E-Book, Deutsch, Band 360, 256 Seiten
Reihe: Historical
Townend Verführt von einem dunklen Ritter
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-4831-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 360, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-4831-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenige Stunden noch, dann legt Lady Rowena das lang ersehnte Gelübde als Novizin ab - gegen den Willen ihrer Familie! Doch als sie einen letzten Ausritt außerhalb der Klostermauern unternimmt, wird sie von einem maskierten Ritter entführt. Verzweifelt versucht sie ihm zu entkommen, bis sie überrascht entdeckt, dass er Sir Eric de Montfort ist: ein ehrenhafter Mann, der im Dienste ihres Vaters stand. Doch ihre Erleichterung währt nur kurz. Schockiert erfährt sie, dass Eric gezwungen wurde, ihren Plan zu vereiteln - indem er sie verführt! Trotz allem ist seine Nähe so ungeahnt erregend, dass sie nicht widerstehen kann, als er sie küsst ...
Carol Townend schreibt packende Romances, die im mittelalterlichen England und Europa spielen. Sie hat Geschichte an der Universität London studiert und liebt Recherchereisen nach Frankreich, Griechenland, Italien und in die Türkei - historische Stätten inspirieren sie. Ihr größter Traum ist, den Grundriss einer mittelalterlichen Stadt zu entdecken, die einzelnen Orte abzuschreiten und sich ihre Heldinnen und Helden dort vorzustellen. Beim Schreiben hat sie einen lateinischen Leitspruch 'Omnia vincit amor', das bedeutet 'Liebe siegt über alles'.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Mai 1175. Schloss Jutigny, nahe der Stadt Provins in der Champagne
Es war eine Weile her, seit Eric de Montfort Schloss Jutigny das letzte Mal besucht hatte, und es fühlte sich seltsam an, wieder zurück zu sein. In seiner Kindheit war dieser Ort sein Zuhause gewesen. Eric überließ sein Pferd den erfahrenen Händen eines der Stallburschen, dann ging er mit seinem Knappen Alard über den Innenhof zu den Stufen, die in die große Halle führten.
Jutigny hatte sich nicht sehr verändert. Der Turm überragte noch immer alles andere, so wie er es immer getan hatte, und an dem hellen Farbton des neuen Holzes auf dem Weg, der zu der Ringmauer führte, ließ sich erkennen, dass Faramus de Sainte-Colombe seine Befestigungsanlagen in Ordnung hielt. Dann war da noch die vertraute Reihe der Außengebäude, die Kapelle, das Backhaus …
Der Verwalter Macaire, ein alter Freund, stand im Eingang zur Halle und sprach mit einem der Bediensteten. Seine Miene hellte sich auf, als er Eric sah. „Eric, Gott sei es gedankt, dass du hier bist! Comte Faramus wird ungeduldig, du kannst gleich hineingehen.“
„Zuerst brauche ich einen Krug Bier“, sagte Eric, trat zu einem Tisch an der Seite und nahm sich einen Becher. „Ich war den ganzen Morgen in Provins auf dem Markt, und ich bin ausgetrocknet. Comte Faramus hat nichts davon erwähnt, dass die Angelegenheit dringend sei. Was will er?“
Macaire verzog das Gesicht. „Es steht mir nicht zu, darüber zu sprechen, Junge, aber dein Bier wird warten müssen. Comte Faramus und Comtesse Barbara warten seit einer Stunde in ihren Privatgemächern auf dich, und wie du weißt, ist der Comte nicht gerade bekannt für seine Geduld.“ Macaire warf einen finsteren Blick auf einen Ritter, der es sich auf einer Bank neben der Treppe bequem gemacht hatte. „Außerdem – wenn du nicht gleich nach oben gehst, muss ich Breon hinaufschicken, so hat man es mir befohlen. Und das wäre blanker Hohn.“ Er schüttelte den Kopf. „Blanker Hohn.“
