Tschechne | Erinnerungen eines Veteranen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Reihe: Frieling - Edition Avra

Tschechne Erinnerungen eines Veteranen

(1904 - 1946)
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8280-3581-2
Verlag: Frieling & Huffmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

(1904 - 1946)

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Reihe: Frieling - Edition Avra

ISBN: 978-3-8280-3581-2
Verlag: Frieling & Huffmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gerd Tschechne wandelt für diesen autobiographischen Erinnerungsroman auf den Spuren der Vergangenheit und blickt zurück auf die schicksalhaften Jahre seiner Kindheit und Jugend während des NS-Regimes. Der Autor verwendet hierfür seine eigenen Tagebucheinträge als historisches Fundament. Dabei ist vor allem die persönliche Erzählperspektive lobenswert hervorzuheben, die Herrn Tscheches Gedanken und Emotionen in den Mittelpunkt rücken. Das Manuskript grenzt sich durch seine emotionale und hochwertige Sprache von drögen Geschichtsbüchern ab und präsentiert sich deshalb als ein intensiver Zeitzeugenbericht, der die Epoche anschaulich zum Leben erweckt. Somit fungiert das Werk als Zeitkapsel, welche in ihrer Funktion, die Vergangenheit zu konservieren, hohe Relevanz erhält.

