Trummer | Jesus ohne Opfer | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Trummer Jesus ohne Opfer

Glaube, der befreit
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-451-84450-8
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Glaube, der befreit

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-451-84450-8
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im dritten Teil seiner Trilogie - nach Den Herzschlag Jesu erspüren. Seinen Glauben leben (4. Aufl. 2024) und Mit Jesus am Puls der Zeit Ermutigung zum Christsein (2. Aufl. 2025) - legt der Neutestamentler Peter Trummer den Weisheitslehrer Jesus von seine Gestalt und Botschaft verdunkelnden Übermalungen frei. Zu Tage tritt das folgende Bild: Jesus wollte aller Welt bezeugen, wozu der Glaube an einen bedingungslos gütigen Gott fähig ist. Dazu braucht es keine Opfer oder Vergottung seiner Person. Derlei Konstrukte vergiften nur das Gottesbild, machen den Menschen und Juden Jesus unkenntlich und lassen die Gläubigen mit schlechtem Gewissen zurück. Die Wahrheit, die Jesus verkündet hat und die befreit, entdecken wir vielmehr, wenn wir beginnen, die Projektionen unseres Über-Ichs (und Kirchengottes) abzuarbeiten. Erst so wird auch in uns jene letzte Instanz vernehmbar, die nicht nur anklagt, sondern ermutigt, uns und den anderen zu vergeben. Damit sind wir der Abba-Idee Jesu auf der Spur. Sein Brotbrechen wiederum feiert die grenzenlose Güte und Gastfreundlichkeit Gottes und macht so die (geistige) Gestalt Jesu über seinen Tod hinaus erkennbar. Es steht aktiv und passiv allen offen und verändert die Gesellschaft nachhaltig. Nach Jesus liegen das Göttliche und wahrhaft Menschliche gar nicht so weit auseinander, wie es das Dogma definierte. Trummers erfrischend zeitgemäßes Jesus-Buch zeigt, dass die Menschheit vom Weisheitslehrer Jesus noch eine Menge lernen könnte, anstatt sich über seine Person und Gottesnatur zu streiten. Eine Inspiration für befreienden Glauben heute!

Peter Trummer, Dr. theol., geb. 1941, lehrte Neues Testament an der Universität Graz. Seine grenzüberschreitende Theologie möchte die Gestalt und Botschaft Jesu den Menschen von heute heilsam nahebringen.
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1. Sehen und Verstehen Vom Wunder der Erkenntnis


Mit seltsamen Gefühlen betrete ich alte Römerstraßen, wie sie gelegentlich auch in unseren Gegenden noch anzutreffen sind. Sie fügen sich gut in die Landschaft ein, sind bisweilen bis zu sechs Meter tief fundamentiert, anscheinend für die Ewigkeit geschaffen. Dass sie neben der Pioniertätigkeit der Legionäre hauptsächlich Ergebnis von Frondiensten sind, trübt die Bewunderung, und der Verkehr auf ihnen war alles andere als fortschrittlich. Wohl erreichte die kaiserliche Post fernste Ziele in kurzer Zeit, aber der Schwerverkehr war mehr als mühsam. Die starren Ochsenkarren mussten bei jeder Kurve oder Gegenverkehr aus der Spur gehoben werden. Niemand kam auf die Idee, das naheliegende Vorbild eines Renn- oder Kampfwagens auf ein solches Fahrzeug umzulegen. Die bewegliche Deichsel war noch nicht erfunden, desgleichen die Bremsen. Bei Gefälle wurde ein Rad einfach mit einem Stock blockiert, auch nicht gerade die schonendste Lösung. Pferde kamen als Zugtiere ohnehin nicht in Frage, sie hatten kein entsprechendes Zaumzeug und hätten sich nur erwürgt.

Auch gewöhnliche Reisende waren nicht zu beneiden. Sie mussten, falls ohne Lasttier unterwegs, ihr Gepäck selbst tragen, auch das für die kalten Nächte unerlässliche kompakte Obergewand (nach Luther den „Mantel“: Ex 22,25f) immer bei sich haben. Für die Legionäre konnte das Marschgepäck schon an die 20 kg betragen, doch auch ihnen fiel nichts Besseres ein, als dieses zu einem Bündel geschnürt an einer Stange zu schultern. Das diesbezügliche technisch-kulturelle Erwachen reicht noch in meine eigene Lebenszeit hinein: Die unförmigen Rucksäcke an zwei Lederriemen aus der Jugend- und Wanderbewegung waren schon ein echter Komfort, aber ergonomische Traggestelle ließen noch länger auf sich warten, ebenso leichte Materialien für Zelt, Luftmatratzen oder Kochgeschirr.