„Hohn?“ Eric musterte das Gesicht des Verwalters. Das war ohne Zweifel eine seltsame Wortwahl. Er goss sich Bier in einen Becher und trank rasch einen Schluck. Eric kannte Breon aus seiner Zeit in Jutigny, und er hatte ihn nie besonders gemocht. Nicht, dass er irgendetwas gegen den Mann hätte sagen können. Breon hatte eine einschüchternde Art und war ein Grobian, aber so waren viele Ritter. Allerdings konnte Eric sich nicht erinnern, dass Breon je zuvor Macaire Schwierigkeiten bereitet hatte. „Macaire, was zum Teufel ist hier los?“
„Es steht mir nicht zu, dir das zu sagen.“ Mit einer Kopfbewegung deutete Macaire zur Treppe. „In Gottes Namen, Eric, jetzt beeil dich und geh hinauf.“
„Du sagst, sie sind in der Kemenate? Beansprucht nicht Comtesse Barbara gewöhnlich die Kemenate für sich und ihre Damen?“ Eric wurde immer neugieriger. Auf Macaires Stirn erschienen Schweißperlen, und sein Verhalten – er wirkte geradezu angsterfüllt – war rätselhaft, wenn nicht sogar besorgniserregend. „Wo liegt das Problem?“
„Die Kemenate, Junge. Begib dich dorthin, und du wirst deine Antworten bekommen.“
In der Kemenate schritt Comte Faramus auf und ab und zupfte dabei an seinem Bart. Seine Stirn lag in tiefen Falten. Comtesse Barbara, seine Gemahlin, saß unter dem Fenster und umklammerte mit ihren langen, weißen Fingern eine Pergamentrolle.
Eric hatte liebevolle Erinnerungen an sie, die ihn immer freundlich behandelt hatte. Die gewöhnlich glatte Stirn hatte sie jetzt gerunzelt, und ihre Miene war sorgenvoll angespannt. Sie wirkte zutiefst bedrückt. Mitgefühl erfasste ihn. Hatten sie und Comte Faramus wieder einmal gestritten?
„Guten Morgen“, sagte Eric und verneigte sich.
Ungeduldig winkte Comte Faramus ab. „Wo zum Teufel seid Ihr gewesen? Ich warte schon den ganzen Morgen.“
„Ich war auf dem Markt in Provins, Monsieur.“
„Auf dem Markt?“ Die Miene des Comte hellte sich auf. „Ah ja, ich erinnere mich. Ihr habt nach einem Hengst gesucht, nicht wahr? Habt Ihr einen gefunden?“
„Noch nicht, mon Seigneur.“ Eric suchte nicht nur nach einem Hengst, sondern auch nach einer Zuchtstute. In Provins auf dem Markt hatte er erfahren, dass er in Bar-sur-Aube Erfolg haben könnte. Da es beinahe unmöglich war, Pferde mit einem guten Stammbaum zu finden, hatte Eric sich direkt vom Markt aus dorthin begeben wollen. Dann hatte er sich an die Nachricht des Comte erinnert. Er fühlte sich seinem früheren Herrn verbunden, daher hatte er es als seine Pflicht betrachtet, zuerst nach Jutigny zu reiten. Sobald dieses Treffen vorüber war, würde er nach Bar-sur-Aube aufbrechen.
„Ich entschuldige mich, wenn ich Euch warten ließ, Monsieur. Ich nehme an, Ihr habt eine Aufgabe für mich?“
Eric blickte die Comtesse an. Gewöhnlich war sie nicht anwesend, wenn ihr Gemahl mit den Rittern des Hauses seine Geschäfte besprach. Jetzt, da er darüber nachdachte, fiel es Eric auf, dass er während seiner Zeit in Jutigny seine Befehle stets in der großen Halle oder im Waffensaal erhalten hatte. Was war hier los?
Comte Faramus holte tief Luft, und Eric sah, wie die beiden einen Blick tauschten. „Eric, Monsieur Eric, ehe wir zum Kern der Sache kommen, möchte ich Euer Wort darauf haben, dass das, was zwischen diesen Wänden besprochen wird, vertraulich bleibt. Zumindest für den Moment.“
„Wie Ihr wünscht, Monsieur.“
„Eric, dies betrifft meine Tochter Rowena. Ihr erinnert Euch an Rowena?“
Jeder Muskel in Erics Körper verkrampfte sich. Es geht um Rowena?
