlen weg, drehte sich mit der Tasse in der Hand um und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass Mrs Feinman in einer Modezeitschrift blätterte. Hannah räusperte sich. „Sie sprachen von einer dringenden Nachricht, Mrs Feinman?“

„Ach ja! Natürlich.“ Mrs Feinman hielt inne und deutete mit dem Kopf zu einem Stuhl, auf dem sich mehrere Hüte stapelten. „Setzen Sie sich doch.“

Hannah glitt vorsichtig auf die vorderste Stuhlkante und hoffte inständig, ihre modische Tournüre würde keinen der Hüte zerdrücken. Es war wirklich schade, dass sie die einklappbare Tournüre, an deren Entwicklung sie arbeitete, noch nicht fertiggestellt hatte. Eine solche Tournüre wäre in diesem Moment sehr hilfreich gewesen.

„Es geht darum“, begann Mrs Feinman, „dass Sie eine Hutlieferung übernehmen müssen.“

Die Teetasse in Hannahs Hand erstarrte auf halbem Weg zu ihren Lippen. Sie runzelte verwirrt die Stirn. „Eine Hutlieferung?“

„So ist es. Ich muss ausdrücklich betonen, dass es sich um eine sehr wichtige Lieferung handelt, die ich nicht jedem anvertrauen würde.“

Hannah stellte die Tasse ab, erhob sich und brauchte eine Sekunde, um ihre Gedanken zu ordnen, bevor sie es wagte, etwas zu sagen. „Ich hoffe sehr, dass Sie es mir nicht übelnehmen, Mrs Feinman, aber ich würde mich nicht wohl dabei fühlen, etwas auszuliefern, das – wenn ich so sagen darf – fragwürdiger Natur ist.“

Mrs Feinmans fleischige Wangen begannen zu zittern, ihre Gesichtsfarbe nahm ein interessantes Dunkelrot an, und dann begann die Frau zu Hannahs Erstaunen, laut zu lachen. Schließlich schluckte sie ein letztes Mal belustigt und forderte Hannah mit einer Handbewegung auf, sich wieder zu setzen. „Es ist wirklich interessant, dass Sie mir zwielichtige Geschäfte zutrauen, Miss Peabody. Aber ich versichere Ihnen, dass Ihre Befürchtungen völlig unbegründet sind.“ Sie tippte mit dem Finger an eines ihrer vielen Kinne. „Obwohl ich mir schon oft gedacht habe, dass es für die Belebung meines Geschäftes hilfreich sein könnte, wenn ich tatsächlich zu fragwürdigen Machenschaften neigen würde – was, wie ich noch einmal betonen möchte, natürlich nicht der Fall ist.“

Da Hannah beim besten Willen keine passende Erwiderung auf diese sonderbare Bemerkung einfiel, kehrte sie zu ihrem Stuhl zurück, setzte sich geistesabwesend und vernahm im selben Augenblick ein unheilverkündendes Knirschen. Ihr war sofort klar, dass sie nun ohne Zweifel auf einem ruinierten Hut saß. Wie viel würde Mrs Feinman als Wiedergutmachung für den angerichteten Schaden verlangen? Hannah besaß ein paar Dollar, aber sie hatte das Geld mühsam gespart, um es für ein nettes Geburtstagsessen auszugeben und nicht für einen zerstörten Hut.

Sie brauchte nicht unbedingt ein köstliches Steak, um den Tag ihrer Geburt zu feiern. Nein, die angenehme Gesellschaft ihrer Freundinnen wäre auch so sehr schön, aber ein Steak hätte dem Abend eine besondere Note verliehen, und sie hatte seit Monaten kein Rindfleisch mehr gegessen.

„… deshalb müssen Sie die Kutsche nehmen und dafür sorgen, dass Mr Addleshaws Verlobte mit den Hüten zufrieden ist, die wir für sie entworfen haben.“

Alle Gedanken an ein köstliches Rindersteak verflogen im Bruchteil einer Sekunde. „Verstehe ich Sie richtig? Bei der dringlichen Situation, von der Sie gesprochen haben, handelt es um die Auslieferung von Hüten?“

„Ganz richtig. Aber es handelt sich dabei nicht um irgendwelche Hüte, sondern um Hüte, die speziell für Miss Birmingham entworfen wurden. Sie ist erst vor Kurzem in New York eingetroffen und ist die Verlobte von Mr Oliver Addleshaw, einem der vermögendsten Männer in unserem Land.“