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Der Pimpf vom Dienst
Alle Kinder waren verpflichtet, den Pimpfen beizutreten. „Der Pimpf“ war die einzige Jugendorganisation, die von der Reichsregierung geduldet und gefördert wurde. Mädchen wurden im „Bund Deutscher Mädels“ verpflichtet, kurz „BDM“ genannt. Meine Pimpfenzeit begann 1935 mit 10 Jahren und endete 1939, da war ich 14 Jahre alt. Was ich in diesen vier Jahren bei dem Jungvolk erlebte, hat mich sehr begeistert. Ich gehörte einer Jungenschaft von ca. 10 Pimpfen an. Ein älterer Schüler war mein Jungenschaftsführer. Zu einem Jungzug gehörten mindestens 3 Jungenschaften, und 3 Jungzüge ergaben ein Fähnlein. Mein Dienst als Pimpf spielte sich vorwiegend in der Jungenschaft ab. Nur bei Umzügen und Aufmärschen nahm das Fähnlein geschlossen daran teil, wie zum Beispiel am 1. Mai. Wir trugen alle die gleiche Pimpfbekleidung: Braunes Hemd, schwarzes Dreiecktuch mit Lederknoten, schwarze kurze Hose mit Koppel und Schulterriemen. Dann kamen noch die schwarze lange Skihose, eine schwarze Bluse, die schwarze Schirmmütze und das Fahrtenmesser, das am Koppel in einer Messerscheide getragen wurde, dazu. Später war ich stolz auf meine derben Lederschnürhalbschuhe (sogenannte Bundschuhe). Ich ließ die Sohlen benageln, die Absätze hufeisenartig beschlagen und die Sohlenspitzen mit Metallplättchen versehen. Verrückt, aber es war so - ich war 13 Jahre alt! 1934 hatte der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen die Storkower Burg erworben und sie für ihre Zwecke um- und ausbauen lassen. Sie konnte dann im Oktober 1935 feierlich als „Märkische Jugendburg Storkow“ eingeweiht werden. Die Einweihung fand im größeren Rahmen statt. Auf dem Burghof waren viele uniformierte Jugendliche angetretenen. Das Fähnlein, zu dem ich damals als Pimpf gehörte, marschierte vom Schulhof der Altstadtschule zur Burg. Wir marschierten im großen Umzug mit, voran der Spielmannszug mit seinen Fanfarenbläsern, den Trommlern und Querflötenpfeifern, dann der Fahnenträger mit unserer Fähnleinfahne, gefolgt von unserem Fähnlein, aufgegliedert nach Jungzügen. Auf dem Burghof angekommen, reihten wir uns ins Karree der bereits angetretenen Jugendlichen ein. Der Spielmannszug postierte sich mit seinen Fanfarenbläsern vor dem Haupteingang der Burg. Als es hieß, der Reichsjugendführer der NSDAP, Baldur von Schirach, kommt, wurde er mit einem Fanfarengruß empfangen. Er betrat in HJ-Uniform und blankgeputzten langen Schaftstiefeln mit großem Gefolge den Burghof. Die Storkower Burg um 1900 Die Ehrenhalle mit den Namen der im Kampf gefallenen Hitlerjungen Er marschierte zur Mitte des Burghofes, baute sich dort auf und hielt eine schwungvolle Rede. Er sprach von der größten Jugendburg Deutschlands, die nun zur Aufnahme der Jugend aus ganz Deutschland bereitstehe. Als Pimpf war ich von seiner Rede tief beeindruckt. Sie machte mich stolz auf Storkow, das nun deutschlandweit bekannt werden würde. Nach seiner Rede folgten erneut Fanfarenklänge und Trommelwirbel. Währenddessen schritt er an uns vorbei und hin zum Laubengang an der Burgmauer. Am Ende des Ganges verweilte er an der Gedenktafel für die gefallenen Hitlerjungen einen kurzen Moment. Dann verließ er rasch den Burghof, wieder begleitet von Fanfarenklängen. Ein einziges Mal wollte auch ich in der Burg übernachten. Wenige Tage nach der Einweihung ging mein Wunsch in Erfüllung. Mit meiner Storkower Pimpfengruppe zog ich für eine Nacht in die Burg ein. Ich erinnere mich an den spartanisch eingerichteten Schlafraum, mit seinen weiß getünchten Wänden, an den großen Waschraum für alle, an den Tagesraum und an den „Rittersaal“, der groß, mit einem Kamin und rustikalen Möbeln stilvoll ausgestattet war. Er vermittelte uns eine echte Burgatmosphäre. In ihm kamen alle zum Essen zusammen. Der „Rittersaal“ musste schon in früheren Zeiten stets das Schmuckstück der Burg gewesen sein, immer der Zeit entsprechend anders eingerichtet, je nach dem Geschmack des jeweiligen Burgbesitzers. 1925 wurden Möbel aus dem „Rittersaal" veräußert. Mein Vater begab sich damals zur Burg und erwarb aus dem „Rittersaal“ einen großen Eichentisch. Dieser Tisch zierte dann das Wohnzimmer meiner Eltern. In den ersten Nachkriegstagen in Storkow litt er schwer, da er bei den Russen als Hauklotz diente. Jetzt ist er in meinem Besitz. In der Burg erlebte ich ein fröhliches Jugendleben. Aus den verschiedensten Gauen von ganz Deutschlands war Jungvolk angereist. Später erfuhr ich, dass in 15 Schlafsälen 120 Betten vorhanden waren. Die Aufnahmekapazität war ständig erreicht, ein Zeichen dafür, dass die Burg von der Jugend angenommen wurde und sie sich in ihr wohlfühlte. Zur Sonnenwendfeier am 21. Juni 1938 trafen sich die Pimpfe mit der HJ und dem BDM auf dem Mühlenberg. Als meine Jungenschaft dort ankam, wurde gerade ein aufgeschichteter Holzstoß aus armdicken langen Holzscheiten angezündet. Wir stellten uns im Kreis um das Feuer. Es kamen markige Sonnenwendsprüche, jemand hielt eine kurze Rede und Lieder wurden gesungen, wie z.B.: „ Flamme empor…“ und „Heilig Vaterland…“ usw.. Als der Feuerstoß zusammen gestürzt war, sprangen Hitlerjungen einzeln und dann mit Mädchen vom BDM paarweise über das Feuer. Es war eine romantische Atmosphäre. Sie begeisterte mich. Sehr beliebt waren die Geländespiele. Einmal sollte die Fähnleinfahne eines anderen Fähnleins erobert werden, die sich auf der Bergkuppe der Walters-Berge befand. Hier hielten sich die Verteidiger verborgen, um ihr Fähnlein zu schützen. Die Verteidiger besaßen einen roten Wollfaden am rechten Oberarm und wir Angreifer einen blauen. Es wurde ein Mann-gegen-Mann Kampf ausgefochten. Wurde im Kampf einem der Wollfaden abgerissen, musste er den Kampf aufgeben und sich zu einem festgelegten Sammelplatz begeben. Jeder Pimpf besaß den Ehrgeiz, seinen Wollfaden möglichst nicht zu verlieren. Die Bergkuppe war auf einer Seite eine sandige Brache. Der gegenüber liegende Abhang war steil, mit dürftigem Gras und Bäumen bewachsen. Die Verteidiger der Fahne hielten sich gut verteilt kurz vor der Kuppe auf, am Steilhang waren sie gut getarnt. Wir sahen, dass der langgestreckte sandige Hang nur schwach besetzt war, wohl in der Annahme, dass über diesen Hang kaum ein Angriff zu erwarten sei. Wir täuschten aber gerade dort einen Großangriff vor, indem unser Fähnlein fast geschlossen frontal zur Kuppe stürmte. Als die Verteidiger das sahen, zogen sie sofort das Gros ihres Fähnleins an dieser vegetationslosen Hangseite zusammen, um uns mit einer Übermacht den Weg zur Kuppe zu verwehren. Ich gehörte zu einer auserwählten Gruppe unseres Fähnleins, die sich über den Hang von der anderen Seite der Kuppe nähern sollte, um überraschend die Fahne zu erobern. Wir stießen aber unterhalb der Bergkuppe auf einen ebenfalls gut getarnten Gegner, der uns empfing und in erbitterte Ringkämpfe verwickelte, wobei mir der Wollfaden vom Arm gerissen wurde. Ich musste den Kampf aufgeben. Einige von uns drangen bis zur Bergkuppe vor, gelangten bis zur Fahne und wurden dann dort überwältigt. Die Fahne blieb im Besitz der triumphierenden Verteidiger. Unser Fähnlein gestaltete auch sogenannte „Bunte Abende“ für die Eltern und für Gäste im Saal der Rathausgaststätte. Wir führten Sketche, Scharaden und Schattenspiele auf. Auch trugen wir mehrere gestenreich eingeübte Lieder vor. Wir erhielten immer viel Beifall und fühlten uns großartig, wenn wir so als Gemeinschaft vor den Erwachsenen in Erscheinung traten. Jede Jungenschaft war bestrebt, einen eigenen Jungenschaftsraum zu besitzen und ihn selbst einrichten zu wollen. Auch wir fanden einen solchen Raum für uns. Am Ende der verlängerten Schützenstraße, am Rande der „Waltersberge“, ließ der Besitzer vom Kalksandsteinwerk, Herr Planken, ein großes Mehrfamilienwohnhaus für seine Werksangehörigen bauen. Der Bau wurde nie vollendet. Zu meiner Pimpfenzeit wohnte in der fertiggestellten Haushälfte nur eine Familie, es war die Familie Pietreck. Zum Wohnhaus gehörte ein Wirtschaftsgebäude mit mehreren schmalen Räumen. Die Eingangstür konnten wir verriegeln. Diese Räume waren für die Mieter als Abstellräume gedacht. Da Mieter fehlten, blieben diese Räume ungenutzt. Unsere Jungenschaft erhielt so einen leerstehenden Raum. Wir richteten ihn nach unserem Sinne ein. Wir besorgten uns einen langen Tisch und bauten uns dazu die Bänke. Licht erhielt der Raum nur durch ein kleines Fenster an der Stirnseite, so dass er ziemlich dunkel blieb. Elektrische Anschlüsse gab es nicht. Wir erhellten die Kammer bei Bedarf mit einer Kerze. In diesem Raum führten wir dann unsere Zusammenkünfte durch, wie die „Heimabende“, in denen an bedeutende Persönlichkeiten aus vergangener Zeit ehrenvoll gedacht wurde. Wir sangen auch viel. Es gab damals ein Buch „Pimpf im Dienst“. Es diente als Grundlage für...