Der Vergleich mit unsinniger Plagerei drängt sich auch hinsichtlich der christlichen Tradition auf. Sie hat erstaunlich viel vom römischen Geist, aber auch etliches von seiner Betriebsblindheit geerbt (da war z. B. eine von Legionären geschlossene Ehe gesetzlich ungültig und ging so zu Lasten ihrer faktischen Frauen und Familien,1 ein Zynismus, an dem auch der Pflichtzölibat der römisch-katholischen Priester bis heute laboriert). Jedenfalls war meist nur mehr wenig vom Jesuswort zu spüren: „Mein Joch ist brauchbar/bequem/sanft und meine Bürde leichtfüßig“ (Mt 11,30; vgl. Kap. 4). Dazu gab es zu viele Regeln, Verbote, moralische Bedenken.

Womit uns die zweite, dunkle Seite des Erkennens begegnet: Wir alle sind, sowohl als einzelne als auch kollektiv, überhaupt nicht davor gefeit, neben erstaunlichem Wissen und Können im Detail für die eigentlichen Sinnzusammenhänge völlig blind oder kurzsichtig zu bleiben. Das gilt insbesondere für die verbreitete Glaubenserzählung, wonach Christus „für unsere Sünden starb“, die auch allen Kreuzen im öffentlichen Raum anhaftet und nicht gerade eine Empfehlung für unsere altehrwürdige Religion darstellt. (Eigentlich verständlich, dass sie vermehrt auf Irritation und Ablehnung stoßen.)

Der interpretationsbedürftige Satz steht wörtlich im Neuen Testament (1 Kor 15,3), ist aber seiner Herkunft nach älter (Jes 52/53) und kann sich ursprünglich gar nicht auf Jesus beziehen, bleibt schon in sich dunkel und höchst widersprüchlich. Seine Tragik entfaltet sich erst im Christentum, wo das lateinische Abendland auf der Suche nach kausalen Welterklärungen zusammen mit germanischen Rechtsvorstellungen durch Bischof Anselm von Canterbury (1033–1109) die Idee entwickelte, Jesus hätte mit seinem Kreuzestod die Strafen für die unendliche Beleidigung des Allerhöchsten durch unsere Sünden „stellvertretend“ auf sich genommen, weil wir selbst nie entsprechende Genugtuung () dafür leisten könnten. Auch die Reformation fand keinen Ausgang aus diesem Labyrinth.

Monokausale Erklärungen treffen jedoch in geistigen Bereichen selten zu, blenden zu vieles aus. Jesus konnte nur „für sich“ sterben, alles andere wäre völlig sinnlos. Er hat gut dreißig Jahre gelebt, und nur wenige Stunden gelitten. Letztere können nicht der Sinn seines Lebens gewesen sein. Nur wenn das Ganze für ihn stimmig war, können vielleicht auch wir irgendeinen Sinn „für uns“ daraus entnehmen, aber wir dürfen die Relationen nicht willkürlich verschieben und uns (narzisstisch) zur eigentlichen Ursache des Geschehens erklären. So wichtig sind wir nun auch wieder nicht. Jesus hat den Menschen in Wort und Tat seinen Glauben an den ohne Opfer gnädigen Gott nahegebracht und diesen bewusst und gezielt mit dem religiös höchst belasteten Kreuzestod (Dtn 21,23/Gal 3,13) vor aller Welt „durch sein eigenes Blut“ (Apg 20,28) bezeugt. Ohne diesen mutigen letzten Schritt wären seine Person und Botschaft wahrscheinlich spurlos an uns vorübergegangen. Doch als Guter Hirte „setzt er sein Leben ein“ ( Joh 10,11; 15,13); „er gibt es“ nicht „hin“, wie immer noch zu hören ist. Zwar erscheint der sprachliche Unterschied aufs erste vielleicht gering, doch liegen Welten dazwischen, ergeben sich daraus völlig widersprüchliche Lebenskonzepte. Was wir für uns daraus entnehmen können, ist einzig (und doch unendlich viel): Auch wir dürfen unser Leben mit jesuanischem Gottvertrauen gestalten, ohne von ständiger Angst und Schuldgefühlen getrieben oder blockiert zu werden.