Natürlich erinnerte sich Eric an Rowena – das einzige Kind des Comte Faramus und der Comtesse Barbara – wie sollte er sie vergessen? Rowena war ein schüchternes blondes Mädchen, einige Jahre jünger als er. Bevor sie den Wunsch geäußert hatte, Nonne zu werden, war Rowena die Erbin von Sainte-Colombe gewesen, und jeder Ritter in der Champagne hatte ihre Hand begehrt. Zuweilen hatte es ausgesehen, als stünde Jutigny unter Belagerung. Schließlich hatte sich Comte Faramus mit Gawain de Meaux geeinigt, aber es hatte einen Skandal gegeben, und die Heirat hatte nie stattgefunden. Details kannte Eric nicht. „Ich hörte, dass die Dame Rowena in ein Kloster nahe Provins eingetreten ist?“
„In die Abtei Sainte Marie.“ Comte Faramus’ Miene verfinsterte sich. „Ja, das stimmt.“
Der Comte hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er mit der Entscheidung seiner Tochter, den Schleier zu nehmen, nicht einverstanden war. Aber Rowena war die Patentochter des Königs, und wenn der König – der selbst ein religiöser Mann war – sich damit einverstanden erklärte, dass sie Nonne werden wollte, dann konnte der Vater wenig dagegen tun.
Die Haut in Erics Nacken prickelte, und er begann sich außerordentlich unbehaglich zu fühlen.
„Eric, ich bin mir wohl bewusst, dass ich nicht länger Euer Dienstherr bin und dass ich Euch keine Befehle geben kann, aber ich muss Euch um einen Gefallen bitten.“ Faramus ballte die Hände zu Fäusten. „Einen sehr großen Gefallen. Es ist eine Aufgabe, von der ich sicher bin, dass Ihr sie verabscheuen werdet.“
„Mon Seigneur?“
„Eric – ich möchte, dass Ihr meine Tochter aus diesem Kloster holt. Bringt sie in Ihr Haus in Monfort. Haltet sie dort fest, bis sie sich bereit erklärt, Euch zu heiraten.“
Eric sah auf. Er musste sich verhört haben. „Ich glaube, ich habe Euch nicht verstanden, mon Seigneur.“
Comte Faramus räusperte sich. „Ich möchte, dass Ihr Rowena ruiniert. Holt sie aus diesem Kloster und verführt sie. Geht mit ihr ins Bett. Macht es so, dass sie keine andere Wahl hat, als Euch zu heiraten …“
„Monsieur, das kann ich nicht tun!“ Kein Wunder, dass Comtesse Barbara so angespannt aussah.
„Warum nicht, zum Teufel?“
Eric trat näher. „Es wäre falsch, mon Seigneur. Eure Tochter hat einen Ruf erhalten, ich kann nicht zwischen sie und ihren Glauben treten.“
„Rowena glaubt, sie hätte einen Ruf erhalten“, erwiderte Comte Faramus knapp. „Das ist nicht dasselbe, ganz und gar nicht dasselbe.“
Energisch schüttelte Eric den Kopf. „Das werde ich nicht tun.“
Der Comte bewegte die Lippen, sprach aber nicht. „Habt Mitleid, Ihr müsst es tun. Bald ist das Fest der Heimsuchung Mariens.“
Eric schien verwirrt. „Monsieur, ich sehe den Zusammenhang nicht.“
Comtesse Barbara beugte sich vor. Das Pergament raschelte. „Eric, Rowena wird an jenem Tag ihr Gelübde ablegen.“
Comte Faramus räusperte sich. „De Montfort, Rowena steht im Begriff, Novizin zu werden. Ihr müsst sie aus dem Kloster schaffen, ehe das geschieht.“
Eric trat vor und verneigte sich. In seinem Magen hatte sich ein Knoten gebildet. „Monsieur, mir ist bewusst, dass ich Euch und Comtesse Barbara eine Menge schulde, aber ich fürchte, dies hier muss ich ablehnen.“
Die Miene des Comte verfinsterte sich. „De Montfort, offensichtlich vergesst Ihr, welches Glück Ihr hattet, vor unserem Toreingang zu landen.“ Er deutete auf seine Gemahlin. „Wer außer meiner Barbara hätte ein halb verhungertes Kind aufgenommen? Wer außer Macaire hätte Euch – einen völlig Ungebildeten – unter seine Fittiche genommen und Euch ausgebildet? Ich selbst habe Euch zum Ritter geschlagen. Und Ihr habt die Unverschämtheit,...