Tschechne, Gerd
Gerd Tschechne wurde 1925 in Storkow geboren. Mit 15 Jahren Besuch der militärischen Vorschule in Annaburg, dann Uffz.- Schule in Potsdam. Danach folgen Fronteinsatz und Verwundung. Nach Kriegsende gehrt Tschechne zurück nach Storkow.
Im Jahr 1946 beginnt er einen Lehrgang für Neulehrer, um danach das Studium für Geografie und Sport aufzunehmen. 1947 folgt der Umzug nach Wolzig, wo Gerd Tschechne Schulleiter an der Zentralschule wird.
Nach der Auflösung der Schule in Wolzig 1956 wird er als stellvertretender Schuldirektor in Friedersdorf eingesetzt. Tschechne war in seiner Heimat ein sehr bekannter und bei den Schülern sehr beliebter Lehrer.
Neben seiner Lehrertätigkeit arbeitete Gerd Tschechne als Heimathistoriker und Schriftsteller. Er verfasste viele historische Beiträge über die Dörfer Wolzig, Blossin, Kolberg, Dol- genbrodt, Friedersdorf und andere interessante Regionen. Er war Mitglied des historischen Beirates der Stadt Storkow und im Heimatverein Wolzig. Gerd Tschechne hielt über 490 heimatbezogene Vorträge und verfasste zehn Broschüren.



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