Weiterführende Erklärungen sind ebenso überflüssig wie absurd. Sie geben vor, den Plan Gottes zu kennen, und bescheiden sich doch nur mit unsinnigsten Milchmädchenrechnungen zu Schuld und Gnade. Sie bleiben aber jede Antwort schuldig, wieso Gott gerade zu diesem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte (von deren Tiefendimension Antike und Mittelalter noch wenig Ahnung hatten), auf eine so merkwürdige Weise und auch nur für einen Teil der Menschen tätig geworden sein sollte. Die Mär vom gottgewollten Opfertod Jesu widerspricht nicht nur jeder geschichtlichen Evidenz und Logik, sie verkennt auch seinen konsequenten Einsatz für seine Überzeugung und macht ihn stattdessen zum stumm leidenden Opfer einer grotesken göttlichen Gerechtigkeit mittels Todesstrafe und „bedankt“ sich schlussendlich für die so paradoxe „Erlösung“ durch den Juden Jesus mit ewigem Hass gegen das Judentum. Da passt einfach zu viel überhaupt nicht mehr zusammen.

Von der „Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Retter-Gottes“ (Tit 3,4), die Jesus aller Welt bezeugen wollte, war und ist in solchen Auskünften nichts mehr zu spüren. Schon dem Mittelalter konnte seine dürftige Erklärung des Kreuzes Jesu nicht wirklich genügen. Es bedurfte noch der unzähligen priesterlichen Messopfer, um die angeblichen Früchte daraus zu aktivieren (und Kirchenbesitz zu lukrieren). Aber auch sie waren eigentlich andauernde Misstrauenserklärungen an Gott, durften nicht zu viel von seiner Gnade zum Fließen bringen, um ihre kirchliche Vermittlung in Gang zu halten. Wie konnte das passieren?

Wir nähern uns dem heißen Kern des Problems. Jedes Forschen und Erkennen unterliegt dem „hermeneutischen Zirkel“, und das heißt: möchte in erster Linie bewusst oder unbewusst die eigenen Ahnungen und „Vor-Urteile“ bestätigt finden. Das gilt auch für die Glaubenserzählungen (auch die meine, aber ich weiß wenigstens darum, kann sie einigermaßen relativieren). Sie wurden im Mittelalter ausschließlich von Klerikern gestaltet, welche sich nur eine Zwei- oder Drei-Stände-Kirche vorstellen konnten, in welcher sie das große „Los“ gezogen und allein das Sagen hatten, und sich für ihre heilsnotwendige Funktion von den Gläubigen (möglichst dem Adel gleich) erhalten lassen durften. Und das alles galt als „göttliches Recht“ wonach nur Männer Jesus und Gott repräsentieren und in seiner Vertretung handeln können.

Die Gläubigen wurden nie gefragt, waren auch in die liturgischen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht eingebunden. Über den eigentlich wunden Punkt der mittelalterlichen Glaubenslehre, die sogenannte „Transsubstantiation“, die Wesensverwandlung des Brotes durch den Priester in den „Leib Christi“ (was immer dieser nach Tod und Auferstehung Jesu auch bedeuten soll), durften nicht einmal die Bischöfe am Konzil diskutieren. Der Papst stellte sie per Enzyklika ( vom 3. September 1965) außer Streit. Doch der Glaubenssinn des einfachen Volkes folgte ihm nicht mehr, denn Sprache und Inszenierung der Gottesdienste gingen trotz Volksaltar und Volkssprache bzw. gelegentlicher Kommunion „unter beiderlei Gestalten“ immer noch über die Köpfe und Herzen der Menschen hinweg.

Seither aber melden sich auch andere Stimmen zu Wort: Die Zahl der theologisch kompetenten Laien und insbesondere der Frauen wächst,...


Trummer, Peter
Peter Trummer, Dr. theol., geb. 1941, lehrte Neues Testament an der Universität Graz. Seine grenzüberschreitende Theologie möchte die Gestalt und Botschaft Jesu den Menschen von heute heilsam nahebringen.

Peter Trummer, Dr. theol., geb. 1941, lehrte Neues Testament an der Universität Graz. Seine grenzüberschreitende Theologie möchte die Gestalt und Botschaft Jesu den Menschen von heute heilsam nahebringen.



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