Mrs Feinman zwinkerte Hannah verschwörerisch zu. „Man erzählt sich, dass er durch Finanzgeschäfte ein gigantisches Vermögen gemacht hat. Und ich verfolge die Absicht, durch Geschäfte mit seiner Verlobten ein Stück von diesem Kuchen abzubekommen.“ Sie nahm einen Brief, der auf ihrem Schreibtisch lag, und begann, sich damit Luft zuzufächern. „Die Nachricht von Miss Birmingham klingt allerdings ein wenig hysterisch. Die junge Dame befindet sich nach eigener Aussage in einer Notlage. Sie fürchtet, dass die Hüte, die sie bestellt hat, möglicherweise nicht ganz zu der Garderobe passen, die sie sich heute Morgen liefern ließ.“

Hannahs Kinnlade fiel nach unten. In ihrer Welt bedeutete „Notlage“, dass jemand gestorben oder die Miete überfällig war oder dass aus Geldmangel kein Essen auf dem Tisch stand. „Notlage“ bedeutete jedoch nie, dass man eine Hutlieferung nicht abwarten konnte.

„Ich habe Timothy bereits losgeschickt, um die Kutsche zu holen“, sprach Mrs Feinman unbeirrt weiter. „Er müsste jeden Augenblick zurück sein. Sie brauchen nur Miss Birmingham dabei zu helfen, die Hüte anzuprobieren. Beruhigen Sie sie einfach, falls sie sich Gedanken darüber machen sollte, dass der eine oder andere Stil ihre Garderobe nicht perfekt ergänzen würde.“

„Bitte entschuldigen Sie, Mrs Feinman, aber wenn mir die Frage erlaubt ist: Warum nehmen Sie sich dieser Sache nicht persönlich an, da es sich offenbar um eine sehr delikate Angelegenheit handelt?“

Mrs Feinmans Miene wurde ein wenig verschlagen. „Ich dachte, es sei höchste Zeit, Sie aus dem Hinterzimmer zu holen und mit unseren Kunden in Kontakt zu bringen.“

„Und Sie glauben, dass der erste dieser Kontakte der mit der Verlobten eines der reichsten Männer Amerikas sein sollte?“

„Miss Peabody, Sie sind hart im Nehmen. Deshalb habe ich Sie für diese unangenehme, ähm, entzückende Aufgabe ausgewählt. Gladys oder Peggy kann ich dafür nicht gebrauchen, da Miss Birmingham ein etwas aufbrausendes Temperament hat. Die beiden wären binnen weniger Minuten in Tränen aufgelöst. Sie hingegen würden wahrscheinlich nicht einmal weinen, wenn Ihr Hund stirbt.“

„Ich habe keinen Hund.“

„Darum geht es nicht. Falls Sie einen Hund hätten und er auf tragische Weise ums Leben käme, würden Sie sicher keine einzige Träne vergießen, nicht wahr?“

Hannah zwang sich zu einem Lächeln. „Ich schätze Ihr Vertrauen in mich wirklich sehr, aber ich muss Sie daran erinnern, dass Sie mir, als Sie mich eingestellt haben, ausdrücklich erklärten, dass ich mich im Hinterzimmer aufzuhalten hätte und keinen Kontakt zu den Kunden haben sollte. Aus diesem Grund hat es nichts mit Bescheidenheit zu tun, wenn ich Sie darauf hinweise, dass ich für den Umgang mit einer so überaus wichtigen Kundin nicht unbedingt geeignet bin.“

„Ich habe Sie nicht deshalb in die Werkstatt verbannt, weil ich an Ihren Fähigkeiten im Umgang mit unseren Kunden zweifle, Miss Peabody. Der Grund dafür war vielmehr, dass Sie mit Ihrem viel zu hübschen Gesicht, Ihren ungewöhnlichen violetten Augen und Ihren faszinierenden schwarzen Haaren unsere Kundinnen in den Schatten stellen würden. Allerdings“, sie seufzte theatralisch, „ist Miss Birmingham anders als unsere üblichen Kundinnen. Sie nimmt offenbar an meiner relativ üppigen Figur Anstoß und hat ausdrücklich verlangt, dass ihre Hüte von einer Person mit angenehmem und schlankem Erscheinungsbild geliefert werden.“ Mrs Feinman gestikulierte in Hannahs Richtung. „Da Sie die einzige verfügbare Person mit diesen Merkmalen sind, müssen Sie ihr die Hüte bringen.“

Hannah war sofort hellhörig. Ihr war zwar sehr wohl bewusst, dass sie eine schlanke Figur besaß, da sie häufig nicht genug zu essen hatte, aber sie war ziemlich sicher, dass sie einen leichten Anflug von Schadenfreude in Mrs Feinmans Stimme vernahm. Sie hegte den starken Verdacht, dass diese Schadenfreude daher rührte, dass ihre Arbeitgeberin hoffte, sie würde diese Miss Birmingham in den Schatten stellen. Das wäre allerdings nicht gerade förderlich. Doch bevor sie protestieren konnte, beugte sich Mrs Feinman neugierig vor.

„Ich muss zugeben, dass es mich...


Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.



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